Die Nordatlantische Oszillation beeinflusste die Arktis und Nordeuropa während der letzten 5000 Jahre in systematischer Weise

Ein wichtiger Kritikpunkt an den Arbeiten des IPCC ist die unvollständige Berücksichtigung von Ozeanzyklen in den Klimamodellen (siehe Kapitel 4 in “Die kalte Sonne”). Gerne wird darauf hingewiesen, dass die Zyklen ja alle eingearbeitet wären. Wenn man dann allerdings etwas genauer hinschaut, erscheinen die Ozeanzyklen nur als eine Art Rauschen. Wenn man sich die historischen und geologischen Daten vor Augen führt, wird jedoch schnell klar, dass es sich keineswegs um ein aussageloses „Rauschen“ handeln kann. Vielmehr treten Zyklen mit gut bekannten Zyklendauern auf, die in einem gewissen Bereich schwanken. Die Ozeanzyklen wirken in systematischer Weise auf das Klimageschehen ein. Die Muster können in der Vergangenheit studiert werden und dann als Vorhersagewerkzeug in Klimaprognosen verwendet werden. Bislang hat der IPCC jedoch auf diese Art der Analyse verzichtet. Zu Unrecht, wie jetzt eine Forschergruppe um Jesper Olsen von der Queen’s University in Belfast fand, die ihre Ergebnisse Ende September 2012 in Nature Geoscience publizierten:

Das Klima in der Arktis und in Nordwest Europa wird stark durch die Nordatlantische Oszillation (NAO) geprägt, die dominante Form der atmosphärischen Variabilität in mittleren Breiten in der nordatlantischen Region. Der NAO-Index ist ein Indikator für die atmosphärische Zirkulation und Wettermuster: Wenn der Index positiv ist, herrschen in Europa und den östlichen USA milde und feuchte Bedingungen. Ein negativer Index bewirkt entsprechend das Gegenteil. Die Rekonstruktion der NAO war bisher auf die letzten 900 Jahre beschränkt. In dieser Arbeit analysieren wir ein Seesedimente aus Südwest-Grönland, welche die Klimageschichte der vergangenen 5200 Jahre enthalten. Anhand dieser Daten interpretieren wir sauerstoffarme Phasen in diesem See und versuchen die Muster mit bereits existierenden Rekonstruktionen der NAO anhand von Baumringe und Höhlen-Tropfsteinen. Die Analyse der beiden Datenreihen ergibt, dass vor 4500 und 650 Jahren, also gegen Ende des sogenannten holozänen Klimaoptimums, sowie zu Beginn der Kleinen Eiszeit, die NAO aus einer positiven Phase kommend in einen wechselhaften und zum Teil negativen Status verfiel. Wir konnten in unserer Studie zeigen, dass Änderungen in der NAO mit großmaßstäblichen klimatischen Veränderungen in der nördlichen Hemisphäre zusammenfallen. Der Beginn der Mittelalterlichen Wärmeperiode war hingegen nicht mit einer spürbaren Veränderung der NAO verbunden.

Die Autoren zeigen in ihrer Arbeit außerdem, dass der Sommer-NAO-Index seit 2005 stark negativ ist und sich daher Grönland und das nördliche Kanada aufgrund des empirischen Zusammenhangs relativ warm und feucht gegenüber Europa sein sollte.

Die systematische Klimabeeinflussung durch Ozeanzyklen spielt eine große Rolle im Klimageschehen und sollte vom IPCC in realistischer Weise berücksichtigt werden, auch für die Zukunfts-Prognosen.

 

Siehe auch Beitrag auf The Hockey Schtick.
Abbildung oben rechts: NASA / Wikipedia.