Schrumpfendes arktisches Meereis: Welche Rolle spielen die Ozeanzyklen?

Was ist bloß mit dem arktischen Meereis los? In den letzten 2 Jahren ging es nach einem Zwischenhoch steil bergab. Aktivisten rieben sich die Hände: Nur noch 3567 mal schlafen, heißa, dann ist das Arktische Meer eisfrei. Wir wollen uns den Verlauf einmal näher anschauen:

Abbildung 1:Ausdehnung des arktischen (blau) und antarktischen (rot) Meereises während der letzten 35 Jahre. Quelle: Climate4You. Daten: NSIDC. Laufende Mittelwerte für 12 Monate. Stand: Mai 2017. 

 

Die gute Nachricht: Der Eisschwund hat offenbar vorerst aufgehört. Der kleine blaue aufwärtsgerichtete Haken zeigt es an. Im Einzelnen erkennt man die Entwicklung ganz gut in der folgenden Eis-Kurve:

Abbildung 2: Verlauf der Ausdehnung des arktischen Meereises für die Jahre 2017 (hell blau), 2016 (rot), 2012 (grün gestrichelt). Quelle: NSIDC

 

Die aktuelle arktische Meereisbedeckung (Mittel Juni 2017) unterscheidet sich nicht von jener zum gleichen Zeitpunkt 2012 und 2016. Aber natürlich: Im langjährigen Kontext haben wir heute weniger Eis als üblich (graue Kurve gibt den Mittelwert an).  Woran liegts? Im Winter 2015/16 führte die NASA hohe arktische Temperaturen und Stürme als Gründe an. Paul Dorian von Vencore Weather fand zudem einen deutlichen Zusammenhang mit dem El Nino:

Als der El Nino dann überstanden war, wurden auch sogleich enorme Wiedergefrierungsraten gemessen, die höchsten seit Beginn der täglichen Messungen 1987. Den Zusammenhang mit dem El Nino sieht übrigens auch der Direktor des U.S. National Snow and Ice Data Center so, wie CNN im Juni 2016 berichtete:

Mark Serreze, the director of U.S. National Snow and Ice Data Center attributed some of the low levels of ice to El Niño. “The El Niño certainly had something to do with this,” he told Climate Central. “It can have impacts on weather conditions very far away from the tropical Pacific.”

Zudem gibt es im Maßstab von mehreren Jahrzehnten Zusammenhänge mit der Pazifischen Dekadenoszillation (PDO) (Lapointe et al. 2017 , Yu et al. 2017, Screen & Francis 2016) und der Atlantischen Multidekadenoszillation (AMO) (Osborne et al. 2017). Und dann ist da natürlich auch noch die Arktische Oszillation, die ebenfalls ein Wörtchen beim Meereis mitredet, wie Hegyi & Taylor im Mai 2017 in den Geohysical Research Letters beschreiben:

The regional influence of the Arctic Oscillation and Arctic Dipole on the wintertime Arctic surface radiation budget and sea ice growth
An analysis of 2000–2015 monthly Clouds and the Earth’s Radiant Energy System-Energy Balanced and Filled (CERES-EBAF) and Modern-Era Retrospective Analysis for Research and Applications, Version 2 (MERRA2) data reveals statistically significant fall and wintertime relationships between Arctic surface longwave (LW) radiative flux anomalies and the Arctic Oscillation (AO) and Arctic Dipole (AD). Signifying a substantial regional imprint, a negative AD index corresponds with positive downwelling clear-sky LW flux anomalies (>10 W m−2) north of western Eurasia (0°E–120°E) and reduced sea ice growth in the Barents and Kara Seas in November–February. Conversely, a positive AO index coincides with negative clear-sky LW flux anomalies and minimal sea ice growth change in October–November across the Arctic. Increased (decreased) atmospheric temperature and water vapor coincide with the largest positive (negative) clear-sky flux anomalies. Positive surface LW cloud radiative effect anomalies also accompany the negative AD index in December–February. The results highlight a potential pathway by which Arctic atmospheric variability influences the regional surface radiation budget over areas of Arctic sea ice growth.