Faktencheck beim Umweltministerium

Wenn eine Bundesbehörde oder ein Ministerium etwas sagt, hat das Gewicht. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass auch dort “nur” ganz normale Menschen aus Fleisch und Blut arbeiten. Und wenn der Chef eine ganz bestimmte politische Meinung zu einem Thema hat, dann werden sich alle Mitarbeiter größte Mühe geben, um den Chef glücklich zu machen und damit automatisch die eigene Karriere und den Jahresendbonus zu fördern. Auf Salonkolumnisten hat Anna Veronika Wendland am 2. November 2018 einen Faktencheck von Aussagen des deutschen Umweltministeriums vorgenommen. Dabei stieß sie auf erschreckende Ungereimtheiten:

Faktencheck beim Umweltministerium

Was passiert, wenn die Regierung mit dem Volk diskutieren will, aber ihren Job nicht ernst nimmt? Das Volk checkt die Fakten selbst. Unsere Autorin hat sich angesehen, wie das Umweltministerium Energiepolitik darstellt.

Es kommt wieder etwas Bewegung in die klima- und energiepolitische Diskussion. Im Westen tobt die Braunkohlen-Kontroverse, und der Bundesrechnungshof nörgelt über Geldverschwendung bei der Energiewende-Förderung. Nach Jahren des Schweigens und Desinteresses wagen sich neuerdings einige Nuklear-Ketzer hervor und sagen, man solle doch noch einmal kritisch über das 2011 beschlossene deutsche Kernenergie-Verbot nachdenken. Und wie es der Teufel will, kündigt ausgerechnet jetzt die Klima- und Atomausstiegs-Kanzlerin ihr persönliches Laufzeitende an. Ironischerweise wird sie‘s nicht länger machen als das letzte deutsche Kernkraftwerk.

Diskutieren à la BMU

Das ist gefährlich, dachte sich offenbar das SPD-geführte Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Damit niemand auf falsche Gedanken kommt, verbreitete es am vergangenen Dienstag auf den sozialen Netzwerken einen hausgemachten „Faktencheck“ über die Kernenergie und kündigte an, dass das Volk darüber auch mit dem zuständigen Staatssekretär Jochen Flasbarth diskutieren dürfe, allerdings nur auf Twitter, und nicht ohne klarzustellen, dass es eigentlich gar nichts zum Diskutieren gebe:

„Mit Atomkraft gegen den Klimawandel? Höchste Zeit, diese und weitere gängige Behauptungen einem Faktencheck zu unterziehen. Und es bleibt dabei: Bis spätestens 2022 wird in Deutschland das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet.“

Was dann kam, ließ einen daran zweifeln, ob wir es hier mit einer Bundesbehörde zu tun haben, der unter anderem auch die Oberaufsicht über unsere Kernkraftwerke obliegt, oder nicht vielmehr mit einem Fall von Urkundenfälschung. Denn es sah eher so aus, als betreibe Greenpeace unter missbräuchlicher Verwendung staatlicher Hoheitszeichen in einer Bundesliegenschaft eine Anti-Atom-Flugblatt-Druckerei.

Grüne Häkchen, rote Kreuzchen

Garniert mit grünen Häkchen, präsentierte uns das Ministerium, was wir zu denken haben:„Atomstrom ist keineswegs CO2-neutral“, „Unsere Stromversorgung ist sicher“, „Deutschland produziert Strom im Überfluss“. Und es versah mit einem fetten roten Kreuz, was man besser nicht denken sollte: „Atomkraft hilft beim Klimaschutz“, „Ohne AKWs gehen die Lichter aus“. Dabei bediente sich das BMU des beliebten Tricks, Aussagen zu falsifizieren, die in dieser Form gar nicht gemacht wurden.

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Die perfekte Klimaangst-Maschine: Ein Klüngel aus Tagesschau, Germanwatch, MunichRe und Brot für die Welt

Klimakonferenz in Katowice, da schieben Redakteure der Tagesschau Überstunden und beglücken das Volk mit einer Klimaalarm-Dauerberieselung. Am 4. Dezember 2018 war das Extremwetter dran. Die Klimaaktivisten-Organisation Germanwatch hat einen Gruselreport herausgegegen – und die Tagesschau bewirbt ihn munter auf ihrer Webseite:

Klima-Risiko-Index 2017: Extremwetter so heftig wie lange nicht

Stürme, Starkregen, Hitze und Dürre: Laut Klima-Risiko-Index waren Entwicklungsländer 2017 am härtesten von extremen Wetterlagen betroffen. Auch die Industriestaaten spüren die Folgen des Klimawandels immer heftiger.

Das vergangene Jahr war weltweit das verheerendste Extremwetterjahr der jüngeren Geschichte. Stürme, Starkregen, Hitze und Dürre forderten mehr als 11.500 Todesopfer und verursachten Schäden in Höhe von mehr als 375 Milliarden US-Dollar (umgerechnet mehr als 331 Milliarden Euro). Das geht aus dem Klima-Risiko-Index der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch hervor.

[...]

Die beiden Karibikstaaten Puerto Rico und Dominica wurden im Herbst 2017 von Hurrikan “Maria” verwüstet. “Dass die Stürme an Intensität bei Windgeschwindigkeiten und Niederschlägen zunehmen, deckt sich mit den Prognosen der Klimawissenschaft”, sagte Germanwatch-Experte David Eckstein. Mit fast 3000 Toten traf es Puerto Rico so schwer, dass das Land auch in der Betrachtung der vergangenen 20 Jahre ganz nach oben rückte.

Weiterlesen auf tagesschau.de

Natürlich richten Hurrikane viel menschliches Leid und große finanzielle Schäden an. Da die Weltbevölkerung stetig steigt, ebenso wie die versicherten Werte, ist die Schadenssumme wenig aussagekräftig. Selbst wenn die Hurrikanaktivität unverändert bliebe, würde man eine generell Steigerung der Schadenssumme erwarten. Aus diesem Grund muss eine weitere Normierung über das Bruttoinlandsprodukt stattfinden, die Germanwatch zwar für einige Werte vornimmt. Den langjährigen Verlauf der normierten Werte zeigt die Aktivistengruppe jedoch nicht. Und das hat einen guten Grund: In Wirklichkeit sind die wetterbedingten Schäden seit 1990 nämlich sogar gesunken, wie Roger Pielke in einer neuen Studie zeigt, die im Oktober 2018 in Environmental Hazards erschien (Graphiken auf WUWT hier):

Tracking progress on the economic costs of disasters under the indicators of the sustainable development goals
The Sustainable Development Goals indicator framework identifies as an indicator of progress the objective of reducing disaster losses as a proportion of global gross domestic product. This short analysis presents data on this indicator from 1990. In constant 2017 US dollars, both weather-related and non-weather related catastrophe losses have increased, with a 74% increase in the former and 182% increase in the latter since 1990. However, since 1990 both overall and weather/climate losses have decreased as proportion of global GDP, indicating progress with respect to the SDG indicator. Extending this trend into the future will require vigilance to exposure, vulnerability and resilience in the face of uncertainty about the future frequency and magnitude of extreme events.

Siehe auch unseren Beitrag “Neue Arbeit von Roger Pielke Jr.: Anstieg der globalen Extremwetterversicherungsschäden basiert fast vollständig auf sozioökonomischen Gründen“. Ein großer Schadenstreiber sind die zerstörerischen Hurrikane bzw. Taifune. Ryan Maue hat den Verlauf der Hurrikanaktivität in einer Reihe von Graphiken auf policlimate.com dargestellt:

 

Abbildung: Häufigkeit von tropischen Stürmen und Hurrikanen seit 1970. Quelle: Ryan Maue.

 

Man erkennt: Die Jahre 2017/2018 passen sich nahtlos in die natürliche Variabilität der Hurrikanaktivität der letzten fünf Jahrzehnte ein. Germanwatch lässt es dagegen so aussehen, als wenn die Stürme ein noch nie gekanntes Häufigkeitsniveau erreicht hätten. Wer sind die Autoren dieses Machwerkes? Genannt werden David Eckstein, Marie-Lena Hutfils und Maik Winges. Wir schauen auf der Germanwatch-Mitarbeiterseiter nach und werden fündig:

David Eckstein schaut auf seinem Foto grimmig. Er wird alsReferent für Klimafinanzierung und Investitionen geführt. Er hat ein Studium der Volkswirtschaftslehre in Bonn und Sevilla absolviert. Mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen kennt er sich offenbar eher weniger aus.

Marie-Lena Hutfils ist Referentin für Klima-Risikomanagement bei Germanwatch. Bei ihr stehen keine Informationen zur Ausbildung. Also schauen wir auf LinkedIn, wo ein Master-Abschluss in Internationalen Beziehungen gennant ist. Wieder keine naturwissenschaftliche Expertise im Bereich Extremwetter.

Und schließlich noch Dr. Maik Winges, Referent für Anpassung an den Klimawandel und Menschenrechte. Wieder fehlt auf der Germanwatch-Seite der Hinweis zur Expertise. Nich einmal ein Foto gibt es. Auf Researchgate findet man ihn aber. Offenbar ein Politologe.

Fazit: Das Autorentrio hat keinerlei Erfahrung auf der naturwissenschaftlichen Seite des Themas Extremwetter. Entsprechend vorsichtig sollte man mit den Ergebnissen ihres Berichts umgehen. Unterstützt wurde Germanwatch in diesem Projekt – wie sollte es anders sein – von der Munich Re:

Germanwatch thanks Munich RE (in particular Petra Löw) for their support (especially the provision of the core data which are the basis for the Global Climate Risk Index).

Zur Erinnerung: Die Munich Re macht Geschäfte mit Extremwetterversicherungen. Je größer die Klimaangst in der Bevölkerung, desto mehr Versicherungsabschlüsse. Somit besteht die Seilschaft bereits aus drei Komponenten: Aktivisten, Versicherung und Medienanstalt. Das perfekte Trio. Über allem thront noch die Politik, die den Klimagrusel tatkräftig unterstützt und damit ihre Macht durch Verbreitung von Klimaangst zu festigen sucht.

Aber halt, es wird noch besser. Mitfinanziert hat das Ganze die Hilfsorganisation “Brot für die Welt”:

This publication is financially supported by Bread for the World – Protestant Development Service. Germanwatch is responsi-ble for the content of this publication.

Denken Sie daran, wenn Ihnen Brot für die Welt das nächste mal eine Klingelbüchse vor die Nase hält.

 

ZUSAMMENFASSUNG: So funktioniert das vollintegrierte Klimaalarm-System:

1) Die Tagesschau übernimmt ungeprüft einen offensithlichen Aktivistenbericht und bezeichnet die Aktivisten-Gruppierung verniedlichend als “Umwelt- und Entwicklungsorganisation”.

2) Germanwatch surft auf der Klimakrawall-Welle und versäumt es bewusst, einen Verlauf der BIP-normierten wetterbedingten Schäden zu zeigen, wie es seitens von Fachexperten gefordert wird. Wichtige Fachliteratur zum Thema wird verschwiegen.

3) Ein Versicherungskonzern nutzt die Gelegenheit und arbeitet mit der Aktivistengruppe offen zusammen, trotz offensichtlichem Interessenkonflikt

4) Eine Hilfsorganisation, die eigentlich vorgibt den Hunger auf der Welt zu bekämpfen, co-finanziert das fragwürdige Aktivistenprojekt

5) Die Autoren des Aktivistenberichts haben keinerlei naturwissenschaftliche Erfahrung im Bereich des Extremwetters bzw. Klimawandels, was aber die Tagesschau nicht davin abhält, den Bericht trotzdem als Beleg dafür zu nehmen, dass die Folgen des Klimawandels immer heftiger würden.

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Spenden Sie hier an Germanwatch, um die Klimaalarm-Maschine weiter zu ölen. Oder spenden Sie lieber an das Kalte-Sonne-Blog, so dass wir die Herrschaften weiter im Auge behalten und hier im Blog darüber aktuell berichten können.

 

Unsinn: Otto Wöhrbach und seine 5 Trugschlüsse

Es war wohl mal wieder Zeit für Die Zeit: Zeit für Klimamobbing. Diesmal von Otto Wöhrbach, erschienen am 20. Oktober 2018:

Die Erderwärmung? Hat’s doch schon immer gegeben!
Mit diesem Argument wird gern beschwichtigt: So schlimm könne der Klimawandel dann ja nicht sein. Doch wissenschaftlich ist das Unsinn.

Herrlich dieses Spiel mit der Rhetorik: Skeptikerausspruch zitieren und dann als minderwertig, hirnrissig hinstellen. Lupenreines Klimaskeptikermobbing. Bevor wir in die Argumentation von Herrn Wöhrbach schauen, wollen wir wissen, mit wem wir es zu tun haben. Aus dem Autorenprofil lernen wir, dass es sich um einen freien Autor der Zeit handelt:

Der Autor studierte Physik, Mathematik und Philosophie in Tübingen und leitete bis 2016 das Planetarium Freiburg. Seither schreibt er als freier Autor über Astronomie und Planetenforschung, vor allem für den “Tagesspiegel” und die “Badische Zeitung”.

Immerhin ein wissenschaftlicher Hintergrund. Aber leider zu sehr in der physikalischen Modellierungsecke zu verorten. Ob Otto Wöhrbach die Klimageschichte und die geowissenschaftliche Sichtweise beherrscht? Das Thema Astronomie erinnert an Harald Lesch, der unsere liebe Sonne und ihre Schwankungen klimatisch für komplett nutzlos hält. Schauen wir mal in Wöhrbachs Artikel hinein:

So schlimm könne es ja alles nicht sein – schließlich hat sich das Klima der Erde schon oft geändert im Verlauf ihrer 4,6 Milliarden Jahre langen Geschichte. Dieser Gedanke erscheint naheliegend, aber er ist in gleich mehrfacher Hinsicht falsch. Und er führt leicht zu folgenden fünf Trugschlüssen:

So lieben wir es: Mathematisch streng gegliedert. Fünf Trugschlüsse der doofen Skeptiker. Hier Nummer 1:

Trugschluss 1: Zeiten des Klimawandels sind harmlos

Au weia. Wöhrbach fabuliert über ein Massenaussterben an der Perm-Trias-Grenze und will daraus ablesen, dass Wärme für das Leben schlecht ist. Thema verfehlt. Das Mesozoikum (Trias, Jura, Kreide) war sehr warm und voller Leben. Dinosaurier und Korallen liebten die Zeit. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre war vielfach höher als heute. Wöhrbachs Argument geht nach hinten los. Schwach. Es gibt eine Vielzahl von Theorien für das Aussterbeereignis an der Perm-Trias-Grenze, darunter auch Vulkanausbruchsserien und Meteoriteneinschläge. Wöhrbach pickt sich eine einzige heraus, den angeblichen ‘Runaway Greenhouse Effect’. Das ist Rosinenpickerei, haarscharf an der Grenze zur Fehlinformation.

Trugschluss 2: Klimawandel ist gleich Klimawandel

[...] Schon heute herrschen andere Klimaverhältnisse als während des gesamten zurückliegenden Quartärs, dem Zeitabschnitt der Erdgeschichte also, in dem sich die Menschheit seit knapp drei Millionen Jahren entwickelt. Die kleineren Schwankungen in diesem Zeitraum wurden dabei vermutlich von geringfügigen Änderungen der Helligkeit der Sonne verursacht. Zum Beispiel während der Kleinen Eiszeit, die je nach Quelle ungefähr im 13. Jahrhundert begann (Geophysical Research Letters: Miller et al., 2012) und spätestens im 19. Jahrhundert endete (Science: Oerlemans, 2005). Während dieser Periode war es durchschnittlich etwas kälter als heute. Den alten Römern dagegen spielte eine wärmere Phase in die Hände: Das römische Klimaoptimum befreite die Alpenpässe von Schnee und Eis und öffnete sie für die Eroberung Galliens und Germaniens.

Schlecht gemixtes Halbwissen gepaart mit Fake News. Den Wechsel zwischen Eiszeiten und den warmen dazwischenliegenden Interglazialen nennt Wöhrbach “kleinere Schwankungen”. Das soll er mal einem Schleswig Holsteiner erzählen, dessen Haus in der letzten Eiszeit unter einem Kilometer Eis begraben wurde. Das ist wirklich peinlich, Herr Wöhrbach.

Dann führt der Physiker die Kleine Eiszeit an und verniedlicht sie mit “…war es durchschnittlich etwas kälter als heute“. Eine krasse Fehlinterpretation aus der modernen schön gewärmten Lehnstuhlperspektive. Unsere Vorfahren in Deutschland werden das deutlich anders gesehen haben. Die Temperaturen waren in der Kleinen Eiszeit bis zu 2°C kälter, die Sommer kalt und verregnet, viele Ernten zerstört, Krankheiten breiteten sich aus, Gletscher wuchsen weltweit stark an. Die Kleine Eiszeit war eine der kältesten Phasen der gesamten letzten 10.000 Jahre. Wöhrbach wusste das offenbar nicht. Die Mittelalterliche Wärmeperidoe lässt Wöhrbach aus, dafür führt er immerhin die Römische Wärmeperiode an. Dann widmet er sich wieder dem Klima im Millionen-Jahre-Maßstab.

Das wilde Zusammengewürfele von Klimawandel verschiedener Zeitskalen ist wenig zielführend. Während die durch Erdbahnschwankungen hervorgerufene Milankovic-Zyklik für das Quartär sehr relevant ist, spielt sie für den mehrfachen warm-kalt-warm-Wechsel der letzten 2000 Jahre keine Rolle. Offenbar merkt Otto Wöhrbach gar nicht, dass sein Text zu “Trugschluss 2″ eher die Skeptikerseite stützt. Zunächst misrepräsentiert er den aktuellen Wissensstand der Paläoklimatologe, dann bleibt er auch noch Erklärungen für die starke natürliche Klimadynamik der letzten 2000 Jahre schuldig. Der Zeit möchte man zurufen: Weshalb hat hier niemand vor Veröffentlichung des Artikels probegelesen?

Trugschluss Nummer 3: Die Entwicklung ist jederzeit aufzuhalten

Wöhrbach fabuliert wild, ohne zu überzeugen. Sein Denken ist durch vermeintliche PIK-Kipppunkte kontaminiert. Zudem ignoriert er, dass es in der Kimageschichte der letzten Jahrzehnte bis Jahrtausende stets Entwicklungen in beide Richtungen, sowohl wärmer als auch kälter, gegeben hat. Nichts ist für immer. Es wäre falsch, jeden Kurzzeittrend in die weite Zukunft fortschreiben zu wollen. Fehlendes klimahistorisches Wissen führt Wöhrbach hier auf einen argumentativen Holzweg.

Trugschluss 4: Der Anstieg der Treibhausgase ist ein natürlicher Vorgang

Zur Info: Die Mehrheit der Skeptiker akzeptiert, dass der Anstieg des CO2 in der Atmosphäre durch die Nutzung fossiler Brennstoffe bedingt ist. Die Frage ist vielmehr: Wie stark erwärmend wirkt dieses zusätzliche CO2? Weshalb geht Wöhrbach nicht auf den großen Unsicherheitsbereich der CO2-Klimasensitivität ein? 1,5-4,5°C pro CO2-Verdopplung.

Trugschluss 5: Die Natur kann sich anpassen

Es ist unglaublich, wieviele Fehleinschätzngen man in einem so kurzen Artikel unterbringen kann. Wöhrbach behauptet fälschlicherweise, dass die Geschwindigkeit des Klimawandels heute viel höher als je zuvor war. Außerdem behauptet er, Extremwetter sei häufiger geworden. Beides ist falsch. Siehe z.B. hier und hier.

Unterm Strich haben wir einen zweiten Harald Lesch: Viel aktivistischer Drang, aber kaum belastbare Fachkennnisse. Die Zeit tut sich mit solch schlecht recherchierten Artikeln zum Thema Klimawandel keinen Gefallen, verspielt auch den letzten Rest ihrer Glaubwürdigkeit in diesem politisch hochsensiblen Themenbereich, der stattdessen äußerste Sorgfalt erfordert.

 

Formel falsch: In Bäumen ist weniger Kohlenstoff enthalten als gedacht

Klimaklamauk von Eugene Chan im Journal of Environmental Psychology:

Climate change is the world’s greatest threat – In Celsius or Fahrenheit?
In two experiments, participants who were told that the Earth’s average temperature was −24 °C thought that it was more important to limit climate change than those who were told that it was −16 °C. However, participants who were told that the average temperature was −11 °F thought it was less important to reduce the carbon footprint than those who were told that it was 3 °F. The findings contradict each other since −24 °C is the same as −11 °F, and −16 °C is the same as 3 °F. We draw on research on numerosity and goal-pursuit from behavioral psychology to explain the intriguingly-opposite findings. We measure both the perceived influence of and actual behavior to help fight climate change. Thus, we offer the novel hypothesis that presenting climate change figures in Celsius or Fahrenheit—two primary units to communicate temperature—can influence people’s belief in or concern regarding climate change.

Große Zahlen beeindrucken halt. Das werden die Öffentlichkeitsstrategen im Potsdamer PIk sicher bald in ihrer tägliche Arbeit umsetzen. Dann heißt es nicht mehr: Der Meeresspiegel steigt pro Jahr um 3 Millimeter an, sondern um 3000 Mikrometer. Und Windgeschwindigkeiten werden dann nicht mehr in km/h angegeben, sondern in cm pro Tag. Da kommen dann schön hohe Werte und viel Klimagrusel heraus. Die Propagandamaschine wird immer perfekter.

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Wieviel Kohlenstoff passt in einen Baum? Seitdem der Planet auf CO2-Diät gesetzt wurde, zählt jetzt jedes Gramm. Das französische landwirtschaftliche Forschungszentrum CIRAD hat nun einen systematischen Rechenfehler gefunden, der alle CO2-Ausgleichmaßnahmen in den Wäldern der Erde beeinflussen wird. In den globalen Bäumen ist 5% weniger Kohlenstoff gebunden als lange angenommmen. CIRAD-Pressemitteilung vom 16. Oktober 2018:

Forest carbon stocks have been overestimated for 50 years

A formula used to calculate basic wood density has recently been corrected. Basic density is widely used to compute carbon storage by trees. Researchers estimate that the error in the initial formula resulted in an overestimation of forest carbon stocks, to the tune of almost 5%. These results were published in the scientific journal American Journal of Botany on 16 October.

It may be a small correction, but it is far from negligible as far as forest ecologists and carbon cycle specialists are concerned. The error lay in a formula established almost 50 years ago (in 1971) for calculating basic wood density. Given that basic density is used to assess the amount of carbon stored in a tree, the fact that the formula had to be corrected meant that forest carbon stocks may have been overestimated by 4 to 5%. “This new formula should enable us to determine more accurately the role of forests in the carbon cycle and the impact of deforestation on climate change” , says Ghislain Vieilledent, an ecologist with CIRAD who was the corresponding author of the work published in the journal American Journal of Botany on 16 October.

For more than 70 years, CIRAD has had a database on 1300 wood species and almost 4500 trees. It was when they came to promote this resource that Ghislain Vieilledent and his colleagues at CIRAD and at Paul Sabatier University in Toulouse discovered an incoherence in a conversion factor: the one used to compute the basic density of a tree based on wood density at 12% moisture, which corresponds to the average wood moisture content in temperate regions. Since this technical characteristic is widely available in wood technology databases, ecologists only have to apply a conversion factor to it in order to establish the basic density of a tree species. However, it was precisely that conversion factor that did not tally with the researchers’ new calculations. “To start with, I thought we had made a mistake in our calculations or that there was some uncertainty surrounding measurement of the relevant data. It was not easy to cast doubt on a formula that had been widely accepted for years and quoted in several scientific articles.”

The researchers took a new look at the data in CIRAD’s historic database in order to determine a new formula for establishing basic density based on density at 12%. The new conversion factor will be used to calculate the basic density of woods in forest ecology databases. In particular, it will serve to update the global wood density database on which Jérôme Chave and Fabian Fischer are working at CNRS-Paul Sabatier University in Toulouse, who were co-authors of the publication. The correction will make it possible to estimate carbon forest stocks more accurately and understand more clearly the role played by forests in climate regulation.

 

Klimavariabilität war in der letzten Zwischeneiszeit größer als heute

In eigener Sache: Ab sofort ist der Newsletter-Service zum Blog wieder nutzbar. Am rechten Rand der Eingangsseite des Blogs finden Sie die Möglichkeit sich ein- und auszutragen. Sie erhalten dann eine automatische Email, die Sie noch einmal bestätigen müssen. Dies verhindert einen Mißbrauch der Ein- und Austragfunktion. Bei Problemen bitte umgehend bei der Kalte-Sonne-Redaktion melden. Alle die bereits in der Newsletterliste eingetragen waren, brauchen nichts zu tun. Wir hoffen, dass jetzt wieder alles reibungslos klappt. Danke auch allen Spendern, deren Unterstützung uns den entsprechenden Websupport ermöglicht.

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Bei politisch sensiblen Themen versagt die ansonsten so beliebte Online-Enzyklopädie Wikipedia. Aktivisten haben sich mit viel Aufwand an entscheidenden Stellen postiert und stellen sicher, dass allein ihre Sichtweise in den Wikipedia-Sachartikeln erscheint. Rubikon brachte am 10. Oktober 2018 einen guten Beitrag zum Problem:

Das Lexikon der Lügen

Stellen wir die Deutungshoheit der Wikipedia infrage!

Ältere hatten ihren Brockhaus, Jüngere konsultieren für alle Informationen automatisch Wikipedia. So verschieden diese Lexika sind, gemeinsam ist ihnen ein ehrfürchtig bestaunter Ruf absoluter Sachlichkeit und Neutralität. Im Schatten dieses lupenreinen Images gedeihen Manipulation und Desinformation umso besser. Es gibt mittlerweile unzählige Belege dafür, dass Wikipedia einseitig informiert, diffamiert und hetzt, z.B. gegen Kriegsgegner, gegen alternative Medizin und Wissenschaft. Wir sollten das Online-Lexikon vor diesem Hintergrund nur noch mit Vorsicht genießen. Langfristig hilft aber nur eines: Wir müssen selbst handeln und ein besseres Lexikon auf die Beine stellen.

Weiterlesen auf Rubikon.

Ein solcher Versuch ist z.B. FreeWiki.

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Die Klimavariabilität ist zu warmen Zeiten generell größer als zu kälteren. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher des University College London (UCL). Pressemitteilung vom 12. Oktober 2018:

Does climate vary more from century to century when it is warmer?

Century-scale climate variability was enhanced when the Earth was warmer during the Last Interglacial period (129-116 thousand years ago) compared to the current interglacial (the last 11,700 years), according to a new UCL-led study.

The findings, published today in Nature Communications and funded by the Natural Environment Research Council (NERC) and the Australian Research Council (ARC), reveal that the Last Interglacial period was punctuated by a series of century-scale arid events in southern Europe and cold water-mass expansions in the North Atlantic.  Assessing natural climate variability under relatively warm conditions is crucial to inform projections under future carbon emission scenarios.  Professor Chronis Tzedakis (UCL Geography), study lead author, said: “The Last Interglacial is particularly relevant because it provides insights into climate processes during a period of excess warmth.”

The Last Interglacial period contained an interval of intense Arctic warming, with surface air temperatures estimated at 3-11°C above pre-industrial, comparable to high-latitude warming scenarios for the end of this century. Global sea-level during the Last Interglacial is estimated to have been ~6-9 m above present, with 0.6-3.5 m derived from melting of the Greenland Ice Sheet. 

Previously, several North Atlantic and European records have detected century-scale changes in temperature and precipitation within the Last Interglacial, but there has been considerable uncertainty over the timing, extent and origin of these climate oscillations. This new study by international researchers from twelve institutions used marine and terrestrial geological archives, coupled with climate model experiments, to create the most detailed timeline of ocean and atmosphere changes in the North Atlantic and southern Europe during the Last Interglacial.

To address the uncertainties in comparing records from different environments, researchers produced a “stratigraphic ‘rosetta stone’ by analysing different fossils from the same sediment samples in a marine core off Lisbon,” said Dr Luke Skinner (Cambridge University) who led the palaeoceanographic analyses.  “The marine core also contained pollen transported from the Tagus river into the deep sea, thus enabling a direct comparison of vegetation and North Atlantic ocean changes,” said Dr Vasiliki Margari (UCL Geography), who undertook the pollen analysis. 

Changes in vegetation, primarily caused by variations in the amount of rainfall, were then linked to changes in the chemical signature of rainfall recorded in stalagmites from Corchia Cave in northern Italy. “The Corchia record is particularly important because it is supported by very detailed radiometric dating using the decay of uranium isotopes, producing one of the best chronologies for this period available,” said Dr Russell Drysdale (University of Melbourne), who led the team studying the Italian cave. 

Climate model experiments, undertaken by Dr Laurie Menviel and Dr Andrea Taschetto of the University of New South Wales Sydney, revealed that the spatial fingerprint of these changes was consistent with disruptions of the Atlantic meridional overturning circulation. Greenland ice-melt and runoff as a result of strong high-latitude warming during the Last Interglacial may have contributed to the weakening of the Atlantic meridional overturning circulation and to the observed climate changes. “Although not a strict analogue for future anthropogenically-driven changes, the profile of the Last Interglacial that emerges is one of enhanced century-scale climate instability, with implications for ice-sheet and ocean dynamics,” said Professor Tzedakis. “Future research efforts should focus on constraining further the extent of melting and runoff from the Greenland ice-sheet and its effects on ocean circulation during the Last Interglacial.”

 

Guter Klimarealismus braucht Förderer: Unterstützer für das Kalte-Sonne-Blog gesucht

UPDATE 05.12.2018:
Allen Spendern der letzten Tage ein ganz herzliches Dankeschön! Mit Ihrem Beitrag helfen Sie, den Betrieb des Kalte-Sonne-Blogs aufrecht zu erhalten. Falls Sie noch nicht die Gelegenheit hatten sich zu beteiligen: Wir freuen uns weiterhin über alle Spenden zur Förderung einer fairen Klimadebatte.

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Liebe Leser,

Seit Februar 2012 berichten wir hier im Kalte-Sonne-Blog täglich über aktuelle Klimathemen aus einer klimarealistischen Sichtweise, die in anderen Medien oft zu kurz kommt. Wir kommentieren, kritisieren oder loben, ohne durch eine übergeordnete Institution eingeschränkt zu sein. Dabei erlauben wir uns, allein der wissenschaftlichen Logik und dem Common Sense zu folgen. Diese Freiheit bedeutet jedoch auch, dass uns keine staatlichen oder anderweitigen Fördergelder zur Verfügung stehen.

Im Gegensatz zu anderen Blogs wie etwa dem aktivistischen Klimareporter° werden unsere Autoren auch in Zukunft ehrenamtlich für Sie tätig sein. Allerdings gibt es andere Kosten, wie etwa den Webseitensupport, mobilen Internetzugang, Bildrechte oder Fachliteratur, für die wir bei Ihnen um Unterstützung werben wollen. Falls Sie unsere Arbeit fördern möchten, freuen wir uns über Ihre Spende – egal ob klein oder groß.

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Wer lieber per Bankkonto überweisen möchte: Kontoinformationen gibt es über das Kontaktformular.

Vielen Dank für Ihre Hilfe im voraus!

Mit den besten Grüßen
Ihr Kalte-Sonne-Team

 

Um Antwort wird gebeten: Weshalb schrumpfen die Sundabarns nun wirklich?

Von: Sebastian Lüning
An: NDR-Rundfunkrat

Datum: 3.12.2018

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Sehr geehrte Damen und Herren,

Am 2.12.2018 berichteten Sie auf Tagesschau.de über indische Insel Ghoramara, die laut Ihrem Beitrag aufgrund des Klimawandels „im Meer versinkt“.

https://www.tagesschau.de/ausland/indien-klima-ghoramara-101.html

Konkret wird im Beitrag als einzige Ursache der steigende Meeresspiegel genannt. Dies verzerrt jedoch die Fakten, da das Schrumpfen der Insel in Wirklichkeit eine Vielzahl von Gründen hat. Zwar spielt auch der global ansteigende Meeresspiegel eine Rolle, viel wichtiger sind jedoch andere Prozesse, auf die Ihr Korrespondent Bernd Musch-Borowska mit keinem Wort eingeht und dadurch die Rolle des Klimawandels letztendlich überdramatisiert. Dies ist umso bedauerlicher, weil der Beitrag am ersten Tag der Klimakonferenz von Katowice erschien und die fachliche Robustheit Ihrer Berichterstattung in Frage stellt. Angesichts der enormen Bedeutung des Klimawandels in der öffentlichen Diskussion sollten Sie zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um solche einseitigen und fachlich unausgewogenen Darstellungen in Ihrem Programm zu vermeiden, z.B. das Hinzuziehen von Fachleuten vor Veröffentlichung.

Die Insel Ghoramara liegt im Mündungsbereich des Ganges. Wie in vielen Deltas der Erde herrschen auch hier starke Strömungen, die zu einer ständigen Umlagerung des Sediments und einer systematischen Verschiebung der Inseln führt. Ähnliche küstendynamische Prozese kann man im Bereich der Ostfriesischen Inseln beobachten. Die Insel Ghoramara und Nachbarinseln in den Sundarbans waren daher stets großen morphologischen Veränderungen ausgesetzt. Dazu kommt eine ebenfalls für Deltas typische Absenkungsrate von mehreren Millimetern pro Jahr, ein Betrag der den globalen (eustatischen) Meeresspiegelanstieg von 2-3 Millimetern pro Jahr sogar noch übersteigt. Außerdem hat der Bau mehrerer Staudämme im Einzugsbereich des Ganges zu einer verminderten Sedimentfracht im Fluss und Delta geführt, was die Erosion weiter verschlimmert.

Aktivitäten auf der Insel Ghoramara haben das Problem noch verschärft. Starke Grundwasserentnahme hat zu einer zusätzlichen Kompaktion des Aquifers und Senkung der Insel geführt. Außerdem haben die Inselbewohner im Zuge der Schaffung zusätzlichen Ackerlandes einen Teil der schützenden Mangrovenvegetation entfernt, so dass der Boden während Stürmen nun ungeschützt der Erosion ausgeliefert ist. Entsprechende Fachliteratur kann ich bei Interesse gerne zur Verfügung stellen.

Im Tagesschau-Beitrag wird suggeriert, dass der Meeresspiegelanstieg das Hauptproblem für Ghoramara sei. Das ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass das Schrumpfen der Insel Ghoramara eine Vielzahl von Ursachen hat, die in 1) natürliche, 2) nicht-klimatisch anthropogene und 3) klimatisch anthropogene Ursachen unterschieden werden können. Ich möchte Sie daher bitten – an gleicher Stelle wie der Originalbeitrag – die vollständige Palette von Ursachen aufzuführen, um dem Vorwurf einer klimaalrmistischen Dramatisieruung anlässlich der aktuellen Klimakonferenz in Katowice keine Grundlage zu bieten.

Mit besten Grüßen

Dr. habil. Sebastian Lüning
Geowissenschaftler

 

Klimaalarm für Katowice: Tagesschau liefert pünktlich zum UN-Klimakonferenzstart

Die UN-Klimakonferenz in Katowice hat am 2. Dezember 2018 begonnen. Wie üblich spielen Medien entsprechende “Begleitmusik” dazu und berichten über vermeintliche Klimawandelschäden aus der ganzen Welt, um Bürger auf bevorstehende finanzielle Opfer vorzubereiten. Denn nur wenn sich die Bevölkerung am Leid der Erde mitschuldig fühlt, werden die Gelder ohne großes Murren bereitzustellen sein. Das wissen Politiker und haben in den Medien gute Helfer gefunden.

Pünktlich zum Konferenzstart kramte die Tagesschau Klimalarm aus dem armen Indien hervor, der einerseits das biblische Bild der Sintflut bedient, andererseits auch die Idee fördert, dass der reiche Westen durch ungezügelte Exzesse den armen Ländern das Leben zur Hölle macht. Tagesschau.de berichtete am 2.12.2018:

Folgen des Klimawandels: Die Insel, die im Meer versinkt

Die indische Insel Ghoramara ist knapp fünf Quadratkilometer groß – noch. Denn Ghoramara ist von den Folgen des Klimawandels unmittelbar betroffen. Seit den 1980er-Jahren ist sie um die Hälfte geschrumpft. Wenn der Meeresspiegel weiter steigt, wird es eng für die Bewohner der kleinen Insel Ghoramara vor der indischen Küste im Golf von Bengalen. Schon jetzt werden ihre Felder und Häuser bei Stürmen und heftigem Regen regelmäßig überflutet.

Ein Bewohner erläutert, dass er sein Haus bereits mehrfach von der Küste weg ins Inland habe umsetzen musste, da der alte Platz bei Stürmen überflutet worden sei. Auslandskorrespondent Bernd Musch-Borowska vom ARD-Studio Neu-Delhi lässt keinen Zweifel daran, wer hier der Schuldige ist, nämlich letztendlich der Tagesschau-Zuschauer selber. Das meint er als studierter Politologe ganz genau zu wissen:

Das Leben auf der kleinen Insel südlich der Millionen-Stadt Kalkutta, ist sehr spartanisch und genau genommen ökologisch vorbildlich. Ohne Strom und ohne Autos tragen die Inselbewohner kaum zum CO2-Ausstoß in die Atmosphäre bei – und doch sind sie die Leidtragenden des Klimawandels.

Die Verkleinerung der Insel hat auch dazu geführt, dass sich die Inselbevölkerung in den letzten zehn Jahren halbiert hat. Es würden dringend höhere Deiche gebraucht. Kurioserweise werden dann Wissenschaftler zitert, deren Expertise mehr im Bereich Ereuerbare Energien als auf bei Küstendynamik oder Klimawandel liegt:

Auch Wissenschaftler halten eine Umsiedlung der Bewohner von Ghoramara für unausweichlich. Die Regierung tue zu wenig, klagt Suruchi Bhadwal, vom Institut für Energie- und Entwicklungsforschung TERI in Delhi, das sich mit erneuerbaren Energiequellen befasst. “Diese Inseln wird es irgendwann nicht mehr geben. Die sind ja nur knapp eineinhalb Meter hoch. Und für die Menschen, die dort leben, man muss sich schnell etwas überlegen. Man muss sie umsiedeln. Die Regierung muss sich jetzt wirklich damit befassen”, fordert Bhadwal.

Das TERI-Institut wurde lange vom IPCC-Vorsitzenden Rajendra Pachauri geleitet, der wegen sexueller Belästigungs-Vorwürfe zurücktreten musste. Zu Beginn des Korrespondentenbeitrags wird der Meeresspiegelanstieg als einziger Faktor genannt. Dies wird am Ende des Beitrags von Musch-Borowska wie folgt ergänzt:

Der Golf von Bengalen, mit Küstenabschnitten in Indien, Bangladesch und Myanmar, gehört nach Einschätzung der Vereinten Nationen zu den Regionen, die am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffenen sein werden. Hier könnten Millionen Menschen ihren Lebensraum verlieren, sagt Peteri Taalas, der Generaldirektor der UN-Organisation für Meteorologie.

Merken Sie es auch: Verwendung des Futur (“betroffen sein werden”) und Konjunktiv (“könnten”). In wiefern ist die Verkleinerung der Insel nun wirklich ein bereits eingetretener Klimawandelschaden? Musch-Borowska schreibt:

[Peter Taalas] findet den Begriff Erderwärmung etwas irreführend. Denn “die größten Auswirkungen des Klimawandels werden die Veränderungen bei den weltweiten Niederschlägen sein, mit Überflutungen und Dürreperioden. Und das wiederum wird sich auf die Lebensmittelproduktion auswirken”. Vor allem für die Küstenregionen mit ihren Millionenstädten stelle der Anstieg des Meeresspiegels eine Gefahr dar. Insbesondere in Indien und China, wo selbst große Städte davon betroffen seien, so Taalas.

Clever. Da die Errwärmung sich in den letzten 15 Jahren stark verlangsamt hat, will man von der “Klimaerwärmung” lieber erst mal nicht mehr hören. Stattdessen werden “Fluten” und “Dürren” angedroht. Soweit der ARD-Beitrag. Interessant ist dabei vor allem, was NICHT im Beitrag stand. Zunächst die Lage der Insel. Wikipedia weiß:

Ghoramara liegt 150 km südlich von Kalkutta im indischen Bundesstaat Westbengalen, in den Sundarbans im Golf von Bengalen. Die Insel liegt im Mündungsbereich des Flusses Hugli, einem Mündungsarm des Ganges. Sie liegt nur einen Meter über dem Meer und hat eine Fläche von rund 4,7 km².

Ein Blick auf Google Maps (Zoom-Ansicht hier) reicht, um den Charakter der Insel zu erkennen: Inseln in Flussdeltas unterliegen ständigen Veränderungen. Strömungen ändern sich, Erosion setzt den Inseln zu, an anderer Stelle entstehen neue Inseln. Es herrscht eine extrem hohe natürliche Küstendynamik in solchen Gebieten. Insofern hätten die Bewohner gar nicht erst auf dem flachen ständig gefährdeten Eiland siedeln dürfen. Nachzulesen z.B. auf Jana et al. 2012:

Morphological Change Study of Ghoramara Island, Eastern India Using Multi Temporal Satellite Data
Ghoramara island is situated at 18.36 nautical miles away from Haldia dock in Hooghly estuary, Eastern India. It is a rhombic shaped island covering an area of around 4.8 km² with a total shoreline length of 8.5 kms. This sparingly populated sensitive ecosystem is rapidly changing its morphology due to extensive coastal erosion on the northwestern coast and marginal accretion on the southeastern side. The degradation of the system due to natural and anthropogenic causes leads to the total areal reduction of the island. There is a major loss of agricultural land and fisheries. The two islands Lohachara and Supribhanga lying to the southwest of Ghoramara have already been submerged. The vulnerability and stability of the island is the major fear of the inhabitants. In the present study, multi-resolution and multi-temporal satellite images of Landsat have been utilized to understand the erosion accretion pattern of the island over past four decades (1972-2010). The rate of change in shoreline positions have been estimated using statistical linear regression, end-point rate and net shoreline movement method and cross-validated with regression coefficient (R²) method. Land use land cover map has been prepared for all these years to understand how the erosion-accretion affected the island. It has been shown that the island is constantly shrinking over time and lost almost 50% of its area.

Bereits Ghosh et al. 2003 haben Satellitenbilder ausgewertet und prognostizierten, dass sich die Insel allmählich nach Osten verlagert und in mittlerer Zukunft mit dem Festland verscmelzen wird:

It has been shown that, in the absence of protection measures, the eastern shore will merge with the Indian mainland during the next 25 years, while the western part will be completely washed off.

Ähnliche Prozesse spielen sich übrigens an der deutschen Nordseeküste ab. Die Ostfriesischen Inseln sind ständig in Bewegung und verlagern sich, angetrieben von Strömungen und Sandumlagerungen.

Dazu kommt im Fall von Ghoramara noch die Subsidenz. Deltagebiete sind dafür bekannt, dass sie durch die allmähliche Verfestigung ihrer Sedimente – die sogenannte Kompaktion – absinken. Diese Kleinigkeit hat n24 doch glatt ausgelassen. Dabei hatte Nature India zwei Jahre zuvor explizit am 30. April 2013 darauf hingewiesen, dass die Überflutung nicht allein durch den Klimawandel verursacht wird:

Seven years after the first report on the ‘vanishing islands’ of Sundarbans, Subhra Priyadarshini revisits the fragile delta in the Bay of Bengal to find that it is not just climate change that threatens the existence of this world heritage mangrove tiger-land spread across the Indo-Bangladesh border. [...] “In the last 25 years, the rate of relative sea level rise comes close to 8 mm/year, significantly higher than the rate of 3.14 mm/year in the previous decade,” he says. In a recent report he co-authored for the World Wide Fund for Nature (WWF)3, Hazra says besides global warming and the subsequent thermal expansion of water, the rather rapid subsidence of the Bengal delta (2-4 mm/year), compaction of silt and other local causes may be responsible for the exceptionally high rate of relative sea level rise in the Indian Sundarbans.

Die Wissenschaft hat das Absenkungsproblem bereits intensiv studiert, umso seltsamer, dass die Tagesschau kein Wort über die Ergebnisse verliert. So berichtete 2013 der Geologe Till Hanebuth über Ergebnisse aus dem Deltabereich Bangladeschs. Sein Team fand natürliche Absenkungsraten von mehr als 4 Millimeter pro Jahr. Diese Rate ist deutlich höher als der klimatisch-bedingte Meeresspiegelanstieg. In der Ergebnisbeschreibung des Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft heisst es:

Assessing the recent subsidence of the central coastal Delta of Bangladesh by dating submerged kilns The densely populated low lying Ganges‐Brahmaputra Delta is highly vulnerable to the global sea‐ level rise. In order to estimate the subsidence of the delta, we examined submerged salt‐producing kiln sites in the coastal Sundarbans. These kilns were built just above the previous winterly spring high‐tide level, but are currently located ~155 cm below the corresponding modern level. According to optically stimulated luminescence (OSL) dating, the kilns were ultimately fired ~300 years ago and salt production was terminated by a catastrophic event, which affected the kiln sites at different levels and locations. AMS‐14C ages of charcoal at the kiln’s base and associated mangrove stump ho‐ rizons support the OSL dates. Based on the elevations and the ages, the 300‐year‐average rate of sinking of the outer delta is 5.2 ± 1.2 mm/a, which includes 0.8 mm/a of eustatic sea‐level rise. Reasonably postulating that the sub‐ sidence rate will not change during the next few decades and accepting the estimates of current sea‐ level rise of 1.8–3.0 mm/a or 2.7–7.1 mm/a, a RSL rise of 6.4 ± 1.7 mm/a or 8.9 ± 3.3 mm/a, respectively, must be assumed along the Sundarbans coasts.

Ähnliche Absenkungsbeträge fanden übrigens auch bereits auch Stanley & Hait (2000). Durch den Bau von zahlreichen Staudämmen im Ganges-Einzugsbereich ist die Sedimentfracht des Flusses gesunken, so dass weniger Material im Delta ankommt, was die dortigen Inseln ebenfalls destabilisiert. Eine Studie von Syvitski et al. 2009 beschreibt die wichtigsten Facetten des Problems:

Sinking deltas due to human activities
Many of the world’s largest deltas are densely populated and heavily farmed. Yet many of their inhabitants are becoming increasingly vulnerable to flooding and conversions of their land to open ocean. The vulnerability is a result of sediment compaction from the removal of oil, gas and water from the delta’s underlying sediments, the trapping of sediment in reservoirs upstream and floodplain engineering in combination with rising global sea level. Here we present an assessment of 33 deltas chosen to represent the world’s deltas. We find that in the past decade, 85% of the deltas experienced severe flooding, resulting in the temporary submergence of 260,000 km2. We conservatively estimate that the delta surface area vulnerable to flooding could increase by 50% under the current projected values for sea-level rise in the twenty-first century. This figure could increase if the capture of sediment upstream persists and continues to prevent the growth and buffering of the deltas.

Das Blog Ek Sparsh schilderte 2015 konkrete nichtklimatische anthropogene Gefahren für die Insel Ghoramara:

Dr Sugarto Hazra, an oceanographer at the University of Calcutta says there is more than one cause of the problem.“Cutting down the mangrove that used to cover the island, to make way for farming, destroyed the ecology. The mangrove used to bind the topsoil in position. Now it is being washed away. The farmers also used to dig wells to get fresh water for irrigating their paddies. But in time,  underground reservoirs emptied and then collapsed.  Added to all that, the sea level is rising around here, as it is everywhere in response to global warming. So the land is subsiding and at the same time the sea is advancing.”

Inselbewohner haben die schützende Mangroven abgehackt, um Ackerland zu gewinnen. Dadurch war der Boden den Sturmwellen schutzlos ausgeliefert. Zudem haben die Bewohner wohl die Grundwasserlinse unter der Insel so stark ausgebeutet, so dass es zu zusätzlicher Subsidenz und Landsenkung kam.

ZUSAMMENFASSUNG:
Die schrumpfende indische Insel Ghoramara liegt in einem Mündungsarm des Ganges. Wie üblich in solchen Deltas, verursachen die Strömungen eine ständige Verlagerung und Umgestaltung der Inseln. Der Bau von Staudämmen im Flussoberlauf des Ganges führte zu einer Redution der im Delta zur Verfügung stehenden Sedimentmenge. Zudem hat die Zerstörung der Mangrovenvegetation die Insel anfällig gegen Bodenerosion während Stürmen gemacht. Die exzessive Entnahme von Grundwasser ließ die Insel absenken, welche zur regionalen Bodenabsenkung im Deltabereich dazuzuaddieren ist. Die Absenkungsraten sind dabei höher als der globale Meeresspiegelanstieg. Im Tagesschau-Beitrag wird dagegen fälschlicherweise suggeriert, dass der Meeresspiegelanstieg das Hauptproblem sei. Richtig ist vielmehr, dass das Schrumpfen der Insel Ghoramara eine Vielzahl von Ursachen hat, die in natürliche, nicht-klimatisch anthropogene und klimatisch anthropogene unterschieden werden können.

 

Hiatus: Erwärmung in China pausiert seit 15 Jahren

Eine kürzliche Auswertung von Satellitendaten hat nun belegt, dass die Temperaturen in China in den letzten 15 Jahren nicht mehr angestiegen sind. Zwar wurde es in West- und Südchina wärmer, jedoch wurde dies durch eine zeitgleiche starke Abkühlung in Nordchina von fast drei Zehntel Grad pro Jahrzehnt wieder wettgemacht. Unterm Strich hat sich das Klima in China seit der Jahrtausendwende um lediglich 0.02°C pro Jahrzehnt erwärmt, was statistisch nicht signifikant ist. Die Autoren Long Li und Yong Zha bestätigen daher die Erwärmungspause bzw. den Hiatus für China. Die CO2-bedingte Erwärmung wurde offenbar durch quantitativ nicht näher spezifizierbare natürliche Klimafaktoren ausgeglichen. Abstract:

Satellite-based regional warming hiatus in China and its implication
The slowdown in global warming since 1998, often termed the global warming hiatus. Reconciling the “hiatus” is a main focus in the 2013 climate change conference. Accurately characterizing the spatiotemporal trends in surface air temperature (SAT) is helps to better understand the “hiatus” during the period. This article presents a satellite-based regional warming simulation to diagnose the “hiatus” for 2001–2015 in China. Results show that the rapid warming is mainly in western and southern China, such as Yunnan (mean ± standard deviation: 0.39 ± 0.26 °C (10 yr)−1), Tibet (0.22 ± 0.25 °C (10 yr)−1), Taiwan (0.21 ± 0.25 °C (10 yr)−1), and Sichuan (0.19 ± 0.25 °C (10 yr)−1). On the contrary, there is a cooling trend by 0.29 ± 0.26 °C (10 yr)−1 in northern China during the recent 15 yr, where a warming rate about 0.38 ± 0.11 °C (10 yr)−1 happened for 1960–2000. Overall, satellite simulation shows that the warming rate is reduced to −0.02 °C (10 yr)−1. The changes in underlying surface, Earth’s orbit, solar radiation and atmospheric counter radiation (USEOSRACR) cause China’s temperature rise about 0.02 °C (10 yr)−1. A combination of greenhouse gases (GHGs) and other natural forcing (ONAT, predominately volcanic activity, and atmosphere and ocean circulation) explain another part of temperature trend by approximately −0.04 °C (10 yr)−1. We conclude that there is a regional warming hiatus, a pause or a slowdown in China, and imply that GHGs-induced warming is suppressed by ONAT in the early 21st century.

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Zwischen Klima-Skeptikern und -Alarmisten gibt es viel Streit. Um wieviel fruchtbarer wäre die Klimadiskussion, wenn sich die Parteien endlich einmal ernsthaft zuhörern würden? Ein gemeinsames Kolloquium, danach zusammen ein frisches Bier trinken. Das wäre doch klasse. Genau dies haben nun der Skeptiker Joe Bastardi und der Alarmist Michael Mann getan. Das Beweisfoto gibt es auf WUWT. Bitte mehr davon! Ob wir das auch bald in Deutschland sehen werden?

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Vertreter der Klimaalarmlinie weisen meist auf aktuelle Ereignisse hin und erklären: “Seht her, das ist der Klimawandel”. Der Sommer zu heiß, der Winter zu kalt, alles ist stets der Klimawandel. Noch nie dagewesen, Vorstufe zur Hitzehölle. Alle Querulanten, die hier nicht mitziehen, bitte Klappe halten.

Ein Blick in die Klimageschichte würde in vielen Fällen schnelle Aufklärung bringen. Erst die Vernachlässigung des klimahistorischen Kontext erlaubt es, zu den bekannten krassen Thesen zu kommen. Auf Notrickszone war am 24. August 2018 ein schönes Beispiel zu bestaunen. Das arktische Meereis ist in den letzten Jahren kräftig zurückgegangen. Gab es das wirklich noch nie? Notrickszone zeigt eine schöne Langzeitrekonstruktion des arktischen Meereises und stellt sie dem AMO-Ozeanzkylus gegenüber (Graphik offenbar von Tallbloke). Das Resultat ist deutlich: In den positiven, wärmenden Phasen der AMO ging das Eis zurück, in den negativen, kühlenden Phasen nahm das Eis zu. Neben dieser 60-Jahreszyklik gibt es auch noch einen Langzeittrend bzw. eine Oszillation im Millenniumstakt. Stichwort Wikingerfahrten im eisarmen Nordmeer vor 1000 Jahren. Hier geht es zum Notrickszone-Artikel.

Abb.: Entwicklung des arktischen Meereises und der AMO 1900-2013 (x-Achse). Rote AMO-Phasen=warm, blaue AMO-Phasen=kalt. Quelle.

 

Fritz Vahrenholts Sonnenkolumne 10 & 11/18: Arktisches Meereis, Ozeanerwärmung und Neues von Wolken

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielleicht haben Sie meinen Sonnenbericht im letzten Monat vermisst. Aber ich habe einen längeren Urlaub genommen, so dass ich den September- und Oktober-Bericht zusammenfasse.

Die Sonne wies im September eine  geringe  Sonnenfleckenzahl von 3,3 auf (s. hierzu den September-Bericht) und im Oktober von 4,9. (s.hierzu den Monatsbericht Oktober). An 23 Tagen, resp. 20 Tagen (Oktober)  war überhaupt kein Sonnenfleck zu sehen. Diesem seit 200 Jahren schwächsten Sonnenzyklus, der das Sonnenmaximum von 1970 bis 2010 beendet hat, wird ein  ebenso schwacher, ca. 11- jähriger Zyklus folgen.

 

Die Todesspirale des arktischen Eises – ein falscher Alarmruf

Schon 2009 weissagte uns Al Gore, dass ” die gesamte nordpolare Eiskappe 2014 verschwunden sein” wird. Dieses Verschwinden des arktischen Meereises ist eine beliebte Angstmetapher, die aktivistische Wissenschaftler wie der amerikanische Geograph Mark Serreze und der britische Klimaforscher Peter Wadham seit Jahren verbreiten, etwa 2012 in Spektrum der Wissenschaft (!) oder am 7.3.2018 in der ARD (“Hitzewelle in der Arktis”). Tatsächlich hat sich in den 90- erJahren die Ausdehnung verringert ,zunächst langsam, ab 2004 beschleunigt, um seit 2012 mit einem leichten Aufwärtstrend stabil zu bleiben.

Betrachtet man den Verlauf der atlantischen Oszillation AMO, deren Temperaturschwankungen sich besonders im Nordatlantik auswirken, so sieht man eine auffällige Parallelität zur Entwicklung des arktischen Meereises. Die AMO befand sich von 1965 bis 1995 in einer kalten Phase  und hat in der jetzigen Dekade ihr Maximum erreicht. Wenn wir mit dieser Annahme richtig liegen, wird sich die Situation des arktischen Meereises in den nächsten Jahren deutlich stabilisieren und verbessern. Eine gute Nachricht, – für Alarmisten ein Kipppunkt in die falsche Richtung – daher werden Sie in den nächsten Jahren wenig über die Arktis von dieser Seite hören. Wir halten Sie auf Kaltesonne auf dem Laufenden.

 

Klimabeitrag von Wolken in den Modellen mit falschem Vorzeichen

Relativ unbeachtet erschien letztens eine Arbeit in Nature,  die sich mit der Wirkung von Wolken bei Erwärmung beschäftigte. Sie beschreibt Beobachtungen, die zwischen 2008 und 2014 mit Satelliten ausgeführt wurden und Schlüsseleigenschaften der Bewölkung über den Ozeanen sehr detailliert aufnehmen konnten. Die dafür benutzte Lidar-Technik machte es möglich.

Wie wir wissen, ist CO2 an sich ein schwaches Klimagas und führt bei Verdoppelung der Konzentration zu einem Temperaturanstieg von 1,1 °C. Die Erwärmung führt zu einem höheren Wasserdampfgehalt der Troposphäre (Wasserdampf selbst ist ein hochwirksames Treibhausgas), Erwärmung hat aber auch eine Wirkung auf die Bildung von Wolken. Modelle nehmen im Mittel an, dass Wolken mit der Erwärmung selbst wieder zur Erwärmung beitragen. Bilden sich mehr Wolken schatten sie ja mehr ab, also kühlen sie. Das weiß jeder aus eigener Erfahrung an einem Sonnentag.

Aber so einfach ist es nicht. Die Reflexion von Sonnenstrahlen an den hellen Wolken zurück in den Weltraum  -sie sind kurzwellig im Vergleich zur Wärmestrahlung vom Boden, daher kürzt man gerne ab: SW (short wave) für Sonnenstrahlung; LW ( long wave) für Wärmestrahlung- ist nicht alles. LW wärmt z.B. in der Nacht wenn Wolken die Abstrahlung der Oberfläche verringern. Was machen Wolken netto, also in der Summe von SW und LW? Und wie verändert sich das, wenn es – warum auch immer – wärmer wird?

Modelle, wie gesagt, nehmen im Mittel an, dass Wolken noch mehr erwärmen, wenn es wärmer wird.  Hier setzt die beschriebene Arbeit an und – ich komme gleich zum Resultat – sie findet das beobachtete Gegenteil. Einfach ausgedrückt: Wolken tragen nicht zu mehr Erwärmung bei, sie wirken dagegen.

 

Modelle, auf denen das Paris Abkommen beruht, müssten korrigiert werden

Es ist schon abenteuerlich, mit welcher Ignoranz die Wissenschaft an fehlerhaften Modellen festhält und die Politik auf Grund dieser Modellrechnungen weitreichende gesellschaftspolitische Festlegungen trifft. Die Pariser Übereinkunft hat zur Voraussetzung, dass die Klimaforschung auf gesicherten Erkenntnissen beruht : Science is settled. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse, die das CO2-Mantra in Frage stellen, werden nicht mehr transportiert.
Es wäre ja auch nicht auszudenken, wenn man Zweifel hätte über die Auswirkungen des CO2, wo man doch gerade so erfolgreich dabei ist, zwei industrielle Reviere Deutschlands in der Lausitz und im Rheinischen Revier zu zerstören. Dabei geht es um mehr:

die Abschaltung der Braunkohlekraftwerke in Deutschland bringt klimapolitisch nichts von Belang, führt aber zu einer Strompreiserhöhung von 1,5 €ct/kwh. Dies gilt nicht nur für uns alle, sondern führt insbesondere für die Grundstoffindustrie von Kupfer, Aluminium, Stahl und Chemie, zu einer Strompreiserhöhung um 30 %, in einer Zeit, in der über 300 Kohlekraftwerke in China hinzugebaut werden. China baut jedes Jahr  Kupferfabriken, die jeweils nahezu der Größe der europäischen Produktion entsprechen – auf Basis Kohle.

Und wie ernsthaft sich China an internationale Abkommen hält, erfahren wir aus Satellitenmessungen über ozonschichtzerstörende FCKW ,die nach dem Montreal – Abkommen auch in China nicht mehr produziert werden dürfen. Seit Jahren steigt der Ausstoß weltweit wieder und die Messungen zeigen: die Emissionen stammen aus Fabriken nördlich von Peking. China betrügt bei einem der schlimmsten Atmosphärengifte und wird dies auch bei CO2 weiter tun und jedes Jahr ungerührt eine weitere Milliarde Tonnen CO2 draufpacken.

Unsere Kohlekommission aber schlägt sich stolz auf die Brust, 100 Mio t einmalig abstellen zu können und die eigene Industrie massiv im Wettbewerb mit China zu benachteiligen. Wie sagte noch einst die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks : “Wir können China beim Klimaschutz ja nicht alleine vorangehen lassen.” Über so viel Naivität lachen sich die chinesischen Politbüromitglieder jeden Abend scheckig.

Herzlichst
Ihr
Fritz Vahrenholt