Deutschland atmet auf: Zahl der Blitzeinschläge in den letzten 10 Jahren rückläufig

Der Klimawandel verstärkt das Übel der Welt. So lautet jedenfalls das Pauschalkonzept der Klimahardliner. Das gilt natürlich auch für Blitze. Spiegel Online 2014:

Klimawandel: Forscher prognostizieren Zunahme von Blitzen
In den USA blitzt es pro Jahr 25 Millionen Mal, die Folge sind häufig verheerende Waldbrände. Und es könnte noch schlimmer werden, berichten Forscher: Die Zahl der Blitze soll durch den Klimawandel deutlich zunehmen.

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Aber stimmt das eigentlich? Im Juli 2017 meldete die Süddeutsche Zeitung erste Zweifel an:

Wo es in Deutschland am häufigsten blitzt
Mit dem Klimawandel sollen vermehrt Hitzegewitter einhergehen. Doch laut “Blitz-Atlas” schlugen 2016 in Deutschland so wenige Blitze ein wie nie. Wie es in Ihrem Landkreis aussieht und welche Erklärungen Forscher dafür haben. [...] An den aktuellen Zahlen fällt auf, dass im gesamten Bundesgebiet im Jahr 2016 vergleichsweise wenige Blitze niedergingen, insgesamt waren es 431 644. Das ist die niedrigste Anzahl seit 1999 und ein deutlicher Rückgang zu 2015, als Blids rund 550 000 Einschläge zählte. Stephan Thern, der den Blitz-Informationsdienst leitet, erklärt die niedrige Zahl Einschläge damit, “dass im normalerweise blitzreichen August sehr wenige Gewitter zu verzeichnen waren”. [...] Doch auch langfristig ist die Zahl der Einschläge rückläufig. Zwischen 2006 und 2008 wurden beispielsweise jährlich rund eine Million Blitze in Deutschland gezählt. Die vergangenen sechs Jahre lag der Wert immer unter 700 000. Der Rückgang ist verwunderlich, da infolge des Klimawandels eine Zunahme von Hitzegewittern prognostiziert wird.

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Um die selbe Zeit schrieb auch der österreichische Kurier über das Thema:

Wie Gewitter gemessen werden und ob der Klimawandel Blitze befeuert
[...] Rein gefühlsmäßig blitzt und donnert es immer öfter. Ein Blick auf die Statistik der vergangen zehn Jahre liefert jedoch kaum stichhaltige Informationen über Zu- oder Abnahme von Blitzen. “Ein eindeutiger Trend lässt sich nicht feststellen, weil die Schwankungen der vergangenen Jahre sehr groß sind.

Kurios: Der Kurier-Artikel schließt dann trotzdem mit der Warnung, dass mit den Blitzen etwas nicht in Ordung sei. Vielleicht hat das mit den beiden befragten Kronzeugen zu tun, nämlich den beiden Klimaaktivisten Stefan Rahmstorf und Mojib Latif…

In den USA gab es 2013 die wenigsten Todesopfer durch Blitzschlag seit 1940. Selbst der Weltklimarat konnte in seinem 5. Bericht von 2013 keinen belastbaren Trend bei den Blitzen feststellen (siehe AR5, WG1, Kapitel 2, Seit 216, pdf-Seite 232).

Der menschengemachte Klimawandel hat also offenbar (noch) keinen Einfluss auf die Blitzhäufigkeit auf der Erde. Stattdessen fanden Forscher nun einen ganz anderen Einflussfaktor, nämlich die Sonnenaktivität sowie solare Teilchenstürme, die offenbar auf die irdischen Blitze wirken. Dies dokumentierten Scott et al. 2014 in den Environmental Research Letters:

Evidence for solar wind modulation of lightning
The response of lightning rates over Europe to arrival of high speed solar wind streams at Earth is investigated using a superposed epoch analysis. Fast solar wind stream arrival is determined from modulation of the solar wind V y component, measured by the Advanced Composition Explorer spacecraft. Lightning rate changes around these event times are determined from the very low frequency arrival time difference (ATD) system of the UK Met Office. Arrival of high speed streams at Earth is found to be preceded by a decrease in total solar irradiance and an increase in sunspot number and Mg II emissions. These are consistent with the high speed stream’s source being co-located with an active region appearing on the Eastern solar limb and rotating at the 27 d period of the Sun. Arrival of the high speed stream at Earth also coincides with a small (~1%) but rapid decrease in galactic cosmic ray flux, a moderate (~6%) increase in lower energy solar energetic protons (SEPs), and a substantial, statistically significant increase in lightning rates. These changes persist for around 40 d in all three quantities. The lightning rate increase is corroborated by an increase in the total number of thunder days observed by UK Met stations, again persisting for around 40 d after the arrival of a high speed solar wind stream. This result appears to contradict earlier studies that found an anti-correlation between sunspot number and thunder days over solar cycle timescales. The increase in lightning rates and thunder days that we observe coincides with an increased flux of SEPs which, while not being detected at ground level, nevertheless penetrate the atmosphere to tropospheric altitudes. This effect could be further amplified by an increase in mean lightning stroke intensity that brings more strokes above the detection threshold of the ATD system. In order to remove any potential seasonal bias the analysis was repeated for daily solar wind triggers occurring during the summer months (June to August). Though this reduced the number of solar wind triggers to 32, the response in both lightning and thunder day data remained statistically significant. This modulation of lightning by regular and predictable solar wind events may be beneficial to medium range forecasting of hazardous weather.

Siehe auch Artikel zur Studie in The Guardian und bei der BBC.

Etwas verwirrend ist dazu ein Artikel auf Spiegel Online von 2013, wo eine Förderung von Blitzen durch kosmische Strahlungsstürme berichtet wird. Das erscheint wie das Gegenteil der Geschichte von 2014, da starke Sonnenaktivität die kosmische Strahlung eigentlich hemmt. Wie können dann sowohl solare als auch kosmische Stürme die Blitztätigkeit verstärken?

Und schließlich noch eine Studie aus dem September 2017, die verstärkte Blitztätigkeit über den Schifffahrtsrouten festgeststellt haben will. Hier die Pressemitteilung der American Geophysical Union.