Neue Studie in Nature Geoscience: Himalaya-Flüsse werden auch 2100 noch genügend Wasser führen

Die Himalaya-Gletscher schmelzen immer weiter, und bald haben die Bewohner in der Region kein Trinkwasser mehr, sagte man uns. Der letzte IPCC Bericht von 2007 prognostizierte gar, dass die Himalaya-Gletscher wohl bis 2035 komplett verschwunden sein werden. Viele von Ihnen werden hierzu auch das legendäre Interview von Hans-Joachim Schellnhuber aus dem Jahr 2009 kennen, in dem er dieses nochmal mit Nachdruck vortrug und ein allmähliches Austrocknen der aus dem Himalaya gespeisten Flüsse bis zum Ende des Jahrhunderts vorhersagte:

 

Bereits im Februar 2013 berichteten wir an dieser Stelle über eine seltsame Entwicklung im Himalaya, die so gar nicht mit dem Schellnhuberschen Katastrophenszenario zusammenpassen wollte (“Heftiger Schneefall der letzten drei Jahre lässt Himalaya-Gletscher anwachsen“). Im August 2013 erschien nun im Fachmagazin Nature Geoscience eine neue Studie eines niederländisch-schweizerischen Forscherteams um Walter Immerzeel von der Universität Utrecht, das für die Himalaya-Flüsse bis 2100 ein ganz anderes Schicksal prognostiziert. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 5. August 2013:

Wasser und Klimawandel: Entwarnung für Indus und Ganges
Entgegen früheren Warnungen wird den Menschen am Indus und am Ganges bis 2100 das Wasser wohl nicht ausgehen – sagen Klimamodelle. Aber die Erkenntnisse sind durchwachsen. Am Indus und am Ganges brauchen sich die Menschen für den Rest dieses Jahrhunderts keine gesteigerten Sorgen um Wasser für ihre Kehlen und Felder zu machen, wenn ein niederländisch-schweizerisches Forschungsteam recht behält. Die Wissenschaftler um Walter Immerzeel von der Universität Utrecht haben die Gletscher am Oberlauf der Flüsse und die zu erwartenden Niederschläge mit spezialisierten Computermodellen simuliert. Demnach dürfte die gesamte Wassermenge entgegen früherer Warnungen noch bis 2100 ansteigen (Nature Geoscience, online).

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Im Folgenden die Kurzfassung der Studie im englischen Original (Fettsetzung ergänzt):

Greater Himalayan glaciers are retreating and losing mass at rates comparable to glaciers in other regions of the world. Assessments of future changes and their associated hydrological impacts are scarce, oversimplify glacier dynamics or include a limited number of climate models. Here, we use results from the latest ensemble of climate models in combination with a high-resolution glacio-hydrological model to assess the hydrological impact of climate change on two climatically contrasting watersheds in the Greater Himalaya, the Baltoro and Langtang watersheds that drain into the Indus and Ganges rivers, respectively. We show that the largest uncertainty in future runoff is a result of variations in projected precipitation between climate models. In both watersheds, strong, but highly variable, increases in future runoff are projected and, despite the different characteristics of the watersheds, their responses are surprisingly similar. In both cases, glaciers will recede but net glacier melt runoff is on a rising limb at least until 2050. In combination with a positive change in precipitation, water availability during this century is not likely to decline. We conclude that river basins that depend on monsoon rains and glacier melt will continue to sustain the increasing water demands expected in these areas.

 

Siehe auch Beitrag auf eenews.net