Wasserknappheit am Baikalsee: Klimaaktivisten ignorieren wichtige Klimazyklen

Vor kurzem korrespondierten wir mit der Helmholtz-Gesellschaft über einen leicht missglückten Artikel zum Baikalsee. Man ging einfach davon aus, dass das Klima in vorindustrieller Zeit am See konstant gewesen wäre, ein fataler Irrtum. Am 6. Mai 2015 folgten dann die Aktivistengruppen 350.org und Global Voices, die einen ähnlichen Fehler machten und die aktuellen Klimaänderungen erneut als “einzigartig” und “noch nie dagewesen” fehlinterpreterten. Auf Global Voices war zu lesen:

Klimawandel ist laut Experten die Ursache für Russlands schrumpfenden Baikalsee
[...] Der russische Minister hat deutliche Worte für diesen Rückgang des Wasserpegels im Baikalsee: “Das Klima”. Was in aller Welt ist also mit dem Klima passiert? Experten nehmen an, dass die Niederschlagsmengen im Gebiet des Baikal in Zyklen von jeweils mehreren Jahrzehnten fluktuieren. Was hier jetzt jedoch geschieht, fällt eindeutig aus diesem Muster einer normalen Variation heraus. Ende März sank der Wasserpegel beispielsweise 9 cm unter den als kritisch geltenden Wert ab. Und eine solche Wasserknappheit wurde in über 100 Jahren nicht beobachtet. Laut dem Ministerium für Katastrophenschutz betrug die Wassermenge, die im Sommer und Herbst 2014 in den See gelangte, nur noch 65 Prozent der klimatischen Norm. Die Austrocknung des Baikalsees vollzieht sich vor dem Hintergrund eines dramatischen Wandels in Russland: Laut dem russischen Meteorologischem Zentrum (Rosgidromet) geschieht der Anstieg der Durchschnittstemperaturen hier 2.5 Mal schneller als im globalen Vergleich. Der Klimawandel führt zu einem schnellen Anstieg der Häufigkeit von Naturkatastrophen, inklusive Dürren.

Es ist schön, dass die Aktivisten die Niederschlagszyklen im Jahrzehnte-Maßstab anerkennen. Allerdings versäumen sie es dann, die längerfristigen Zyklen im Jahrhundert- und Jahrtausendmaßstab zu berücksichtigen. Niedrigster Seespiegelstand der letzten 100 Jahre? Das entspricht nur einem zehntel eines Tausendjährigen Zyklus, der in der Literatur eindeutig beschrieben ist. Siehe “Studie der University of Alberta: Tausendjährige Klimazyklen am Baikalsee durch Sonnenaktivitätsschwankungen ausgelöst“ oder “Klima am Baikalsee pulsierte die letzten 5000 Jahre im Takte der Sonne“.

Im Januar 2015 diskutierte Sputnik News die Gründe der Wasserknappheit. Neben einer ausgeprägten Dürre im Vorjahr entnahmen wohl auch die Wasserkraftwerke am See zu viel Wasser:

Over the past twelve months the lake water has dropped a record 40 cm to a sixty-year low — just shy of the critical mark of 456m. Some experts blame this on the local energy companies, but officials and biologists attribute the drop to last year’s drought.

Davon kein Wort bei 350.org/Global Voices. Lieber dramatisiert man die Erwärmung der letzten 70 Jahre:

Der Baikalsee wärmt sich tatsächlich auf. Laut einer Studie, die bereits 2008 publiziert wurde, war die Temperatur des Oberflächenwasser des Baikalsees damals seit 1946 schon um 1.21 Grad gestiegen.

Weshalb zitieren die Aktivisten eine Studie von 2008, wenn es fast tagesaktuelle Daten bis heute gibt? Weshalb die siebenjährige Lücke? Das wollen wir genauer wissen und schauen uns beim New Scientist den GISS-Temperaturverlauf des Baikalsees für die vergangenen 130 Jahre an:

 

Die Lösung: Im Jahr 2007 gab es eine extreme Wärmespitze, die man offenbar gerne in der Statistik haben wollte. In Wahrheit fallen die Temperaturen seit 2004 am Baikalsee wieder, gemessen am 5-jährigen laufenden Mittelwert. Im Prinzip stagnieren die Temperaturen am Baikalsee bereits seit 1988. Unerwähnt lasssen die Aktivisten zudem, dass es vor 1000 Jahren zur Zeit der Mittelalterlichen Wärmeperiode am Baikalsee wohl schon einmal ähnlich warm wie heute gewesen ist, vielleicht mit ähnlichen Erwärmungsraten in der Übergangsphase.