Zweifel an Hans-Joachim Schellnhuber mehren sich: Teile der deutschen Politik haben genug von seinem Klimaalarmismus

Lange Jahre herrschte auf dem Potsdamer Telegrafenberg absolute Narrenfreiheit. Im Monatstakt produzierte man dort schräge Pressemitteilungen mit Weltuntergangsszenarien, die bei den internationalen Fachkollegen Erstaunen und Entsetzen hervorriefen. Nun kam schließlich die Quittung. Die FDP setzte sich dafür ein, dass Institutsleiter Hans-Joachim Schellnhuber aus dem  “Wissenschaftlichen Beirat globale Umweltveränderungen” (WBGU) entfernt wird, dem Umwelt-Beirat der Bundesregierung, wie die Süddeutsche Zeitung am 2. Mai 2013 meldete. In unserem Buch Die kalte Sonne haben wir die problematische Positionierung des WBGU in Kapitel 8 “Wie Klimawissenschaftler versuchen, die Gesellschaft zu verändern” ausführlich dargelegt.

Spiegel Online berichtete hierzu:

Doch mittlerweile häuft sich Kritik an den Gutachten des WBGU. Der letzte große Bericht las sich wie Schellnhuber in Reinkultur: Der Beirat erneuerte seine alte Forderung nach einer “Großen Transformation” der Zivilisation. Der ambitionierte Weltplan sieht kontinentale Arbeitsteilung vor: Die gemäßigten Breiten produzieren Nahrung, die Subtropen Sonnenenergie, und die Tropen dienen der Erholung und der Erhaltung der Artenvielfalt. Das Gutachten sorgte für ungewöhnlich viel Zorn und Spott, insbesondere in konservativen Kreisen, auch im Wirtschaftsministerium. Der Beirat der Bundesregierung fordere eine “Ökodiktatur”, hieß es in Dutzenden Kommentaren. Das “ideologische Pamphlet” habe dem WBGU geschadet, nörgeln aber auch alte WBGU-Weggefährten Schellnhubers. Es habe die Befürchtung bestätigt, dass Schellnhuber in dem Gremium Kontrahenten fehlten. In den neunziger Jahren bevölkerten den WBGU noch allerlei “neoliberale Wirtschaftswissenschaftler”, wie die alten Kollegen sie heute abschätzig nennen. [...] Mittlerweile aber steht der WBGU auch wegen der Einhelligkeit seiner Gutachten in der Kritik. Zwar erlaubt die Satzung des Beirats ausdrücklich, dass abweichende Meinungen in den Gutachten betont werden. Dennoch führen die Wissenschaftler in keinem ihrer Werke Minderheitenvoten auf.
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Außer Schellnhuber wird von der FDP auch die Neuberufung des Ökonomen Uwe Schneidewind hinterfragt, der das Wuppertal-Institut leitet, einer klimaalarmistischen Lobbygruppe. In den Kreis des WBGU soll laut Informationen des Spiegel auch der Bremerhavener Eis- und Meeresforscher Peter Lemke hinzustoßen. Lemke ist treuer Anhänger der IPCC-Katastrophenszenarien und fiel in der Vergangenheit mehrfach durch wissenschaftlich fragwürdige Äußerungen auf (siehe unsere Blogbeiträge “Das ZDF heute journal biegt sich das antarktische Meereis zurecht: 30 Jahre Eiszuwachs werden als “Wetter” verkauft“, ”Klimakatastrophe macht wohl einen Bogen um die Antarktis” und “Medienecho – Tag 16“).

Ein weiteres WBGU-Mitglied ist  der schillernde Stefan Rahmstorf aus Schellnhubers Potsdamer Alarm-Institut. Über Rahmstorfs alarmistische Thesen haben wir uns an dieser Stelle bereits vielfach gewundert (siehe z.B. unsere Blogbeiträge “Senat von North Carolina erteilt Rahmstorfs beschleunigtem Meeresspiegel eine Absage“, “Golfstrom bleibt laut neuen Messdaten stabil: Stefan Rahmstorfs Modell beginnt zu wackeln” und “Rätsel Rahmstorf“).

Was ist von solch einem Gremium zu halten, in dem sich abseits des klimawissenschaftlichen Mainstreams die klimatischen Weltuntergangsprediger versammeln, um Einfluss auf die deutsche Politik zu nehmen? Eine nachvollziehbare Einschätzung des WBGU lieferte auch der bekannte Klimawissenschaftler Hans von Storch, der in seinem Blog “Die Klimazwiebel” am 2. Mai 2013 wie folgt kommentierte:

Für mich ist der WBGU im Wesentlichen ein Alarmisten-Klub, der an Weltrettungsphantasien und chronischer Kompetenzüberschreitung leidet. Eigentlich ganz gut, daß eine politische Gruppe hier mal ein Einhalten verlangt. Im Übrigen ist für mich das Wirtschaftsministerium ebenso seriös wie das Umweltministerium. Letzteres hat doch die Sache mit dem Biotreibstoff initiiert, oder? Und durchgesetzt, daß ursprünglich nur eine Szenariosimulation an die Umweltbehörden auf Kreis- und Landesebenen  verteilt wurde.

Der FDP gebührt Anerkennung, dieses offensichtliche Problem und die einseitige Besetzung des WBGU öffentlich anzusprechen. Letztendlich konnte sich die FDP offenbar aber leider nicht durchsetzen, wie Ulli Kulke auf Donner + Doria meldete:

Den ganz großen Knall wollte Wirtschaftsminister Philipp Rösler dann doch nicht wagen. Er folgte nicht seinen Stäben und Beamten, die ihn zu einer pikanten Personalentscheidung veranlassen wollten. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätte Rösler seine Zustimmung zur erneuten Berufung Hans Joachim Schellnhubers in den Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderung (WBGU) der Bundesregierung verweigert. Schellnhuber, Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung, war bisher nicht irgend ein WBGU-Mitglied, sondern Vorsitzender dieses Beirats. Die Nichtverlängerung von Schellnhubers Mandat hätte nicht nur innerhalb der Koalition für Unmut gesorgt, Umweltminister Altmaier hätte sich vehement für Schellnhuber eingesetzt, womöglich hätte Rösler sich dabei auch mit Kanzlerin Merkel angelegt, deren persönlicher Klimaberater der Forscher schließlich mal gewesen ist. Offenbar scheute sich Rösler – gewiss kein Freund Schellnhubers – auch davor, sich mit der kompletten Klimaschutzszene anzulegen. Schade. Eine personelle Alternative zu dem Potsdamer Forscher hätte für gehörig mehr Pragmatismus sorgen können in der Klimadebatte, der dieser gerade nach neuerlichen Erkenntnissen der Wissenschaft gut getan hätte. Nicht nur Klimaskeptiker beklagten, dass die Wissenschaft in diesem Bereich viel zu sehr politisiert ist, ja dass viele Experten in geradezu amtsanmaßender Manier die Klima- und Energiepolitik selbst übernehmen wollen.

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Siehe auch Beiträge auf notrickszone.com (hier und hier)
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