Fritz Vahrenholts Sonnenkolumne 6/14: Aktuelles von Land und Wasser

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Sonnenfleckenzahl im Juni ging zurück auf 71 und erreichte damit nur etwa 74 % der für diesen Zyklusmonat üblichen Zahl als Mittelwert der beobachteten Zyklen 1…23. Der aktuelle Sonnenzyklus ähnelt immer mehr dem Sonnenzyklus Nr.1 am Beginn des Maunder Minimums.

Der Rückgang der Sonnenaktivität seit 1986 ist merklich. Lockwood und Fröhlich (Proceedings of the Royal Society, 2007) und die Mehrzahl der Klimaforscher kamen daher zum Schluss, dass die Sonne einen untergeordneten Einfluss auf unser Klima hat, da die Temperaturen bis 1998 weiter anstiegen und somit die Sonne hierfür nicht ursächlich sein kann. Wenn aber ein Zeitverzug zwischen Sonnenaktivität und Temperatur von 11 Jahren vorliegt, wäre dies eine Erklärung für das erst seit 1998 entstandene Temperaturplateau.

Und tatsächlich fanden E.Friis-Christiansen ( Science,1991, pp. 698-700), D.Archibald (Energy and Environment, Volume 17 No. 1, 2006, pages 29–35), J.-E. Solheim (Journal of Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics, 2012) einen ähnlichen Zeitverschub zwischen Sonnenaktivität und globaler Mitteltemperatur. W. Soon ermittellte 2009 eine Reaktionszeit von 10 Jahren für den tropischen Atlantik (Physical Geography, 2009, pp. 144-184) , P.Moffa-Sanchez von 12 Jahren für den Nord-Atlantik (“Solar forcing of North Atlantic surface temperature and salinity over the past millennium”,Nature Geoscience, 2014, Supplementary Information). I.Usoskin ermittelte diesen Zusammenhang für den Zeitraum von 850 bis heute (Journal of Geophysical Research, 110, A10102).
Vor einigen Wochen veröffentlichte D. Evans die Hypothese, dass dieser Zeitverschub durch die Sonne selbst ausgelöst wird. Im Maximum des Sonnenzyklus , wenn die Gesamtstrahlung TSI (total solar irradiance) am höchsten ist, erreicht das Sonnenmagnetfeld sein Minimum. Er kommt zur Schlussfolgerung, dass die Stärke des Sonnenmagnetfelds dem Sonnenzyklus um etwa 11 Jahre nachhinkt. Und in der Tat ist das Sonnenmagnetfeld seit 1998 verglichen mit den vorhergehenden Dekaden deutlich zurückgegangen. Wenn aber das Sonnenmagnetfeld zurückgeht, nimmt die auf die Erde durchdringende kosmische Strahlung zu und kann nach Svensmark vermehrt zu Wolkenbildung führen, was sich wiederum abkühlend auf die Temperatur auf der Erde auswirkt. (Nachzulesen in “Die Kalte Sonne”, S. 231 ff.)

Ob Evans Hypothese belastbar ist, wird sich sehr bald herausstellen. Denn er sagt auf Grund seiner Modellbetrachtungen eine Abkühlung der Erde um etwa 0,5 ° Celsius für den Zeitraum 2015 bis 2024 voraus, wohingegen ja nach dem Modellen des Weltklimarates bis 2030 eine weitere Erwärmung um etwa 0,5 ° Celsius zu erwarten sei. Eine Abkühlung um 0,5 ° Celsius führt uns zurück auf ein Temperaturniveau der 50er Jahre. Wer mehr dazu lesen möchte, sei auf folgende Fundstelle verwiesen (http://joannenova.com.au/2014/06/big-news-part-i-historic-development-new-solar-climate-model-coming/ ).

Ein weiteres Thema, das Frank Bosse und ich in der Anlage erörtern, ist die Frage: Ist das Verharren der Temperaturen auf dem Plateau seit 1998 signifikant ? Wir kommen zum Ergebnis : Ja, es ist signifikant, aber lesen Sie selbst.

Letztes Thema : Was macht der El Nino ? Die aktuell weiter schwindende warme Anomalie des Pazifiks ist im Vergleich zum April ein Schatten ihrer selbst. Ein starker ElNino ist nahezu unmöglich, es könnte auch gut mit neutralen Bedingungen zum Jahresende zu rechnen sein. Der vorhergesagte weitere Super-ElNino nach 1998 (alle Klima-Modelle waren sich so einig… und versagten sehr wahrscheinlich im Chor) wird nicht kommen.

Ich wünsche Ihnen sonnenreiche Sommertage und verbleibe
herzlichst
Ihr
Fritz Vahrenholt