Meeresspiegel in der Adria stagnierte während Kältephasen und beschleunigte sich während Wärmephasen

Immer wieder hört man, dass der Meeresspiegelanstieg eine ganz besondere Bedrohung für die Menschheit darstellt. Der Anstieg hätte sich in den letzten 100 Jahren beschleunigt (siehe z.B. Stefan Rahmstorf mit einem Beitrag auf der PIK-Webseite), und wenn das so weiter ginge, dann müssen unsere Mitbürger im Flachland demnächst mit dem Schnorchel durch die Gegend spazieren. Bereits in früheren Beiträgen konnten wir an dieser Stelle zeigen, dass es sich bei der ominösen “Beschleunigung” um ein ganz und gar zu erwartendes Phänomen handelt:

Zunächst gilt es zu klären, was eigentlich mit dem Hinweis auf eine angebliche Beschleunigung gemeint sein könnte. Der Meeresspiegel [stagnierte] zur Zeit der Kleinen Eiszeit und stieg kaum oder zeitweise gar nicht an. In einigen Gebieten der Erde fiel der Meeresspiegel sogar für längere Zeit. Damals lag die globale Durchschnittstemperatur um gut 1 Grad unter dem heutigen Niveau. Viele Gletscher und Eiskappen wuchsen damals an und entzogen dem Meer damit Wasser. Durch die kalten Temperaturen schrumpfte zudem das ozeanische Wasservolumen etwas. Im Übergang zur Modernen Wärmeperiode tauten die Eismassen dann wieder und das Wasser dehnte sich wegen der Erwärmung aus. Es ist daher logisch, dass sich der Meeresspiegelanstieg in den letzten 80 Jahren gegenüber der Kleinen Eiszeit beschleunigt hat. 

Ähnliche natürliche Beschleunigungen des Meeresspiegelanstiegs konnten nun von einer Forschergruppe der Universität Zagreb um Sanja Faivre im Rahmen einer Studie dreier Adria-Inseln nachgewiesen werden. Die Arbeit erschien im Oktober 2012 im Fachmagazin Palaeo3. Anhand von kalkbildenden Organismen konnte die Meeresspiegelgeschichte der Region für die vergangenen 1500 Jahre rekonstruiert werden. Dabei fanden die Wissenschaftler, dass während der global kalten Zeiten der Meeresspiegel nahezu stabil war und fast kein Anstieg zu verzeichnen war. Dies betraf zum einen die Phase um 550-770 n. Chr., also die Kältephase der Völkerwanderungszeit. Aber auch während der Kleinen Eiszeit zwischen 1330-1640 stagnierte der Meeresspiegel. In den jeweils darauf folgenden Übergängen zur Mittelalterlichen Wärmeperiode (770-1330 n. Chr.) sowie zur Modernen Wärmeperiode begann der Meeresspiegel dann wieder merklich zu steigen und beschleunigte sich in der Anfangsphase entsprechend, bis eine stabile Rate erreicht war.

Anders als uns einige Mitmenschen weismachen wollen, ist also eine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs gegenüber kälteren Zeiten keinesfalls ein Beleg für eine ungewöhnliche, unnatürliche Entwicklung. Bei Betrachtung des historischen Musters wäre ein Ausbleiben einer Meeresspiegelbeschleunigung im Übergang einer Kalt- zu einer Warmphase sogar eher ungewöhnlich.

 

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Von 2011 bis Mitte 2012 fiel der Meeresspiegel um 5 mm: Wechsel von El Nino auf La Nina füllte Seen und Grundwasservorräte auf

Eine der Grundregeln in der Wissenschaft ist es, sich stets die harten Basisdaten anzuschauen. Egal was Professor  X oder Doktor Y so herumerzählen, immer sollte man zunächst die wirklichen Daten heranziehen, um sich ein eigenes Bild zu machen. Das ist die berühmte wissenschaftliche Unabhängigkeit und Ergebnisoffenheit. Und dieses Prinzip leitet auch die Arbeit in diesem Blog, wie Stammleser sicher schon mitbekommen haben.

Vor kurzem kam das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) mit einer Pressemitteilung heraus, dass der Meeresspiegel jetzt sogar noch viel scheller ansteigt als bislang vermutet. Alles wird noch viel schlimmer als es sowieso schon war. So oder so ähnlich musste man die PIK-Meldung jedenfalls verstehen. Tun wir also unsere Pflicht und schauen auf die harten Daten. Wir nehmen dazu natürlich nicht irgendwelche Daten, sondern einen der weltweit etablierten Satellitendatensätze, der von der  University of Colorado Sea Level Research Group herausgegeben wird (Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Meeresspiegelentwicklung der letzten 15 Jahre basierend auf Satellitenmessungen. Daten bis August 2012. Quelle: University of Colorado Sea Level Research Group.

 

Die Überraschung ist groß, da wir auf den ersten Blick sehen können, dass sich seit 1992 rein gar nichts beim Meeresspiegelanstieg beschleunigt hat. Statt Beschleunigung entdecken wir eher eine leichtes Abbremsen des Meeresspiegelanstiegs in den letzten Jahren. Dazu braucht man keine komplizierten Formeln und Mittelwerte. Das sieht man mit bloßem Auge. Was für eine Ente hat uns das PIK dort eigentlich aufgetischt?

Nun könnte das PIK sagen, jaja, das stimmt, da hat sich nix beschleunigt. Aber unsere Prognosen waren halt viel geringer als was jetzt herausgekommen ist. Tja, auch in diesem Fall können wir die Herrschaften nicht aus der Pflicht entlassen. Der heutige Trend war bereits in den ersten zehn Jahren der Satellitenmessungen klar erkennbar. Wenn dann Prognosen erstellt werden, die diesen Trend nicht honorieren, sind dies einfach grobe handwerkliche Fehler.

Ok, wir werden hier nicht herausbekommen, was das PIK hier geritten hat. Widmen wir uns daher nun einer viel spannenderen Frage. Schauen Sie sich die Kurve oben noch einmal genau an. Fällt Ihnen etwas auf? Genau, zwischen 2011 und Mitte 2012 ist der globale Meeresspiegel um satte 5 mm abgesackt. Das wäre doch mal eine viel interessantere Pressemitteilung des PIK gewesen: “Meeresspiegel um 5 mm abgestürzt: Muss das Nordseebad Cuxhaven bald Konkurs anmelden?”

Spass beiseite. Was könnte den deutlich sinkenden Meeresspiegel in diesen 20 Monaten wohl verursacht haben? Eine US-amerikanische Forschergruppe um Carmen Boening vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena hat nun herausgefunden, dass das fehlende Wasser wohl verstärkt abgeregnet ist und insbesondere in Australien, im nördlichen Südamerika und in Südostasien zwischengespeichert wurde. Auf diese Weise füllten sich dadurch Grundwasservorkommen und Seen auf. Die Ursache hierfür sehen die Wissenschaftler im pazifischen Wettergeschehen. Auslöser war wohl der Wechsel von El Nino-Bedingungen 2009/2010, die 2010/2011  durch einen starken La Niña abgelöst wurden. Die Studie wurde im Oktober 2012 in den Geophysical Research Letters veröffentlicht.

 

Ozeanbojen und Schwerefeldmessungen belegen: Meeresspiegel steigt nur halb so schnell wie vom IPCC prognostiziert

Der Meeresspiegel kann auf verschiede Weisen gemessen werden. Traditionell gibt es zunächst die Küstenpegel, also im Prinzip Messlatten, die an der Küste einfach in den Boden gesteckt werden. Die meisten dieser Küstenpegel haben in den letzten Jahrzehnten einen Meeresspiegelanstieg von lediglich 1 bis 2 mm pro Jahr angezeigt (siehe “Fallstudien aus aller Welt belegen: Keine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs während der letzten 30 Jahre“).

Es kreisen aber auch Satelliten über unseren Köpfen, die seit einigen Jahren nun auch eine Genauigkeit erreicht haben, die für Meeresspiegelmessungen prinzipiell ausreichen. Allerdings sind die Satelliten-Messdaten mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, die Satellitendaten müssen nämlich erst “kallibriert” und “korrigiert” werden, bevor die absoluten Endwerte herauskommen. Und genau bei diesem Schritt existiert ein größerer, subjektiver Spielraum. Bei mehreren Satellitentypen kamen zunächst sehr geringe Anstiegsrate von 0,5 mm bis 2 mm pro Jahr heraus. Das gefiel den Betreibern jedoch irgendwie nicht, so dass sie per “Datenkorrektur” die Werte nach oben auf etwa 3 mm/Jahr hochschraubten (siehe unseren Blogbeitrag “Nachträgliche Korrekturen der Satelliten-Meeresspiegeldaten: Was nicht passt wird passend gemacht?“).

Die Küstenpegel sind also eigentlich ziemlich eindeutig, allerdings gibt es sie nicht flächig über die Ozeane verteilt. Und die Satelliten können zwar großflächig messen, aber die nachträglichen Korrekturen erscheinen suspekt. Zum Glück gibt es da noch eine dritte Methode, mit der man den Meeresspiegel bestimmen kann. Dazu werden grossflächig im Meer Dichte, Salzgehalt und Temperatur  des Wassers ermittelt. Hierzu treiben auf allen Weltozeanen ständig 3000 sogenannte Argo-Bojen umher, die in regelmäßigen Abständen auf 2 km Wassertiefe tauchen und dann nach einigen Tagen wieder allmählich an die Meeresoberfläche aufsteigen. Die bei diesen Tauchgängen gesammelten Daten erlauben eine dreidimensionale Rekonstruktion der Wassereigenschaften quer über den Globus. Eine tolle Sache. Hieraus kann u.a. auch die fortschreitende Ausdehnung des Wassers ermittelt werden. Ein größerer Anteil des Meeresspiegelanstiegs geht nämlich auf die allmähliche Erwärmung und hierdurch bedingte Wasserausdehnung der Ozeane zurück (der sogenannte “sterische Meeresspiegel”). Eine zweite wichtige Komponente bei dieser Meeresspiegelbestimmungsmethode ist das neu aus Gletschern und Polkappen in die Ozeane hinzufließende Wasser. Diese zusätzliche Wassermenge wird über Schwerefeldmessungen des GRACE-Satelliten ermittelt.

Die US-amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) hat vor kurzem mithilfe der zuletzt genannten Argo/GRACE-Methode die globale Meeresspiegelentwicklung für die letzten sieben Jahre, also von 2005-2012 bestimmt. Laut der Untersuchung ist der Meeresspiegel in dieser Zeit um lediglich 1,1 – 1,3 mm pro Jahr angestiegen. Dies ist weniger als die Hälfte der vom IPCC angenommenen Anstiegsrate von 3,1 mm/Jahr. Auszüge aus der neuen NOAA-Studie sind in einem Artikel auf The Hockey Schtick zitiert.

Die neuen Ergebnisse deuten an, dass es wohl in der Tat Probleme mit den Satellitenkorrekturen gibt, die dringend näher unter die Lupe genommen werden sollten. Weiterhin machen die Ergebnisse deutlich, dass die kürzlich vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) herausgegebene Warnung eines stärker als gedacht ansteigenden Meeresspiegels vollkommen realitätsfern sind (siehe unseren Blogbeitrag “Pünktlich zum UN-Klimafest in Doha: Neuer Alarm aus Potsdam“). International steht das PIK mit seinem Meeresspiegelalarm mittlerweile ziemlich isoliert da und vertritt nur noch eine fragwürdige Mindermeinung. Auch der Senat von North Carolina hatte neulich genug von Stefan Rahmstorfs beschleunigter Meeresspiegeltheorie und ignoriert ihn jetzt einfach (siehe unseren Blogartikel “Senat von North Carolina erteilt Rahmstorfs beschleunigtem Meeresspiegel eine Absage“).

 

Mit Dank an The Hockey Schtick.

 

Rätsel Rahmstorf

Wissenschaftliche Messungen zeigen, dass sich die Erde in den letzten 16 Jahren nicht mehr erwärmt hat (siehe “Neue HadCRUT-Daten belegen: Globale Temperatur seit 16 Jahren nicht mehr angestiegen“). Auch der Meeresspiegelanstieg ist in den letzten Jahrzehnten stabil geblieben und hat sich kein Stück weit beschleunigt (siehe “Fallstudien aus aller Welt belegen: Keine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs während der letzten 30 Jahre“). Dennoch gibt es Wissenschaftler, die weiterhin von “ungebremster Erwärmung” und einem stärker als prognostiziert steigendem Meeeresspiegel reden. Hierzu gehört leider auch Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Der IPCC-nahe Forscher ist medial gut vernetzt und die Süddeutsche Zeitung druckt seine Thesen meist ungeprüft ab (siehe “Schlimmer als befürchtet: Die Süddeutsche Zeitung verliert den klimawissenschaftlichen Boden unter den Füßen“). Es ist ein absolutes Rätsel wie Rahmstorf aufgrund der eigentlich eindeutigen Datenlage zu solchen Schlüssen kommen kann. Seine Kurvendiagramme sahen immer so ganz anders aus als das, was man aufgrund der Daten erwarten würde.

Nun ist im Dezember 2012 durch einen der IPCC-Gutachter ein Großteil des Entwurfs des aktuell entstehenden Weltklimarats-Berichts vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangt. Dies war so ursprünglich nicht vorgesehen, ist aber letztendlich im Sinne einer stärkeren Transparenz zu begrüßen. Im Gegensatz zu den Vorjahren ist Rahmstorf in diesem Bericht übrigens nicht als Autor mit dabei, warum auch immer. In eben diesem Berichtsentwurf fanden sich nun auch zwei Abbildungen, in denen die realen Messdaten mit den vergangenen IPCC-Prognosen gegenüber gestellt wurden. Im Rahmen eines Artikels auf Readers Edition verglich nun Michael Krüger diese Abbildungen aus dem IPCC-Berichtsentwurf mit den fragwürdigen Rahmstorf-Abbildungen und machte dabei eine erschreckende Beobachtung:

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Von Michael Krüger
(im Vergleich zum Original leicht gekürzt) 

Stefan Rahmstorf, einer der bekanntesten und einflussreichsten Klimaforscher in Deutschland und Leitautor im letzten IPCC-Bericht, verkündete in seinem Blog der KlimaLounge im Jahr 2008, dass die derzeitige Temperaturentwicklung im oberen Bereich der IPCC-Szenarien liegt:

Abbildung 1 (nach Stefan Rahmstorf): Globale Jahresmitteltemperaturen nach den Datensätzen von NASA (rot) und Hadley Center (blau) bis einschließlich 2007. Die dicken Linien sind über 11 Jahre geglättet. Der graue Bereich mit den gestrichelten Linien ab 1990 zeigt die Spannbreite der IPCC-Szenarien. Die Temperaturentwicklung liegt im oberen Bereich der IPCC-Szenarien.

 

Zur Verwunderung findet sich im Entwurf des kommenden IPCC-Berichts ein ganz anderes Bild. Hier liegt die derzeitige Temperaturentwicklung nicht im oberen, sondern im unteren Bereich der IPCC-Szenarien:

Abbildung 2, zur Temperaturentwicklung aus dem Entwurf des kommenden IPCC-Berichts (AR5): FAR steht für den ersten IPCC-Bericht von 1990, SAR steht für den zweiten IPCC-Bericht von 1995, TAR steht für den dritten IPCC-Bericht von 2001, AR4 steht für den vierten IPCC-Bericht von 2007. Die Spannbreite der Szenarien aus den vier vorangegangenen IPCC-Berichten ist verzeichnet, sowie die gemessene Temperaturentwicklung, welche durch schwarze Punkte (mit Fehlerbalken) gekennzeichnet ist. Deutlich zu erkennen ist, dass die derzeitige Temperaturentwicklung im unteren Bereich der IPCC-Szenarien liegt und sich der Tempearturanstieg in den letzten Jahren nicht beschleunigt hat.

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Kiribati geht unter – oder vielleicht doch nicht?

In Vorbereitung auf die UN-Klimaonferenz in Doha hat sich Die Zeit an Kiribati erinnert. Die Sintflut in der Südsee ist immer eine tolle Story. Das schürt Urängste und Schuldgefühle. Eine Supersache. Klappt immer. Die Zeit macht sich also ans Werk und schreibt am 16.11.2012:

KLIMAWANDEL: Die sterbenden Inseln von Kiribati

Für Kiribatis Präsidenten ist der Untergang des Inselstaats nur eine Frage der Zeit. Nicht nur der Klimawandel gefährdet das Land, längst leben zu viele Menschen dort.

Hunderte Meter lange Sandstrände, Kokospalmen im Wind, keine Industrie, kaum Autos – auf den ersten Blick erfüllt der schmale Pazifikstaat Kiribati alle Klischees eines Südseeparadieses. Der Schein trügt aber. Die mit Fäkalien verseuchten Strände stinken, Abfall türmt sich überall, Autowracks liegen an der Straße. Die 30 Kilometer lange durch Dämme verbundene Inselkette Tarawa, die als Hauptstadt dient, ist überbevölkert. Es gibt kaum Jobs, alles ist teuer und die meisten Menschen sind bitterarm. Die Folgen des Klimawandels geben dem Land den Rest. Unberechenbare Stürme häufen sich. Erosion frisst das spärliche Land. Der Untergang scheint vorprogrammiert. [...] Der Präsident macht sich keine Illusionen. Sein Land gehe unter, sagt er. Große Hoffnungen in die UN-Klimakonferenzen, deren nächste am 26. November in Doha (Katar) startet, setzt er nicht. Vielmehr hat er für das Volk schon 2.400 Hektar Land ein paar Flugstunden weiter auf den Fidschi-Inseln gekauft. “Wir müssen uns vorbereiten.” Mitte des Jahrhunderts, ist er überzeugt, dürfte seine Inselkette untergehen.

Kiribati wird untergehen, lässt Die Zeit den Präsidenten sagen. Selber hütet sie sich davor, dies zu bestätigen. Denn eine wissenschaftliche Studie hatte 2010 gefunden, dass das genaue Gegenteil der Fall ist. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Fläche von Kiribati nämlich sogar vergrößert, wie der Focus damals berichtete:

„Eine Studie von Meeresforschern der neuseeländischen Auckland University hatte unlängst gezeigt, dass die Fläche vieler Südseeinseln – darunter solche in Tuvalu und auch in Kiribati – in den vergangenen 60 Jahren sogar zunahm. Eine von ihnen wuchs sogar um 30 Prozent, und die drei am dichtesten besiedelten Inseln Kiribatis Betio, Bairiki und Nanikai gewannen zwischen 12,5 und 30 Prozent an Fläche. Nur vier kleinere Inseln verloren Teiles ihres Lands an die See. Laut dem Studien-Hauptautor Paul Kench wird mehr Material von dem Korallenriff angespült, das die Eilande gewöhnlich umgibt. Weil die Korallen dem steigenden Meeresspiegel hinterher wachsen, gibt es für den Prozess laufend Nachschub.“ 

Vermutlich kennt auch Die Zeit diese Studie. Trotz Meeresspiegelanstieg haben sich viele pazifische Koralleninseln in den letzten Jahren und Jahrzehnten vergrößert, insbesondere in Kiribati. Die zitierte Studie von Paul Kench und Arthur Webb erschien im Fachmagazin Global and Planetary Change. Aus welchem Grund verschweigt Die Zeit diese Studie ihren Lesern? Hätte dies die Vorfreude auf den Doha-Klimagipfel getrübt? Journalistenethisch ist dies nicht korrekt. Stattdessen stellt Die Zeit dem Präsidenten von Kiribati einen kostenlosen Werbeblock zur Verfügung, in dem er nun endlich Hilfsgelder einfordert. Die Zeit schreibt:

Präsident Tong ist einer der Wortführer in der Klimaschutzdebatte. “Die Länder, die es in den vergangenen Jahrzehnten zu Reichtum gebracht haben, haben eine Verpflichtung”, sagt er.  Sein Land braucht Geld zum Überleben, um die Küsten zu verstärken, um Schutzwälle zu bauen, um Dörfer vom Strand weg zu verlegen, und um die Menschen auszubilden, damit sie in fremden Ländern Chancen haben. Aber Geld komme kaum, sagt der Präsident. “So ist die menschliche Natur: Man ist schockiert, wenn man ein Desaster sieht, aber wenn man das Elend der Betroffenen nicht wirklich fühlt, kümmert sich niemand. Regierungen haben kein Mitgefühl, sie haben Wahlen.”

Hier geht es vor allem um Geld, und da kommt die vermeintliche Klimakatastrophe sehr gelegen, um die Gelder fließen zu lassen. Wir haben uns mit Kiribati, Bangladesch und anderen vermeintlich untergehenden Inseln bereits in unserem Blogbeitrag “Bangladesch und die Pazifikinseln wachsen trotz steigendem Meeresspiegel: Klimamodellierer benötigen dringend Nachhilfe in Geologie” eingehend beschäftigt. Vielleicht nimmt sich auch einmal Die Zeit die Zeit, in diesen Artikel reinzuschauen. Das wäre schön.

 

Der Zeit-Beitrag ist übrigens auch auf ntv zu bestaunen.
Siehe auch Blogartikel auf Donner + Doria.

Pünktlich zum UN-Klimafest in Doha: Neuer Alarm aus Potsdam

Am 28.11.2012 gab das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) eine Pressemitteilung mit dem Titel “Projektionen zum Meeresspiegelanstieg könnten unterschätzt worden sein” heraus. Natürlich ist es purer Zufall, dass dies genau in die Sitzungswochen der UN-Klimakonferenz in Doha fällt. Es geht um ein neues Paper, dass einen Tag zuvor in den Environmental Research Letters erschienen ist. Dies ist ein Open Access Journal, so dass das pdf frei herunterladbar ist.

Schauen wir kurz in die PIK-Pressmitteilung hinein:

Während die globale Mitteltemperatur in den letzten Dekaden in einer Geschwindigkeit zugenommen hat, die gut mit den Projektionen des Weltklimarats übereinstimmt, ist der Meeresspiegel schneller angestiegen als vorhergesagt. Das geht aus einer Studie hervor, die jetzt im Fachjournal Environmental Research Letters veröffentlicht wurde. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und seine Kollegen vergleichen darin für den Zeitraum zwischen 1990 und 2011 Projektionen mit tatsächlichen Messdaten. Der schnellere Anstieg des Meeresspiegels könnte darauf hinweisen, dass auch für die Zukunft die Berechnungen vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zu niedrig sind, so die Wissenschaftler.

Verwundert kratzt man sich am Kopf. Wie bitte? Die Erwärmung schreitet genau so voran, wie in den IPCC-Berichten vorhergesagt? Hatten nicht die IPCC Berichte von 2001 und 2007 eine Erwärmung von fast zwei Zehntel Grad prognostiziert, wohingegen sich die Natur seit 16 Jahren standhaft weigert, sich weiter zu erwärmen? (siehe unseren Blogbeitrag “Neue HadCRUT-Daten belegen: Globale Temperatur seit 16 Jahren nicht mehr angestiegen“). Warum wird die allseits bekannte und für die Modellierer problematische Erwärmungspause mit keinem Wort erwähnt? Sollte den Journalisten hier möglicherweise bewusst eine wichtige Zusatzinformation vorenthalten werden? Ist dies die neue Wissenschaftsethik?

Lesen wir weiter im PIK-Text:

„Die globale Temperatur steigt weiterhin in der Geschwindigkeit, die in den letzten zwei Sachstandsberichten des IPCC prognostiziert wurde. Das zeigt erneut, dass die Erwärmung sich nicht verlangsamt hat oder hinter den Projektionen zurückbleibt“, sagt Rahmstorf.

Diese Aussage passt so gar nicht mit den realen Messwerten zusammen. Stefan Rahmstorfs Studiengruppe steht mit ihrer Einschätzung in der Wissenschaft mittlerweile auch ziemlich allein da. Gerade erst erschienen zum Problem der Erwärmungspause zwei neue wissenschaftliche Studien, welche die Klimamodelle zu recht für die fehlende Vorhersagekraft kritisieren:

Noch schlimmer ist jedoch die neuerliche Meeresspiegel-Warnung der Rahmstorf-Truppe. Aus der PIK-Pressemitteilung:

Die Analyse der Daten zum Meeresspiegelanstieg ergab dagegen ein anderes Bild. Wie die neue Studie zeigt, steigen die Ozeane 60 Prozent schneller als nach der mittleren Prognose des Weltklimarats in seinen beiden letzten Sachstandsberichten. Die Forscher verglichen diese früheren Vorhersagen mit Satellitenmessungen des Meeresspiegelanstiegs. “Satelliten haben global eine deutlich bessere Abdeckung als Pegelstationen und können durch die Nutzung von Radarwellen und ihrer Reflektion von der Meeresoberfläche den Anstieg exakt messen”, sagt Anny Cazenave von LEGOS. Während der IPCC einen Meeresspiegelanstieg mit 2 mm pro Jahr ab dem Jahr 1990 prognostizierte, zeichneten Satellitendaten einen Anstieg von 3,2 mm pro Jahr auf.

Das kann doch nicht sein. Wer sich ein bisschen in der Materie auskennt weiß, dass der Meeresspiegelanstieg seit Jahren vor sich hindümpelt und der reale Anstieg absolut nicht zur Nährung von Schreckensszenarien taugt. Wir haben an dieser Stelle mehrfach darüber berichtet (siehe zum Beispiel unsere Blogbeiträge “Überraschung: Meeresspiegelanstieg hat sich in den letzten Jahren verlangsamt” und “Beschleunigte Meeresspiegelanstiege gehören schleunigst in die Mottenkiste“). Ulli Kulke bringt es in seinem Beitrag “Falscher Klima-Alarm um einen alten Hut” im Welt-Blog Donner + Doria auf den Punkt: (weiterlesen …)

Überraschung: Meeresspiegelanstieg hat sich in den letzten Jahren verlangsamt

Wir werden alle ertrinken, der Meeresspiegelanstieg steigert sich ins Unermessliche, und bald müssen wir mit Schorchel einkaufen gehen. So oder so ähnlich lauten die Warnungen der einschlägigen Klimawissenshaftler. Zeit für einen Faktencheck. Was sagen eigentlich die realen Messdaten dazu aus? Seit dem letzten IPCC-Bericht 2007 sind schon wieder ein paar Jährchen dahingeschippert. World Climate Report hat sich jetzt die offiziellen Meeresspiegeldaten der University of Colorado geholt und ausgewertet. Im Gegensatz zur landläufigen medialen Meinung, ist genau das Gegenteil von dem passiert, was uns immer angekündigt wurde: Die Messdaten belegen, dass sich der Meerespiegelanstieg in den letzten Jahren verlangsamt hat (Abbildung 1). Müssen wir bald in der Zeitung lesen: “Hilfe, der Meeresspiegel will nicht mehr ansteigen! Schuld ist der Klimawandel”?

Abbildung 1: Meeresspiegelanstiegsraten für überlappende 10-Jahresintervalle. Der Meeresspiegelanstieg hat sich merklich verlangsamt. Quelle: World Climate Report basierend of Daten der Sea Level Research Group der University of Colorado.

 

Siehe auch Beitrag von Klaus-Eckart Puls auf EIKE.

 

Sechzig-Jahres-Ozeanzyklus jetzt auch in der Meeresspiegelentwicklung gefunden

Wenn man die Temperaturentwicklung der letzten gut hundert Jahre anschaut muss man sich fast ein wenig wie der berühmte Alfred Wegener fühlen: Deutlich zeichnet sich in den Daten ein Zyklus ab, der etwa 60 Jahre umfasst (Abbildung 1). So begannen die beiden jüngsten Erwärmungsepisoden gegen 1915 und 1975, also im Abstand von 60 Jahren. Aber auch das Ende der Erwärmung 1940 und 2000 lag wiederum 60 Jahre auseinander.

Der Weltklimarat kann sich mit dieser zyklischen Eigendynamik des Klimas so gar nicht anfreunden. Anstatt den Ozeanzyklus als steuernde Größe anzuerkennen, denkt sich das Gremium allerlei wackelige Hilfskonstruktionen aus, nur um den deutlichen Herzschlag der Natur nicht in die Temperaturprognosen einbauen zu müssen (siehe Kapitel 4 und 5 in unserem Buch „Die kalte Sonne“). Und die Quittung kam prompt: Keines der ehemals so hochgelobten IPCC-Modelle hat den seit nunmehr 14 Jahren andauernden Erwärmungsstop vorhergesagt. Warum sträubt sich der IPCC so sehr gegen eine sinnhafte Einbeziehung der Ozeanzyklen? Es spricht viel dafür, dass ein gewichtiger Teil der Erwärmungsepisode von 1977-2000 auf das Konto der aufstrebenden Ozeanzyklen geht. Denn genau in dieser Zeit stieg auch die Pazifisch Dekadische Oszillation (PDO) stark an und verharrte dann auf einem warmen, hohen Plateau. Die Mitwirkung der Ozeanzyklen würde damit automatisch die Klimakraft des CO2 schwächen. Kritik am CO2 hingegen ist beim IPCC unerwünscht und wird mit allen Mitteln unterdrückt.

Für viele Geologen bedeutet die Entdeckung des 60-Jahres-Zyklus ein regelrechtes Déjà-vu. Alfred Wegener hatte vor einem Jahrhundert auf der Weltkarte erspäht, dass die Atlantikküsten von Afrika und Südamerika in ganz hervorragender Weise zusammenpassen, als wenn die Kontinente einmal zusammengehangen hätten. Nein, er wäre verrückt, sagten ihm die „Experten“, Kontinente können sich doch gar nicht bewegen, und darüber gäbe es sogar einen Konsens in der Fachwelt. Erst in den 1960er Jahren wendete sich das Blatt und Wegener wurde rehabilitiert (siehe auch unsere Blogbeiträge „Kontinentalverschiebung und Klimawandel: Die wundersame Wiederholung der Wissenschaftsgeschichte“ und „Die Plattentektonik setzt sich durch: Lehren für die Klimadebatte“).

Abbildung 1: Temperaturentwicklung der außertropischen Nordhemisphäre seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Quelle: Goddard Institut for Space Studies (GISS). 

 

Für die Ozeanzyklen-Gegner wird die Luft nun jedoch allmählich dünner. Mitte August 2012 akzeptierten die Geophysical Research Letters eine neue Arbeit, die deutliche Hinweise auf einen 60-Jahres-Zyklus in der globalen Meeresspiegelentwicklung dokumentiert. Nach Abzug eines Langzeittrends und Glättung der Daten, kommt der Zyklus in beeindruckender Weise zum Vorschein (Abbildung 2). In der Kurzfassung der Arbeit schreibt die Gruppe um Don Chambers von der University of South Florida:

Wir haben lange Datenreihen von Küstenpegeln in allen Ozeanbecker der Erde untersucht, um zu überprüfen, ob sich in der globalen Meeressiegelentwicklung ein etwa 60-Jahre langer Zyklus wiederfinden lässt, und ob es sich um einen wirklich global wirkenden Zyklus oder nur ein Artefakt in einer kleinen Anzahl von Pegeln handelt. Wir fanden, dass in der Tat eine bedeutende Oszillation mit einer Periode von etwa 60 Jahren in der überwiegenden Mehrheit der untersuchten Küstenpegel während des 20. Jahrhunderts existiert, und dass diese in jedem Ozean der Erde auftritt. Mittelt man die Küstenpegel für die einzelnen Ozeanbecken, so zeigt sich, dass sich die Phase und Amplitude der Zyklik im Nordatlantik, westlichen Nordpazifik und Indischen Ozean stark ähneln. Im westlichen Südpazifik hingegen setzt die Entwicklung um etwa 10 Jahre verzögert ein. Die einzige untersuchte Region, in der kein deutlicher 60-Jahreszyklus im Meeresspiegel existiert, ist der zentrale und östliche Nordpazifik. (weiterlesen …)

Buchtipp „Klima und Kulturen: Die Geschichte von Paradies und Sintflut“

Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass Sie bereits stolzer Eigentümer unseres Buches „Die kalte Sonne“ sind. Vielleicht haben Sie es auch schon durchgelesen und suchen nun nach neuer Lektüre, wobei wir gerne behilflich sind. Von Interesse könnte zum Beispiel das Buch „Klima und Kulturen: Die Geschichte von Paradies und Sintflut“ sein, das im Oktober 2011 im Greiner Verlag in der zweiten Auflage erschien. Über die erste Auflage hatte die Stuttgarter Zeitung am 3.11.2005 berichtet:

„Liegt das Paradies auf dem Grund des Persischen Golfes? (…) Der Winnender Technikprofessor Norbert Buchner und sein Sohn Elmar, ein Geologe, der Dozent an der Universität Hohenheim ist, haben sich jahrelang mit der Frage nach der Wiege der Menschheit und dem Weg ins Paradies beschäftigt. Der populärwissenschaftliche Lösungsvorschlag des Rätsels liegt seit Neuestem als 262-seitiges Buch vor (..) das sich in recht anschaulicher Weise auf die Suche nach dem nachweislich wahren Kern der Mythen über die Sintflut und das verlorene Paradies macht. (…) Entstanden ist ein Werk, das die Mythen über die Sintflut durchaus nachvollziehbar mit geografischen und klimatologischen Erkenntnissen in Übereinstimmung bringt. Die Sintflut beschreibt demnach die Folgen jener klimatischen Veränderungen, die in der Zeit zwischen 18 000 und 9000 Jahre vor Christi Geburt dafür gesorgt haben, dass die zunächst fruchtbaren Ebenen auf dem Grund des heutigen Persischen Golfes nach und nach überflutet wurden. In jenem Zeitraum ist (…) der Meeresspiegel um 130 Meter angestiegen (…) Ganze Siedlungen im Gebiet der Wiege unserer Kultur, dort, wo die Autoren auch jenes Fleckchen Erde vermuten, das dann als Garten Eden in die Mythen einging, liegen unter Wasser begraben. (…)“

Für das kalte-Sonne-Blog hat Steffen Loos aus Mainz freundlicherweise folgende Rezension der aktuellen Ausgabe des Buches verfasst:

Das Klima hat uns zu dem gemacht was wir sind

Klima und Kulturen ist ein spannendes und umfassendes Werk über die Entwicklung des Menschen vor dem Hintergrund ständiger Klimaschwankungen. Unter Zuhilfenahme neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Geologie, Klimaforschung, Archäologie und Humangenetik wird in diesem Buch der Menschliche Werdegang beschrieben, besondere Ereignisse hervorgehoben und wichtige Fragen beantwortet. Warum haben unsere Vorfahren die Bäume verlassen, wann und über welche Routen verließ der der Mensch Afrika und wie entwickelte er sich kulturell? (weiterlesen …)

Bangladesch und die Pazifikinseln wachsen trotz steigendem Meeresspiegel: Klimamodellierer benötigen dringend Nachhilfe in Geologie

Zum Abschluss unserer Meeresspiegel-Urlaubsserie geht es noch einmal weit in die Ferne, nach Bangladesch, in die Südsee und nach Amerika. Schwerpunktmäßig soll es dabei um mitwachsende Inseln und Küsten gehen. Außerdem schauen wir uns Gebiete an, wo Hebungs- und Senkungsbewegungen eine große Rolle spielen.

 

Bangladesch wächst

Im Juni 2012 reiste Außenminister Westerwelle nach Bangladesch. Dort versprach er dem Land Hilfe gegen den Klimawandel. Dpa berichtete:

„Außenminister Guido Westerwelle hat Bangladesch weitere deutsche Hilfe beim Kampf gegen die Folgen des Klimawandels versprochen. Das sei eines der Schlüsselfelder in der Entwicklungshilfe, sagte Westerwelle in Dhaka. Insgesamt habe Deutschland seit der Unabhängigkeit des Landes 1971 zwei Milliarden Euro Entwicklungshilfe geleistet. Das solle fortgesetzt werden. Bangladesch gehört zu den Staaten, die besonders stark von der Erderwärmung betroffen sind. Immer wieder kommt es zu katastrophalen Überschwemmungen. Es ist eines der ärmsten Länder der Welt.“

Es ist richtig, dass Bangladesch sehr arm ist und dringend unsere Hilfe benötigt, keine Frage. Es werden dringend Schulen gebraucht, viele Erwachsene sind Analphabeten. Das Essen ist knapp, ein hoher Anteil der Kleinkinder in Bangladesch ist daher untergewichtig. Kinder sind die einzige Altersversorgung, daher leidet das Land unter Überbevölkerung. Auf einem Gebiet das weniger als halb so groß ist wie Deutschland leben über 160 Millionen Menschen, davon fast die Hälfte Kinder unter 18 Jahren. Es werden dringend Jobs benötigt. In einem großen Teil von Bangladesch sind die Wasserbrunnen mit Arsen verseucht. Dies ist eine natürliche Vergiftung des Grundwassers, wovon etwa 20 Millionen Bangladeschi betroffen sind. Die vielen Teiche, die in der Regensaison das Wasser auffangen, haben stehendes Wasser, das mit der Zeit sehr schlecht wird. Die Flüsse dienen meist auch als Abwasserkanäle und sind entsprechend verschmutzt, ebenso große Teile der Städte und Tümpel. So sieht man oft auch Toiletten, die auf Stelzen direkt über dem Wasser stehen. In vielen Dörfern, sogar am Rande der Hauptstadt, von denen aus man in der Nacht die Skyline dieser sehen kann, haben keinen Strom oder die Bewohner können sich den Anschluss nicht leisten.

Wie sinnvoll ist es eigentlich unter solchen Umständen, den Schwerpunkt der deutschen Entwicklungshilfe in Bangladesch auf den Klimawandel zu legen? Ist den Menschen dort damit wirklich am besten geholfen?

Mitverantwortlich für diese fragwürdige Fokussierung ist die von einigen IPCC-nahen Wissenschaftlern heraufbeschworene Klimakatastrophe. Der IPCC prognostizierte 2007, dass Bangladesch bis 2050 etwa 17 Prozent seiner Landesfläche durch den Meeresspiegelanstieg einbüßen wird. 20 Millionen Bangladeschis würden dadurch zu Klima-Flüchtlingen werden und das Land 30 Prozent seiner Nahrungsproduktion verlieren. Wenn es nach James Hansen vom NASA Goddard Institute for Space Studies ginge, dann würde das gesamte Land bis zur Jahrhundertwende in den Fluten verschwinden. Rette sich wer kann.

Leider scheinen die IPCC-Autoren hier ein paar Kleinigkeiten übersehen zu haben. Zum einen gibt es bislang keinen einzigen empirischen Hinweis darauf, dass sich der langsame, beherrschbare Meeresspiegelanstieg beschleunigen würde (siehe unser Blogartikel „Fallstudien aus aller Welt belegen: Keine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs während der letzten 30 Jahre“). Die Horrorszenarien von einem Meter und mehr Anstieg bis 2100 sind daher äußerst fragwürdig.

Zum anderen könnte man ja einfach mal die Satellitendaten zurate ziehen und nachschauen, wie viel kostbares Land denn eigentlich jedes Jahr so in den Meeresfluten versinkt. Genau dies haben 2008 Wissenschaftler vom Center for Environment and Geographic Information Services (CEGIS) in der Hauptstadt Dhaka bereits getan. Hierzu werteten sie Satellitenbilder der letzten 32 Jahre aus. Zu ihrer Überraschung fanden sie, dass Bangladeschs Fläche in dieser Zeit im Durchschnitt um 20 Quadratkilometer pro Jahr angewachsen ist. Grund hierfür sind die enormen Schuttmassen des Himalaya, die von zahlreichen großen Flüssen wie etwa dem Ganges oder dem Brahmaputra quer durch das Land in Richtung des Indischen Ozeans transportiert werden (Abbildung 1). Auf diese Weise wälzen sich jedes Jahr mehr als eine Milliarde Tonnen Sediment durch das Land, wovon ein großer Teil an der Küste des Landes im Golf von Bengalen schließlich liegen bleibt.

Durch dieses Aufsedimentieren kann sich Bangladesch selbst bei leicht steigendem Meeresspiegel weiter in Richtung Ozean ausdehnen. Dieser Mechanismus ist in der geologischen Fachwelt bestens bekannt und läuft unter dem Begriff „Progradation“ bzw. „early Highstand Systems Tract“ (HST). Die Klimamodellierer des IPCC haben es offensichtlich versäumt, diesen Prozess in ihre Überlegungen mit einzubeziehen, was ärgerlich ist.

Durch diesen Mechanismus sind in den letzten fünf Jahrzehnten etwa 1000 Quadratkilometer Neuland entstanden. Der Leiter der CEGIS-Instituts, Maminul Haque Sarker, nimmt an, dass auch in den kommenden 50 Jahren weitere 1000 Quadratkilometer dazukommen. Der steigende Meeressiegel verlangsamt dabei den Landzuwachs. Würde es keinen Meeresspiegelanstieg geben, würde Bangladesch aber noch schneller wachsen. (weiterlesen …)