ETH Zürich zum Konzept eines klimawandelbedingten Flüchtlingsanstiegs: Spekulativ und nicht ausreichend durch solide Daten untermauert

Vor wenigen Wochen schwappte wieder die Sintflut durch die Medien. Forscher hatten die kurze Meeresspiegeldatenreihe so “massiert”, dass sie eine Beschleunigung des Anstiegs postulierten. Günter Ederer kommentierte den Fall auf Achgut am 17. Februar 2018:

Höchste Pegelstände in der Volkserziehung
„Forscher schlagen Alarm. Der Meeresspiegel steigt schneller als angenommen. Schuld ist die Erderwärmung“. Gleich zweimal kündigte so heute-journal-Moderatorin Petra Gerster einen Beitrag in der ZDF-Nachrichtensendung am 13. 2. 2018 an. Eigentlich ist diese Drohung in der dramatisierenden Klimaberichterstattung in vielen Versionen bekannt. So und ähnlich werden wir doch schon seit Jahren auf den Weltuntergang vorbereitet. Der Spiegeltitel mit dem Kölner Dom, dessen Türme gerade noch so aus dem Wasser ragen, ist schon mehr als zwei Jahrzehnte alt. Also, was war so neu, dass die Nachricht mit einem ausführlichen Bericht am Faschingsdienstag in die wichtigsten Informationssendungen aufgenommen wurde? Der Beitrag war 2:25 Minuten lang. Soviel Zeit wird in der 19:00 Uhr Nachrichtensendung nur den wichtigsten Weltereignissen zur Verfügung gestellt. Weder Petra Gerster noch die Autorin des Beitrags, Christine Elsner, geben auch nur den geringsten Hinweis, wer diese „neuen Erkenntnisse“ veröffentlicht hat.

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Nachrichtenbeitrag der ETH-Zürich vom 16. Februar 2018 von Vally Koubi und Thomas Bernauer:

Mehr Migration durch Klimawandel?

Wird der Klimawandel, wie oft behauptet, tatsächlich eine grosse Völkerwanderung auslösen? Wird es primär aus armen in reiche Länder gehen? Vally Koubi und Thomas Bernauer ordnen ein.

Die Erderwärmung wirkt sich zunehmend negativ auf Menschheit und Ökosysteme aus. Während sich Wissenschaftler über die meisten dieser Folgen1 einig sind, gehen die Meinungen darüber, wie der Klimawandel das menschliche Migrationsverhalten beeinflusst, weit auseinander. Verschiedene führende Politiker, internationale Organisationen und Wissenschaftler behaupten, der Klimawandel werde international zu grossen Migrationsströmen führen, hauptsächlich aus den armen in die reichen Länder.

In einem kürzlich in der Fachzeitschrift Science2 veröffentlichten Artikel, dem wir klar widersprechen,3 wird beispielsweise davon ausgegangen, dass die Zahl der Asylsuchenden in der Europäischen Union bis Ende dieses Jahrhunderts aufgrund des Klimawandels um fast 200 Prozent ansteigen könnte. Zudem wird auch in einigen anderen Studien behauptet, dass der Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten Millionen Menschen zwingen werde, ihre Heimat zu verlassen. Der (ins Deutsche übersetzte) Titel eines Artikels im Guardian spiegelt diese Erwartung wider: «Der Klimawandel ‹wird die weltgrösste Flüchtlingskrise hervorrufen›».4

Unsere eigene Forschung deutet jedoch darauf hin, dass solche Prognosen – ähnlich wie frühere Vorhersagen, der Klimawandel werde Kriege auslösen5 – äusserst spekulativ und nicht ausreichend durch solide Daten untermauert sind.6 Ein wichtiger Grund für unsere grosse Skepsis gegenüber solchen Prognosen ist, dass diese meist auf Menschen fokussiert sind, die vermutlich zunehmenden Klimarisiken ausgesetzt sind, anstatt auf Menschen, die sich tatsächlich überlegen, ob sie auswandern wollen. Zudem lassen solche Prognosen häufig das Anpassungspotenzial und unterschiedliche Grade von Schadensanfälligkeit der betroffenen Menschen ausser Acht, obwohl es sich gerade hierbei um zentrale Faktoren bei Migrationsentscheiden handelt.

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