pangaea

Kontinentalverschiebung und Klimawandel: Die wundersame Wiederholung der Wissenschaftsgeschichte

Noch vor 250 Millionen Jahren hätte man mit dem Auto über Land von Europa nach Amerika fahren können. Das weiß heute jedes Kind. Der Atlantische Ozean war damals noch geschlossen und die Kontinente waren zu einer großen Landmasse mit dem mystischen Namen Pangaea zusammengeschlossen. Später öffnete sich der Ozean und Lissabon und New York drifteten allmählich immer weiter auseinander. Heute gehört die sogenannte Plattentektonik zum Allgemeinwissen und ist allgemein akzeptiert. Noch vor 50 Jahren jedoch war dies gänzlich anders. Damals war man davon überzeugt, dass die Kontinente seit jeher unbeweglich an ihrem heutigen Platz verharrt hätten. Darüber herrschte in der Fachwelt weitgehend Konsens. Und das schien ja auch logisch, denn wie sollten sich diese großen Gesteinsbrocken, die Kontinente denn überhaupt verschieben können? Welche Kräfte könnten diese Abertausende von Tonnen Gestein angetrieben haben? Nein, die physikalisch-mechanischen Berechnungen hatten es damals ganz deutlich gezeigt: Eine Verschiebung der Kontinent war gänzlich unmöglich.

Wenn man sich ein wenig mit der Wissenschaftsgeschichte der Plattentektonik beschäftigt, läuft man unvermeidlich in ein unerwartetes Deja Vu. Der von den Akteuren dieser alten geologischen Debatte durchlaufene Erkenntnisprozess ist nämlich im Grunde ein Spiegelbild der aktuellen Klimadebatte. Angefangen vom querdenkenden Skeptiker, über die breite Abwehrfront des Wissenschafts-Establishments bis hin zur bedingungslosen Anerkennung der modifizierten Theorie können wir hier alle wichtigen Elemente der Klimadiskussion wiederfinden. Fast möchte man den verfeindeten Klimalagern zurufen, sich diese Blaupause der heutigen Diskussion einmal genauer anzuschauen, um typisch menschliche Verhaltensmuster als solche zu erkennen und die Wiederholung von ärgerlichen Fehlern zu vermeiden.

 

Allein gegen den Rest der Welt: Alfred Wegener

Genialer Vordenker und tragischer Held unserer Geschichte ist der große Alfred Wegener (1880-1930). Er war Meteorologe, also eigentlich kein Fachmann auf dem Gebiet der Geologie. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab die Geowissenschaften nachhaltig durcheinanderzuwirbeln. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte Wegener das Konzept der Kontinentalverschiebung, aber leider war die Zeit damals noch nicht reif für diese revolutionären Gedanken. Als ‚Leugner‘ der unbeweglichen Erdoberfläche wurde Wegener von der Fachwelt regelrecht fertig gemacht. Ein „dreister“ Hobby-Geologe gegen tausende von Profiforschern, gegen die er schließlich keine Chance hatte. Die Presse folgte selbstverständlich dem Mainstream und machte sich ebenfalls über Wegener lustig. Alles schon einmal dagewesen?

Es war Ende 1910, wenige Tage nach Weihnachten. Wegener schaute sich gerade zusammen mit einem Kollegen in einem Atlas die physische Weltkarte an. Dabei stach ihm ins Auge, dass der elegant geschwungene Küstenverlauf Südamerikas und Afrikas große Ähnlichkeiten aufwiesen, als ob sie früher einmal zusammengehangen hätten. Und noch besser passten die beiden Kontinente aneinander, wenn man die Wassertiefenkarte des Atlantischen Ozeans heranzog. Die Schelfränder, also der Absturz in die Tiefsee, ähnelten sich faszinierend genau. Was für ein eigentümlicher Zufall, kommentierte Wegeners Kollege diesen Umstand trocken, woraufhin Wegener darauf bestand, dass diese weitreichenden Übereinstimmungen aus wissenschaftlicher Sicht kein Zufall mehr sein können. Dies musste doch etwas bedeuten!

Man wusste damals schon, dass auf beiden Kontinenten eng miteinander verwandte Tiere und Pflanzen vorkommen. Aber wie haben sie es nur über das große Meer geschafft? Die Fachwelt war sich weitgehend einig, dass es irgendwann interkontinentale Landbrücken über den Ozean gegeben haben muss. Später müssen sie dann einfach auf mysteriöse Weise versunken sein, denn heute gibt es keine Spur mehr von ihnen. Zudem hatte man damals erkannt, dass es zu beiden Seiten des Atlantiks an einigen Stellen charakteristische, seltene Gesteine gab. Wenn man die Kontinente zusammenschob, bildeten sie seltsamerweise zusammenhängende Flächen. Eine größere Bedeutung maß man dieser Beobachtung jedoch nicht zu. Es musste wohl auch Zufall sein.

Wegener jedoch war allergisch gegen zu viele Zufälle. Wenn man horizontale Verschiebungen der Kontinente über den Globus annehmen würde, könnte man eine ganze Reihe dieser Zufälle mit einem schlüssigen Gesamt-Konzept erklären und eine Fülle von Vereinfachungen erreichen, dachte er sich. Der Meteorologe stützte sich dabei auf eine kurz zuvor gemachte geologische Erkenntnis, dass die Kontinente vermehrt Silizium und Aluminium (SiAl) enthielten und damit leichter als die tiefere Erdkruste waren, die vor allem aus Silizium und Magnesium (SiMa) bestand und die Ozeanbereiche bildeten. Wegener stellte sich nun vor, dass die leichten Kontinente wie ein Floß auf der schwereren Unterkruste schwammen und sich darauf bewegten. In den darauf folgenden Monaten verwendete Wegener jede freie Minute für sein Projekt, sammelte wie besessen weitere Mosaiksteinchen, erweiterte und korrigierte immer wieder sein Modell. Allmählich entstand ein in sich stimmiges Bild und er konnte einen ersten Entwurf fertigstellen. Seine Meteorologen-Kollegen waren skeptisch und warnten ihn davor, sich in fachfremden Nebengebieten zu betätigen.

 

Das Establishment schlägt zurück 

Die Feuertaufe seiner Theorie der Kontinentalverschiebung erfolgte am 6. Januar 1912 auf der Jahreshauptversammlung der Geologischen Vereinigung im Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main, wo Wegener als Nichtgeologe einen Vortrag vor einem Fachpublikum hielt. Die bemerkenswerten Reaktionen der Experten hat Klaus Rohrbach in seiner lesenswerten Alfred Wegener-Biographie festgehalten (Abenteuer in Schnee und Eis – Alfred Wegener: Polarforscher und Entdecker der wandernden Kontinente, 2. Auflage 2008, S. 114):

„Noch während er sprach, gab es erste Anzeichen von Unruhe bei den Zuhörern. Einige beugten sich unauffällig zu ihrem Nachbarn und verständigten sich flüsternd über die ablehnende Meinung, die man ihren Mienen deutlich ansah, andere blickten ungläubig erstaunt oder schüttelten nur hin und wieder den Kopf. Wegener sprach jedoch völlig ruhig weiter und ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. […] Als er den Vortrag endlich beendet hatte, brach ein wahrer Sturm der Entrüstung los. In den hinteren Reihen sprangen einige Zuhörer auf und riefen ihre Fragen und Einwürfe wild durcheinander in den Raum. Andere gestikulierten erregt mit den Armen und brachten laut ihr Unverständnis und ihre tief empfundene Empörung über solchen ‚wissenschaftlichen Unfug‘ zum Ausdruck. […] Die Kontinentalverschiebung war bei ihrer öffentlichen Premiere mit Pauken und Trompeten durchgefallen.“

Mitte 1912 veröffentlichte Wegener seine Theorie zur Kontinentalverschiebung dann in Form einer dreiteiligen Serie in der renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift „Petermanns Geografische Miteilungen“. Die Publikation erregte im In- und Ausland allergrößtes Aufsehen. Die überrumpelten Fachwissenschaftler waren empört und konnten diese Attacke auf ihr Weltbild natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Wer war dieser Wegener eigentlich, der sich so dreist erlaubte, in fachfremden Gewässern zu fischen? Umgehend starteten die Geologen ihre Gegenoffensive. Wegeners Theorie musste um jeden Preis zerstört werden. Klaus Rohrbach berichtet in seinem Buch:

„Viele nahmen Wegeners Hypothese gar nicht erst ernsthaft zur Kenntnis, sondern ignorierten sie schlichtweg. Andere wiederum verhielten sich ohne genauere Prüfung von vorneherein ablehnend, einem spontanen Vorurteil folgend. […] Nur sehr wenige Menschen konnten Wegener ganz folgen und sich hinter ihn stellen. […]. Besonders verübelte man Wegener, dass er nicht vom Fach – also speziell Geologe – war. Aber vielleicht konnte dem Meteorologen Wegener ein solch großartiger und revolutionärer Gedanke wie jener der wandernden Kontinenten nur deshalb kommen, weil er nicht die Fachwissenschaft Geologie studiert und so sein Denken nicht mit den gängigen Lehrmeinungen besetzt und in gewisser Weise eingeengt hatte. Die Wissenschaftsgeschichte kennt zahlreiche Beispiele von sogenannten Außenseitern, die frei von vorgegebenen Denkmustern und ohne jegliche Angst um ihren wissenschaftlichen Ruf, den sie in der jeweiligen Fachwissenschaft ja gar nicht besaßen und deshalb auch nicht verlieren konnten, den Fortschritt in fruchtbarer und originellster Weise förderten.“

Der Geologe und Zoologe Hermann von Ihering verteidigte damals vehement seine Landbrückentheorie und sparte nicht an derben Verunglimpfungen von Wegener. Er nannte die Theorie der Kontinentalverschiebung ein „Fantasiegebilde“, das „wie eine Seifenblase vergehen musste“. Der Wiener Professor Fritz Kerner-Marilaun bezeichnete 1918 Wegeners Theorie als „Fieberfantasien des von Krustendrehkrankheit und Polschubseuche schwer Befallenen“. Der Aachener Geologie-Professor Max Semper ersuchte Wegener in einem Aufsatz im Zentralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie um das gefällige „Innehalten der nötigen Distanz“ und urteilte rigoros, dass die „Tatsächlichkeit der Kontinentalverschiebung […] mit unzulänglichen Mitteln unternommen und völlig missglückt“ sei. Wegener empfahl er süffisant, doch künftig die Geologie nicht weiter zu beehren, sondern Fachgebiete aufzusuchen, die bisher noch vergaßen über ihr Tor zu schreiben: O heiliger Sankt Florian, verschon‘ dies Haus, zünd‘ andre an! Der bekannte Geologe Hans Stille ignorierte Wegeners Theorie standhaft und schwieg sie tot. Und der Wiener Professor Eduard Sueß, Anhänger der Erdschrumpfungstheorie, verglich die Erde mit einem schrumpelnden Apfel und erklärte Kraft seiner Autorität: „Der Zusammenbruch des Erdballs ist es, dem wir bewohnen.“ Und fast alle glaubten es ihm. Die Marotzkes, Latifs, Feulners und Rahmstorfs der Kontinentalverschiebungs-Debatte vor 100 Jahren ließen Alfred Wegener einfach auflaufen. Wegener hingegen nahm die Kritik gelassen zur Kenntnis und fand sogar noch Vergnügen am übertrieben-polemischem Stil. Unbeirrt veröffentlichte er 1915 sein Buch „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“, in dem seine Theorie noch einmal ausführlich darstellte.

Während er in der Geologie zur persona non grata wurde, war Alfred Wegener in seiner eigenen Disziplin hoch angesehen. Seine Veröffentlichung der „Thermodynamik der Atmosphäre“, einem Lehrbuch mit mehreren Auflagen, war in der Meteorologie hochgelobt. Dennoch schien er mit seinen Arbeiten zur Kontinentalverschiebung seine Zukunftschancen zu gefährden. Noch mit 42 hatte er immer noch kein Angebot für eine Professur: „Immer wieder hörte man, dass er als Bewerber um einen bestimmten Lehrstuhl abgelehnt worden war, weil er sich für Themen interessierte, die außerhalb der für den betreffenden Lehrstuhl bestehenden Richtlinien lagen“ (Rohrbach 2008, S. 189). Doch 1924 klappte es endlich und er wurde mit 43 Jahren an der Universität Graz zum ordentlichen Professor der Meteorologie und Geophysik ernannt.

In den 1920er Jahren wurde es dann still um Wegeners Theorie. Den meisten Forschern war das Modell nicht genügend ausgereift oder sie hielten es sogar für nicht diskutierbar. Im Jahr 1930 kam Alfred Wegener bei einem Schlittenmarsch über das Inlandeis Grönlands tragisch ums Leben. Er starb vermutlich in seinem Zelt, an Herzschwäche nach körperlicher Überanstrengung. Nach Wegeners Tod geriet die Idee der Kontinentalverschiebung vollends in Vergessenheit. In Deutschland war besonders die Ablehnung durch die Geologen Hans Stille und Hans Cloos entscheidend. Hans Stille blieb bis zu seinem Tod 1966 ein entschiedener Gegner der Kontinentaldrift, obwohl er vollständig im Unrecht war, und bestätigte damit die Ansicht Max Plancks, wonach sich umwälzende Theorien erst durchsetzen, wenn ihre Gegner aussterben (Wikipedia).

Noch im Jahr 1954 sagte der sowjetische Geophysiker Vladimir Vladimirowitsch Belussow über Wegeners Konzept zur Kontinentalverschiebung: „Viele Hypothesen der Geotektonik haben der geotektonischen Wissenschaft erheblichen Schaden zugefügt, weil sie bei denen, die nicht darauf spezialisiert sind, den Eindruck erwecken, dieses sei ein Gebiet, das von Fantastereien oberflächlichster Art regiert werde. Das anschaulichste Beispiel dafür hat Wegeners Hypothese von der Kontinentalverschiebung geliefert. Sie ist fantastisch und hat nichts mit Wissenschaft zu tun.“ Und der berühmte englische Astrophysiker Fred Hoyle legte ein Jahr später nach „Wie es ein Kontinent, der aus gut 35 km starkem Felsgestein besteht, anstellen soll, sich fortzubewegen, ist nie wirklich geklärt worden; und ehe nicht irgendein plausibler Mechanismus dafür angegeben werden kann, brauchen wir die Verschiebung von Kontinenten nicht ernst zu nehmen“ (siehe auch Rohrbach 2008).

Erst in den 1960er Jahren, lange nach Wegeners Tod, wurde die Kontinentalverschiebungs-Theorie wiederbelebt. Tiefseebohrungen und Magnetstreifen der Ozeanböden bestätigten schließlich, dass die Kontinente in der Tat mobil sind. Dabei pflügen sie zwar nicht, wie Wegener geglaubt hatte, durch eine schwerere Erdkruste, sondern bewegten sich auf größeren Erdplatten. Aber der Grundgedanke Wegeners, dass sich die Kontinente horizontal verschoben haben, wurde nun endlich akzeptiert und ist heute fester Bestandteil der modernen Plattentektonik. Über die hochinteressante Phase, als sich die Situation zugunsten der Plattentektonik zu wenden begann und schließlich dann vollends umschlug, berichten wir in einem gesonderten Blog-Artikel (“Die Plattentektonik setzt sich durch: Lehren für die Klimadebatte“). Im Hinblick auf die Klimadebatte interessiert uns hier besonders, in welchen Zeiträumen das Umdenken einsetzte und welche konkreten Ereignisse letztendlich den Anstoß zur finalen Aufgabe des überkommenen, fixistischen Kontinentmodells gaben.

Die einst so gewagten und revolutionär wirkenden Ideen Alfred Wegeners haben sich letztendlich durchgesetzt. Der Widerstand der etablierten Fachwelt gegen seine Theorie ist ein Lehrbeispiel für den Umgang des wissenschaftlichen Establishments mit unbequemen Querdenkern. Eine über einen ganzen Fachbereich stark ausgeprägte Abwehrstrategie ist psychologisch sehr erklärlich, geht es doch um die Verteidigung der liebgewonnenen Denkmuster und die Rettung von Modellen, die in jahrelanger, mühseliger Fleißarbeit entstanden sind. Der Verlust dieser Theorien würde zudem automatisch Ansehen und Einfluss kosten. Die enge und langjährige Verknüpfung der beteiligten Forscher durch gemeinsame Ausbildung, Konferenzen und Projekte führt dabei zu einem ungesunden Konformitätsstreben, das letztendlich den wissenschaftlichen Fortschritt behindert und Denkverbote fördert.

James Aber sieht die frühe Ablehnung von Wegeners Theorie zur Kontinentalverschiebung durch mehrere Umstände begründet. Zum einen war Wegener seiner Zeit weit voraus und integrierte eine Reihe von Beobachtungen, die im Einzelnen zur damaligen Zeit noch nicht voll verstanden waren. Weiterhin behinderte Wegener, dass er nicht vom Fach war und daher von vorneherein nicht von den Fachwissenschaftlern akzeptiert wurde. Sein junges Alter von 32 Jahren zur Zeit der Entstehung seiner Theorie war ebenfalls nicht förderlich. Schließlich kam noch die wissenschaftliche Trägheit dazu, die wir eben bereits ansprachen. Alles zusammen ergab einen Cocktail, der zwangsläufig zum Scheitern der Kontinentalverschiebung-Idee führen musste. Es soll betont werden, dass dabei zu keiner Zeit eine Konspiration vorgelegen hat. Ähnliches muss wohl auch für die heutige Klimadebatte angenommen werden. Das geschichtliche Beispiel zeigt, dass es auf der menschlichen und psychologischen Ebene genügend andere Gründe gibt, so dass keinem der Beteiligten mutwillige Täuschungsabsichten unterstellt werden müssen.

Gut 100 Jahre nach dem ungerechtfertigten Verriss von Alfred Wegener erleben wir derzeit möglicherweise eine Neuauflage des Phänomens. Wieder besteht ein starker Anfangsverdacht. Die letzten 10.000 Jahre waren von ausgeprägten Klimazyklen im 1000er Jahresmaßstab geprägt, die parallel zur Sonnenaktivität verliefen. Ist es wirklich purer Zufall, dass die Erwärmung der letzten 250 Jahre genau in den aufsteigenden Ast der erstarkenden Sonne fällt? Ist es nur Zufall, dass die letzten Jahrzehnte zu den solar aktivsten der letzten 10.000 Jahre gehören? Wie im Fall Alfred Wegener, der damals keinen physikalischen Mechanismus für den Antrieb der Kontinentalverschiebung vorweisen konnte, fehlt auch in der Klimadebatte heute noch der Nachweis der klimatischen Verstärkung der Sonnenschwankungen. Die Forschung hierzu ist aber in vollem Gang und es entwickeln sich derzeit hochinteressante Indizienketten im Bereich UV und Sonnenmagnetfeld – kosmische Strahlung – Wolken (siehe Kapitel 6 in Die kalte Sonne“). Wie damals bleibt die Fachwelt jedoch hart: Liefert ihr uns keinen physikalischen Mechanismus, werden wir euern Solarverstärker weiter ignorieren. Bis dahin werten wir alle eure Indizien als puren Zufall. Und gerade vom Bremerhavener Alfred Wegener Institut wäre in dieser delikaten Debatte mehr Fingerspitzengefühl zu erwarten, und sei es nur in Anerkennung der großen Leistung ihres berühmten Namensgebers.

Die Geschichte ist gerade dabei sich zu wiederholen – und wir sind live dabei.

 

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Anhang:

Im Kontext der Geschichte von Alfred Wegener und den Reaktionen des damaligen Wissenschafts-Establishments auf seine Theorie, erscheinen möglicherweise auch die unten aufgeführten Kommentare einiger heutiger Klimawissenschaftler in einem ganz neuen Licht:

 

Reaktionen auf unser Buch „Die kalte Sonne“, in dem wir einen stärkeren Beitrag natürlicher Klimaprozesse vorschlagen als vom IPCC postuliert:

Prof. Mojib Latif, Universität Kiel, am 18.2.2012 in der Financial Times Deutschland:
„Wenn man das Buch liest, stehen einem als Wissenschaftler die Haare zu Berge. Es handelt sich um eine pseudowissenschaftliche Abhandlung. Da reihen sich Binsenweisheiten wie etwa, dass das Klima träge sei, an wilde Spekulationen über die zukünftige Klimaentwicklung. Da werden längst widerlegte Theorien bemüht, die schon vor Jahren ihre verdiente Ruhe auf dem Friedhof von Absurdistan gefunden hatten.“

 

Prof. Hartmut Graßl, bis 2005 Direktor des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI) am 17.2.2012 im NDR-Fernsehen:
“Ach, eigentlich habe ich keine Lust zu solchem Stuss irgendwas zu sagen”, auf die Frage, was er denn von dem Buch halte.

Und am 25.2.2010 schrieb Graßl auf klimaretter.info:
„Das Buch wärmt überwiegend alte, widerlegte Argumente auf, weil es von zwei Autoren stammt, die in der Klimaforschung mit eigenen Arbeiten nicht bekannt geworden sind.“

 

Prof. Jochem Marotzke, Direktor des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie, am 7.2.2012 im Hamburger Abendblatt:
“Das ist eines von vielen Büchern, die bereits zum Einfluss der Sonne veröffentlicht wurden. Es liefert keine neuen Argumente. […] Die meisten Aussagen des Buches sind längst widerlegt.” Wenn Vahrenholt den IPCC-Bericht studiert habe, dann habe er “viel gelesen und wenig verstanden”.

Und am 9.2.2012 sagte Marotzke in der taz:
„Das Buch verdreht, wie Prognosen des IPCC gemacht werden. Ich glaube, das haben die Autoren nicht verstanden. Wenn man das als Wissenschaftler liest, denkt man oft: nein, leider falsch. Es passiert schlicht nicht das, was dort beschrieben ist.“

 

 

Reaktionen auf das Buch Klimafakten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (siehe auch Blog-Artikel „Pioniere des Klimarealismus: Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe“):
In einem ‚vertraulichen‘ Dossier, das sogleich seinen Weg über die taz in die Öffentlichkeit fand, kommentierte etwa das Umweltbundesamt (UBA) die Einschätzungen der konkurrierenden Schwesterbehörde als “irrelevant”, “eindeutig falsch”, “anmaßend” oder “fernab jeder Realität” und forderte, dass sich die Bundesregierung beim IPCC für die Fehleinschätzung entschuldigen müsse. Ein Sprecher des Umweltministeriums stellte die Hannoveraner als gekaufte Vasallen hin, denen es offenbar darum ginge “die Interessen der Energieindustrie zu vertreten”. Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif bezeichnete in einer Monitor-Sendung vom 1. März 2007 die Einschätzungen der BGR-Kollegen zum Klimawandel als „Schande” die die gesamte Klimaforschung „in den Dreck zieht”. Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), und damals offizieller Klimaberater der Bundesregierung, legte nach: „Die Meinung der BGR ist randständig, und die Behörde spielt keine Rolle in der internationalen Klimadiskussion”.

 

Reaktionen auf Prof. Augusto Mangini, der aufgrund einer geologisch dokumentierten Sonne-Klima-Kopplung diese auch für die letzten 150 Jahre einforderte (siehe auch Blog-Artikel „Prof. Augusto Mangini – Ein Pionier des Klimarealismus“):
Nur wenige Tage nach Manginis FAZ-Artikel sprang Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in den Ring, um den Übeltäter in seine Schranken zu verweisen. Sein Abwehr-Artikel erschien in der gleichen Zeitung. Bereits mit dem Titel „Die Wahrheit zum Klima“ machte er unmissverständlich klar, wer hier eigentlich die offizielle Deutungshoheit innehat. Er verhöhnt darin Mangini, er würde nur ein „Bauernfängerargument auffahren, das dem Laien auf den ersten Blick plausibel erscheinen mag, einem genaueren Nachdenken aber nicht standhält.“