Gefährliche Hochwasserereignisse am Zustrom des Gelben Flusses vor 3000 Jahren

Um die heutigen und zukünftigen Flutkatastrophen wissenschaftlich besser einordnen zu können, ist ein Blick in die Vergangenheit unabdingbar. Schauen wir uns heute die Flutgeschichte des größten Nebenflusses des Gelben Flusses in China an. Im Juni 2012 erschien hierzu eine Arbeit einer Forschergruppe um Chun Chang Huang im Fachjournal The Holocene, in dem die Wissenschaftler Sedimentablagerungen im Uferbereich des Wei-Flusses untersuchten. Anhand von in den Löss eingeschalteten Flutsedimenten fanden Huang und Kollegen eine Serie von schlimmen Flutkatastrophen die sich hier zwischen 2000 bis 1200 v. Chr. abspielten. Die Abflussrate während dieser Ereignisse betrug mindestens 25.000 Kubikmeter pro Sekunde wie Modellierungen zeigten. Dieser Wasserdurchstrom ist etwa viereinhalb bis fünfmal größer als während der schlimmsten seit 1934 aufgezeichneten Flut in der Region, als lediglich 5030 Kubikmeter Wasser pro Sekunde den Fluss durchströmten.

Die Datierung der Hochwasserphasen erfolgte mithilfe der optisch stimulierten Lumineszenz-Methode (OSL). Zudem fanden die Forscher im untersuchten Profil archäologische Reste aus dem Neolithikum und der Bronzezeit, was die zeitliche Einordnung der Flutereignisse weiter eingrenzte.

Die Flutkatastrophen vor 3000 Jahren sind nicht nur vom Wei-Fluss bekannt sondern auch vom Gelben Fluss selbst sowie weiterer seiner Zuflüsse. Außergewöhnlich starke Hochwasser sowie Dürren waren damals Teil des Monsun-Geschehens in dieser Region.

Bereits 2010 hatte eine Forschergruppe um Gou XiaoHua eine Rekonstruktion der Flutgeschichte des Gelben Flusses für die vergangenen 1200 Jahre im Chinese Science Bulletin publiziert. Die Wissenschaftler fanden in ihrer Studie, dass sich das aktuelle Flutgeschehen am Gelben Fluss noch vollständig im Bereich der natürlichen Variabilität befindet (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Flutgeschichte des Gelben Flusses für die letzten 1200 Jahre (aus Gou et al. 2010).


Abbildung oben rechts: Wikipedia / Lizenz: Public Domain

 

 

 

 

 

Neue begutachtete Studie in Nature Climate Change: Klimawandel lässt Hochwasser in Europa wohl in Zukunft seltener werden

Die aktuellen Hochwasserereignisse in Mitteleuropa zeigen erneut, wie verletzlich der Mensch trotz aller Technik gegenüber den Naturgewalten ist. Natürlich stellt sich die Frage, aus welchem Grund diese Flutkatastrophe überhaupt zugeschlagen hat. Früher wäre die Antwort mit hoher Wahrscheinlichkeit gewesen, dass Gott die sündigenden Bewohner mit seiner Tat strafen wollte. Heute im Zeitalter abnehmender christlicher Religiosität scheint immer mehr die Klimareligion diese Lücke zu schließen. Relativ schnell gab es Kommentatoren, die die Flut als Rache der menschengemachten Klimakatastrophe ansahen, ohne sich die Mühe zu machen, die lästigen wissenschaftlichen Fakten gründlich zu sichten.

Da ist es erfrischend zu sehen, dass sich ein japanisches Forscherteam hier professionelle Gedanken macht, inwieweit sich die Überschwemmungen in einer sich erwärmenden Welt in den verschiedenen Regionen der Erde weiter entwickeln würden. Am 9. Juni 2013 veröffentlichte nun die Gruppe im Fachmagazin “Nature Climate Change” die Ergebnisse ihrer Untersuchungen, mit dem Titel “Globales Hochwasserrisiko in Zeiten des Klimawandels”. Die Welt berichtete am gleichen Tag über die Studie:

In vielen Teilen Nord- und Osteuropas könnte es nach einer Studie durch den Klimawandel künftig seltener zu Hochwassern kommen. Dies sagen Forscher um Yukiko Hirabayashi von der Universität von Tokio voraus. Deutlich häufiger könne es dagegen in Südostasien, Indien, Ostafrika und den nördlichen Anden in Südamerika Überschwemmungen geben, schreiben sie im Fachblatt “Nature Climate Change”. [...] Die Wissenschaftler aus Japan legten ihrer Studie elf globale Klimamodelle zugrunde. Nach Ansicht der Autoren könnte es auch in der Türkei, in Zentralasien, der Mitte Nordamerikas und im südlichen Teil von Südamerika künftig seltener Hochwasser geben.

Falls sich die Modelle der achtköpfigen japanischen Forschergruppe bewahrheiten sollten, wären dies gute Nachrichten für die gerade heftig von den Fluten in Mitleidenschaft gezogenen Gebiete in Süd- und Ostdeutschland. Rätselhaft ist jedoch, dass sowohl die Welt als auch die Süddeutsche Zeitung, die Zeit und das Deutschlandradio in Ihrer Berichterstattung zum neuen, begutachteten Fachartikel sogleich ausgiebig den Potsdamer Stefan Rahmstorf zu Wort kommen lassen, der die Ergebnisse sogleich in Frage stellt. Getreu dem Motto, was nicht sein darf, kann auch nicht sein. Frage zur Plausibilität: Haben die hochkarätigen Autoren, Fachgutachter sowie Editoren der renommierten Fachzeitschrift Nature Climate Change etwa alle samt und sonders versagt? Es fällt zudem auf, dass Fragen zur Hochwasserentwicklung gemäß Rahmstorfs Publikationsliste nicht unbedingt sein Kerngebiet darstellen  – und trotzdem zitieren die Zeitungen fleißig Rahmstorfs aus der Hüfte geschossene Kritik, als wäre es ein offizielles Gegengutachten. Andersherum gefragt: Warum kommen in der medialen Berichterstattung zu Rahmstorfs eigenen, vielfältigen neuen Klimakatastrophentheorien so selten Kritiker zu Wort? Offensichtlich ist der Potsdamer bestens in der Medienwelt vernetzt, was im Sinne der Objektivität nachdenklich stimmen sollte…

 

Munich Re möchte mehr Kunden abseits der Flüsse gegen Überschwemmungsschäden versichern

Im Handelsblatt vom 3. Juni 2013 hat die Munich Re wieder einen schönen Werbeartikel mit dem Titel „Die Zahl der Unwetter wird steigen“ in den redaktionellen Teil eingeschmuggelt. Dort lesen wir:

Die aktuelle Flut kommt für Versicherungsprofis nicht überraschend. Ernst Rauch von Munich Re erklärt, warum es bald mehr Unwetter geben wird, wie sich Versicherte schützen und warum Hochwasserschäden so teuer sind.

Aha. Die Munich Re hatte so etwas bereits geahnt. In der Tat kam die Flut nicht ganz unerwartet. Immer wieder treten in Deutschland solche schlimmen Überschwemmungen auf. Und dies ist kein neues Phänomen. Immer wieder haben derartige Flutkatastrophen in Deutschland und den Nachbarländern große Schäden angerichtet. Schauen Sie sich mal diese historischen Hochwassermarken bei Düsseldorf an (Teil der Fotosammlung von historischen Hochwassermarken mitteleuropäischer Flüsse von Heinz Thieme):

 

Es stellt sich also die Frage, ob es einen langfristigen Trend zu mehr Überschwemmungen in Deutschland gibt.

HANDELSBLATT: War die Flut etwa vorhersehbar?
MUNICH RE: Solche Naturkatastrophen lassen sich nicht konkret vorhersagen. Die Zahl und Schadenhöhe von Überschwemmungsereignissen wächst aber seit Jahrzehnten tendenziell an. Seit den 80èr-Jahren stieg die Anzahl in Deutschland wie weltweit bis heute etwa um den Faktor zwei bis drei.

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte nahmen die Überschwemmungen in Deutschland laut Munich Re immer weiter zu. Interessant. Das sieht der Deutsche Wetterdienst jedoch irgendwie ganz anders:

„Bei extremen Wetterereignissen sind in Deutschland hingegen bisher keine signifikanten Trends zu beobachten gewesen. Auch solche Ereignisse wie die Hochwassersituation 2002 gehören zum normalen Repertoire unseres Klimas.”

Wagen wir einmal den Blick über den Tellerrand. Wie haben sich die Extremniederschläge in den letzten Jahrzehnten weltweit eigentlich entwickelt? In den Geophysical Research Letters erschien im Oktober 2012 eine Untersuchung zur globalen Niederschlagsentwicklung. Ein australisches Team von der National University in Canberra um Fubao Sun fand dabei heraus, dass die Niederschläge in den letzten 70 Jahren trotz globaler Erwärmung weniger extrem geworden sind, und dies sowohl in zeitlicher wie auch räumlicher Hinsicht. Trockene Gebiete wurden feuchter, und feuchte Gebiete wurden trockener. Eine Temperaturabhängigkeit der Niederschlagsvariabilität war nicht festzustellen. Die Forscher vermuten, dass Aerosole eine viel wichtigere Rolle spielen.

Man könnte fast den Eindruck gewinnen, die Munich Re könnte mit der Warnung vor mehr Überschwemmungen einfach weitere Kunden akquirieren wollen. Aber dann müssten die mit der MunichRe verbundenen Versicherungskonzerne ja eigentlich auch mehr Schäden begleichen. Ist dies eigentlich ein gutes Geschäft? Um derlei Nachteil von der Versicherung abzuwenden, gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens versichert man nur Kunden außerhalb der extrem gefährdeten Gebiete und zweitens hebt man einfach die Versicherungsprämien an. An beides hat die Munich Re gedacht:

HANDELSBLATT: [2002] waren die Schäden immens.
MUNICH RE: Das stimmt. In Europa betrug die Schadensumme der so genannten Elbe-Flut im Jahre 2002 insgesamt 16,8 Milliarden Euro. Davon waren nur 3,5 Milliarden Euro versichert.

Das liegt wohl auch daran, dass sich Immobilienbesitzer in gefährdeten Gebieten kaum gegen Elementarschäden versichern können.
Das kann ich nicht bestätigen. Mehr als 90 Prozent der Privathaushalte in Deutschland können sich problemlos gegen Elementarschäden versichern. Für höher gefährdete Gebäude sind Versicherungsdeckungen nach Einzelfallprüfung in der Regel ebenfalls möglich. Knapp 1,5 Prozent leben in stark hochwassergefährdeten Gebieten. Dort sind zwischen Versicherungsnehmer und Versicherer Maßnahmen zu vereinbaren, die eine privatwirtschaftliche Deckung möglich machen.

Wenn das ein Hausbesitzer liest, dessen Objekt direkt in der Nähe von Mosel, Rhein oder Donau liegt, dürfte er schmunzeln. Die Beiträge dort sind für Normalverdiener unbezahlbar.
Diese Menschen sollten prüfen, ob sie nur den Katastrophenfall absichern können. Dann gilt der Schutz nur für außergewöhnliche Ereignisse, die nur bei jedem zehnten oder zwanzigsten Hochwasser vorkommen. Sie können einen hohen Selbstbehalt von mehreren zehntausend Euro vereinbaren und vorbeugende Maßnahmen treffen, etwa wasserdichte Fenster einbauen oder den Keller fliesen. (weiterlesen …)

Die Süddeutsche Zeitung will mehr Sturm, doch die Natur weigert sich standhaft

Ich will den Sturm!

Ich will den Sturm, der mit den Riesenfäusten
Vom Boden der Alltäglichkeit mich reißt
Und mich hinauf in jene Höhen schleudert,
Wo erst das Leben wahrhaft Leben heißt!

Ich will den Sturm, der mit gewaltgem Athem
Zur lichten Gluth die stillen Funken schürt
Und, alle Kräfte dieser Brust entfesselnd,
Zum Siege oder zur Vernichtung führt!

Laß mich nicht sterben, Gott, eh meine Seele
Ein einzig Mal in Siegeslust gebebt -
Ich kann nicht ruhig in der Erde schlafen,
Eh ich nicht einmal, einmal ganz gelebt!

Anna Ritter Aus der Sammlung Vom Sturm

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Den Sturm will offensichtlich wieder einmal auch die Süddeutsche Zeitung (SZ), die am 22. Mai 2013 ihren Lesern mit dem Artikel “Vorbereiten auf die Stürme der Zukunft” kräftig Angst einjagte. Die SZ schrieb:

Klimaforscher rechnen mit immer mehr und immer heftigeren Stürmen und Hochwassern. Deutsche und südafrikanische Wissenschaftler entwickeln Computermodelle, mit deren Hilfe die Infrastruktur der gefährlichen Zukunft auf den Prüfstand gestellt werden soll. Es war eine Spur der Verwüstung, die der Hurrikan Katrina im August 2005 in New Orleans hinterlassen hatte: 80 Prozent der Stadt standen danach unter Wasser. Drei Jahre zuvor hatte das Elbhochwasser in Deutschland Schäden von etwa 15 Milliarden Euro angerichtet. Beide Fälle belegen eindringlich, welche Folgen Extremwetter bereits jetzt in den Industriestaaten haben können. Wenn in Zukunft heftige Unwetter und Stürme sowie großflächige Überschwemmungen aufgrund des Klimawandels häufiger, intensiver und andauernder sein werden – und davon gehen die Meteorologen aus – dann werden nicht nur die Entwicklungsländer darunter leiden, sondern viele Regionen der Welt. Dass sich diese Entwicklung noch aufhalten lässt, glaubt wohl niemand mehr ernsthaft. Eine Forderung vieler Wissenschaftler ist deshalb, sich besser auf die bevorstehenden Extremwetter vorzubereiten. 

Ist das wirklich so? Rechnen “die Klimaforscher” wirklich mit immer mehr Stürmen in der Zukunft? Ist Hurrikan Katrina der Beleg für eine solche Entwicklung? Ein Blick in die wissenschaftlichen Publikationen der letzten Jahre bringt Aufklärung – und eine handfeste Überraschung: Das ganze Gegenteil ist nämlich der Fall. Die Anzahl der Hurrikane soll in den kommenden Jahren und Jahrzehnten sogar abnehmen (siehe unseren Blogartikel “Neue Klimamodellierung findet langfristige Abnahme der Hurrikan-Häufigkeit“).

Und wie sieht es in unseren Breiten aus? Auch hier ein unerwartetes Resultat: Während den Kältephasen war es in Europa viel stürmischer als während der Wärmephasen (siehe unseren Blogartikel “Eine unbequeme Wahrheit: Während der Kleinen Eiszeit waren die Stürme in Europa stärker als heute“). Und auch die Tornados wollen nicht so wie die SZ es gerne hätte. Hier scheint es keinen Zusammenhang mit der Temperatur zu geben.

Waren der SZ-Redaktion diese Fakten wirklich unbekannt? Es ist leider nicht das erste Mal, dass die SZ beim Faktencheck durchfällt (siehe z.B. unseren Blogbeitrag “Schlimmer als befürchtet: Die Süddeutsche Zeitung verliert den klimawissenschaftlichen Boden unter den Füßen“). Ist es eigentlich nur ein blöder Zufall, dass ein Teil der Onlinewerbung auf der entsprechenden Artikelseite von Versicherungskonzernen stammt?

 

Arabischer Frühling als Folge des Klimawandels? US-Denkfabrik mit schwerem Recherchedefizit

Für Anhänger der Klimakatastrophe sind schwere Zeiten angebrochen. Die Temperaturen sind entgegen den Prognosen seit mehr als anderthalb Jahrzehnten nicht mehr angestiegen, und es mehren sich die Zeichen, dass die CO2-Klimasensitivität, also die klimatische Wirkung des CO2, maßlos überschätzt wurde. Daher erscheint es fast wie eine kindische Trotzreaktion, wenn die Apokalyptiker der Vergangenheit jetzt öffentlich erklären, es würde alles noch viel schlimmer kommen als bisher gedacht. Vor kurzem berichteten wir von Lord Stern, der sich in diese Richtung vergaloppiert hatte. Nun fiel auch der Erfinder der sogenannten Hockey Stick Kurve unangenehm auf. Michael Mann soll offenbar getwittert haben, dass das CO2 für mehr als 100 Prozent der beobachteten Erwärmung verantwortlich sei. Und damit meint er wohl nicht nur die letzten 15 Jahre, sondern vermutlich die letzten 100-150 Jahre. Es ist unbekannt, ob Michael Mann auch noch an den Osterhasen oder Weihnachtsmann glaubt.

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Eine viel diskutierte Frage ist, was eigentlich hinter der Klima-Panikmache steckt. Ist es die Lust an der Katastrophe? Sind es handfeste wirtschaftliche Interessen hinsichtlich von Forschungsgeldern, Versicherungsprämien und Vortragshonoraren, oder ist es der mediale Geltungsdrang einiger prominenter Akteure? Wenn man die folgende Meldung aus dem Focus von Mitte Februar 2013 anschaut, könnte man fast denken, dass es einigen Mitmenschen vor allem um gruselige, klimakatastrophale Unterhaltung geht:

Der britische Entwickler Auroch Digital hat ein Online-Projekt entwickelt, das aktuelle News zum Thema in Computerspielen macht. Das Projekt heißt „Game The News“ („Spiele die Nachrichten“). In den vergangenen Monaten entstanden daraus Online- und Smartphone-Spiele, die auf globalen Ereignissen basieren. Beispiele sind Computerspiele über Kinderarbeit in Usbekistan, Klimawandel und den Konflikt in Syrien. Das neueste Spiel „Climate Defense“ zum Klimawandel gibt es zum Beispiel als Online-Game über die Webseite und als Android-Spiel.

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Eine neue US-Studie behauptet jetzt, der anthropogene Klimawandel hätte Mitschuld am Arabischen Frühling. Der Spiegel berichtete Anfang März 2013:

Die globale Erderwärmung sorgt auch in der Politik für Stürme: Dürren, Missernten und hohe Lebensmittelpreise können ein Anlass für Revolten sein. Ein Team internationaler Forscher behauptet nun: Der Mangel an Weizen hat den Arabischen Frühling mit ausgelöst. [...] So sorgte eine chinesische Jahrhundertdürre im Winter 2010/2011 zu weltweiter Weizenknappheit – und explodierenden Brotpreisen in Ägypten, wo Husni Mubarak seit fast 30 Jahren lang weitgehend unangefochten herrschte.

Eine steile These. Ist sie wissenschaftlich haltbar? Erste Zweifel kommen auf, wenn man neue Forschungsergebnisse berücksichtigt, dass Dürren in den letzten 60 Jahren gar nicht häufiger geworden sind (siehe unseren Blogartikel “Entspannung an der Extremwetterfront: Dürren sind in den letzten 60 Jahren nicht häufiger geworden“). Sind schwere Dürren wirklich ein komplett neues Phänomen in China, das auf jeden Fall mit dem menschengemachten Klimawandel zusammenhängen muss? Die seriöse Wissenschaft hat eine klare Antwort auf diese Frage: Dürren und feuchte Phasen haben sich in China stets im Takte natürlicher Zyklen abgewechselt. In vielen Fällen wurden diese Niederschlagszyklen von der Sonnenaktivität gesteuert, wie Studien zeigen konnten (siehe unseren Blogartikel “Über Feuchtigkeit und Trockenheit in Südchina entschied während der letzten 7000 Jahre unsere liebe Sonne: Millenniumszyklen im ostasiatischen Monsun” und “Neue Studie vom Tibet Plateau: Immer wenn die Sonne schwach wurde, blieb der Regen aus ”). Damit wird dann auch die schön-spekatuläre klimakatastrophale These zum Arabischen Frühling unhaltbar und kann als klimaaktivistischer Stunt zu den Akten gelegt werden.

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Ulli Kulke berichtete Anfang März 2013 in der Welt über einen bizarren Streit über den Eisbär. Offenbar will man den Eisbär nicht vor dem Abschuss durch Jäger schützen, um ihn auch in Zukunft in abnehmender Zahl noch als Opfer des Klimawandels präsentieren zu können. Kulke schreibt:

Abschuss erlaubt
Auf der Artenschutzkonferenz in Bangkok ist der lange erwartete Schutz der Eisbären vor kommerziellen Jägern gescheitert.

Gut, dass der Eisbär ein dickes Fell hat. Der bizarre Streit um ihn und seine Zukunft, der am Donnerstag bei der internationalen Artenschutzkonferenz (Cites) in der thailändischen Hauptstadt Bangkok ausgetragen wurde, hätte ihm ansonsten an die Nieren gehen können. Der Abschuss von Eisbären sowie der Handel mit seinem Fell oder anderer Trophäen seines Körpers sollten weltweit umfassend verboten werden. So lautete der Antrag der USA bei der Cites-Konferenz, der auch von Russland und anderen Ländern, darunter zahlreichen afrikanischen, unterstützt wurde. Auch fast alle EU-Staaten konnten sich für den amerikanischen Vorstoß erwärmen. Doch weil Einspruch kam aus Dänemark, das enge Beziehungen zu Grönland unterhält, wo die Inuit im Rahmen von Sondererlaubnissen der Eisbärjagd nachgehen, durften die Staaten der Gemeinschaft nicht zustimmen. Der Antrag der USA wurde mit 42 zu 38 Stimmen abgelehnt, bei 46 Enthaltungen, darunter die 27 EU-Staaten. Für die Annahme des Antrags wäre eine Zweidrittelmehrheit nötig gewesen.

Weiterlesen auf welt.de.

 

Extrem dürftiger australischer Extremwetterartikel in der Wochenzeitung ‘Die Zeit’ gibt Rätsel auf

Die Wochenzeitung ‘Die Zeit’ hat bekanntlich ein besonderes Steckenpferd, nämlich ihre Leserschaft mit ausgefallenen Klimakatastrophenstories zu gruseln. Am 21. März 2013 durfte sich Zeit-Autor Jörg Schmilewski ausführlich über das Extremwetter in Down-Under auslassen. Schmilewski übertitelt sein Stück mutig:

Australien steckt im Klimawandel-Dilemma. Hochwasser, Starkregen, Dürre – in Australien häufen sich Wetterextreme. Während Klimaskeptiker wegschauen, passen sich erste Großstädte an.

Die These ist klar: Der menschengemachte Klimawandel hat laut Schmilewski in Australien bereits zu einer Zunahme des Extremwetters geführt, und dies würde sich auch in Zukunft weiter steigern. Im Rahmen unseres kostenfreien Service zur wissenschaftlichen Qualitätssicherung wollen wir diese Annahme im Folgenden unter Zuhilfeahme der neueren Fachliteratur näher überprüfen. Versuchen die ”Klimaspektiker” hier wirklich einen bedenklichen, anthropogenen Klimatrend wider besseren Wissens zu ignorieren? Wie zuverlässig sind die Hinweise für eine angebliche, menschengemachte Klima-Extremisierung, die Schmilewski im australischen Wettergeschehen ausgemacht haben will? Schauen wir es uns näher an. Die Zeit schreibt:

Weil sich die australische Ostküste in Zukunft häufiger auf Überschwemmungen einstellen muss, wie Klimaforscher warnen, kommt der Baustil [pfahlbauten-ähnlicher Holzhäuser] aus viktorianischen Zeiten nun wieder in Mode.

Woran könnten die zunehmenden Überschwemmungsprobleme liegen? Ist es allein die Zunahme von Starkregen, oder gibt es andere Gründe? Zeitautor Jörg Schmilewski ist an diesem Punkt unerwartet offen:

Aus dem Stegreif zählt Choy ein halbes Dutzend Hochwasserflächen Brisbanes auf, die für eine Besiedlung völlig ungeeignet seien. “Ganze Stadtteile sind auf trockengelegten Sümpfen errichtet worden. Bäche, die bei Hochwasser zu reißenden Strömen anschwellen, wurden schlicht überbaut.” Solche Ausuferungsräume sollten seiner Ansicht nach künftig wieder von der Landwirtschaft genutzt und nicht bebaut werden.

Unabhängig von der verstärkten Besiedelung von überflutungsgefährdeten Stadtgebieten, sind die Starkregenmengen in den letzten Jahren in der Tat angestiegen. Schmilewski ist sich ziemlich sicher, wer dafür wohl verantwortlich ist und schreibt:

Laut einer Studie des Klimarats der australischen Regierung ist auch in Zukunft mit häufigen Unwettern zu rechnen. Ein halbes Dutzend schwerer Überschwemmungen seit 2007 weist eine Wetterstatistik aus – das ist die gleiche Anzahl wie zuvor in 55 Jahren, zwischen 1952 und 2007.

Jörg Schmilewski versucht uns hier ernsthaft zu erklären, dass die Häufung von Überschwemmungen in Teilen Australiens eine Folge des menschengemachten Klimawandels wäre. Früher waren die Flüsse Australiens noch friedlich, und erst der Mensch mit seinem CO2 hätte sie jetzt verstärkt über die Ufer treten lassen. Schreiten wir zur Prüfung. Was sagt die unabhängige Wissenschaft zu dieser These des Zeit-Redakteurs? Die Forschung hat sich die australische Überschwemmungsserie der letzten Jahre genau angeschaut und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die Zunahme der Überschwemmungen kam nicht überraschend und ist Teil der natürlichen Klimadynamik im pazifischen Raum. Zwei Forscher der australischen Forschungsagentur CSIRO hatten sich die Mühe gemacht, die Flutkatastrophen von 2010-2012  mit wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. Wenju Cai und Peter van Rensch veröffentlichten ihre Ergebnisse im April 2012 in den angesehenen Geophysical Research Letters. Die Hauptfrage, denen die beiden Wissenschaftler nachgingen war, welche klimatischen Rahmenbedingungen zur Zeit der Fluten herrschten, in welcher Weise sich diese in den letzten 100 Jahren entwickelt haben und ob hieraus bestimmte zeitliche Muster zu erkennen sind, in denen sich starke Regenfälle und Überflutungen häuften. Die Forscher analysierten für ihre Studie unter anderem die historischen Niederschlagsdaten des Australischen Büros für Meterologie seit 1900.

Cai und van Rensch fiel zunächst auf, dass Anfang 2011 eine außergewöhnlich ausgeprägte La Nina-Situation herrschte. Luft- und Meeresströmungen im tropischen Pazifik ändern sich dabei in charakteristischer Weise, verbunden mit einer leichten Abkühlung. Der hieran gekoppelte Southern Oscillation Index (SOI) erreichte entsprechend seinen höchsten Wert der gesamten Messgeschichte seit 1876. Es war bereits aus der Vergangenheit bekannt, dass zu Zeiten von La Nina („das Mädchen“) Ost-Australien unter starken Regenfällen und Überflutungen zu leiden hatte. Und genau dies ist erneut eingetreten. Während der La Nina Ereignisse verstärkt sich die regenbringende Südpazifische Konvergenzzone und verschiebt sich zudem westwärts in Richtung Australien. Trotzdem fielen die Regenfälle diesmal besonders üppig aus und führten sogar zu einer „Jahrhundert-Flut“. Was hat den Regen diesmal verstärkt? Etwa der menschengemachte Klimawandel? Die Autoren der Studie haben einen anderen interessanten Zusammenhang entdeckt.

Das Klimageschehen im Pazifik ist maßgeblich durch einen etwa 60-jährigen Ozeanzyklus, die Pazifisch Dekadische Oszillation (PDO) sowie verwandte Meereszyklen geprägt. Der Verlauf der PDO im letzten Jahrhundert ist bekannt, ebenso existieren geologische Rekonstruktionen der PDO für noch weiter zurückliegende Zeiten. Cai und van Rensch verglichen nun die historischen Regendaten mit dem Verlauf der PDO und enteckten einen interessanten Zusammenhang: Immer wenn die PDO einen bestimmten Wert unterschritt, also negativ wurde, und gleichzeitig ein La Nina herrschte, kam es in der Geschichte zu besonders starken Regenfällen und Überschwemmungen (Abbildung 1). Im letzten Jahrhundert ist dies ab 1900 und ab 1950 der Fall gewesen. Und genau dieser Punkt scheint in der PDO-Entwicklung jetzt wieder erreicht zu sein. Die PDO geht momentan aus einer positiven in eine negative Phase über und überschreitet in diesen Jahren gerade die Null-Linie (Abbildung 1). Die Konvektion über dem äquatorialen West-Pazifik wird nun wieder stärker und rückt näher an West Australien heran. Die Forscher gehen aufgrund der gefundenen Zusammenhänge davon aus, dass auch in der kommenden Dekade weiterhin mit starken Überschwemmungen während La Nina-Jahren gerechnet werden muss. (weiterlesen …)

Nachrichtenpanne bei der Deutschen Welle: Fragwürdiger Klimawandelbeitrag fällt beim Faktencheck durch

Eine der wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten zwei Jahrzehnts ist, dass fast sämtliches Übel auf dieser Erde direkt oder indirekt durch die menschengemachte Klimakatastrophe verursacht wurde. Wenn im Sommer mal so richtig heiß die Sonne scheint – es muss wohl die Klimakatastrophe sein. Wenn im Märzen der Bauer die Rösslein nicht anspannen kann, weil draußen alles voller Schnee liegt – war es auf jeden Fall die Klimakatastrophe, die durch mehr Verdunstung das zusätzliche Wasser erst in die Atmosphäre gebracht hat. Eine Dürre in Afrika, Erdrutsch in den Alpen und Landflucht in Südamerika, immer ist der Klimawandel schuld.

Ausgestattet mit diesem Rüstzeug wollte kürzlich die Lateinamerika-Expertin der Deutschen Welle, Mirjam Gehrke, mal wieder so richtig punkten und kombinierte eine abenteuerliche Wirkungskette, an deren Gültigkeit für sie kein Zweifel bestand. Als Hauptschuldiger hatte Gehrke den Klimawandel bestimmt, und dagegen ist ja schon aus Prinzip nichts einzuwenden. Am 11. März 2013 erblickte das Werk der studierten Politikwissenschaftlerin und Journalistin auf der Deutschen Welle das Licht der Welt. Sie betitelte ihren Beitrag mit “Klimawandel vernichtet Wissen und Kultur”. Das hört sich ja ziemlich aufregend an. Dieser Klimawandel macht ja auch vor gar nichts halt. Jetzt macht er uns auch noch dumm. Zunächst will uns Gehrke mit den vermeintlichen Fakten schockieren und damit den Ernst der Lage unterstreichen. Sie schreibt:

Dürren und Überschwemmungen, Hitzewellen und Wirbelstürme – extreme Wetterereignisse haben in den vergangenen Jahrzehnten an Häufigkeit und Intensität zugenommen.

Oh nein. Da ist Mirjam Gehrke jetzt aber leider gleich zu Beginn ein grober Schnitzer passiert. Hat sie denn gar keine Kollegen, Freunde oder Bekannten aus dem naturwissenschaftlichen Bereich, die sie hier hätten beraten können? Wie kann man so viele Fehler in einen einzigen Satz einbauen und diesen dann auch noch ungeprüft und fehlerhaft in die große weite Welt hinausfunken? Also jetzt mal ganz langsam, Schritt für Schritt. Frau Gehrke. Die Dürren sind in den letzten Jahrzehnten nämlich gar nicht häufiger geworden. Das ist jetzt ganz schön peinlich. Schauen Sie mal hier:

Entspannung an der Extremwetterfront: Dürren sind in den letzten 60 Jahren nicht häufiger geworden
Neue Studie in Nature: Ostafrikanischer Dürretrend Teil eines natürlichen Zyklus
Deutschlandfunk mit Recherchedefizit: Zweitgrößter See Malawis trocknete schon immer zyklisch aus

Naja, kann ja jedem mal passieren. Insbesondere wenn man gar keine Naturwissenschaftlerin ist. Schauen wir mal weiter, was sagten Sie doch gleich zu den Überschwemmungen? Ach, die sollen häufiger geworden sein? Hmm, nee. Das stimmt leider auch nicht. Sie haben aber auch wirklich Pech mit Ihren Behauptungen heute. Lesen Sie mal hier:

Extremregen war in den Französischen Alpen während der Kleinen Eiszeit häufiger als heute
Überraschung: Globale Niederschläge sind in den letzten 70 Jahren weniger extrem geworden
Flüsse im Alpenvorland halten sich nicht an die IPCC-Vorgaben: Mehr Überflutungen in Kälteperioden als in Wärmeperioden

Weiter gehts. Sie sprechen im Folgenden die Hitzewellen an, die heute schlimmer als je zuvor sein sollen. Das ist wirklich ärgerlich. Sie ahnen es sicher schon. Auch hier liegen Sie leider daneben. Gucken Sie mal hier:

US-Hitzewelle 2012 unterliegt im Temperaturwettstreit gegen die Dust Bowl der 1930er Jahre
Überraschung in Westeuropa: Hitzesommer aus dem Jahr 1540 deutlich wärmer als vermeintlicher Rekordinhaber 2003

Und dann erwähnen Sie noch die Wirbelstürme, die in letzter Zeit immer häufiger geworden sein sollen. Och mensch. Erst fehlte das Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Lesen Sie denn gar keine Zeitung? Wirbelstürme sind doch gar nicht häufiger geworden. Hier hätten Sie es für Ihren Beitrag recherchieren können:

Hurrikanen scheint die Erwärmung egal zu sein: Keine Zunahme der tropischen Wirbelstürme in den letzten Jahrzehnten
Neue Klimamodellierung findet langfristige Abnahme der Hurrikan-Häufigkeit

Das kann doch nicht angehen. Alles falsch im ersten Satz. Und weil dies die Grundlage für Ihren ganzen Artikel ist, fällt auch die Idee mit dem Wissen und der Kultur glatt durch. Weil es so schön dramatisch klingt, wollen wir unseren Lesern zwei ausgewählte Passagen aus Ihrem Beitrag aber dennoch nicht vorenthalten: (weiterlesen …)

Natürliche Variabilität: Wirbelstürme an der mexikanischen Pazifikküste pusteten im Takt des solaren Schwabe-Zyklus

So wandelt sich das Bild vom Klimawandel: Noch vor einigen Jahren nahmen der Weltklimarat und sein größter Fan Al Gore an, dass es in Zukunft immer mehr tropische Wirbelstürme geben würde.

Heute sieht man die Situation hingegen sehr viel nüchterner: Weder hat sich die Anzahl der Wirbelstürme in den letzten 100 Jahren gesteigert (siehe z.B. unseren Blogbeitrag “Hurrikanen scheint die Erwärmung egal zu sein: Keine Zunahme der tropischen Wirbelstürme in den letzten Jahrzehnten“), noch wird von seriösen Wissenschaftlern eine Steigerung für die Zukunft prognostizert (siehe “Neue Klimamodellierung findet langfristige Abnahme der Hurrikan-Häufigkeit“). Man hat mittlerweile erkannt, dass wie viele andere Klimaparameter auch, Wirbelstürme einer natürlichen Schwankung unterliegen. Dieses natürliche Grundmuster wird jedoch erst so richtig sichtbar, wenn man die Daten von mehreren hundert Jahren betrachtet.

Marni Pazos und Blanca Mendoza von der Universidad Nacional Autónoma de México haben nun eine solche langfristige Wirbelsturmstatistik für die mexikanische Pazifikküste zusammengestellt, die bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht. Die beiden Forscher veröffentlichten Ihre Ergebnisse kürzlich im Journal of Climate. In ihrer Studie fanden Pazos und Mendoza unter anderem, dass die Wirbelsturmtätigkeit einer gewissen Regelmäßigkeit unterlag. Anhand einer Frequenzanalyse konnte eine Reihe von Zyklen identifiziert werden. Insbesondere konnte ein stabiler 12-Jahreszyklus ausgemacht werden, der unter Berücksichtigung der Schwankungsbreite dem Schwabe-Sonnenzyklus entspricht. Offensichtlich wird das Wirbelsturmgeschehen an der Pazifikküste Mexikos merklich durch die Sonnenaktivität mitgeprägt, ein faszinierendes Ergebnis. Ein weiterer Zyklus umfasst 105 Jahre, der sich damit am oberen Rand des solaren Gleissbergzyklus befindet. Neben der solaren Beeinflussung spielen sicher auch Ozeanzyklen und El Nino hier eine Rolle.

 

Chinesischer Meteorologischer Dienst: Extremwetter in China noch immer im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite

Alles was extrem ist, ist interessant. Und in die Zeitung kommt normalerweise nur, was interessant ist. Aus diesem Grund konnte man in deutschen Zeitungen leider auch nichts über eine neue Studie des Chinesischen Meteorologischen Dienstes lesen, die von Guoyu Ren geleitet wurde und im September 2012 in der Fachzeitschrift Advances in Atmospheric Sciences erschienen ist. Tenor der Arbeit ist: Ja, das Klima in China hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt, aber alle Parameter befinden sich noch voll und ganz im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite, wie historische Klimadatenreihen eindrucksvoll belegen.

So wie in fast allen Teilen der Erde ist es auch in China in den letzten 150 Jahren um knapp ein Grad wärmer geworden. Allerdings geht nach Ansicht der chinesischen Autoren mehr als ein Viertel der Erwärmung im Lande auf den Städtischen Wärmeinseleffekt zurück. Und ja, die Temperaturen der letzten paar Jahrzehnte waren höher als irgendwann zuvor während der letzten 500 Jahren. Aber: Damals herrschte die Kleine Eiszeit, also hätte alles andere auch arg überrascht (siehe unseren kürzlichen Blogbeitrag “Neue chinesische Temperaturkurve der letzten zwei Jahrtausende überrascht: Es war bereits mehrfach wärmer als heute“). Guoyu Ren und Kollegen wissen natürlich, dass ein Temperaturvergleich nur Sinn macht, wenn man hierzu die Werte der vorangegangenen Mittelalterlichen Wärmeperiode heranzieht. Und genau dies tun die nüchternen Chinesen auch. Sie scheuen sich nicht, in der Arbeit herauszustellen, dass eben dieses Wärmeniveau aus der Zeit von 1000-1300 n. Chr. heute noch immer nicht übertroffen geschweige denn erreicht worden ist.

Signifikante Trends in den Niederschlägen Chinas konnten die Wissenschaftler für die letzten 100 Jahre nicht feststellen. Die Häufigkeit von Dürren und Überflutungen im 20. Jahrhundert entspricht etwa dem Durchschnitt der letzten 2000 Jahre. Anlandende tropische Wirbelstürme sind etwas seltener geworden, während die Anzahl von Sand- und Staubstürmen in den letzten Jahrzehnten sogar signifikant abgenommen hat.

Schade. In China entwickelt sich also alles im Normalbereich. Sehr langweilig. Klar, dass da niemand drüber berichten will, außer dem Kalte-Sonne-Blog vielleicht. Die deutsche Medienwelt kann von Glück sagen, dass es das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) gibt, das in zuverlässiger Weise Weltuntergangsszenarien produziert. Das wollen die Leute lesen, nicht dieses “alles schonmal dagewesen”-Gedönse. Liebe Chinesen, machte es doch einfach wie Eure Kollegen in Potsdam, dann seit Ihr auch öfter in der Zeitung!

 

Extremregen war in den Französischen Alpen während der Kleinen Eiszeit häufiger als heute

Ewa 60 km nordwestlich von Monaco liegt auf über 2200 m Höhe in den Französischen Alpen der Allos-See. Mit einer Ausdehnung von 1000 mal 700 Metern ist der Lac d’Allos der größte Bergsee Europas. Die umgebenden Berge überragen den See um mehrere 100m, darunter der 3052m hohe Mont Pelat.

Eine dreizehnköpfige französische Forschergruppe um Bruno Wilhelm von der Université de Savoie nahm kürzlich umfangreiche Untersuchungen an dem See vor, deren Ergebnisse sie im Juli 2012 im Fachmagazin Quaternary Research veröffentlichten. Die Wissenschaftler erstellten eine genaue Tiefenkarte des Sees, durchleuchteten ihn mit seismischen Schallwellen und erbohrten drei Sedimentkerne aus dem Seeboden. Die Kerne erschlossen ein geologisches Schichtenarchiv, aus dem die klimatischen Ereignisse der letzten anderthalb Jahrtausende rekonstruiert werden konnten. Hierzu führten Wilhem und seine Kollegen Studien zu Korngröße, geochemischem Inhalt, Fossilführung und eine Altersdatierung durch.

Anhand historischer Berichte, konnten die Forscher zeigen, dass grobe Lagen im Seesediment jeweils Folge extremer Regenfälle waren. Der Starkregen ließ die Bäche jedes Mal stark anschwellen, und die Strömung wurde dann so stark, dass gröbere Schuttmassen mitgerissen wurden, die ansonsten von den Bächen kaum transportiert werden konnten. Das grobe Schuttmaterial ergoß sich dann in den See. Auf diese Weise lassen sich heute wie in einem steinernen Geschichtsbuch die extremen Regenfälle der Vergangenheit rekonstruieren.

Das Ergebnis der Studie ist überraschend: Extremwetter mit starken Regenfällen häufte sich in der Region während der Kleinen Eiszeit von 1300-1890 n. Chr. In den warmen Phasen – der Mittelalterlichen Wärmperiode sowie der heutigen Modernen Wärmeperiode – machte sich der Extremregen eher rar (Abbildung 1). Die Autoren schreiben in der Zusammenfassung ihrer Arbeit:

We interpret the Allos record in terms of repeated intense precipitation events over the last millennium, with a low flood frequency during the Medieval Warm Period and more frequent and more intense events during the Little Ice Age. This interpretation is consistent with the pattern of increasingly humid conditions in the northwestern Mediterranean region. This long-term trend is superimposed on high frequency oscillations that correlate with solar activity and autumnal North Atlantic Oscillation (NAO).

Offensichtlich widerspicht der Befund den voreiligen Warnungen von IPCC-nahen Forschern sowie Versicherungsvertretern, die eine Häufung von schlimmen Extremregenfällen als Folge der Klimaerwärmung hatten kommen sehen. Im Jahr 2011 warnte das Umweltbundesamt (UBA) vor einer deutlichen Zunahme extremer Niederschläge in Deutschland. Von wissenschaftlichen Studien und solider Recherche hält man in der Behörde offensichtlich nicht allzu viel. Die Ergebnisse aus den französischen Alpen fügen sich nämlich gut in weitere aktuelle wissenschaftliche Resultate ein, die Extremregenfälle in Europa ebenfalls eher in kalten Zeiten ansiedeln (siehe z.B. unsere Blogartikel “Überraschung: Globale Niederschläge sind in den letzten 70 Jahren weniger extrem geworden“, “Flüsse im Alpenvorland halten sich nicht an die IPCC-Vorgaben: Mehr Überflutungen in Kälteperioden als in Wärmeperioden” und “Mehr Überschwemmungen? Vermutlich eher nicht“).

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