Fritz Vahrenholts Sonnenkolumne 3/15: Eiszeitvisionen

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Sonne befindet sich nun deutlich im Abschwung des 24. Zyklus. Die Sonnenfleckenzahl betrug im März 2015 nur noch 38,4. Der Vergleich der einzelnen Zyklen untereinander verfestigt das Bild der sehr ruhigen Sonne im 24. Zyklus im Vergleich zu dem, was wir in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts sahen. Seit dem 7. Zyklus (SC7) von etwa 1830 wurde kein so gering aktiver Sonnenzyklus beobachtet wie der aktuelle.
Im Jahre zwei nach dem Maximum gab es noch nie so schwache polare Felder wie gegenwärtig beobachtet. Man beachte, dass die Stärke der polaren Felder während des Sonnenfleckenminimums die Aktivität des nächsten Zyklus ganz entscheidend bestimmt. Die Vorzeichen jedenfalls deuten auf eine recht geringe Ausprägung hin und damit auf einen vielleicht noch schwächeren Zyklus 25 ab etwa 2022.
In dem beigefügten Beitrag von Frank Bosse und mir untersuchen wir eine Arbeit in “Nature”, die im vergangenen Monat viel Staub aufwirbelte:  Die Autoren um Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung-PIK- (darunter auch Michael Mann) wollten eine dramatische und vor allem mit einem starken Langzeit-Abwärtstrend versehene Abschwächung des Golfstromsystems nachgewiesen haben. Rahmstorf u.a. behaupten: Es gibt eine langfristige Abschwächung im nordwärts gerichteten ozeanischen Wärmestrom, hervorgerufen durch einen immer stärkeren Süßwassereintrag durch das schmelzende Grönlandeis, hervorgerufen durch menschgemachte Erwärmung.
Als Basis für die Temperaturentwicklung wurde die berühmt-berüchtigte Hockeystick-Kurve von Michael Mann benutzt.
Wir wissen mittlerweile, dass die Hockeystick-Kurve einer wissenschaftlichen Nachprüfung nicht standhält. S. McIntyre und R. McKitrick konnten zeigen, dass das von Michael Mann verwendete statistische Verfahren grundlegend fehlerhaft ist und dazu neigt, Hockey –Stick Kurvenverläufe aus nahezu beliebigen Datensätzen zu generieren. Die unrühmliche Geschichte des Hockey-Sticks ist in „ Die kalte Sonne“ S. 125 ff. beschrieben. Dass die Kurve noch einmal als Basis für eine wissenschaftliche Publikation verwandt wird, macht diese Arbeit nicht eben glaubwürdiger.

Auch wir hatten hier oft über die interne Variabilität im nördlichen Atlantik berichtet (siehe u.a. unsere Blogartikel “Neues vom Nordatlantik: Das natürliche “Day after Tomorrow“- Szenario?“, “Die Sonne im April 2014 und was uns die Ozeane bis zum Jahresende bescheren könnten“), betonten jedoch immer, dass es sich bei diesen Schwankungen um natürliche Fluktuationen handelt.
http://www.kaltesonne.de/neues-vom-nordatlantik-das-naturliche-day-after-tomorrow-szenario/
Es gibt auch andere Erklärungen für das Phänomen: Im Winterhalbjahr reicht die von der Oberfläche her durchmischte Wassersäule (Mixed Layer) sehr tief, bis zu über 500  m Wassertiefe. Wir hatten dies  bereits thematisiert. http://www.kaltesonne.de/die-sonne-im-februar-2014-und-wird-die-nordatlantische-variabilitat-schon-seit-langem-von-der-sonnenaktivitat-bestimmt/.
Eine Erwärmung der Oberfläche  unterbleibt, anders als in Regionen mit nicht so tiefem Mixed Layer. Betrachten wir die monatlichen Trends , so kann man erkennen, dass die kühlende Wirkung in den Monaten November- April auftritt. Im Sommer ist der Mixed Layer dort ebenso wie in anderen Regionen nur wenige Dutzend Meter tief und die Region  erwärmte sich in dieser Zeit wie andere Gebiete der Umgebung. Das ist das Ergebnis von Wind und Wetter, nicht eines sich langfristig abschwächenden nordatlantischen Stromes.
Was wir sehen, sind heftige natürliche Kurzzeitschwankungen.  Die AMOC schwächt sich seit 2000 nach dem kräftigen Aufwärtsschub nach 1990 als Ergebnis der natürlichen Variabilität ab – und nicht dramatisch seit 1850, wie uns die Arbeit von Rahmstorf suggerieren will.
So werden natürliche Schwankungen zu anthropogenen CO2-bedingten Ursachen uminterpretiert.
Man merkt die alarmistische Absicht des Potsdam-Institutes und ist verstimmt.
Wissenschaft im Dienste der politischen Agitation. Davon werden wir im Vorfeld des Pariser Klimagipfel noch mehr aufgetischt bekommen.

Herzlich
Ihr
Fritz Vahrenholt