Mojib Latif liegt bei den englischen Stürmen daneben: Stürmischte Phase war während der Kleinen Eiszeit

Man muss Mojib Latif zugestehen, dass er der momentane Klima-Medienguru ist. Die TV-Sender, Radiostationen und Zeitungen reißen sich um ihn. Könne er bitte mal eine Dürre auf Sardinien erklären, eine Überschwemmung in Paraguay, einen Hurrikan auf den Philippinen. Meist sagt er dann weise, ein Einzelereignis sage gar nichts, aber die jeweilige Extremwetterkatastrophe ‘passe ins Bild’. Vor kurzem stürmte es nun in England. Das Unvermeidliche passierte: Am 30. Dezember 2015 klingelte das Telefon bei Latif. Der Deutschlandfunk war dran. Ob dieser Sturm denn nun endlich den Beweis für die überfällige Klimaschuld der Menschheit liefere. Wieviele Stürme müsse es denn noch geben, bevor dies feststünde? Vielleicht war es die Vor-Silvesterlaune, die Latif übermütig werden ließ. Vielleicht fühlte er sich auch angesichts seines Medienruhms zu sicher. Diesmal machte er jedenfalls einen schweren Fehler. Er behauptete mutig, der englische Sturm wäre ein deutlicher Beleg für den menschengemachten Klimawandel. Beim Deutschlandfunk heißt es:

Stürme in England – “Allererste Auswirkungen der globalen Erwärmung”
Viele aktuelle Wetterextreme wie die warmen Temperaturen in der Arktis und in Kanada hingen mit dem El-Niño-Phänomen zusammen, sagte Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel im DLF. Die Stürme in England passten aber nicht in dieses Bild. Er fürchte deshalb, dass es erste Auswirkungen der globalen Erwärmung seien.

Mojib Latif im Gespräch mit Martin Zagatta

Hier die Passage, wo er entgleiste:

“Der Sturm in England passt aber nicht ins Bild”, betonte der Klimaforscher. “Ich fürchte, das sind schon die allerersten Auswirkungen der globalen Erwärmung.” Die Modelle zeigten zudem, dass es in Zukunft häufiger Wetterextreme, insbesondere Starkniederschläge, auf den Landregionen zu erwarten seien.

Was Larif hier verschwieg? In der Kleinen Eiszeit war es viel stürmischer als heute. Zudem konnten Studien eine deutliche, natürliche Zyklizität der Sturmfrequenz und Intensität feststellen. Die bittere Wahrheit: Die Stürme in Europe befinden sich noch voll und ganz im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite. Das sollte eigentlich auch Latif wissen…

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Am 3. Dezember 2015 erklärte Axel Bojanowski auf Spiegel Online die Top-Ten-Fragen zum Klimawandel:

Punkt 1: Geschenkt.

Punkt 2: Schon interessanter. Der SpON-Text enthält jedoch einen bösen Schnitzer:

“Immerhin aber zeigen Tests, dass Simulationen das globale Klima der Vergangenheit recht gut nachspielen.”

Das ist nachweislich falsch. Denn selbst der IPCC räumt in seinem letzten Klimabericht von 2013 in Kapitel 5.3.5. kleinlaut ein, dass die Simulationen die empirisch bewiesene Mittelalterliche Wärmeperiode nicht nachspielen kann. Herr Bojanowski, bitte nochmal nachlesen (pdf hier):

The reconstructed temperature differences between MCA and LIA […] indicate higher medieval temperatures over the NH continents […]. . The reconstructed MCA warming is higher than in the simulations, even for stronger TSI changes and individual simulations […] The enhanced gradients are not reproduced by model simulations … and are not robust when considering the reconstruction uncertainties and the limited proxy records in these tropical ocean regions […]. This precludes an assessment of the role of external forcing and/or internal variability in these reconstructed patterns.

Punkte 3, 4: Weshalb am Ende der Kleinen Eiszeit beginnen? Viel interessanter ist doch der Temperaturverlauf des letzten Millenniums, der letzten tausend Jahre. Damals, um 1000 n.Chr., war es ähnlich warm wie heute, bei geringer CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Wie funktionierts? Schweigen bei SpON hierzu.

Punkte 5-11: Ok.

Insgesamt eine gute Darstellung, auch wenn einige offensichtliche Lücken Stirnrunzeln verursachen. Schulnote 3+.

 

 

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Am 29. Dezember 2015 machte sich Andreas Frey in der FAZ Sorgen um den bis dahin warmen Winter in Deutschland:

Kurioser Winter Das Wetter schlägt Purzelbaum
Der europäische Winter ist bislang viel zu warm. Währenddessen schwingt sich im südlichen Pazifik „El Niño“ zu nie gesehener Stärke auf. Hängt das eine mit dem anderen zusammen?

Mittlerweile ist der Winter da und frostige Minusgrade machen alle ‘froh’. Noch vor kurzem hatte man uns nach einer Reihe kalter Winter erklärt, dies wäre eine Folge des Klimawandels. Nun war der Winter im Dezember 2015 aber recht warm, und wieder hat der Klimawandel Schuld. Absolut kurios. Frey argumentiert hier seriöser:

Dafür, dass wir in diesem Dezemberfrühling 2015 bereits die Folgen des Klimawandels spüren, gibt es keinen Beleg. So lautet die Standardantwort der Klimatologen. Ein Einzelereignis könne man nicht auf die Erderwärmung schieben – auch wenn es inzwischen immer schwerer vorstellbar wird, das alles könnte nichts mit dem Klimawandel zu tun haben.

Es gibt noch einen weiteren Verdächtigen: das Wetterphänomen El Niño, spanisch für „das Christkind“. Jetzt zur Weihnachtszeit erreicht die Anomalie im Pazifischen Ozean ihren Höhepunkt, daher der Name. Doch in unserem Fall ist das wütende Kerlchen wohl unschuldig: Es bringt zwar auf drei Vierteln der Erde das Wetter durcheinander, aber sein Einfluss auf Europa ist allenfalls schwach. Anruf bei Mojib Latif. Der Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel ist nicht nur Deutschlands Klimaerklärer Nummer eins, sondern außerdem ein angesehener El-Niño-Experte. Sein halbes Leben beschäftigt er sich schon mit dem Burschen.

Weiterlesen in der FAZ.