Mangelnde Transparenz bei Klimaaktivistengruppe 350.org: Woher genau stammen die US$ 9 Millionen?

Spiegel Online am 18. Mai 2018:

Frage eines US-Politikers Lassen abstürzende Steine den Meeresspiegel steigen?
Erhöhen sich die Pegel der Ozeane, weil Steilküsten einstürzen und Flüsse Sedimente ins Meer spülen? Das wollte ein US-Politiker von einem Klimaforscher wissen. Die Antwort fiel knapp aus.

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Aktivisten wollen jetzt die Finanzmärkte kapern un an das große Geld. Die Neue Zürcher Zeitung berichtete am 23. April 2018:

Frankreich verpflichtet bereits heute Vermögensverwalter, Versicherungen und Banken, darüber zu informieren, wie sie dem Klimawandel Rechnung tragen.Auf dieser internationalen Welle will nun auch die Klima-Allianz Schweiz reiten, um Druck auf die Schweizerische Nationalbank (SNB) aufzubauen. Anlässlich der SNB-Generalversammlung vom Freitag hat die Allianz, der 73 Organisationen von Greenpeace über den Konsumentenschutz bis hin zu Hilfswerken angehören, mehrere Empfehlungen an die SNB gerichtet.

Und etwas später:

Dazu wird am Dienstag eine Studie des im Klimabereich aktiven Vereins Artisans de la Transition in Zusammenarbeit mit der Bewegung Fossil Free veröffentlicht. Laut Markus Keller von Fossil Free kommt sie unter anderem zum Schluss, dass die SNB mit ihren Anlagen einen CO2-Ausstoss mitverantwortet, der grösser ist als jener der Schweiz im Jahr 2016, und damit eine Klimaerwärmung von 4 bis 6 Grad befördert.

Fossil Free ist eine internationale Aktivistenorganisation. Geht es wirklich um das Klima oder vor allem um Einfluss und Geld? Auf der Fossil Free Webseite lernen wir, dass dies ein Projekt von 350.org ist. Im letzten Jahr (2017) nahm 350.org laut eigenem Finanzbericht knapp 17 Millionen Dollar ein. Dort können wir dann auch die Liste der unterstützenden Stiftungen einsehen. Es scheint fast, als wenn sämtliche Stiftungen der USA hier eingezahlt haben. Mehr als die Hälfte der Summe kommt aber von Einzelspendern, die nicht namentlich genannt werden. Mysteriös. Sind hier auch finanzielle Profiteure der Kampagnen gegen die traditionellen Energieträger dabei? Es mangelt offensichtlich an Transparenz, wenn mehr als 9 Millionen US$ aus nicht identifizierbaren Quellen stammt.

 

Die Sonne im April 2018 und eine Nachlese der Diskussion um die Klimaempfindlichkeit gegenüber CO2

Von Frank Bosse und Fritz Vahrenholt

Unser Fixstern war auch im vergangenen April sehr wenig aktiv. Wir sind im Minimum zwischen dem Zyklus 24, der im  Dezember  2008 begann, und dem kommenden Zyklus 25. Die festgestellte durchschnittliche SSN (SunSpotNumber) des Monats betrug 8,9, das  sind 28% dessen, was für den Zyklusmonat 113 üblich ist. An 16 Tagen im April war die Sonne gänzlich fleckenlos. Etwas mehr Aktivität sahen wir zwischen dem 21. und 27.4.2018, als immerhin 2-3 Gebiete mit Störungen auf der Nordhemisphäre der Sonnenoberfläche ausgemacht wurden. Der Graph der monatlichen Zyklusaktivität:

Abb.1: Der Vergleich des aktuellen Zyklus 24 ( rot) mit einem mittleren Zyklus, gebildet aus den monatlichen Mittelwerten der bisherigen Zyklen 1.23, ( blau) und dem seit Jahren recht ähnlichen Zyklus 5 ( schwarz).

 

Was hier aufgezeichnet wurde, ist die Fleckenaktivität der Sonne. Mit mehr Flecken steigt auch die Leistung unseres „Fusionskraftwerkes“, wie Aufzeichnungen eines Sonnenbeobachtungssatelliten zeigen:

Abb. 2: Die Gesamtstrahlungsleistung TSI (für „Total Solar Irradience“) unsers Zentralgestirnes in mittlerer Erdentfernung seit 2004. (Quelle).  Der Hub von ca. 1,5 W/m² zwischen Minimum und Maximum der Aktivität ist deutlich zu sehen, er übersetzt sich durch die Kugelform und die Drehung unserer Erde auf ca. 0,4W/m² atmosphärenwirksamer Schwankung.

 

Das Bild zeigt sehr schön die Zusammenhänge. Einzelne heftige Ausbrüche nach unten um mehr als 3 W/m² zeugen vom kurzen Auftreten großer Flecken, die die Oberfläche messbar verdunkeln im visuellen Bereich des Spektrums. Die naheliegende Frage:“ Warum geht die Gesamtleistung mit mehr dunklen Flecken aufwärts?“ ist nur zu beantworten, wenn man die spektralen Anteile im ultravioletten Bereich des Spektrum berücksichtigt. Parallel zum Auftauchen von dunkleren Flecken kommt es auch zu mehr Quellen an UV- Licht ( „Faculae“), die das „Dimmen“ des sichtbaren Lichtes durch Flecken überkompensieren in der Summe. Auch Abbildung 2 zeigt uns, dass wir wohl seit Beginn des Jahres 2018 im Minimum angekommen sind. Es sollte sich noch 1 bis 2 Jahre lang hinziehen wenn wir das letzte Minimum 2008 bis 2010 als Vorbild nehmen. Der längere Vergleich der Aktivität über alle systematisch beobachteten Zyklen seit 1755:

Abb.3: Die jeweils bis zum Zyklusmonat 113 monatlich aufsummierten Abweichungen vom Mittel der Aktivität der einzelnen Zyklen.

 

Unser aktueller Zyklus 24 nimmt den drittletzten Platz aller bisherigen Zyklen ein. Er ist insgesamt deutlich schwächer als die in der letzten längeren solaren Schwächephase 1878…1933 (Zyklus 12-16). Man muss schon zurück schauen auf die Zyklen 5 und 6 ( 1798-1823) im Dalton- Minimum, um eindeutig schwächere Zyklen in der Geschichte zu finden. Und diese Geschichte beginnt für uns erst 1755, wir wissen jedoch noch von weniger aktiven Phasen davor, etwa 1650-1700 im Maunder Minimum. Nach allen Voraussagen wird auch der nächste Zyklus Nummer 25 deutlich unternormal aktiv werden, was uns nicht überrascht: starke und schwache Zyklen, dies zeigt auch Abb.3, kommen meist in „Clustern“ vor. Die letzte Phase starker Aktivität dauerte von 1935 bis 2006.

 

Eine Nachlese der Diskussion um die Klimasensitivität gegenüber CO2

Wir hatten im Vormonats-  Beitrag über eine neue Arbeit von Nicholas Lewis und Judith Curry  ( im folgenden LC18 bezeichnet) berichtet, und zwar an ihrem Erscheinungstage im „Journal of Climate“. Sie folgert aus Beobachtungen in einem einfachen Modell, dass die Empfindlichkeit gegenüber CO2 sehr wahrscheinlich um 1,3 °C/Verdopplung des CO2- Gehaltes  während der Erwärmung (TCR für Transient Climate Response) liegt und nur etwa 1,7 °C nach Einstellen eines neuen Gleichgewichtes (ECS  für Equilibrium Climate Sensitivity) durch  Ausgleich der Ozeane (was mehrere Jahrhunderte dauern wird) beträgt.  Bemerkenswert sind beide Zahlen: am unteren Rand des IPCC-Korridors, vor allem der sehr kleine Wert für ECS sagt, dass bei weitem nicht so viel Wärme bereits in der „Pipeline“ ist, wie von Modellen (deren bester angenommener Wert hierfür ca. 3,2 °C ist) berechnet wird.

Das Vorgehen in  LC18 ist völlig klar und nachvollziehbar: Es werden die berechneten Antriebe („Forcings“)mit den aktuellsten und besten Werten aus der Literatur berücksichtigt ebenso wie die globalen Temperaturen (GMST für Global Mean Surface Temperature) zu definierten Zeiträumen ausgewertet. Hinzu kommen die besten verfügbaren Daten zum Wärmeinhalt der Ozeane für die Größe ECS. Das ergibt die oben zitierten Werte, und die bedeuten auf absehbare Zeiträume keine Klimakatstrophe, selbst wenn man dem IPCC hier folgt und nahezu sämtliche aufgetretene Erwärmung seit den 1870ern dem Wirken des Menschen zuschreibt und das ist sicherlich zweifelhaft. Die heute benutzten Klimamodelle (CMIP5) kommen zu völlig anderen Ergebnissen. In der Diskussion zur Arbeit (sie war sehr intensiv geführt, vgl. hier, hierhier) wurde von Verfechtern dieser Modelle folgende Kritikpunkte ins Feld geführt:

Woher sollen wir wissen, dass sich das irdische Klimasystem in Zukunft nicht ganz anders („natürlich“ sich viel stärker durch den CO2- Antrieb erwärmend) reagieren würde als bisher beobachtet? Es könnte doch sein, dass die bisher festgestellte vergleichsweise geringe Erwärmung durch CO2 nur eine Laune der Natur war und es viel schlimmer kommt?  Es wurde weiter in den Raum gestellt, dass ein so striktes Energiebilanzmodell, wie es benutzt wurde, die Verhältnisse gar nicht so gut abbilden kann wie  die viel komplizierteren GCM (für General Circulation Model).

An diesem Einwand sind mehrere Folgerungen interessant.

  1. Die Beobachtung einer recht niedrigen TCR, ECS wird bestätigt. Die Mittel, Methoden und Schlussfolgerungen in LC18 werden nicht angezweifelt. Das weitere Einengen der möglichen Bandbreite der Ergebnisse seit der letzten vergleichbaren Arbeit im Jahre 2014 deutet darauf hin, dass sich das Klimasystem so und nicht anders verhält, selbst wenn man das weidlich medial ausgeschlachtete  ElNino- Ereignis ab 2015 einkalkuliert.
  2. Die Diskrepanz zwischen Modellen und beobachteter Wirklichkeit in den letzten 160 Jahren wird akzeptiert. Modelle rechnen die Welt bedeutend (um 30-45%) empfindlicher gegenüber dem CO2- Antrieb als es beobachtet wurde.
  3. Man verlegt das „modellgerechte“ Verhalten des realen Klimasystems immer in die Zukunft. Tenor: „Ihr werdet schon sehen…“ was für einen Naturwissenschaftler immer wenig glaubwürdig erscheinen muss.
  4. Je komplizierter ein Modell, desto besser muss es arbeiten: ein weit verbreiteter Irrtum.

Wie genau sind die Einwände gestrickt und warum werden sie benutzt? Eine Arbeit von Andrew Dessler und seinen Hamburger Kollegen versucht nachzuweisen, dass die natürliche Variabilität unseres Klimas ein GCM so beeinflussen kann, dass es auch über große Zeiträume hinweg trotz eigentlich höherer Sensitivität  eine geringere beobachtete Empfindlichkeit „vorgaukeln“  kann. Es könnte also sein, so die Arbeit, dass uns die Natur einen Streich spielt und die Variabilität viel höher ist als bisher angenommen und die Beobachtungen mehr oder weniger wertlos für die Zukunft sind, ebenso wie die Schlussfolgerungen  in LC18. So jedenfalls las es sich bei Twitter. Dem trat Nic Lewis mit einem Artikel entgegen und wies nach, dass die in der Dessler-Arbeit angesetzte Variabilität sich praktisch nicht von der beobachteten unterscheidet. Es ist am Ende doch nur das Modell, was die hohe Empfindlichkeit vorgibt.

Das nun gezogene Gegenargument: Die beobachtete  räumliche Verteilung der Erwärmung ( die „spatiale Struktur“) auf der Erde muss nicht so bleiben wie beobachtet und dann wird es „natürlich“ schlimmer, es wird der „Mann mit dem Wärmehammer“  erscheinen, wenn sich die Erwärmung endlich so verhält wie es Modelle ( natürlich richtig!) vorhersagen. Auch hier wie anderswo wurde bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die spatiale Struktur der Temperaturentwicklung in Modellen mit den Beobachtungen nur sehr schlecht  übereinstimmt und die Korrelation im Mittel kaum 0,5 ist. „Kein Modell zeigt gut die regionalen Erwärmungen“.   Die Folgerung der Empirie ist: „Die Modelle gehen fehl“.  Sie haben auch in der Literatur bekannte Schwächen ( zu geringe Amplituden und Zeitdauern von Meeresströmungen, eine „doppelte“ innertropische Konvergenzzone,  tropische ostpazifische Abweichungen etc. ) die es diesen oft mühsam „anthropogen“ parametrisierten „Kunstwerken“ nicht erlauben, ihre Erwärmungsmuster mit den beobachteten in Einklang zu bringen.

Das abenteuerliche Argument, das jetzt benutzt wurde, geht  genau anders herum: Die Modelle haben recht mit ihren Mustern und in Zukunft wird sich auch die Natur daran halten müssen. Da fehlen einem wissenschaftlich denkenden Menschen  schon die Worte, nicht wahr? Warum macht man so etwas? Ein prominenter Diskutant zu den Arbeiten auf einem Blog und Modellverfechter  brachte es politisierend auf den Punkt als es doch eigentlich um die wissenschaftlichen Aussagen von LC 18 ging:

„Das Risiko des Ignorierens von möglicherweise wirklich schlechten Konsequenzen des Ansteigens von Treibhausgasen ist nicht akzeptabel“

Wenn die Beobachtungen nicht zu den Schreckensszenarien passen dann sind sie nicht akzeptabel! Dieser Satz sagt so viel aus über die Instrumentalisierung von Wissenschaft für politische Ziele, wir müssen nicht viel hinzusetzen. Aber Wissenschaft ist ein mächtiges Instrument, es korrigiert sich selbst, auch wenn es manchmal dauert. Eine neue  Arbeit beschäftigt sich genau mit der Frage, ob jetzt  vorhandene Modelle die zukünftige spatiale Struktur der Temperaturentwicklung besser antizipieren werden als sie es  gegenwärtig vermögen. Die Antwort ist nein, verlasst Euch besser auf das, was beobachtet wurde. Warum? Modelle rechnen einfach die erwiesenermaßen falschen Strukturen der Gegenwart auf die Zukunft  hoch, es ändert sich über die Jahre praktisch nichts. Was heute bereits falsch ist wird auch in Zukunft nicht anders.

Neben den Diskussionen in den arrivierten internationalen Foren erreichte uns auch Kritik von anderer Seite, auf die wir hier auch kurz eingehen wollen. Sie beziehen sich auf Abschätzungen einer bedeutend niedrigeren Empfindlichkeit unseres Klimas gegenüber Treibhausgasen (0,x °C/CO2 Verdopplung), oft gehen sie neuerdings auf diese Arbeit zurück. Diese wurde jedoch schon im Vorjahr widerlegt.

Was bleibt? Wer empirische Forschung für einen unverzichtbaren Teil auch von Klimawissenschaft hält, wird bis auf Weiteres von einer Klimasensitivität ausgehen müssen, die in LC 18 beschrieben ist. Sie passt auch zur Abschätzung des Unterschiedes in den GMST zwischen der letzten Eiszeit und heute. Es ist stets  die Hypothese anzuwenden, die die wenigsten Rahmenbedingungen braucht, um die Natur zu erklären. Wir folgen hier der Heuristik. Wer das nicht will muss an zukünftige Katastrophen glauben, mit empirischer Wissenschaft hat dies allerdings nichts zu tun.

 

Mehr Respekt vor dem Insekt!

Pressemitteilung der Deutschen Wildtierstiftung vom 20. April 2018:

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Artenschutz als Produktionsziel

Das Insektensterben ist in der Politik angekommen! “Schmetterlinge, Wildbienen & Co. – Ursachen für ihren Rückgang und Perspektiven für ihren Schutz” lautete das Thema des Parlamentarischen Abends, der gestern gemeinsam mit der Deutschen Wildtier Stiftung in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern in Berlin stattfand.

In seinem Vortrag betonte Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung, die Schlüsselrolle der Agrarpolitik. “Wir müssen endlich weg von Subventionen per Gießkanne. Der Artenschutz muss Produktionsziel werden, das den Landwirten über die Agrarpolitik vergütet wird”, lautete eine seiner Forderungen. Und weiter: “Das Wort Biogas ist eine schlimme Vertuschung: An Biogas ist wirklich nichts bio!” Für den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Wildtier Stiftung müssen jetzt agrarpolitisch die Weichen für die Förderperiode ab 2021 gestellt werden.

Lesen hier die Rede von Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand Deutsche Wildtier Stiftung:

“Das Insektensterben ist in der Politik angekommen. Zumindest in der Koalitionsvereinbarung. Dort heißt es u.a.: “Wir werden das Insektensterben umfassend bekämpfen. Mit einem “Aktionsprogramm Insektenschutz” wollen wir die Lebensbedingungen für Insekten verbessern.” Und an anderer Stelle schon fast emotional: “Dabei liegt uns der Schutz der Bienen besonders am Herzen. Wir legen diese Strategien bis Mitte der Legislaturperiode vor.”

Dass ein Rückgang von Insekten weitreichende Folgen für ihre Funktion im gesamten Ökosystem hat, liegt auf der Hand. Insekten bestäuben Pflanzen und sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und Säugetiere. Noch wissen wir wenig über Art und Ausmaß des Rückgangs, es gibt wenig belastbare Zeitreihen. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat eine Studie bei Prof. Reichholf in Auftrag gegeben über den Rückgang der Schmetterlinge. Denn die Situation der Schmetterlinge ist über längere Zeitreihen als bedrohlich belegt. Über 50% der Tagfalterarten stehen heute auf der Roten Liste. Reichholf konnte den Rückgang der Arten als auch der Gesamtzahl der Schmetterlinge am Beispiel einer bayerischen Untersuchungsregion seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts dokumentieren. Besonders auffällig: Während im Wald und im urbanen Raum die Veränderungen gering sind, ist die Abnahme der Falter in der Feldflur dramatisch.

Bei der Ursachenfindung kam die Studie zu differenzierten Analysen, anders als bei politischen Wunschvorstellungen, wie etwa Insektizide seien vor allem Schuld oder aber der Klimawandel. Aber: der Aufwand an Insektiziden ist seit 20 Jahren nicht gestiegen und eine Erwärmung sollte den wärmeliebenden Schmetterlingen eher helfen.

Unstrittig ist, dass der Landwirtschaft eine Schlüsselrolle zukommt. Fast 50% des Ackerlandes werden heute mit zwei Kulturen bestellt: Winterweizen und Mais, im Jahr 2000 lag dieser Wert noch bei 36%. Eine dominante Rolle auf dem Acker nimmt der Mais ein. Sein Anteil stieg dramatisch mit dem Biogas-Boom. Über 1 Million ha Mais wandert heute in Biogasanlagen. Das Wort Bio-Gas ist eine schlimme Vertuschung. Nichts ist bio an Biogas. Diese Förderung muss beendet werden. Die Deckelung des Einsatz von Mais bei neueren Anlagen reicht nicht. Leider setzt die Koalitionsvereinbarung widersprüchliche Signale: “Den Bestand von Bioenergieanlagen wollen wir im Zuge der Ausschreibungen weiterentwickeln. Die Reststoffverwertung werden wir verstärken und den Einsatz von Blühpflanzen erhöhen”. Die Deutsche Wildtier Stiftung konnte in praktischen Großversuchen zeigen, dass mehrjährige Wildpflanzen sich als Biogassubstrat gut eignen. Schmetterlings- und Wildbienenfreundliche Blühflächen statt Mais. Nur mit Null Mais für Biogas sind solche Anlagen zu verantworten.

Der Hebel, um die Landwirtschaft insektenfreundlicher zu machen, ist die EU-Agrarpolitik. 5% ökologische Vorrangflächen sind heute im Ackerbau Pflicht. 5% Brachen oder Blühflächen wären prima – doch durch gezielte Lobbyarbeit des Bauernverbandes wurden auch Zwischenfrüchte und Leguminosen als ökologische Vorrangflächen zugelassen. Logisch, dass Landwirte auf diese Variante aufgesprungen sind. So ist die Idee der ökologischen Vorrangflächen ins Leere gelaufen. Nur noch rund 200 000 ha, das sind knapp 1,5% der Fläche, sind wirklich ökologische Flächen. Da muss man sich nicht wundern, wenn es Schmetterling und Co. schlechter geht.

Aber auch der Verlust von Grünland schlägt zu Buche. 600 000 ha Grünland sind seit 1990 verlorengegangen. Und durch intensive Nutzung hat eine Verarmung der Gräservielfalt eingesetzt. Verlorengegangen sind die für den Naturschutz so wichtigen Magerrasen und Feuchtwiesen. Deutschland erstickt im Stickstoff, nicht der aus den Auspuffgasen – der geht deutlich zurück. Überdüngung führt immer noch zu einem Stickstoffüberschuss von rd. 90 kg/ ha. 62% trägt der Pflanzenbau, 33% die Tierproduktion und 5% Verkehr, Industrie und Haushalte bei. Schnell wachsendes, intensiv gedüngtes Grünland führt zu einem feuchten und kühlen Mikroklima. Schmetterlinge und Wildbienen bevorzugen aber trockene warme Bedingungen.

Die Agrarpolitik muss endlich weg von Subventionen per Gießkanne. Der Artenschutz muss Produktionsziel werden, das den Landwirten über die Agrarpolitik vergütet wird. Prämien für gesellschaftlich nachgefragte Leistungen statt Subventionen für eine aus Umweltsicht fragwürdige Landwirtschaft. Agrarpolitisch müssen jetzt die Weichen gestellt werden für die Förderperiode ab 2021.

Diese politischen Anstrengungen müssen flankiert werden von Forschung und technischem Fortschritt. Wenn Pestizideinsatz, dann müssen die Wirkstoffe zukünftig selektiver wirken; wenn Stickstoffdüngung, dann muss sie zukünftig gezielt auf Bodentyp und Pflanzenbedarf abgestimmt werden. Und wir brauchen mehr Wissen, über die komplexen Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft und Insektenwelt.

Zum Schluss noch ein Wort zum Ökologischen Landbau, den auch wir auf unserem Gut Klepelshagen in Mecklenburg-Vorpommern betreiben. Natürlich hilft der Ökologische Landbau den Insekten: Geringere Düngung, keine Pestizide, weite Fruchtfolgen, der hohe Kleegrasanteil, die Pflicht zur Weidehaltung – all dies erhöht die Qualität ökologisch bewirtschafteter Flächen für Insekten. Doch noch immer hat der ökologische Landbau nur rund 6,5% der landwirtschaftlich genutzten Fläche – das reicht nicht aus, den Artenschwund zu stoppen. 20% würde vielen gefährdeten Arten helfen.

In Klepelshagen bewirtschaften wir rund 1.300 ha Agrarfläche nicht nur nach ökologischen Kriterien, sondern darüber hinaus auch besonders wildtierfreundlich, was sich u.a. in einem späten Mahdtermin auf dem Grünland niederschlägt. 2016 haben wir die Wildbienenfauna in Klepelshagen erfassen lassen. Der Gutachter, Herr Dr. Schmidt-Egger ist hier heute auch unter uns. 109 Wildbienenarten konnte er nachweisen, davon 21 Rote Liste Arten. Für den, wegen seiner naturräumlichen und klimatischen Bedingungen eher artenärmeren Nordosten, ein für uns besonders erfreulicher Befund, der deutlich über Ergebnissen von konventionell bewirtschafteten Betrieben liegt. Sie sehen: die Wildbienen sind uns besonders an Herz gewachsen – nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in den Städten. In Hamburg und nun mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Umwelt auch hier in Berlin gestalten und schaffen wir Wildbienenlebensräume. Die Betonung liegt dabei auf WILDbienen, denn sie sind gefährdet, nicht die Honigbiene! Sie ist ein Nutztier des Menschen und kann sogar zur Konkurrenz für ihre wilden Verwandten werden.

Wir brauchen mehr wildtierfreundliche Landwirtschaft, wir brauchen mehr Vielfalt in unseren Landschaften durch Hecken, Raine, Tümpel und Feldgehölze, wir müssen Sonderbiotope wie Heiden, Magerrasen und Feuchtwiesen bewahren und wir brauchen mehr Naturerbeflächen und damit mehr Wildnis in Deutschland – all dies brauchen wir, um der faszinierenden und so bedeutsamen Welt der Insekten eine Zukunft zu geben.

Dass Sie, sehr verehrte Frau Bundesministerin Schulze zu diesem Abend gekommen sind, zeigt uns, dass wir eine Verbündete haben, eine, die den Naturschutz, die wildlebenden Tiere und Pflanzen, bis hin zu Schmetterlingen und Wildbienen, Libellen und Laufkäfern wieder zum Markenkern der Umweltpolitik in Deutschland werden lässt.

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Artikel am selben Tag Demo-Online.de:

Till Backhaus: „Mehr Respekt vor dem Insekt!“
Der Minister für Landwirtschaft und Umwelt in Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, hat acht Forderungen vorgestellt, um das massive Insektensterben aufzuhalten und umzukehren. Er forderte, ein umfangreiches Monitoring zu etablieren, und Anreize für Landwirte zu schaffen, wobei ökologische Leistungen honoriert werden sollen.

Weiterlesen auf Demo-Online.de

 

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Gefahr durch Schwermetalle: Studie warnt vor Umweltrisiken durch Solarmodule

Die Welt am 13. Mai 2018:

Gefahr durch Schwermetalle: Studie warnt vor Umweltrisiken durch Solarmodule
Anders als angenommen, sind die in Solarmodulen enthaltenen Schadstoffe doch wasserlöslich. Das zeigt eine Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums. Bei der Lösung des Problems ist die EU am Zug.

Weiterlesen in der Welt.

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Michael Krüger am 5. April 2018 im ScienceSkepticalBlog:

Die Solarwende in Deutschland steht vor dem Aus?!
Der Anteil der Photovaltaik an der Bruttostromerzeugung in Deutschland steigt seit 2015 nicht mehr, sondern fällt auf unter 6%. Der Zubau der Photovoltaik hat 2012 seinen Höchststand erreicht mit 7.500 MW neu installierter Anlagenleistung. 2016 ist dieser abgesunken auf 600 MW. Ein Einbruch auf unter 1/12. Die Neuinvestitionen in PV sinken mit der EEG-Förderung. 2010 wurden noch 19,5 Mrd. € in den Neubau von PV-Anlagen investiert. 2016 waren es nur noch 1,58 Mrd. €. Ein Einbruch auf unter 1/12.

Weiterlesen sowie Graphiken hier.

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Die Welt am 14. Mai 2018:

Wirtschaftsweisen-Chef: Der große Konstruktionsfehler der Energiewende
Der Ausstoß von Treibhausgasen muss drastisch sinken. Doch die bisherige Subventionierung des Öko-Stroms ist unermesslich teuer und ineffizient. Es gibt einen Ausweg, schreibt der Chef der Wirtschaftsweisen in einem Gastbeitrag.

Weiterlesen in der Welt.

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Irland installiert nicht genug Erneuerbare Energien und muss jetzt wohl Strafe zahlen. Der irische Independent meldete am 20. Mai 2018:

Ireland faces annual EU energy fines of €600m
Ireland faces fines of €600m a year from the EU for failing to meet renewable energy targets and cutting carbon emissions by 2020. New, more ambitious targets for 2030 do not let Ireland off the hook for the 2020 measures, it has emerged. A report for the Dáil Public Accounts Committee, which calculated the potential fines within two years, said they will be a matter for the European Court of Justice to impose.

Weiterlesen im Independent

 

US-Forscher schlagen Alarm: Klimamodelle versagen kläglich bei der Simulation der Kleinen Eiszeit

Im letzten Jahr (2017) erschien das US-amerikanische Gegenstück zum IPCC-Bericht, das Fourth National Climate Assessment, kurz NCA4. Dieser Bericht fokussiert auf die USA, behandelt aber am Rande auch das Weltklima als Kontextinformation. Zunächst hatte man befürchtet, dass Präsident Trump das Erscheinen des Berichts verhindern könnte. Die Befürchtungen waren letztendlich unbegründet, so dass der Bericht Ende 2017 veröffentlicht werden konnte. Die Arbeit ist im Internet frei einsehbar und die Kapitel als pdf herunterladbar.

Die wenigsten Politiker, Aktivisten und Bürger werden sich die Mühe gemacht haben, und den Bericht gelesen haben, selbst auszugsweise. Wir möchten Sie ermutigen, es trotzdem zu tun. Denn dabei stößt man auf die eine oder andere wichtige Information der Wissenschaftler. Gehen wir z.B. in Kapitel 3. Im Abschnitt  3.2 “Detection and Attribution of Global Temperature Changes” geht es um die Kleine Eiszeit, eine natürliche Kältephase im 15.-19. Jahrhundert. Damals kühlten die Temperaturen so stark ab wie kaum zuvor in den letzten 10.000 Jahren. All dies geschah in vorindustrieller Zeit, als anthropogene Treibhausgase noch keine Rolle spielten. Was hat die Kälte der Kleinen Eiszeit verursacht? Wir lesen im NCA4:

Schurer et al. use detection and attribution fingerprinting methods along with paleoclimate reconstructions and millennial-scale climate model simulations from eight models to explore causes for temperature variations from 850 AD to the present, including the Medieval Climate Anomaly (MCA, around 900 to 1200 AD) and the Little Ice Age (LIA, around 1450 to 1800 AD). They conclude that solar variability and volcanic eruptions were the main causal factors for changes in Northern Hemisphere temperatures from 1400 to 1900, but that greenhouse gas changes of uncertain origin apparently contributed to the cool conditions during 1600–1800. Their study provides further support for previous IPCC report conclusions (e.g., IPCC 2007 ) that internal variability alone was extremely unlikely to have been the cause of the recent observed 50- and 100-year warming trends. Andres and Peltier also inferred from millennial-scale climate model simulations that volcanoes, solar variability, greenhouse gases, and orbital variations all contributed significantly to the transition from the MCA to the LIA.

Man räut ein, dass die schwache Sonne eine Hauptrolle spielt. Dazu gesellt man noch die Vulkanausbrüche, deren Ausbruchsmuster aber gar nicht zum detaillierten Temperaturverlauf passt. Dann schreiben die NCA4-Autoren etwas ganz Sonderbares: Eine Mitursache der Kleinen Eiszeit seien Änderungen bei den Treibhausgasen unbekannter Herkunft. Offenbar bekommen die Modelle das volle Ausmaß der Abkühlung der Kleinen Eiszeit nicht hin, so dass man einfach noch die Treibhausgase in den Simulationen reduzieren muss, um die Kälte zu reproduzieren. Ein ungeheuerlicher Trick, denn aus den Eiskernen wissen wir, dass die CO2-Konzentration in vorindustrieller Zeit während der letzten 10.00 Jahre kaum schwankte. Wenn man die Klimawirkung der Sonne in seiner Bedeutung hochschrauben würde, wäre das Problem vermutlich gelöst. Aber das möchte man nicht, denn dann würde die Sonne auch im 20. Jahrhundert eine viel wichtigere Rolle beim Klimageschehen einnehmen.

Der NCA4-Bericht räumt also unumwunden ein, dass die Modelle die Kleine Eiszeit nur mit unbekannten Zauberfaktoren simulieren können. Das Versagen der Modelle während der letzten Jahrhunderte müsste eigentlich ernste Konsequenzen haben: Sie dürften für Zukunftsmodellierungen gar nicht verwendet werden, da die Rückwärtkalibrierung nicht gelingt. Fahren ohne Führerschein. Wo ist die Klimapolizei?

 

Meerestiere folgen seit Jahrmillionen ihrem bevorzugten Klima

Pressemitteilung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg vom 8. Mai 2018:

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Meerestiere folgen seit Jahrmillionen ihrem bevorzugten Klima

Die gegenwärtige globale Erwärmung hat weitreichende ökologische Auswirkungen, auch auf die Weltmeere. Die Wanderung vieler Meeresorganismen in Richtung der Pole ist eine klare Antwort darauf. Wissenschaftler des Geozentrums Nordbayern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nun herausgefunden, dass die Tiere schon seit Jahrmillionen auf Wanderschaft gehen, wenn die Temperatur auf der Erde steigt oder sinkt.

Meerestiere folgen veränderten Temperaturzonen zu Polen oder Äquator

Die meisten Lebewesen auf der Erde haben sich in ökologischen Nischen eingerichtet und bevorzugen daher – neben anderen Faktoren – auch eine bestimmte Temperatur ihres Lebensraums. Meerestiere brauchen für ihren Stoffwechsel entweder wärmeres Wasser, wie tropische Arten, oder kälteres Wasser, wie Tiere, die von einem höheren Sauerstoffgehalt abhängig sind. Sie wandern deshalb in Richtung der Pole oder des Äquators, sobald sich die Temperatur ändert – und das schon seit Millionen von Jahren. „Die Geschwindkeit des Klimawandels war scheinbar noch nie so hoch wie heute, aber auch in der Vergangenheit gab es rapide Klimaveränderungen, auf die Organismen mit Migration reagieren mussten um nicht auszusterben – Anpassung war eher die Ausnahme“, betont Prof. Wolfgang Kießling, Inhaber des Lehrstuhls für Paläoumwelt.

Seine gemeinsamen Forschungen mit Dr. Carl Reddin, ebenfalls am Geozentrum Nordbayern, haben anhand von Fossilien gezeigt, dass zum Beispiel Korallen, Muscheln und Schwämme schon seit einer halben Milliarde Jahre ihrer bevorzugten Wärme- oder Kältelinie folgen. Denn sobald die globale Temperatur steigt oder sinkt, verschieben sich die Isotherme, also die geografische Linien für beispielsweise 20°C, Richtung Pole oder Äquator. In der heutigen Zeit sind die Isotherme wegen der Erderwärmung seit Jahren polwärts in Bewegung.

Tropische Tiere zeigen die Tendenz zur klimabedingten Migration am deutlichsten. Das mag daran liegen, dass viele von ihnen nahe am thermischen Maximum für komplexe Tiere von 35-45°C leben. Aktuelle Erwärmungstendenzen treiben tropische Tiere vermutlich polwärts, vorausgesetzt, es gibt für sie einen passenden Lebensraum, zu dem sie wandern können.

Wandel in der Verbreitung der Arten führt auf die Spur des Klimawandels

Doch wie kamen die Paläobiologen den vorzeitlichen Wanderungsbewegungen auf die Spur? Sie bestimmten zunächst die geografischen Koordinaten des Gebiets, wo die Fossilien damals lebend vorkamen: Mit einem Modell ermittelten sie die Bewegung der tektonischen Platten zurück in die Zeit, in der die Tiere lebten, und kombinierten die Ergebnisse mit den aktuellen Koordinaten des jeweiligen Fundorts der fossilen Proben. Nun konnten sie die Entwicklung der fossilen Artenzusammensetzung im Laufe von langen Zeiträumen nachvollziehen. Dabei griffen die Wissenschaftler auf eine weltweit vernetzte Datenbank mit allen jemals gefundenen Fossilien zurück, die sie selber mit aufgebaut haben.

Die Ergebnisse haben auch eine Bedeutung für die Gegenwart: So erwarten Wolfgang Kießling und Carl Reddin, dass die derzeitigen Verschiebungen vor allem tropische Arten betreffen, wo letztlich ein deutlicher Rückgang von Arten zu erwarten ist. Die bisherigen Beobachtungen sind weitgehend auf mittlere Breiten begrenzt, wo Migrationen bereits allgegenwärtig sind.

Das Paper ist online verfügbar: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/geb.12732

 

Unrühmliche Dieselstudie des Umweltbundesamtes bringt es zur “Unstatistik des Monats”

Deutsche Welle am 24. April 2018:

Klimawandel: Steht die Wasserkraft vor dem Aus?
Wasser ist die größte Quelle für erneuerbare Energie. Starke Dürreperioden sorgen aber immer wieder dafür, dass einigen Wasserkraftwerken das Wasser ausgeht. Welche Rolle spielt dabei der Klimawandel?

Weiterlesen bei der Deutschen Welle

Verdrängt wird offenbar, dass auch das Hydroklima zyklischen natürlichen Schwankungen unterliegt. Nicht jede beobachtete Änderung kann langfristig in die Zukunft extrapoliert werden.

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Die mittlerweile berühmt-berüchtigte Dieselstudie des Umweltbundesamtes hat es am 28. März 2018 zur “Unstatistik des Monats März” gebracht, die vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung herausgegeben wird. Autoren: Der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer:

Diesel, Stickstoff und 6000 Tote
Die Unstatistik März 2018 sind die 6000 angeblichen Stickstofftoten im Jahr 2014 in Deutschland. Eine Studie, die im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt wurde, will herausgefunden haben, dass 5996 Bundesbürger an Herz-Kreislauf-Krankheiten vorzeitig verstorben seien, die sie sich durch NO2-Belastung zugezogen hätten. Die methodischen und konzeptionellen Mängel dieser Studie wurden schon an anderer Stelle kritisiert, unter anderem bei „Spiegel online“ und welt.de, sowie kabarettistisch aufgespießt bei „Nuhr im Ersten“ in der ARD (ab Sendeminute 24:40). Die Zahl 6000 ist das Produkt einer reinen Modellrechnung; es gibt zwar die Vermutung, aber keinen Nachweis, dass NOx zum Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Kaum ein Arzt hat bisher die NOx-Belastung als Todesursache angegeben.

Weiterlesen beim RWI

Hierzu auch ein Interview mit Walter Krämer in der WAZ vom 13. März 2018:

„Es ist Panikmache, von Tausenden Abgas-Toten zu sprechen“
Auch in Essen drohen Diesel-Verbote. Statistik-Professor Walter Krämer über unseriöse Studien, willkürliche Grenzwerte und ideologische Kämpfe.

Der Dortmunder Statistik-Professor Walter Krämer ist seit vielen Jahren ein Streiter gegen die unsachgemäße, ideologisch geprägte Verwendung von Statistiken, wobei er neben Politik, Medien und Lobbygruppen auch interessegeleitete Wissenschaftler angreift. Besonders erbost ihn die derzeitige Debatte über fiktive Tote aufgrund von Diesel-Abgasen, die auch in Essen dazu führt, dass Fahrverbote bald möglich erscheinen.

Weiterlesen in der WAZ

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Die Klimarevolution frisst ihre Kinder. Nach Jahren des Alarmschlagens sind einige Klimakämpfer nun nahe am Zusammenbruch. Trauriges Beispiel Eric Holthaus. Er wollte ursprünglich gar keine Kinder, weil er damit dachte, das Klima am besten zu schützen. Dann bekam er doch welche. Dann trennte er sich offenbar von seiner Frau, was natürlich auch nicht gerade gut für das Klima ist, wenn man plötzlich wieder einen doppelten Haushalt führen muss. Jetzt wurde bekannt, dass er nachts wegen schlechter Klimagedanken nicht mehr schlafen könne und ärztliche Hilfe benötigt. Wie konnte es soweit kommen? Vielleicht sollte sich der beklagenswerte Mann einmal gründlich mit der vorindustriellen Klimageschichte beschäftigen. Danach ist er vielleicht geheilt. Jetzt wird sich der eine oder andere fragen, woher wir das alles wissen. Plaudern wir Geheimnisse aus? Nein, kann man heutzutage alles auf Twitter und Co. lesen. Einige können einfach nicht ihre Finger vom Handy lassen. WUWT hat die Tweets aufgefangen, hier und hier.

 

Lake Superior: Quelle oder Puffer von CO2?

Die Welt am 8. Mai 2018:

Es wäre ehrlicher, sich von den Klimazielen völlig zu verabschieden
Energiewende und Klimaschutz gehören nicht zu den Prioritäten der Regierung. Erreichbar sind ihre 2030er-Klimaziele nur, wenn wir sofort gezwungen werden, jeden Kessel, Ofen, Motor stillzulegen. Völlig illusorisch. Es bleibt eine einzige Hoffnung.

Weterlesen in der Welt.

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Deutscher Arbeitgeberverband am 24. April 2018:

Klimawissenschaftliche Abstimmung mit den Füßen
In Europa herrscht ein breiter Konsens darüber, dass Kohlekraftwerke so bald wie möglich abgeschaltet werden sollten. Hintergrund ist die Furcht vor sich änderndem Wetter infolge eines Anstiegs an Kohlendioxid in der Atmosphäre. In Asien wird diese Furcht ganz offensichtlich nicht geteilt. 2.000 Kohlekraftwerke sollen in den nächsten Jahren gebaut werden.

Die South China Morning Post berichtete in einem Artikel am 1. April, dass in den nächsten zwanzig Jahren mehr als 1.600 Kohlekraftwerke moderner Bauart in 60 Ländern durch chinesische Firmen gebaut werden sollen. Auch Japan möchte an dem wachsenden Markt für asiatische Kohlekraftwerke teilhaben und nach dem Bericht weitere 400 Kohlekraftwerke bauen und exportieren. In den USA glauben nach einer aktuellen Umfrage 69 Prozent der Republikaner (aber nur 4 Prozent der Demokraten), dass die Furcht vor Klimaveränderungen durch einen Anstieg an Kohlendioxid in der Atmosphäre übertrieben sei, wie eine aktuelle Umfrage des Gallup-Instituts ermittelte.

Weiterlesen beim Deutschen Arbeitgeberverband

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Die Welt am 23. April 2018:

Die deutsche Energiewende verliert ihren Risikopuffer
Die Erneuerbaren Energien können sich nicht mehr auf die Absicherung durch konventionelle Kraftwerke verlassen, warnt die Strombranche. Um eine Unterdeckung abzuwenden, müsse die Politik sofort handeln. Ansonsten sei die Netzstabilität nachhaltig gefährdet.

Weiterlesen in der Welt

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Großbritannien hat die Anzahl seiner Spezialisten für den Klimawandel im Auswärtigen Amt in den letzten Jahren um ein Viertel reduziert.Offenbar gibt es wichtigere Themen, die es anzugehen gilt.

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Der CO2-Kreislauf der Erde wird oft mit bunten Pfeildiagrammen illustriert. Dort stehen dann Werte von CO2-Mengen wie sie von einem System ins andere wechseln. Was die Wenigsten wissen ist, dass das Grundverständnis dieser Prozesse ziemlich mager ist. Die Utah State University veröffentlichte jetzt eine Pressemitteilung (via Science Daily) in der eingeräumt wird, dass man wohl lange nicht einmal das Vorzeichen in gewissen Fällen korrekt verstanden hatte:

Blinded by the light: Climate change, the sun, and Lake Superior

Blinded by the light: How climate change, El Niño, and the sun led us to believe that Lake Superior was a source of CO2 to the atmosphere

Lakes tend to emit carbon dioxide (CO2) to the atmosphere, making them important players in the planet’s natural regulation of its climate. However, the direction of the flow of CO2 between lakes and the atmosphere can be influenced by humans or by natural factors such as rainfall or air temperature. Lake Superior is the largest freshwater lake on the planet, and a number of detailed studies occurring in the late 1990s and early 2000s found that, like most lakes, it was a net source of CO2 to the atmosphere. However, earlier publications described Lake Superior as a sink of atmospheric CO2. Dr. Soren Brothers of the Ecology Center and Watershed Sciences Department at USU analyzed monitoring data of dissolved oxygen concentrations in the lake from the past 50 years. His analysis indicated that in most years the lake absorbs atmospheric CO2 from late May to early October, but then expels CO2 during the winter.

This reanalysis of CO2 fluxes resulted in the publication of Light may have triggered a period of net heterotrophy in Lake Superior in Limnology and Oceanography by Soren Brothers and his co-author Dr. Paul Sibley from the University of Guelph. Their synthesis indicated that a powerful climatic event such as the 1997/98 El Niño, coupled with the effects of climate change, could make Lake Superior a temporary summertime source of CO2 to the atmosphere. Their research demonstrates how the shifting dynamics of CO2 in lakes both contributes to and is affected by climate change. The El Niño of 1997/98 was associated with a strong decline in Lake Superior’s winter ice cover, while climate change had gradually warmed its waters and reduced its cloud cover. A concurrent increase in water clarity resulted in greater light penetration, liberating a portion of the lake’s dissolved organic carbon pool for release into the atmosphere as CO2. Since the early-to-mid 2000s, the lake appears to have returned to a net sink of atmospheric CO2.

As the water characteristics of Lake Superior are in many ways similar to that of some parts of the world’s oceans, Brothers and Sibley suggest that their findings may be relevant to the large global pool of dissolved organic carbon in marine waters. Major implications for potential marine-atmospheric feedbacks exist with future climatic warming.

Paper: Soren Brothers, Paul Sibley. Light may have triggered a period of net heterotrophy in Lake Superior. Limnology and Oceanography, 2018; DOI: 10.1002/lno.10808

 

Bäume verbrauchen zuviel Wasser: Umhauen!

Spiegel Online am 18. April 2018:

Kritik des Bundesrechnungshofs Regierung weiß nicht, was Energiewende kostet
Das Wirtschaftsministerium koordiniert Dutzende Gesetze zur Energiewende. Doch es hat laut Bundesrechnungshof keinen Überblick über deren Kosten. Dabei wird genau das seit mehr als einem Jahr angemahnt.

Weiterlesen auf Spiegel Online

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Die Welt am 17. April 2018:

Altmaier akzeptiert den wahren Zustand der Energiewende
Erstmals hat der neue Bundeswirtschaftsminister zur Energiepolitik gesprochen. Dabei hätte er relativ einfach Applaus einsammeln können. Doch Altmaier verzichtete auf das Erzählen eines alten deutschen Klima-Märchens.

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Das Barcelona Institute for Global Health warnte am 25. April 2018 vor Krebsgefahr bei Verwendung von energiesparenden weißen LEDs (via EurekAlert!) :

Study links night exposure to blue light with breast and prostate cancer

Researchers used images taken by astronauts to evaluate outdoor lighting in Madrid and Barcelona

A study performed by an international team led by the Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal), a centre supported by the “la Caixa” Foundation, reports a link between exposure to blue light at night and higher risk of developing breast and prostate cancer. Blue light is a range of the visible light spectrum emitted by most white LEDs and many tablet and phone screens. The results have been published in Environmental Health Perspectives.

“WHO’s International Agency for Research on Cancer (IARC) has classified night shift work as probably carcinogenic to humans. There is evidence pointing to an association between exposure to artificial light at night, disruption of the circadian rhythm, and breast and prostate cancers. With this study we sought to determine whether night exposure to light in cities can affect the development of these two types of cancer”, explains Manolis Kogevinas, ISGlobal researcher and coordinator of the study. “We know that depending on its intensity and wave length, artificial light, particularly in the blue spectrum, can decrease melatonin production and secretion”, says Martin Aubé, physics professor at CÉGEP in Sherbrooke, Canada and study co-author.

The study was conducted within the framework of the MCC-Spain project cofunded by the ‘Consorcio de Investigación Biomédica en Red de Epidemiología y Salud Pública’ (CIBERESP), and includes medical and epidemiological data of more than 4,000 people between 20 and 85 years of age in 11 Spanish regions. Indoor exposure to artificial light was determined through personal questionnaires, while outdoor levels of artificial light were evaluated for Madrid and Barcelona, based on nocturnal images taken by astronauts aboard the International Space Station. Results obtained for both cities show that participants exposed to higher levels of blue light had a 1.5 and 2-fold higher risk of developing breast and prostate cancer, respectively, as compared to the less-exposed population.

Ariadna García, ISGlobal researcher and first author of the study, says: “Given the ubiquity of artificial light at night, determining whether it increases or not the risk of cancer is a public health issue”. At this point, further studies should include more individual data using for instance light sensors that allow measuring indoor light levels. It would also be important to do this kind of research in young people that extensively use blue light emitting screens”.

“Currently, the images taken by the astronauts on the Space Station are our only way of determining the colour of outdoor lighting at a large scale, and the spread of blue light-emitting white LEDs in our cities”, comments Alejandro Sánchez de Miguel, scientist at the Astrophysics Institute in Andalucía-CSIC and Exeter University.

Reference: Garcia-Saenz A., Sánchez de Miguel A., Espinosa A., Valentín A., Aragonés N., Llorca J., Amiano P., Martín Sánchez V., Guevara M., Capelo R., Tardón A., Peiró-Pérez R., Jiménez-Moleón JJ., Roca-Barceló A., Pérez-Gómez B., Dierssen-Sotos T., Fernández-Villa T., Moreno-Iribas C., Moreno V., García-Pérez J., Castaño-Vinyals G., Pollán M., Aubé M., Kogevinas M. Evaluating the association between artificial light-at-night exposure and breast and prostate cancer risk in Spain (MCC-Spain study). April 2018. DOI:10.1289/EHP1837. Environmental Health Perspectives

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Kurios: Weil Bäume Wasser brauchen, sollen sie jetzt in einigen Gegenden der Welt umgehauen werden, um die Wasserressourcen zu schonen. Pressemitteilung der US-amerikanischen National Science Foundation (NSF) vom 23. April 2018:

Billions of gallons of water saved by thinning forests

Too many trees in Sierra Nevada forests stress water supplies, scientists say

There are too many trees in Sierra Nevada forests, say scientists affiliated with the National Science Foundation (NSF) Southern Sierra Critical Zone Observatory (CZO). That may come as a surprise to those who see dense, verdant forests as signs of a healthy environment. After all, green is good, right? Not necessarily. When it comes to the number of trees in California forests, bigger isn’t always better. That’s in part because trees use lots of water to carry out basic biological tasks. In addition, they act as forest steam stacks, raking up water stored in the ground and expelling it as vapor into the atmosphere, where it’s accessible to humans and forest ecosystems only when it falls back to Earth as rain and snow.

That process — by which plants emit water through tiny pores in their leaves — is known as evapotranspiration. And according to researchers, excessive evapotranspiration may harm a fragile California water system, especially during prolonged, warm droughts. New research published this week in the journal Ecohydrology shows that water loss from evapotranspiration has decreased significantly over the past three decades. That’s due in large part to wildfire-driven forest thinning — a finding with important implications for forest and water management. A century of forest management had kept wildfires to a minimum. But without fire, Sierra forests grew very dense. In recent decades, new policies have allowed nature to take its course, with wildfires helping to thin out overgrown forests.

“Forest wildfires are often considered disasters,” said Richard Yuretich, director of NSF’s CZO program, which funded the research. “But fire is part of healthy forest ecosystems. By thinning out trees, fires can reduce water stress in forests and ease water shortages during droughts. And by reducing the water used by plants, more rainfall flows into rivers and accumulates in groundwater.” Using data from CZO measurement towers and U.S. Geological Survey satellites, researchers found that over the period 1990 to 2008, fire-thinned forests saved 3.7 billion gallons of water annually in California’s Kings River Basin and a whopping 17 billion gallons of water annually in the American River Basin — water that would otherwise have been lost through evapotranspiration.

Forest thinning has increased in recent decades in an effort to stave off disastrous wildfires fueled by dense forests. This study shows that restoring forests through mechanical thinning or wildfire can also save California billions of gallons of water each year. “The need for forest restoration is being driven largely by the need to lower the risk of high-intensity wildfires and restore forest health,” said University of California Merced scientist Roger Bales, director of the Southern Sierra CZO and study co-author. “Downstream users who benefit from the increased water yield are an important potential revenue stream that can help offset some of the costs of restoration.”

Forested areas needing restoration are large, Bales said, but potential changes in water availability are significant. The total effect of wildfires over a 20-year period suggests that forest thinning could increase water flow from Sierra Nevada watersheds by as much as 10 percent. The U.S. Forest Service says that 6 to 8 of the 21-million acres it manages in California need immediate restoration. Another 58 million acres nationally also require restoration. For California alone, restoration costs are estimated at $5 to $10 billion. But, according to the study authors, the restoration might help pay for itself. “We’ve known for some time that managed forest fires are the only way to restore the majority of overstocked western forests and reduce the risk of catastrophic fires,” said James Roche, a National Park Service hydrologist and lead author of the new study. “We can now add the potential benefit of increased water yield from these watersheds.”