Neues vom Kartierprojekt zur Mittelalterlichen Wärmeperiode: Peru, Indien, Abstimmung

Im Rahmen unseres Kartierprojektes zur Mittelalterlichen Wärmeperiode (MWP) wird weiter kräftig gewerkelt. Anfang Februar 2016 stellten wir auf WUWT unsere Antarktisanalyse zur MWP vor (“The Medieval Warm Period in Antarctica: How two one-data-point studies missed the target“). Immer wieder bitten Leser, die Kartierergebnisse auch wissenschaftlich zu publizieren. Dies werden wir nach Abschluss der Datenerfassung sicher auch tun.

 

Im Fachblatt Climate of the Past Discussions konnte unsere MWP-Kartierung nun mithelfen, die Ergebnisse einer neuen Studie aus den ecuadorianischen Anden verlässlicher in den regionalen Kontext einzubetten. Wenn Sie in der Arbeit von Frazer Matthews-Bird und Kollegen auf den Reiter “Discussion” klicken, gelangen Sie in den Review- und Diskussionsbereich. Dort finden Sie Sebastian Lünings Kommentar zur Arbeit. Die Autoren antworteten prompt und bedankten sich für die Hinweise und Zuarbeit. Die fachliche Kooperation und Diskussion ist ein wichtiges Element des MWP-Projektes.

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Die bekannte klimaskeptische Webplattform Climate Depot informierte am 12. Januar 2016 seine Leser über unser Kartierprojekt zur Mittelalterlichen Wärmeperiode.

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Am 19. Januar 2016 veröffentlichte F.J. Shepherd auf WUWT einen lesenswerten Beitrag zur Wikingerkultur auf Grönland, in der die Ergebnisse der Baffin Island-Studie von Young et al. scharf kritisiert werden (Debunking the ‘Vikings weren’t victims of climate’ myth”). Der Artikel bestätigt unsere Kritik an dem Paper, die wir auf Basis der neuen MWP-Kartierung belegt hatten (siehe “Eine Moräne macht noch keinen Winter: Mittelalterliche Wärmeperiode behauptet sich im Faktencheck gegen plumpes Aktivistenpaper zur kanadischen Baffininsel“).

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Um die Jahreswende 2015/2016 konzentrierten sich die Kartierarbeiten auf Peru, um einen ersten Überblick für ein Teilgebiet Südamerikas zu schaffen. Es fallen vor allem rote und gelbe Farben ins Auge, also Fallstudien, die Erwärmung und Trockenheit während der MWP dokumentieren (Abbildung 1).

Abbildung 1: Lagekarte wissenschaftlicher Studien zur Mittelalterlichen Wärmeperiode in Peru. Rote Punkte: Studien mit MWP-Erwärmung. Gelbe Punkte: Studien mit MWP-Trockenheit. Klickbare Online-Karte hier.

 

Wir wollen eine der Studien exemplarisch herausgreifen. Nördlich von Lima sehen Sie drei aufgereihte Punkte. Dies sind drei Seen im Vorland der Andengletscher. Eine Forschergruppe um Nathan Stansell hat anhand der Seesedimente eine Gletscherrekonstruktion für die vergangenen 12.000 Jahre erstellt, die sie 2013 in den Quaternary Science Reviews veröffentlichten. Sehr gut zu erkennen ist ein starker Gletscherrückzug während der Mittelalterlichen Wärmeperiode (in der Kurve rot hinterlegt), gefolgt von einer besonders starken Ausdehnung der Gletscher in der nachfolgenden Kleinen Eiszeit (blau hinterlegt) (Abbildung 2). Die Moderne Wärmephase brachte dann wieder Gletscherschrumpfen. Ein beeindruckendes Natur-Jojo.

 

Abbildung 2: Gletscherentwicklung nördlich von Lima, rekonstruiert anhand von Ablagerungen eines Gletschersees. Gletschervorschub=Ausschlag nach oben, Gletscherschrumpfen=Ausschlag nach unten. Die Phase der MWP ist rot hinterlegt, die Kleine Eiszeit hellblau. Abbildung aus Stansell et al. 2013.

 

Wir werden Peru und das Andenthema bei geeigneter Gelegenheit wieder aufgreifen. Es wird interessant werden, welche Teile Südamerikas während der MWP feuchter und welche trockener geworden sind.

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Vielleicht erinnern Sie sich. Vor einiger Zeit hatten wir an dieser Stelle eine neue Studie zur Baffininsel entzaubert, die MWP-Kälte suggerierte (siehe “Eine Moräne macht noch keinen Winter: Mittelalterliche Wärmeperiode behauptet sich im Faktencheck gegen plumpes Aktivistenpaper zur kanadischen Baffininsel“). Da die Faktenlage überwältigend für eine warme MWP in der Region spricht, nahmen wir Kontakt mit der Zeitschrift auf, die den Baffininsel-Artikel publiziert hatte. Würde das Journal einen Diskussionsbeitrag von uns akzeptieren? Die Herausgeber schrieben uns, dass eigenständige Diskussionsbeiträge in ihrer Zeitschrift nicht vorgesehen seien und verwiesen uns auf die sogenannte eLetter-Rubrik, die es unter jedem Artikel gibt. Dort könne man Kommentare einreichen. Gesagt getan. Am 27. Januar 2016 reichten wir also unseren Kommentar ein:

I have read the paper with interest. While the local glacier advance during the Medieval Cimate Anomaly (MCA) is noteworthy, most other studies in the region actually demonstrate clear MCA warming and Little Ice Age cooling. The extrapolation from the one data point to entire Greenland and East Canada may therefore not be justified. In addition, the documented glacier advance may also just be a result of an increase in snow fall. Can this be excluded? This study clearly lacks a thorough integration of the existing regional literature. I have discussed the results of Young et al. in the context of other studies here: http://wattsupwiththat.com/2016/01/18/baffin-island-study-disappoints-the-illusive-coup-de-grace-on-the-medieval-warm-period/ I would be very interested in a reply from the authors where they respond to the points raised, especially as the results have been widely reported on in the press.

Regards Sebastian Luening

Bis heute (13. Februar 2016) wurde der Kommentar jedoch nicht freigeschaltet. Wir haben nun noch einmal nachgehakt und um eine Statusmeldung gebeten. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

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In der zweiten Januarhälfte bis Anfang Februar 2016 verlagerte sich die MWP-Kartierung dann in den Indischen Ozean und Indien. Im Bereich des Himalaya dokumentieren eine Reihe von Studien eine deutliche MWP-Erwärmung (rote Punkte in Abbildung 3). Ins Auge fallen aber auch zwei blaue Punkte am West- und Ostrand des Arabischen Meeres, an der Küste vom Oman und West-Indiens. Was ist hier los? Keine Angst, die Ergebnisse passen bestens in Bild. Während der MWP hat sich der Monsun verstärkt. Die Winde haben zu einem erhöhtem Auftrieb von kalten Wassermassen an der Küste geführt. Ein lokales, küstennahes Phänomen, das mit wachsender Distanz zur Küste allmählich verschwindet.

 

Abbildung 3: Lagekarte wissenschaftlicher Studien zur Mittelalterlichen Wärmeperiode in Indien und dem Arabischen Meer. Rote Punkte: Studien mit MWP-Erwärmung. Blaue Punkte: Studien mit MWP-Abkühlung. Gelbe Punkte: Studien mit MWP-Trockenheit. Grüne Punkte: Studien mit erhöhten Niederschlägen während der MWP. Klickbare Online-Karte hier.

 

Auch die Veränderungen in den Niederschlägen ist hochinteressant. Der verstärkte Monsun führte zu feuchteren Bedingungen in weiten Teilen Indiens. Im Bereich des nördlichen Arabischen Meeres hingegen wurde es während der MWP offenbar trockener, ein Trend der sich schön entlang der Küste von West-Indien über Pakistan, Oman und Yemen nachweisen lässt. Einige der gelben Punkte könnten auch noch grün werden, da es sich um zeitlich niedrig auflösende Studien handelt, die eine eng begrenzte Dürre um 1000 n. Chr. anzeigen, danach aber für den Großteil der MWP vor allem feuchte Bedingungen anzeigen. Hier wird eine genaue Auswertung mithilfe von Kurvenplots notwendig sein, um die Details herauszuarbeiten.

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Nun sind Sie an der Reihe. Sagen Sie uns bitte, welches Gebiet wir als nächstes unter die MWP-Lupe nehmen sollen. Nehmen Sie dazu an unserer Online-Abstimmung teil. Sie haben zwei Stimmen. Zur Auswahl stehen Deutschland & Nachbarn, Skandinavien, Südeuropa, Osteuropa, Russland, USA, China und Südamerika. Hier geht’s zur Abstimmung. Die Abstimmung endet am 20. Februar 2016.

 

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Projektspenden

Wir danken allen Unterstützern, die dieses wichtige Projekt möglich machen. Momentan ist knapp die Hälfte der Projektsumme bereits gesichert.

Spenden per Überweisung:

Kontoinhaber: Prof. Dr. Fritz Vahrenholt
Konto Nr. 1280579069
BLZ 20050550
Hamburger Sparkasse
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BIC HASPDEHHXXX
Verwendungszweck: MWP-Projekt

 

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Hier geht es zur Projektseite der MWP-Kartierungsstudie.