Zwei Studien mit überraschendem Ergebnis: Immer weniger Hitzetote, trotz Klimaerwärmung

Im Februar 2018 erschien im Fachblatt Environment International eine wichtige Studie zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Todesfälle. Ein 22-köpfiges Autorenteam um Ana Vicedo-Cabrera untersuchte Trends bei Todesfällen im Zusammenhang mit Hitzewellen und Kältephasen an 305 Orten in insgesamt 10 Ländern. Das Resultat war überraschend: In fast allen Ländern gab es weniger Hitzetote. Bei den Kältetoten war das Ergebnis uneinheitlich: In einigen Ländern gab es mehr, in anderen weniger, in wiederum anderen blieb der Anteil konstant. Auszug aus dem Abstract:

Heat-related AFs [attributable mortality fractions] decreased in all countries (ranging from 0.45–1.66% to 0.15–0.93%, in the first and last 5-year periods, respectively) except in Australia, Ireland and UK. Different patterns were found for cold (where AFs ranged from 5.57–15.43% to 2.16–8.91%), showing either decreasing (Brazil, Japan, Spain, Australia and Ireland), increasing (USA), or stable trends (Canada, South Korea and UK). Heat-AF trends were mostly driven by changes in exposure-response associations due to modified susceptibility to temperature, whereas no clear patterns were observed for cold. [...]

Our findings suggest a decrease in heat-mortality impacts over the past decades, well beyond those expected from a pure adaptation to changes in temperature due to the observed warming. This indicates that there is scope for the development of public health strategies to mitigate heat-related climate change impacts. In contrast, no clear conclusions were found for cold. Further investigations should focus on identification of factors defining these changes in susceptibility.

Im Mai 2018 folgte dann noch eine Studie einer Gruppe um Daniel Oudin Åström im International Journal of Biometeorology. Die Forscher werteten Daten aus Stockholm für die letzten 100 Jahre aus und fanden ebenfalls trotz Klimaerwärmung einen Rückgang von Hitzetoten. Der Anteil der Kältetoten blieb jedoch über die Zeit stabil – trotz Temperaturanstieg im letzten Jahrhundert. Abstract:

Investigating changes in mortality attributable to heat and cold in Stockholm, Sweden
Projections of temperature-related mortality rely upon exposure-response relationships using recent data. Analyzing long historical data and trends may extend knowledge of past and present impacts that may provide additional insight and improve future scenarios. We collected daily mean temperatures and daily all-cause mortality for the period 1901–2013 for Stockholm County, Sweden, and calculated the total attributable fraction of mortality due to non-optimal temperatures and quantified the contribution of cold and heat. Total mortality attributable to non-optimal temperatures varied between periods and cold consistently had a larger impact on mortality than heat. Cold-related attributable fraction (AF) remained stable over time whereas heat-related AF decreased. AF on cold days remained stable over time, which may indicate that mortality during colder months may not decline as temperatures increase in the future. More research is needed to enhance estimates of burdens related to cold and heat in the future.

 

Fritz Vahrenholts Sonnenkolumne 5/18: Klimaempfindlichkeit gegenüber CO2 und die Kohlekommission

Hier schreibt Fritz Vahrenholt seine monatliche Kolumne. In allgemeinverständlicher Form berichtet er über neue Entwicklungen aus den Klimawissenschaften – und natürlich von unserer lieben Sonne.

11.6.2018
Die Sonne im April 2018: Klimaempfindlichkeit gegenüber CO2 und die Kohlekommission

Sehr geehrte Damen und Herren,

leider komme ich urlaubsbedingt erst jetzt dazu, Ihnen über den April 2018 zu berichten. Die Sonne war auch im vergangenen April sehr wenig aktiv. An 16 Tagen war die Sonne vollständig fleckenlos; die Sonnenfleckenzahl des Monats betrug weniger als ein Drittel des zu Erwartenden.

In unserem März-Bericht hatten wir die neuesten Forschungsergebnisse zur Klimaempfindlichkeit gegenüber CO2 vorgestellt. Danach ist die Klimaerwärmung bis zu 45 % geringer als uns das IPCC und der mainstream der Klimawissenschaftler glauben lässt. Das Interessante aber war die Reaktion des mainstreams darauf: die Methoden der Arbeit von Curry und Lewis werden nicht angezweifelt. Aber es könnte ja sein,- so der mainstream – dass die Erde in der Zukunft ganz anders, nämlich wärmer auf CO2 Emissionen reagiert. Das kann man eher spekulative Wissenschaft nennen, nämlich auf Modelle zu vertrauen, die in der Vergangenheit versagt haben und weder Meeresströmungen noch Wolken abbilden können.

Das Fundament des Pariser Abkommens ist also zusammengebrochen. Bis 2100 werden wir, was immer wir tun, die 2 Grad-Grenze nicht überschreiten. Was passiert nun mit der weltweiten Kohlenutzung? Außer in Europa und Kanada gibt es keinen Abschied von der Kohle. China und Indien dürfen nach dem Pariser Abkommen- wie alle Entwicklungsländer- die Kohlekraftwerkskapazitäten massiv ausweiten. In China kommen 280 000 MW hinzu in Indien 174 000 MW. Zum Vergleich: die gesamte Braunkohlenflotte Deutschlands hat eine Kapazität von 22 700 MW. 1600 Kohlekraftwerke werden weltweit in 62 Ländern gebaut, die meisten übrigens durch chinesische Kraftwerksbauer und mit Hilfe chinesischer Kredite. So etwa 15 300 MW in Pakistan, 16 000 in Bangladesh, selbst Myanmar 5100 MW. (Quelle : South China Morning Post). Insgesamt wird die Kohlekraftwerkskapazität weltweit um 43 % erweitert. Selbst Japan setzt auf Kohle, versucht allerdings mit Hilfe von CCS (Carbon Capture and storage), die CO2-Emissionen nicht weiter ansteigen zu lassen. Daher erscheinen die CO2-Verminderungsziele Japans auch eher bescheiden : 16 % bis 2030 und 25 % bis 2050. Zum Vergleich Deutschland 2030 40 % und 2050 80 bis 95 %.

Was andere Länder nicht schaffen, wollen wir mit Hilfe einer Kohlekommission erreichen, die eben nicht mit Energie-, Netz- und Technologieexperten besetzt ist, sondern mit Greenpeace, BUND und lokalen Bürgerinitiativen gegen Braunkohle. Dass allein in der Lausitz eine jährliche Wertschöpfung von 2 Milliarden € aufs Spiel gesetzt wird, werden die Wähler in diesem Raum im nächsten Jahr bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen nicht vergessen haben, zumal die ehemaligen Ministerpräsidenten von Brandenburg (SPD), Platzeck, und Sachsen (CDU), Tillich, der ehemalige Kanzleramtsminister Pofalla, flankiert von einer ehemaligen grünen Volkswirtin von AGORA an der Spitze der Kommission stehen. Aber was sind schon verlorene Landtagswahlen, wenn es doch um die Rettung der Welt geht ! Und dann sind ja noch die Grüne Gunda Röstel von der Stadtentwässerung Dresden und der Grüne Rainer Priggen, Vorsitzender des Lobbyverbandes Erneuerbare Energien in Nordrhein-Westfalen als Experten in der Kohlekommission. Auf die Idee auch Kritiker der alternativen Windenergie, die mittlerweile die grösste Naturzerstörung in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg verursacht hat, ist kein Politiker der Bundesregierung gekommen. Dass die Verdreifachung der Windenergiekapazität in Deutschland zu einem durchschnittlichen Abstand der Windmasten von 2,7 km führt, interessiert die Bundesregierung nicht.

Am Parlament vorbei darf nun Prof. Schellnhuber seinen Traum von der “Grossen Transformation” ausleben. In einem Gutachten für die Bundesregierung hatte der von ihm geleitete Sachverständigenrat WBGU 2011 einen ” Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation” vorgelegt. Die Kernthese des WBGU ist folgende: das gegenwärtige Wirtschaftsmodell (“fossiler industrieller Metabolismus”) sei normativ unhaltbar. Der Umbau der Weltwirtschaft müsse schnell gehen, auf Kernenergie und Kohle sei gleichzeitig und kurzfristig zu verzichten. In Deutschland solle demnach der Klimaschutz allgemeines Staatsziel werden, an dem das Handeln von Legislative, Exekutive und Judikative ausgerichtet werde. “Um Zukunftsinteressen institutionell zu verankern, empfiehlt der WBGU zu erproben, das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren um eine deliberative ‘Zukunftskammer’ zu erweitern. Um interessens- und parteipolitische Einmischung zu vermeiden, könnte die Zusammensetzung dieser Kammer beispielsweise durch Losverfahren ermittelt werden.”

Dem Losverfahren kommt die Besetzung der Kommission schon ziemlich nahe. Da es zur Zeit keine wirklich belastbare Alternative durch erneuerbare Energien weder hinsichtlich der Versorgungssicherheit noch der Wettbewerbsfähigkeit gibt, heißt Dekarbonisierung nichts anderes als  Deindustrialisierung. Die Chinesen kommen aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Nach dem Motto Frechheit siegt und Dummheit verliert, haben sie nun verlauten lassen, dass ihr massives Kohlekraftwerksprogramm aus dem mit 100 Milliarden Dollar jährlich gespeisten Pariser Green Climate Fund finanziert werden soll. Die 100 Milliarden Dollar sollen von den Industrieländern getragen werden; Deutschland hatte 2016 einen Beitrag von 8,5 Milliarden € ab 2020 in Aussicht gestellt. Trump war clever genug, rechtzeitig aus diesen Pariser Schildbürgerstreichen auszusteigen.

Es grüßt Sie kopfschüttelnd
Ihr
Fritz Vahrenholt

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Frühere Kolumnen finden Sie hier.

Der kalifornische Blob. Und ein kleiner Denkanstoß für Volker Mrasek

Am 8. Juni 2018 brachte der Deutschlandfunk einen Bericht zum “Blob”, basierend auf Jacox et al. 2018:

Marine Hitzewelle: “The Blob”Todesurteil für Meeresbewohner
Fünf Jahre lang litt der US-Bundesstaat Kalifornien unter einer Rekorddürre. Auch der Pazifik vor der nordamerikanischen Westküste erlebte in dieser Zeit eine massive Hitzewelle, die schwerwiegende ökologische und ökonomische Folgen hatte – für Forscher ein Menetekel für die Zukunft.

Weiterlesen beim Deutschlandfunk

An und für sich handelt es sich dabei um eine interessante Zusammenfassung für das “Blob” Phänomen, das ja von Niemanden bestritten wird. Der Alarmismus-Spin kommt dann am Ende des Berichts mit diesem Zitat:

“Für die Forscher ist der Blob ein Menetekel für die Zukunft. Durch den Klimawandel heizen sich auch die Meere immer mehr auf, Windströmungen in der Atmosphäre verändern sich: Nach unseren Modellrechnungen wäre eine solche Hitzewelle vor – sagen wir - einhundert Jahren noch überhaupt nicht möglich gewesen. Doch jetzt wächst die Wahrscheinlichkeit für derartige Extreme.”

Zwei Gedanken dazu:

1) Es ist durchaus möglich, daß es solche Phänomene auch in den heißen 20er bis 40er Jahren an der Westküste der USA gegeben haben könnte – und dies ist ja auch schon fast 100 Jahre her. Satelliten zur flächendeckenden Temperaturmessung gab es damals noch nicht, so dass das Phänomen damals durchaus unbemerkt bzw. undokumentiert geblieben sein könnte.

2) Die richtige Vergleichsphase sind aber nicht letzten 100 Jahre, sondern ist die letzte ähnlich starke Wärmephase, also die Mittelalterliche Wärmeperiode (MWP). Damals gab es extrem strenge und langanhaltende Mega-Dürren im Südwesten der USA. Vieles spricht dafür, dass auch damals solche stabilen “Blob”-Situationen auf dem Ostpazifik existiert haben dürften. Folglich handelt es sich beim letzten “Blob” vermutlich um ein natürliches Ereignis, welches in jeder Warmphase auftreten kann und nicht unbedingt mit anthropogenen Faktoren zusammenhängen muss.

Ist es nicht seltsam, dass sich niemand diese Fragen stellt? Woher kommt diese klimatische Kurzsicht? Hat die Menschheitsgeschichte etwa erst um 1979 begonnen? Weshalb beschäftigen wir uns historisch mit der Römerzeit, in den Klimawissenschaften aber erst mit den letzten paar Jahrzehnten? Ein kleiner Denkanstoß vielleicht auch an Volker Mrasek, der den DLF-Beitrag gemacht hat.

 

Russische Arktis war 1920-1940 wärmer als heute

 

Thema heute: Die Temperaturentwicklung in der Arktis. Als erstes interessieren wir uns für die harten Fakten. Bei Climate4You finden wir die per Satellit gemessene Temperaturentwicklung (UAH) der Arktis:

 Abb. 1: Temperaturentwicklung der Arktis während der letzten 40 Jahre. Daten: UAH. Graphik: Climate4You

 

Wir sehen in den letzten 4 Jahrzehnten eine Erwärmung. Nach einer (El Nino-) Wärmespitze 2016 geht es nun aber wieder stetig bergab. Die kältesten Temperaturen gab es Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre. Davor war es wärmer. Um 1980 wurden ähnliche Temperaturen gemessen, wie heute. Leider gibt es keine Satellitendaten aus der Zeit von vor 1979, daher ist noch  nicht einmal ein voller 60-Jahres-Ozeanzyklus abgedeckt, was die Zuordnung von anthropogenen und natürlichen Anteilen an der Erwärmung der letzten Jahrzehnte erschwert.

Aber es gab natürlich Wetterstationen vor 1979. Und die haben in der Arktis bereits in den 1930er und 40er Jahren eine Wärmephase aufgezeichnet, während der es ähnlich warm war wie heute. Beispiel: Opel et al. 2009 rekonstruierten die Temperaturgeschichte in der russischen Arktis für die letzten 100 Jahre anhand eines Eiskerns. Das Wärmemaximum ereignete sich in den 1930er Jahren, nicht etwa heute:

115 year ice-core data from Akademii Nauk ice cap, Severnaya Zemlya: high-resolution record of Eurasian Arctic climate change
From 1999 to 2001 a 724 m deep ice core was drilled on Akademii Nauk ice cap, Severnaya Zemlya, to gain high-resolution proxy data from the central Russian Arctic. Despite strong summertime meltwater percolation, this ice core provides valuable information on the regional climate and environmental history. We present data of stable water isotopes, melt-layer content and major ions from the uppermost 57 m of this core, covering the period 1883–1998. Dating was achieved by counting seasonal isotopic cycles and using reference horizons. Multi-annual δ18O values reflect Eurasian sub-Arctic and Arctic surface air-temperature variations. We found strong correlations to instrumental temperature data from some stations (e.g. r = 0.62 for Vardø, northern Norway). The δ18O values show pronounced 20th-century temperature changes, with a strong rise about 1920 and the absolute temperature maximum in the 1930s. A recent decrease in the deuterium-excess time series indicates an increasing role of the Kara Sea as a regional moisture source. From the multi-annual ion variations we deduced decreasing sea-salt aerosol trends in the 20th century, as reflected by sodium and chloride, whereas sulphate and nitrate are strongly affected by anthropogenic pollution.

Abb. 2: Temperaturentwicklung Severnaya Zemlya (russische Arktis) während der letzten 130 Jahre. Ausschläge nach oben=warm. Quelle: Opel et al. 2009

 

Ein Teil der Arktis-Erwärmung geht übrigens auf Maßnahmen zur Reinhaltung der Luft in Europa zurück. Die anthropogenen Sulfatpartikel hatten lange Jahre lang die Temperaturen der Arktis gekühlt wie die Universität Stockholm mitteilte (via Science Daily). Sollen wir aus Klimaschutzgründen jetzt wieder anfangen zu ferkeln?

European clean air policies unmask Arctic warming by greenhouse gases

The drastic cut in sulfate particle emissions in Europe partly explains the amplified Arctic warming since the 1980s, shows a new study published in Nature Geoscience.

The drastic cut in sulfate particle emissions in Europe partly explains the amplified Arctic warming since the 1980s, shows a new study published in Nature Geoscience. The team, which consists of scientists from Stockholm University and the Norwegian Meteorological Institute, say that their surprising finding highlights an even more urgent need for reducing greenhouse gas emissions to mitigate Arctic climate change. Human activities, such as industrial production, transport, power generation, and wood burning emit large amounts of tiny pollutant particles containing, for example, soot and sulfate, into the atmosphere. High airborne amounts of these particles, also known as aerosol particles, cause about 400,000 premature deaths every year in Europe and can be transported over long distances. Aerosol particles have different sizes, as well as chemical and physical properties, all of which determine their climate effects.

“Soot particles absorb solar radiation and warm the climate, in a similar way as greenhouse gases, such as carbon dioxide, do. Sulfate particles, on the other hand, reflect solar radiation and act as seeds for cloud droplet formation, cooling the climate as a result,” says Juan Acosta Navarro, PhD student at the Department of Environmental Science and Analytical Chemistry (ACES) and the Bolin Center for Climate Research, Stockholm University, and co-author of the study. He continues: “The overall effect of aerosol particles of human origin on climate has been a cooling one during the last century, which has partially masked the warming caused by the increase in greenhouse gas emissions.”

Sulfate emissions, which cause, for example, acid rain, peaked in the 1980s in Europe and North America, which led to the implementation of strict regulations to reduce them. The new study shows that these policies had a profound effect on the Arctic. “Using a numerical climate model we found that sulfate reductions over Europe between 1980 and 2005 could explain a significant fraction of the amplified warming in the Arctic region during that period due to changes in long-range transport, atmospheric winds and ocean currents. In other words, thanks to air quality regulations implemented in Europe, part of the masking effect of aerosol particles has been reduced, revealing the true warming of the Arctic by greenhouse gases,” says Annica Ekman, Professor at the Department of Meteorology (MISU) and Bolin Center for Climate Research, Stockholm University who also co-authored this study. The scientists expect further warming in the Arctic as levels of greenhouse gases will continue to increase and aerosol particle emissions will likely decrease to combat air pollution in different parts of the world.

J. C. Acosta Navarro, V. Varma, I. Riipinen, Ø. Seland, A. Kirkevåg, H. Struthers, T. Iversen, H.-C. Hansson, A. M. L. Ekman. Amplification of Arctic warming by past air pollution reductions in Europe. Nature Geoscience, 2016; DOI: 10.1038/ngeo2673

Aber auch nachträgliche Veränderungen der Messdaten lassen die Arktis heute wärmer erscheinen als sie wohl eigentlich ist (siehe hier und hier). Eine schöne Zusammenfassung zum Klimawandel in der Arktis kann man bei Judith Curry finden.

 

Prima Klima-Lesetipps: Michael Krüger und Andy May

Eine Langeooger Hotelfamilie klagt gegen den Klimawandel. Weitreichende Kenntnisse oder gar ein Studium der Klimawissenschaften bringen sie nicht mit. Daher geht bei den Medieninterviews gleich auch richtig was schief. Wir berichteten darüber in den Artikeln “Peinlich: Klimaklägerin aus Langeoog liegt beim Regen komplett daneben” und “Oberpeinlich: Frau Recktenwald liegt auch beim Westwind voll daneben“. Auch Michael Krüger hat sich im ScienceSkepticalBlog Gedanken über die Klimakläger der Nordseeinsel gemacht. Dabei geht er zunächst auf die spannende morphologische Entwicklung der Küste ein. Im Zuge des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs hat sich die Küste jahrtausendelang landwärts geschoben. Dazu kommen noch vorindustrielle Sturmfluten und die ganz normale Eigendynamik der Sandinseln, bei der die stete Veränderung durch Strömung und Wellen zum normalen Alltag gehört. Krügers Artikel ist absolut lesenswert. Hier geht es zu seinem Beitrag.

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Wo wir gerade beim Empfehlen spannender Artikel sind: Andy May hat auf WUWT zwei schöne Zusammenfassungen abgeliefert, in denen er die natürliche Klimadynamik plakativ schildert. Dort finden wir Altbekannte: Zyklen der Sonne, Zyklen der Ozeane und eine realistische Einordnung des CO2:

Climate Change, due to Solar Variability or Greenhouse Gases? Part A

Climate Change, due to Solar Variability or Greenhouse Gases? Part B

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Handelsblatt am 3. Mai 2018:

Abnehmende Sonnenaktivität Unsere Sonne schwächelt
Unsere Sonne geht einem neuen Aktivitätsminimum entgegen. Größere Auswirkungen auf den Klimawandel dürfte das aber nicht haben, meinen Forscher.

Gemeint sind natürlich “einige Forscher”. Die müssen das aber auch sagen, denn sonst kriegen sie eins vom Instituts-Chef auf den Deckel. Natürlich darf auch Sami Solanki nicht fehlen. Der sagte noch vor ein paar Jahren, dass es gar nicht klar wäre, OB ein solares Minimum kommt. Jetzt hat er seine Strategie geändert und sagt, dass es gar nicht klar wäre, WANN das solare Minimum kommt. Dabei haben seine Kollegen es schon verraten: Um 2035 ist wohl mit dem Höhepunkt der Sonnen-Schwächephase zu rechnen. Das Handelsblatt schreibt:

Wie schnell sich ein großes Aktivitätsminimum anbahnt, ist jedoch alles andere als klar. „Das nächste große Minimum kommt bestimmt, aber wir können überhaupt nicht vorhersehen, wann“, sagt der Sonnenphysiker Sami Solanki, Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. „Wir können keine Vorhersagen machen, die über einige Jahre hinausgehen.“

Ist das nicht putzig: Die Sonne bewegt sich im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte in mehr oder weniger vorhersagbaren Zyklen. Und die wären jetzt nicht vorhersagbar? Beim Klima hingegen, das die Experten in den letzten 20 Jahren ständig verblüfft hat und auf dem falschen Fuß erwischt hat, für das können offenbar Vorhersagen gemacht werden, die über einige Jahre hinausgehen. Kurios.

 

Und Schwuppsdiwupps hatte das NASA-GISS-Institut ein halbes Grad dazugedichtet

Die Klimaerwärmung der letzten 100 Jahre besteht aus einem natürlichen und einem anthropogenen Anteil. Die genaue Quantifizierung der beiden Anteile ist schwierig. Der IPCC konnte sich im 5. Klimabericht nicht richtig entscheiden und schrieb gleich zwei Varianten in seinen Text. An einer Stelle behauptet man, dass wohl “mindestens die Hälfte” der Erwärmung menschengemacht wäre, an anderer Stelle, dass es 100% anthropogen seien. Viele Autoren, unterschiedliche Meinungen, Verwirrung. Bei den Skeptikern gibt es welche, die 0% anthropogen annehmen, aber der Großteil wird wohl darüber liegen. Sagen wir einfach mal “höchstens 50% anthropogen”.

Aber wie setzt sich der anthropogene Anteil weiter zusammen? Da wären zum einen die Treibhausgase und andere erwärmende Substanzen wie der Ruß. Zum anderen handelt es sich aber wohl auch schlichtweg um Datenmogelei. Das von Klimaaktivisten geleitete GISS-Institut hat es doch tatsächlich geschafft, mithilfe einer Salami-Taktik die archivierten Temperaturmesswerte wieder aufzuschnüren und die Erwärmung künstlich im Labor zu verschärfen. Datenveränderung, Manipulation, Fälschung? Da sollte wirklich mal jemand genau nachschauen, und zwar jemand, der ergebnisoffen vorgeht, unparteiisch ist, nichts zu verlieren hat.

Tony Heller hat jetzt zwei Temperaturversionen des GISS-Instituts in einem Graph dargestellt. Die blaue Linie zeigt die Version wie sie das Institut noch im Jahr 2000 in der Datenbank hatte. Die rote Kurve ist die händisch “geschärfte”, heute aktuelle:

 

Abb. 1: Globale Temperaturentwicklung der letzten 100 Jahre laut GISS-Daten. Blau=Version 2000, rot=Version 2017. Quelle: Tony Heller.

 

Svhwuppsdiwupps war ein halbes Grad dazugedichtet worden. Die Masche ist ziemlich klar: Alte Messdaten künstlich abkühlen, neue Messdaten künstlich erwärmen. Im Bereich des Sports heißt so etwas Doping und ist verboten. In den Klimawissenschaften ist das Alltag und offenbar erlaubt. Wie die Dopingsünder hat natürlich auch das GISS stets eine clevere Ausrede parat, wehalb das alles so sein muss. Der Drucker hatte früher das Papier schräg eingezogen, die Laborkatze hatte auf dem Computer ein Häufchen gemacht, man hatte früher einfach den Fudge-Faktor vergessen zu ergänzen, böse Kräfte hatten früher die falschen Daten untergejubelt, und so weiter und so weiter.

Auf WUWT hat Mark Fife weitere Kuriositäten der GISS-Temperaturen ausfindig gemacht.

 

Reto Knutti mag keine Skeptiker

Soeben berichteten wir über die unwissenschaftliche Diskussionsverweigerung von aktivistisch veranlagten Klimaforschern wie Gavin Schmidt oder Stefan Rahmstorf. Leider ist diese bedauerliche Mischung aus Selbstüberschätzung und Kritikunfähigkeit besonders bei den Klimaforschenden verbreitet, die genau wegen dieser Einstellung auch am häufigsten von den sensationslüsternen Mainstream-Medien interviewt werden, frei nach dem Motto “only bad climate news are good media news”. In der Schweiz gehört Prof. Reto Knutti zu dieser Kategorie und wurde am 1. Juni 2018 von Schweizer Radio SRF interviewt. In diesem Gespräch zeigt Knutti eine ähnliche antiwissenschaftliche Hybris, wie kürzlich von Schmidt und Rahmstorf exemplarisch demonstriert.

Im ersten Teil des SRF-Audios werden die vom IPCC vorgegebenen Szenarios für das Pariser Klima-Abkommen von 2015 wie eine absolut gesicherte Tatsache behandelt, obwohl die alles entscheidende Klima-Sensitivität des CO2 schon seit gut 30 Jahren nicht genau eingegrenzt werden kann, und viele neuere Studien auf einen signifikant tieferen Wert hindeuten, als vom IPCC bisher vorausgesetzt.

Weiter verneint Knutti kategorisch (ab Laufzeit 19:30), dass es überhaupt noch ernstzunehmende klimaskeptische Wissenschaftler gäbe, “die noch nicht ausgestorben wären” und versucht den Eindruck zu vermitteln, dass es sich bei Klimaskeptikern in der Hauptsache um senile Greise handeln würde, die ihm typischerweise mit “handgeschriebenen Briefen” widersprechen würden. Hiermit zeigt Knutti, wie schlecht er über die wissenschaftliche Literatur informiert ist und offenbar nur die Studien wahrnimmt, die seiner klima-alarmistischen Filter-Blase, in der er offenbar lebt, nicht gefährlich werden können. Vielleicht sollte er zwecks Horizonterweiterung einmal die folgenden Hinweise zur Kenntnis nehmen:

Gegen Ende des Interviews (ab Laufzeit 21:40) vergleicht Knutti klimaskeptische Wissenschaftler mit bibeltreuen Fundamentalisten oder den Anhängern einer flachen Erde und begründet damit seine faktische Diskussionsverweigerung. Ein sehr bequemes wenn auch extrem flaches Pseudoargument, dass man so schon öfters von Klima-Aktivisten dieser Art vernehmen konnte; erspart ihnen dieser billige Trick doch recht einfach zugeben zu müssen, dass sie auf viele Positionen der klima-skeptischen Forschung schlicht keine überzeugenden Antworten geben können.

 

Auf Kritik reagiert er allergisch: Stefan Rahmstorf verliert auf Twitter die Nerven

Am 1. Juni 2018 konnte man in Science ein Editorial der Klimawissenschaftlerin Katharine Hayhoe lesen. Darin zieht sie über natürliche Klimaschwankungen her und plädiert dafür, diesen keine größere Beachtung beizumessen. Auszug:

So when people object to the reality of climate change with science-y sounding arguments—“the data is wrong,” or “it’s just a natural cycle,” or even, “we need to study it longer”—the natural response of scientists is simple and direct: People need more data. But this approach often doesn’t work and can even backfire. Why? Because when it comes to climate change, science-y sounding objections are a mere smokescreen to hide the real reasons, which have much more to do with identity and ideology than data and facts.

Die Autorin hat immerhin 2014 den AGU-Kommunikationspreis gewonnen, daher ist dieser Aufruf zum Forschungsboykott natürlicher Klimamechanismen schon ziemlich krass. Bloß nicht weiterforschen, sonst könnte noch das liebgewonnene Alarmgebäude wackeln. Übrigens: Der Begriff “science-y” soll wohl soviel wie pseudowissenschaftlich heißen.

Im Zeitalter der sozialen Medien können solche Vorfälle zum Glück rasch und effektiv kommentiert werden. Sehr gut funktioniert das auf Twitter. Und genau dort meldete sich Oliver Geden zu Wort. Geden ist an der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) leitend tätig und zudem Leitautor des 6. IPCC-Klimaberichts. Zudem ist er momentan Gastforscher am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Gedens lange Publikationsliste kann man hier anschauen. Geden fiel der forsche Ton des Editorials auf und gab zu Bedenken, dass Klimawissenschaftler vor allem Klimawissenschaftler sind, und daher die gesellschaftspolitischen Schlussfolgerungen am besten den Profis, also den Politikern sowie anderen Planungs-Experten überlassen sollten. Er verwendet dabei den schönen Begriff “overconfidence bias”, also die Überschätzung der eigenen Rolle vieler Klimawissenschaftler. Das gilt sicher nicht nur für Katharine Hayhoe, sondern ganz besonders für Hans-Joachim Schellnhuber, der lautstark die große Transformation fordert. Zu Gedens Tweet geht es hier. Oder bequem die Zusammenfassung bei notrickszone lesen. Volle Unterstützung für Geden, der den Denkfehler klar benennt.

Das gefiel den Klimaalarmisten natürlich gar nicht. Sie wollen weiterhin an vorderster Linie die Welt retten und umkrempeln. Nicht auszudenken, wenn sie wieder in ihr dunkles Labor zurück müssten, um sich dort voll und ganz um die mühsame wissenschaftliche Basisarbeit zu kümmen. Die Lust auf Macht ist verlockend, das gibt man nicht so einfach auf. Gavin Schmidt betritt die Bühne. Sie kennen ihn: Er ist Chef des NASA-GISS Instituts und Klimaaktivist, genau wie sein Vorgänger. Er twittert, dass Klimawissenschaftler sehr wohl politisch aktiv sein dürften, denn sie würden von den Entscheidungsträgern ja dauernd nach ihrer Meinung gefragt. Schlaue Klimatologen hätten das längst kapiert. Hier gehts zu Schmidts Tweet.

Das war ein gutes Stichwort für einen von Schmidts besten Kumpels, nämlich Stefan Rahmstorf. Der holt sogleich den Knüppel aus dem Sack, um die Kritik an seinen Alarmistenkollegen zu rächen. Er bezichtigt Geden, jener habe doch viel weniger Kontakt mit Politikern als er und seine Verbündeten. Zudem mangele es Geden an akademischen Lorbeeren. Rahmstorf gibt Geden den Rat, die Klimakollegen doch bitte endlich in Ruhe zu lassen, sie bräuchten keine Ratschläge. Tweet hier. So lieben wir unseren Rahmstorf. Für Kritik unempfänglich, dafür unter der Gürtellinie kämpfend. Kein Wunder, dass er beim IPCC-Bericht schon lange nicht mehr mitschreiben darf. Mit seiner schwer erträglichen Art hat er sich gründlich selbst diskreditiert.

Geden kontert Rahmstorfs emotionalen Ausbruch cool:

You want to make this personal, even if you haven’t been involved in the conversation? And my academic achievements aren’t good enough to criticize questionable factual claims? These are usually good enough to review articles on climate targets in Nature research journals…

plus: what exactly do you know about my direct contacts w/ policymakers? It’s my daily job since my institution (@SWPBerlin) is funded by the Chancellery to advise (whole) government and parliament (not only enviro & research), I even worked at the top level of two ministries,

therefore: I know not only what policymakers and politicians say when meeting ‘leading climate scientists’, but also what they say before and after those meetings, and what role (new) scientific knowledge plays in actual policymaking

Die obige Twitter-Kommunikation ist ein schönes Zeitdokument dafür, wie sehr sich die Vertreter des Klimaalarmismus verrannt haben. An einer ausgewogenen, professionellen Diskussion besteht offenbar gar kein Interesse mehr. Forschung zu unliebsamen Themen soll eingestellt werden, Politiker sollen nur ihnen selbst zuhören. Die Klimaalarm-Blase beginnt allmählich zu platzen – und wir sind live dabei. Watch this space.

 

 

Studie: Klimawandel-Skeptiker handeln ökologischer

Saarbrücker Zeitung am 8. Mai 2018 mit einer tollen Meldung:

Wildbienen profitieren vom Klimawandel
Führt der weltweite Klimawandel zu einem Insektensterben in Deutschland? Die Ansicht ist weit verbreitet. Doch diese pauschale Aussage ist falsch, erklärt  Dr. Andreas Fleischmann vom  Botanischen Garten München. Biologen erwarteten eigentlich das  Gegenteil, denn es gebe mehr Insekten, die sich bei höheren Temperaturen als im kühlen Klima des Nordens wohlfühlten. Unter steigenden Temperaturen litten bei uns vor allem Honigbienen und auch Hummeln. Die 585 Wildbienenarten dagegen, die in Deutschland heimisch sind, stammten größtenteils aus dem Mittelmeerraum und kämen mit steigenden Temperaturen gut zurecht.

Weiterlesen in der Saarbrücker Zeitung

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Achgut am 8. Mai 2018:

“Klimaskeptiker” handeln ökologischer
Der bekannte Klimaprediger Al Gore hat immer wieder Kritik wegen seines privaten Lebensstils auf sich gezogen. So verbraucht sein Haus in Tennessee 20 mal so viel Energie wie ein amerikanischer Durchschnittshaushalt. Laut einer aktuellen Studie steht der ehemalige Präsidentschaftskandidat mit seiner Doppelmoral nicht alleine da. Forscher der Universität Michigan und der Cornell University teilten 600 Personen in drei Gruppen ein: solche die „sehr besorgt“ über den Klimawandel waren, jene die „vorsichtig beunruhigt“ waren und eine dritte Gruppe von „Skeptikern“.

Weiterlesen auf Achgut

Hier der Abstract der Studie von Hall et al. 2018 aus dem Journal of Environmental Psychology:

Believing in climate change, but not behaving sustainably: Evidence from a one-year longitudinal study
We conducted a one-year longitudinal study in which 600 American adults regularly reported their climate change beliefs, pro-environmental behavior, and other climate-change related measures. Using latent class analyses, we uncovered three clusters of Americans with distinct climate belief trajectories: (1) the “Skeptical,” who believed least in climate change; (2) the “Cautiously Worried,” who had moderate beliefs in climate change; and (3) the “Highly Concerned,” who had the strongest beliefs and concern about climate change. Cluster membership predicted different outcomes: the “Highly Concerned” were most supportive of government climate policies, but least likely to report individual-level actions, whereas the “Skeptical” opposed policy solutions but were most likely to report engaging in individual-level pro-environmental behaviors. Implications for theory and practice are discussed.

Siehe auch Berichte der GWPF und von the reference frame zur Arbeit.

 

Unwetter in Europa: Nicht mehr Überflutungen als früher

Lange Zeit war der Deutschlandfunk fest im Würgegriff der Klimalarmisten. Das hat sich zum Glück in den letzten Monaten geändert. Die Berichterstattung ist ausgewogener geworden. Es ist erst wenige Wochen her, dass in einer Kurzmeldung zugegeben wurde, dass schneller erstarkende Hurrikane nichts mit dem zivilisatorischen CO2-Ausstoss zu tun haben, sondern mit rein natürlichen Ursachen. Am 30. Mai 2018 folgte dann sogar ein Hauptbeitrag, in dem ausführlich eine neue wissenschaftliche Studie vorgestellt wurde, die klarstellt, dass in den letzten 150 Jahren die Häufigkeit und Schwere von Stark-Regen- und Überflutung-Ereignissen in Europa nicht zugenommen haben:

Unwetter in Europa: Nicht mehr Überflutungen als früher
Wenn es zu sintflutartigen Regenfällen und Hochwasser kommt, sind sich viele Menschen einig: So etwas hat es früher nicht gegeben. Doch das stimmt nicht, hat Dominik Paprotny von der University of Technology in Delft analysiert. Historische Quellen zeigten, dass große Fluten heute nicht häufiger auftreten.

Weiterlesen auf Deutschlandfunk.de

Auf DLF Nova hieß es:

Hochwasser-Gefahren seit 150 Jahren gleich
Fluten und Hochwasser in Europa sind gar nicht häufiger geworden. Das sagt ein Forscherteam aus den Niederlanden. Die Wissenschaftler haben eine Datenbank zusammengestellt, die Unwetter und Fluten bis zum Jahr 1870 zurückverfolgt. Die meisten internationalen Datenbanken reichen nur bis 1970 zurück.

Weiterlesen auf DLF Nova.

Die entsprechende Studie von Paprotny et al. 2018 erschien in Nature Communications und kann dort kostenlos als pdf heruntergeladen werden:

Trends in flood losses in Europe over the past 150 years
Adverse consequences of floods change in time and are influenced by both natural and socio-economic trends and interactions. In Europe, previous studies of historical flood losses corrected for demographic and economic growth (‘normalized’) have been limited in temporal and spatial extent, leading to an incomplete representation of trends in losses over time. Here we utilize a gridded reconstruction of flood exposure in 37 European countries and a new database of damaging floods since 1870. Our results indicate that, after correcting for changes in flood exposure, there has been an increase in annually inundated area and number of persons affected since 1870, contrasted by a substantial decrease in flood fatalities. For more recent decades we also found a considerable decline in financial losses per year. We estimate, however, that there is large underreporting of smaller floods beyond most recent years, and show that underreporting has a substantial impact on observed trends.

Das dieses wissenschaftliche Resultat im DLF so ehrlich und ohne klima-alarmistisches Hintertürchen wiedergeben wird, stellt eine bemerkenswerte Ausnahme im heutigen Mainstream-Journalismus dar; hat sich doch seit einigen Jahren dort die Unsitte eingebürgert, jedes grössere Sommergewitter in der medialen Auswertung dem anthropogen CO2 anzulasten, weil die Unwetter, früher “in der guten alten Zeit”, angeblich ja nie so schlimm oder so häufig gewesen wären…

Es wäre noch spannend gewesen, wenn sich die neue Publikation mit einem längeren Zeitraum beschäftigt hätte und die Kleine Eiszeit mit einbeziehen würde. Aus Klimarekonstruktionen wissen wir nämlich, dass die Überschwemmungen in Mitteleuropa während der Kleinen Eiszeit noch stärker als heute waren:

Aber diese für Klima-Alarmisten “unbequeme Wahrheit” hätte man dann wahrscheinlich nicht mehr in der renommierten aber ziemlich IPCC-konformen Zeitschrift “NATURE” veröffentlichen dürfen. Trotzdem werden die neuen Erkenntisse in Potsdam zur einen oder anderen Magenverstimmung geführt habe. Noch 2009 hatte das PIK in einem Klimabericht zu Sachsen-Anhalt Klimalarm geschlagen, der nun in einem ganz anderen Licht erscheint. Auf Seite 8 des Berichts hieß es damals (pdf hier):

“ …während die Wahrscheinlichkeitsverteilung der extremen Hochwässer zu kleineren Wiederkehrintervallen hin tendiert, dies allerdings bei ebenfalls extremer Unsicherheit. Trotzdem zeichnen sich einige robuste Trends ab, insbesondere die sommerliche Trockenheitsproblematik im Windschatten der Mittelgebirge sowie das im Jahreslauf frühere und gegebenenfalls häufigere Auftreten von Hochwasserspitzen. “

Das PIK betont zwar zurecht die Unsicherheiten, das Ganze wird aber konterkariert durch ein Bild der Elbeflut 2002. In der Nature Arbeit ist ebenfalls eine Spitze um 2000 zu sehen, seitdem eher ein Abflauen. Es herrscht halt viel Variabilität im Wetter, und es wird immer schwieriger, dies als Ausdruck des Klimawandels zu verkaufen…

Wir haben für Sachsen-Anhalt unter Verwendung der offiziellen Daten den Deutschen Wetterdienstes nachgerechnet. Die  lineare Trendsteigung der Niederschläge seit 1881 ist null (Abb. 1). Ein 25-Jahr-Loess-Filter zeigt was wir schon lange wissen: Das Sommerwetter hierzulande ist auch von der Atlatischen Multidekadenoszillation (AMO) gesteuert, eine natürliche Variabilität des nördlichen Atlantiks. Das hatten die Modellierer vom PIK vergessen zu erwähnen in ihrem Bericht für die Landesregierung von Sachsen-Anhalt.

Abb. 1: Sommerniederschläge in Sachsen Anhalt seit 1880. Daten: DWD.

 

Es wird auch nicht “extremer”. Die Jahr-zu- Jahr- Unterschiede im Sommerniederschlag weisen sogar einen leicht fallenden linearen Trend auf, nicht signifikant. Kurz und gut: Man sieht für den Sommerniederschlag in Sachsen-Anhalt keinen anthropogenen Klimawandeleinfluss. Es gab schon immer einmal Jahre mit wenig Regen (der Rekord war 1911), Häufungen werden durch niedrige AMO-Werte induziert. In Abwandlung des bekannten Sprichwortes könnte man sagen: Wenn Potsdam kräht oder nicht, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist. Bessere Hinweise erhält der Bauer wenn er auf den Atlantik schaut.