Fritz Vahrenholts Sonnenkolumne 4/16: El Nino-klimatisch

Sehr geehrte Damen und Herren,

urlaubsbedingt kommt unser monatliches update zur Sonnenaktivität und den natürlichen Ursachen der Klimaveränderung mit Verspätung. Das hat allerdings den Vorteil, dass wir auf die vor wenigen Tagen gemachte aufsehenerregende Entdeckung des Genfer CERN-Zentrums ( Europäisches Zentrum für Kernforschung) eingehen könnnen. Jasper Kirkby und seine internationale Arbeitsgruppe untersucht in dem sogenannten Cloud-Experiment den möglichen Zusammenhang von galaktischen kosmischen Strahlen und der Bildung von Wolken. Bislang konnte er die These von Svensmark, wonach das im Sonnenzyklus pulsierende Magnetfeld der Sonne , das bei starkem Sonnenzyklus die kosmischen Strahlen stärker abschirmt, einen Einfluss auf die Wolkenbildung hat, nicht erhärten. Nun allerdings hat die Arbeitsgruppe einen unerwarteten Zusammenhang zwischen kosmischer Strahlung und Wolkenbildung nachgewiesen. Die von Wäldern und ihren Bäumen emittierten Kohlenwasserstoffe -Terpene -, deren aromatischen Duft wir insbesondere in den Nadelwäldern geniessen, sind in der Lage Kondensationskeime für Wolken zu bilden. Und das Überraschende  : die kosmische Strahlung kann die Wolkenbildung durch Terpene um das 10 bis 100 fache verstärken.

Bislang hatten Klimawissenschaftler  diese Fähigkeit zur vermehrten Wolkenbildung lediglich den vom Menschen erzeugten Aerosolen, im wesentlichen Schwefeldioxid, zugewiesen. Und daraus hatte die dogmatische Klimaforschung den Schluss gezogen, dass die Erwärmungseffekte des CO2 viel höher anzusetzen sind, da ja in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts durch vermehrte Schwefeldioxidemission – nun leicht rückläufig – die  Stärke der CO2 Effektes verdeckt (maskiert ) worden sei. Und wenn dann im Verlaufe dieses Jahrhunderts die Schwefeldioxid- und Staubemissionen zurückgeführt würden, nimmt das Unglück seinen Lauf. Diese steile These, die noch immer der zentrale Baustein des IPCC Berichtes ist, war bereits im letzten Jahr in sich zusammengebrochen, als Björn Stevens vom Hamburger Max-Planck-Institut für Metereologie die obere Grenze des  anthropogen erzeugten Aerosoleffektes auf Grund seiner Untersuchungen kurzerhand um etwa 50 % reduzierte. Was aber bedeutet, dass die CO2-Erwärmungswirkung entsprechend reduziert werden muss, wenn Klimamodelle und reale Klimaentwicklung nicht weiter auseinanderlaufen sollen.
Wir hatten in unserem Buch “Die Kalte Sonne ” bereits in 2012 ausgeführt:

“Die abkühlende Wirkung arbeitet nach IPCC-Angaben mit zwei Dritteln der Kraft des CO2 entgegen. Nach Ansicht des IPCC reduzieren Aerosole die von allen Treibhausgasen zusammen generierte Erwärmung um 45 Prozent. Aber die Unsicherheit ist groß, es könnten auch nur 15 Prozent sein oder 85 Prozent.”

Die CERN-Untersuchung zeigt nun dreierlei :
1. Das Zusammenwirken zwischen kosmischen Strahlen und Wolkenbildung mit Hilfe von natürlichen Terpenemissionen ist belegt.

2. Die Maskierung des heutigen anthropogenen Klimawandels durch die von Schwefeldioxidemissionen erzeugten Wolken ist kleiner und die Erwärmung durch CO2 damit geringer als die Modelle suggerieren.

3. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich die Natur evolutionsbiologisch zu schützen weiss. Immer dann, wenn die Sonneneinstrahlung über einen längeren Zeitraum den Bäumen zusetzte, schützten sie sich durch den phänomenalen Mechanismus der Wolkenbildung auf Grund ihrer Terpenemissionen.

Auf jeden Fall gilt: der Einfluß des Magnetfeldes der Sonne auf das Klima wird wieder zum Thema. Und das führt uns zurück zu unserem Monatsthema.
Die Sonne war im März deutlich unter dem Mittel aller bisher historisch gemessenen Sonnenzyklen. Der aktuelle Zyklus 24 in der Gesamtaktivität der Sonnenflecken schneidet nun niedriger ab als der Zyklus 7 und der ereignete sich  zwischen 1823 und 1833 während des Dalton Minimums. Der aus Sicht der letzten 2000 Jahre außergewöhliche Sonnenaktivitätsboom von 1950 bis 2000 scheint abgeschlossen. Die durch den El Nino 2015/16 stark erwärmte globale Meerestemperatur beginnt wieder zu fallen. Der El Nino ist vorbei. Wir befinden uns zur Zeit in ENSO- neutralen Bedingungen. Wenn die steile Abwärtsentwicklung so weiter voranschreitet, werden wir in den nächsten Monaten von der kalten Schwester La Nina berichten können mit entsprechenden Auswirkungen auf die globale Mitteltemperatur. Es bleibt spannend.

Herzlichst
Ihr
Fritz Vahrenholt