IPCC rudert beim klimabedingten Artensterben zurück: Zweifel an bislang verbreiteten Vorhersagen

Der 2. Teil des IPCC-Klimaberichts ist Ende März 2014 veröffentlicht worden. Darin finden sich einige interessante Neubewertungen, die so gar nicht in das sonst für den IPCC so übliche Katastrophenszenario passen wollen. Axel Bojanowski berichtet kurz vor der Präsentation des Berichts auf Spiegel Online über eine unerwartete Kehrtwende:

Geheimer Uno-Report: Klimarat zweifelt an Prognosen zum Artensterben
Verursacht die Erderwärmung ein globales Artensterben? Der Uno-Klimarat ist sich da nicht mehr sicher: Nach SPIEGEL-Informationen sät er im Entwurf seines neuen Reports erstaunlich große Zweifel an seinen bislang verbreiteten Vorhersagen.
Der Uno-Klimarat IPCC zieht seine bisherigen Prognosen eines Artensterbens überraschend stark in Zweifel. Das berichtet der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe. Dem geheimen Berichtsentwurf des IPCC zufolge, dessen zweiter Teil Ende März veröffentlicht werden soll, rechnet der IPCC zwar weiterhin mit dem Risiko, dass zahlreiche Tier- und Pflanzenarten der Klimaerwärmung zum Opfer fallen könnten. Andererseits distanzieren sich die Wissenschaftler von ihren Prognosen: “Es besteht sehr geringes Vertrauen darin, dass die Modelle das Aussterberisiko derzeit akkurat vorhersagen”, zitiert der SPIEGEL aus dem Report.

Weiterlesen auf spiegel.de (in englischer Sprache hier). Den entsprechenden Artikel “Unsicheres Orakel” aus der zitierten Spiegel-Printausgabe können Abonnenten hier einsehen.

So richtig überraschend kommt dies nicht. Man erinnere sich an seinen Biologie-Schulunterricht: Das artenreichste Habitat ist der warme, tropische Regenwald. Bereits im April 2013 hatten wir an dieser Stelle berichtet: “Ökosysteme reagieren auf Klimaerwärmung durch Zunahme der Artenvielfalt“.

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Bleiben wir noch eine Weile beim neuen IPCC-Werk. Im März 2013 sollten die Autoren ihre letzte Fassung beim IPCC einreichen, um den Begutachtungsprozess einzuleiten. An dieser Stelle sollte eigentlich nichts mehr zu den Kapiteln hinzugefügt werden, lediglich Fehler sollten korrigiert werden.

Donna Laframboise hat sich das begutachtete Endresultat angeschaut und fand Überraschendes: Sie fand mysteriöse Literaturzitate von Arbeiten, die erst viele Monate nach dem März-2013 Abgabeschluss erschienen sind:

For example, Chapter 7 examines the impact climate change might have on humanity’s food supplies. A leaked copy of this chapter can be downloaded here.

  • on page 6, the Licker et al., 2013 study is cited twice; it didn’t appear in a scientific journal until July 2013.
  • p. 10 relies on Zhu et al. – published in Sept. 2013
  • p. 11, Koehler et al. – published in Aug. 2013
  • p. 11, Asseng et al. – published in Sept. 2013 (online in June)
  • p. 15. Glenn et al. – published in Nov. 2013
  • p. 22, Muller et al. – published Jan. 2014 (online in Dec. 2013)
  • p. 23, Glenn et al. – published in Nov. 2013
  • p. 26, Kiselev et al. – published Oct. 2013
  • p. 27, Nelson et al. is cited twice – published in Jan 2014 (online in Dec. 2013)
  • p. 31, Stathers et al. – published June 2013
  • p. 32, Ghahramani & Moore paper is cited twice – published in Aug. 2013
  • p. 38 Coumou et al. is cited twice – published June 2013
  • p. 38 Hughes et al. – published July 2013 (online in June)
  • p. 38 Dunne et al. – published June 2013 (online in Feb.)
  • p. 39 Reichstein et al. – published Aug. 2013

Siehe Donna Lamframboises Artikel “Bleeding Edge Research in the New IPCC Report” in ihrem Blog No Frakking Consensus.

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Der neue IPCC-Bericht enthält eine weitere wichtige Neubewertung: Die im berühmten Stern-Bericht veranschlagten Klimafolgeschadenskosten sind deutlich zu hoch angesetzt worden. The Conversation erläuterte am 2. April 2014:

IPCC report shows Stern inflated climate change costs
How much does climate change cost? What will be the impact on our wallets? The latest report from the Intergovernmental Panel on Climate Change’s (IPCC) Working Group II has concluded that global warming of 2.5˚C would cost the equivalent to losing between 0.2-2.0% of annual income. This seems in sharp contrast to the Stern Review of the Economics of Climate Change, which found it would cost 5-20%. How can that be?

Weiterlesen auf theconversation.com.

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Auch Peter Heller hat sich den 2. Teil des IPCC-Berichts näher angeschaut und ist auf seltsame Dinge gestoßen, wie er im Science Skeptical Blog berichtete: (weiterlesen …)

Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD): Mit kuscheligen Wollpullovern gegen die Klimakatastrophe

Die Tageszeitung Neues Deutschland hat eine lange Geschichte. Von 1946 bis 1989 war die Zeitung in der DDR das Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Schon damals verkündete das Blatt die ungefilterte Wahrheit, insbesondere die politische. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Noch immer kann man sich voll darauf verlassen, dass man im Neuen Deutschland die Sichtweise der Führungselite zu lesen bekommt, zumindest wenn es sich um die Frage des Klimawandels handelt. So meldete das Blatt am 25. März 2014:

Kein Stillstand beim Klimawandel
UN-Meteorologieorganisation: 2013 war das sechstwärmste je gemessene Jahr. Wirbelsturm Haiyan, Hochwasser in Mitteleuropa, Rekorddürre in Australien – die Menschheit spürt die Folgen des Klimawandels.

Ein wuchtiger Anfang. Da hat sich die klimawissenschaftliche Redaktion sehr angestrengt, um ihrer Leserschaft die Gefahren des Klimawandels zu verdeutlichen. Allerdings fehlen die Originalquellenangaben zu den Behauptungen. Der Hinweis auf die “UN-Meteorologieorganisation” ist ein Anfang, jedoch stellt dies keine begutachtete Literatur dar. Gehen wir daher systematisch vor.

Punkt 1: “Kein Stillstand beim Klimawandel”. Nunja, wie würde man es wohl nennen, wenn es seit 16 Jahren gar nicht mehr wärmer wird? Schauen wir in Deutschands größter Antonym-Datenbank Gegenteil-von.com nach. Wie lautet das Gegenteil von Stillstand (“kein Stillstand”)? Die Datenbank bietet u.a. die folgenden Begriffe an:

Aufschwung, Aufstieg, Unaufhörlichkeit, Kontinuität, Fortschreiten, Erweiterung, Verlängerung, Bestand, Fortsetzung.

Laut UN-Meteorologieorganisation (WMO) schreitet der Klimawandel also angeblich voran, obwohl die Temperaturen stagnieren. Ein Paradoxon à la WMO/IPCC. Sechstwärmstes Jahr heißt gleichzeitig, dass fünf Jahre wärmer waren.

Punkt 2: Wirbelsturm Haiyan: Ganz klar keine Folge des Klimaawandels. Siehe “Klimaaktivisten missbrauchen Taifun Haiyan für eigene Zwecke: Studien fanden für die vergangenen Jahrzehnte keine Zunahme der Taifunaktivität

Punkt 3: Hochwasser in Mitteleuropa: Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Flussbgeradigungen und natürliche Zyklen spielen eine große Rolle. Siehe “Was waren die wahren Hintergründe der mitteleuropäischen Flut 2013?

Punkt 4: Rekorddürre in Australien: Gerne hätte man zuvor den paläoklimatologischen Kontext recherchieren dürfen. Siehe “Solare Millenniumszyklen überall: Auch die Regenmengen in Südost-Australien schwankten während der letzten 10.000 Jahre im Takte der Sonne

Wie kommt die WMO nun auf die Idee, all diese Dinge wären Folge einer menschengemachten Klimakatastrophe? Die Lösung: Die WMO ist Mitbegründer des IPCC, und beide sitzen im gleichen Gebäudekomplex in Genf. Beide Organisationen benötigen die Klimakatastrophe um an Ansehen, politischen Einfluss und Geldmittel zu gelangen. Es wäre überraschend, wenn WMO und IPCC diese mühsam erkämpfte Macht aufgeben würde, nur weil die Fakten nicht mehr zum ursprünglich aufgestellten Horroszenario passen.

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Vielleicht war es ein Aprilscherz, vielleicht aber auch nicht. Am 1. April 2014 meldet Die Welt:

Den Klimawandel mit wärmenden Textilien bekämpfen
Umweltministerin Hendricks stimmt Deutsche auf Veränderung der Lebensgewohnheiten ein – und gibt damit Thilo Sarrazin recht.
Die drohenden Folgen der Erderwärmung werden nach Ansicht von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auch die Lebensgewohnheiten der Deutschen grundsätzlich verändern. “Wir werden uns schon darauf einstellen müssen, dass wir etwas anders leben müssen”, sagte Hendricks im Interview des Deutschlandfunks. So könne es künftig sein, “dass wir in Mitteleuropa unsere Wohnungen vielleicht ab und an nicht mehr auf 22 bis 23 Grad heizen, sondern nur noch auf 20 bis 21″.

Weiterlesen auf welt.de.

Da kann man nur hoffen, das die globale Erwärmung möglichst schnell voranschreitet, so dass schon bald im Winter in Deutschland 22 Grad herrschen und gar keine Heizung mehr notwendig ist. Man könnte auch eine neue Regel einführen, nach der man sein Auto nach jeweils 5 km für 100 m schieben muss, bevor man mit Motorkraft die Reise fortsetzt. Oder man könnte Flugreisenden eine Kurz-Diät auferlegen, so dass sie mit einem um 2 kg gegenüber ihrem Normalwert verringerten Körpergewicht ihren Flug antreten. Oder einmal pro Stunde für eine Minute die Luft anhalten, oder, oder, oder…

 

IPCC konzediert: Biotreibstoffe schaden mehr als sie nutzen

Björn Lomborg am 31. März 2014 in der Welt:

Der globale Energie-Irrsinn trifft die Ärmsten
Nicht der Klimawandel schadet armen Ländern am meisten, sondern steigende Energiepreise. Weil wir uns auf die Klimasorgen konzentrieren, bleiben drei Viertel der Menschen in Dunkelheit und Armut.
Laut UN-Generalsekretär Ban Ki-moon “schadet der Klimawandel in erster Linie und am stärksten den Armen”. Das stimmt, denn die Armen sind am verwundbarsten und verfügen über die wenigsten Ressourcen, um sich anzupassen. Allerdings vergessen wir oft, dass sich Energie aufgrund der momentan angewandten Strategien gegen die globale Erwärmung stark verteuert – und das schadet den Armen dieser Welt noch viel mehr. Im Jahr 2012 wurden Solar- und Windenergie mit 60 Milliarden Dollar subventioniert. Das bedeutet, die Welt bezahlte 60 Milliarden Dollar mehr für Energie als nötig. Und weil der gesamte Klimanutzen magere 1,4 Milliarden Dollar betrug, wurden mit den Fördergeldern im Wesentlichen 58,6 Milliarden Dollar verschwendet.

Weiterlesen auf welt.de.

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Die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen hat in Hamburg eine Befragung zur Klimaangst durchgeführt. Die Ergebnisse sind beängstigend: Die Jugend hat die Nase von der Klimaangst trotz aller Klimaalarm-Propagandabemühungen voll und will einfach keine Angst mehr vor dem Klima haben. Der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung – Professor Dr. Ulrich Reinhardt – schrieb hierzu im Hamburger Abendblatt vom 24. März 2014:

Angst vor dem Klimawandel? Jugend sorgt sich am wenigsten!
Am vergangenen Donnerstag begann der kalendarische Frühling. Und der Blick vor die eigene Haustür bestätigt dies auch: Der Winter ist vorbei. Vorbei? War die kalte Jahreszeit denn überhaupt schon da? In Hamburg hatten wir in den letzten Monaten an keinem einzigen Tag eine wirkliche Schneedecke, Weihnachten war es 12 Grad warm, und die Sonne schien an manchen Januartagen bis zu sechs Stunden täglich. Kein Wunder also, dass laut Wetterstatistiken der Winter 2013/ 2014 zu den fünf wärmsten in der Geschichte gehört. Schnell wird dies mit den Auswirkungen des Klimawandels erklärt: Temperaturen steigen, Gletscher schmelzen und Schneesicherheit gibt es nur noch über 2000 Meter. Diese und weitere Befürchtungen wie ein Anstieg des Meeresspiegels, Dürre und Hitzeperioden, Wassermangel oder die generelle Zunahme von Wetterextremen werden sich in den kommenden Jahrzehnten zweifellos bewahrheiten.

Das ist ja unerhört. Der letzte milde Winter in Deutschland muss jetzt als Beweis für den Klimawandel herhalten.Was ist dann mit den viel zu kalten Wintern der vergangenen Jahre? Sind sie der Gegenbeweis? (siehe “Dominik Jung: Alpenwinter sind in den letzten 20 Jahren kälter geworden” und “Winter in Deutschland werden seit einem Vierteljahrhundert deutlich kälter“). Der Herr Statistikprofessor hat hier offenbar die reale Wetterstatistik aus den Augen verloren, da er sich in das klimatische Weltuntergangsszenario verliebt hat. Dies zeigt schon seine beschwörende Formulierung “Diese und weitere Befürchtungen … werden sich in den kommenden Jahrzehnten zweifellos bewahrheiten”. Kann Reinhardt da so sicher sein? Der IPCC sieht dies mittlerweile wieder ganz nüchtern und schreibt ganz offen, dass eine Steigerung der Wetterextreme nicht belegbar ist und in den Bereich der Spekulation zu stellen ist.

Reinhardt weiter: (weiterlesen …)

Pfiffige Oberpfälzer Rathausdelegation nutzt Klimawandelthema für Traumreise nach Kapstadt auf Staatskosten

Südafrika ist ein attraktives Reiseland, wo wohl jeder mal gerne hin möchte. Eine Delegation der oberpfälzer Kreisstadt Neumarkt war jetzt besonders erfinderisch und hat sich die Traumreise einfach vom Steuerzahler finanzieren lassen. Man wollte sich dort über den Klimawandel informieren, sagte man. Unter anderem ging es um den Meeresspiegelanstieg, so dass man sich leider, leider gezwungen sah, die malerischen Küsten Südafrikas zu bereisen. Fazit der “Studienreise”: Zum Glück besitzt Neumarkt keine Küsten, so dass der Meeresspiegelanstieg keine Gefahr für die 38.000 Bewohner darstellt. Einige Mitbürger rochen den Braten und erahnten, worum es der der lustigen Reisegruppe wohl wirklich ging. Neumarktonline.de berichtete am 4. April 2014:

Die Begeisterung einer Neumarkter Rathaus-Delegation, im fernen Südafrika über Klimawandel und Klimaschutz diskutiert zu haben, wird nicht von allen Neumarkter Bürgern geteilt. Trotzdem berichten die Reiseteilnehmer jetzt von ihren Eindrücken. Oberbürgermeister Thomas Thumann mußte sich bei der Haushaltssitzung des Neumarkter Stadtrates einige spitze Anmerkungen über seine Reise um den halben Globus anhören (Bericht hier). “Solange wir in Neumarkt nicht in der Lage sind, unseren Beitrag zum Klimaschutz ernsthaft umzusetzen, brauchen wir auch nicht nach Afrika zu fliegen, um unsere Weisheiten zu verkaufen”, mokierte sich zum Beispiel die SPD.

Weiterlesen auf Neumarktonline.de.

Foto: Andreas Tusche / Lizenz: This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license

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The Guardian am 18. März 2014:

We need more scientific mavericks
“Science is the belief in the ignorance of experts,” said Richard Feynman in the 1960s. But times change. Before about 1970, academics had access to modest funding they could use freely. Industry was similarly enlightened. Their results included the transistor, the maser-laser, the electronics and telecommunications revolutions, nuclear power, biotechnology and medical diagnostics galore that enriched the lives of virtually everyone; they also boosted 20th-century economic growth. After 1970, politicians substantially expanded academic sectors. Peer review’s uses allowed the rise of priorities, impact etc, and is now virtually unavoidable. Applicants’ proposals must convince their peers that they serve national policies and are the best possible uses of resources. Success rates are about 25%, and strict rules govern resubmissions. Rejected proposals are usually lost. Industry too has lost its taste for the unpredictable. The 500 major discoveries, almost all initiated before about 1970, challenged mainstream science and would probably be vetoed today. Nowadays, fields where understanding is poor are usually neglected because researchers must convince experts that working in them will be beneficial.

Weiterlesen auf theguardian.com.

Judith Curry weist auf zwei weitere interessante Texte hin:

The Daily Caller has an article on this entitled Scientists:  Government agencies use the peer review process to squash dissent

und

Cass Sunstein and Reid Hastie have an article published in the Journal of Institutional Economics entitled Garbage in, garbage out? Some micro sources of macro errors.

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Wieder einmal traf sich der Klimakonferenzzirkus in Bonn. Das Resultat war wie immer: Keines.

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Peter Heller am 23. März 2014 im Science Skeptical Blog zu einer kürzlichen TV-Klima-Talkrunde: (weiterlesen …)

Neues aus der Paläoklimatologie: Schon immer wurde Mexiko von Dürren heimgesucht

Anfang 2012 suchte eine schwere Dürre das Land Mexiko heim. Nie dagewesen und auf jeden Fall Schuld des Menschen? Mitnichten. Wetter24.de klärte auf:

Woher stammt die Trockenheit?
Diese lange Dürrephase haben wir unter anderem dem derzeitigen La Niña-Phänomen zu verdanken. Dabei sorgt eine kräftige Luftzirkulation in der Atmosphäre, die Walker-Zirkulation, dafür, dass mit kräftigeren Passatwinden das Oberflächenwasser des Ostpazifiks von der Küste Amerikas in Richtung Asien transportiert wird. Dort staut sich an den Ostküsten das warme Oberflächenwasser, während vor der Westküste Latein- und Südamerikas das kältere Tiefenwasser nach oben strömt. Dadurch ist die Wassertemperatur des äquatorialen Ostpazifik an der Oberfläche niedriger als im Mittel, wie es hier auch in der nachfolgenden Animation gezeigt wird. Zu sehen ist die Abweichung der Meeresoberflächentemperatur des äquatorialen Pazifiks der letzten Wochen.

Ein ganz natürliches Phänomen. Der Blick in die Vergangenheit zeigt den Kontext, wie die die Studie von Lachniet et al. 2012 in Geology eindrucksvoll belegt:

A 2400 yr Mesoamerican rainfall reconstruction links climate and cultural change
Droughts are a recurring feature of Mexican climate, but few high-resolution data are available to test for climate-change forcing of Mesoamerican civilizations. We present a quantitative 2400 yr rainfall reconstruction for the Basin of Mexico, from a precisely dated and highly resolved speleothem, that documents highly variable rainfall over the past 2400 yr. Dry conditions peaked during a 150-yr-long late Classic (ca. 600–900 CE) (Common Era) megadrought that culminated at 770 CE which followed centuries of climatic drying that spanned the fall of the city of Teotihuacán ca. 550 CE. The wettest conditions in the 1450s CE were associated with flooding in the Basin of Mexico. Our data suggest that rainfall variability was likely forced by the El Niño–Southern Oscillation, and impacts on spring-fed irrigation agriculture may have been a stressor on Mesoamerican civilizations.

Eine Übersicht über die variable Dürregeschichte Mexikos wurde vom SPPI zusammengestellt und kann als pdf heruntergeladen werden.

Bereits im Mittelalter hatte man sich große Sorgen gemacht, dass der Mensch vielleicht selbst für das Dürre-Unheil verantwortlich sein könnte. Damals gab es noch kein industrielles CO2, so dass man zu anderen Mitteln greifen musste. So entschlossen sich die Urmexikaner damals, den Göttern Kinder zu opfern, damit der Regen zurückkehren möge. Der Effekt der rabiaten Maßnahme war der gleiche wie die Emissionsreduktion heute, nämlich keiner.

 

Es stand in der kalten Sonne…Nature Geoscience veröffentlicht Kritik an fragwürdigem Antarktisartikel

Ende Dezember 2012 berichteten wir an dieser Stelle über eine Studie von Bromwich et al. in Nature Geoscience zur Erwärmung der Westantarktis, die angeblich dreimal schneller als der globale Durchschnitt abläuft. In der Kurzfassung lesen wir:

Here, we present a complete temperature record for Byrd Station, in which observations have been corrected, and gaps have been filled using global reanalysis data and spatial interpolation. The record reveals a linear increase in annual temperature between 1958 and 2010 by 2.4±1.2 °C, establishing central West Antarctica as one of the fastest-warming regions globally.

Die Süddeutsche Zeitung war entzückt und berichtete prompt. Schaut man sich jedoch die Temperaturgraphen der Arbeit genauer an, fällt einem vor allem eines ins Auge, nämlich dass es in den vergangenen 25 Jahren überhaupt nicht wärmer geworden ist (siehe unseren Blogartikel “Westantarktis erwärmt sich schneller als gedacht – allerdings kein bisschen in den letzten 25 Jahren“). Es stellte sich sogleich die Frage, wie eine solche Studie überhaupt die Begutachtung überstehen konnte.

Und in der Tat, schnell waren die ersten Fehler gefunden. In einem hastig nachgeschobenen, vorweihnachtlichen Corrigendum räumten die Autoren einen peinlichen Rechenfehler ein, der die Dezember-Januar-Temperaturen betraf:

For 1980–2010, the trend should have been 0.29 ± 0.53 °C per decade, instead of 0.76 ± 0.66 °C per decade, and thus was not statistically significant. As a result, the last sentence of the section entitled “Temperature trends at Byrd Station”, referring to the significance of the trends during 1980–2010, should not include “except for December–January”.

Statt 0,76°C pro Jahrzehnt waren es dann doch nur knapp 0,3°C. Da lagen Bromwich et al. um knapp ein halbes Grad, also 150% zu hoch. Mathe sechs, setzen.

Ende März 2014 passierte dann etwas wirklich Überraschendes. Nature Geoscience veröffentlichte eine Entgegnung zur Bromwich et al.-Arbeit, in der weitere statistische Mängel bei der Trendbetrachtung in der Ausgangsarbeit festgestellt wurden. Die Unsicherheit wäre viel zu hoch, um einen signifikanten Trend zu proklamieren:

How significant is West Antarctic warming?
Armin Bunde, Josef Ludescher, Christian L. E. Franzke, Ulf Büntgen

To the Editor
Bromwich et al. present a monthly temperature record for central West Antarctica that spans 1958 to 2010, using observations from Byrd station that have been corrected and gap-filled. A regression analysis reveals a warming of 2.44 °C over this period. To evaluate the significance of this warming trend, Bromwich…

Weiterlesen (für Abonnennen) auf nature.com.

Die Autoren der Entgegnung stammen vom Institut für Theoretische Physik der Universität Giessen, vom Meteorologischen Institut der Universität Hamburg sowie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im schweizerischen Birmensdorf.

Wie üblich in solchen Fällen, bekamen die Verfasser der Originalarbeit die Möglichkeit, auf die Kritik zu antworten. Zwei der ursprünglich sieben Autoren (Bromwich & Nicolas) versuchten sich an einer “Reply”. Allerdings misslingt der Versuch einer Rechtfertigung. Anstatt den Vorhalt statistischer Fehler zu entkräften, weichen die beiden Forscher dem Hauptproblem aus und texten ins Leere.

Da die Süddeutsche Zeitung damals ausführlich über den Originalartikel berichtete, wäre es jetzt recht und billig, auch die Leser über die Kritik an der Arbeit zu informieren. Warten wir es ab. Süddeutsche Zeitung, bitte übernehmen Sie.

[UPDATE vom 14.4.2014: SZ-Redakteur Christopher Schrader teilte soeben per Email mit, dass er keinen Anlasse sehe, den SZ-Artikel zu korrigieren oder zu ergänzen.]

 

Im vergangenen Vierteljahrhundert waren nur vier Februar-Monate kälter als der des Jahres 2014

Interessante Sendung im NDR-Fernsehen am 24. März 2014:

Überbevölkerung: Wer von uns ist zu viel?
Sein Film “Population Boom” räume mit dem Märchen von der Überbevölkerung auf, sagt Werner Boote. Es ist ein von den Medien und westlichen Regierungen gerne gezeichnetes Horrorszenario: Überbevölkerung! Sieben Milliarden Menschen! Riesige Müllberge! Schwindende Ressourcen! Klimawandel! Wann bricht die Erde unter dieser Last zusammen? Der österreichische Dokumentarist Werner Boote hat sich auf den Weg gemacht, um unser seit Jahrzehnten festgefahrenes Weltbild zu hinterfragen.

Weiterlesen auf ndr.de.

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Spiegel TV brachte kürzlich den Beitrag “Windkraft ohne Saft, der auch online verfügbar ist. Besonders interessant das Statement bei Minute 3:00:

“Der Offshore Markt ist ein zu 100% politisch getriebener Markt. Ohne Einspeisevergütung gibt es kein offshore”.

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Im Forum des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie veröffentlichte Dr. Volker Rachui am 24. Januar 2014 einen offenen Brief zum Klimawandel und zur Energiewende:

Einige Vertreter der Politik, Wirtschaft aber auch der Wissenschaft haben das Thema “Klimavariation” annektiert und in ihrem Sinne zum “Klimawandel” bzw. aktuell zum “anthropogenen Klimawandel” transformiert. Und so der normalen (empirischen) Wissenschaft entrissen; unterschiedliche bis gegensätzliche Auffassungen über den Grad, Ursachen und Bewertungen von beobachteten Veränderungen nivelliert und selektiert; Umfragen und Szenarien aus Modellrechnungen zum Beweis erhoben und in Form eines zusammenfassenden Berichtes (IPCC-Sachstandsbericht, Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger) so eine Art Klima-Suren oder Biblia sacra als Handbuch zur Rettung der Menschheit geschaffen.

Die quasi-Machtübername der sog. postnormalen Wissenschaft, die sich allein durch Verwendung unwissenschaflicher Bewertungs-Termini , wie “hohes Vertrauen”, “sehr wahrscheinlich”, “etwa so wahrscheinlich wie nicht” oder “außergewöhnlich unwahrscheinlich” entlarvt, ist für jede Gesellschaft gefährlich, da sie nach Belieben von unterschiedlichen Interessengruppen in manipulativer Weise eingesetzt werden kann und nicht dem Zuwachs an Wissen und Erkenntnis für die Menschheit dient.

Weiterlesen auf bmwi.de.

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Ulli Kulke am 2. April 2014 auf Donner + Doria:

Der letzte Februar war einer der kältesten – global gesehen
Der gerade vorgestellte neue Bericht des Weltklimarates IPCC erschien in einer Zeit, in der der gerade vergangene sehr milde Winter hierzulande sicher manchem zu denken gab. Dass die Welt größer ist als Mitteleuropa und der uns besonders warm erschienene Februar global gesehen bitter kalt war, zeigen indes die gerade erschienenen Februar-Daten der amerikanischen NOAA-Behörde (National Oceanic and Atmospheric Administration). Demnach waren – an Land und auf den Meeren zusammengenommen – im vergangenen Vierteljahrhundert nur vier Februar-Monate kälter als der des Jahres 2014, wie man an dieser interaktiven Grafik hier ablesen kann (sie lässt sich manchmal nur schwer öffnen, in dem Fall später noch einmal versuchen).

Weiterlesen auf Donner + Doria.

 

Fachzeitschrift “Frontiers in Psychology” zieht verschwörungstheoretischen Klimaalarm-Artikel zurück

In der Wissenschaft wird viel geschrieben und publiziert. Leider ist nicht alles ganz richtig, was dort von der Leine gelassen wird. In den allermeisten Fällen bleiben diese fehlerhaften Studien unentdeckt und werden Teil der wissenschaftlichen Forschungsliteratur. Manchmal sind die Defizite allerdings so arg, dass die Herausgeber der Zeitschriften bzw. die Autoren die Fahnen streichen und die Beiträge ganz offiziell zurückziehen. Damit werden diese Studien nicht mehr zitierbar und bekommen den Stempel “das war ganz großer Murks”.

Die Internetplattform Retraction Watch berichtet regelmäßig über die Spitze dieses wissenschaftlichen Pannen-Eisbergs. Am 21. März 2014 schrieb Retractionwatch über eine alarmistische Klimastudie, die kürzlich einkassiert wurde. Hauptthese: Klimaskeptiker wären alle Verschwörungstheoretiker:

Controversial paper linking conspiracy ideation to climate change skepticism formally retracted
A year after being clumsily removed from the web following complaints, a controversial paper about “the possible role of conspiracist ideation in the rejection of science” is being retracted. The paper, “Recursive fury: Conspiracist ideation in the blogosphere in response to research on conspiracist ideation,” was authored by Stephan Lewandowsky, John Cook, Klaus Oberauer, and Michael Marriott, and published in Frontiers in Psychology: Personality Science and Individual Differences. Here’s the retraction notice, which isn’t live on the journal’s site yet:

“In the light of a small number of complaints received following publication of the original research article cited above, Frontiers carried out a detailed investigation of the academic, ethical and legal aspects of the work. This investigation did not identify any issues with the academic and ethical aspects of the study. It did, however, determine that the legal context is insufficiently clear and therefore Frontiers wishes to retract the published article. The authors understand this decision, while they stand by their article and regret the limitations on academic freedom which can be caused by legal factors.”

Weiterlesen auf retractionwatch.

Der beleidigte Hauptautor der Studie, Stephan Lewandowsky, behauptete sogleich, die Zeitschrift wäre von Klimaskeptikern bedroht worden und wäre gezwungen worden, die Arbeit zurückzuziehen. Die Zeitschrift meldete sich daraufhin mit einer offiziellen Stellungnahme, in der sie diese Verschwörungstheorie als falsch beschrieb. Retraction Watch am 4. April 2014: (weiterlesen …)

REKLIM Klimakonferenz in Berlin, 6.-9. Oktober 2014

Vom 6.-9. Oktober 2014 findet in Berlin die REKLIM-Konferenz “Our Climate – Our Future, Regional perspectives on a global challenge” statt. Webseite der Veranstaltung hier.

Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics findet Zyklen mit Perioden um 2300 und 1000 Jahren in globalen Klimaarchiven

Im Juli 2014-Heft der angesehenen Fachzeitschrift Earth-Science Reviews erscheint ein Artikel einer Forschergruppe um Willie Soon vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics im US-amerikanischen Cambridge (Massachusetts), in dem es um klimatische Zyklen und ihre möglichen solaren Auslöser geht. Im Rahmen einer umfangreichen Datenanalyse identifizierten die Wissenschaftler gleich drei wichtige Zyklen, von denen wir in unserem Buch den 2300-Jahres-Hallstatt sowie den 1000-Jahres-Eddyzyklus vorgestellt haben. Bei weiteren Zyklen im Bereich von 1500-1800 Jahren ist noch unklar, ob es sich um klimasysteminterne Ozeanzyklen oder abgeleitete Sonnenzyklen handelt.

Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit:

A review of Holocene solar-linked climatic variation on centennial to millennial timescales: Physical processes, interpretative frameworks and a new multiple cross-wavelet transform algorithm

We report on the existence and nature of Holocene solar and climatic variations on centennial to millennial timescales. We introduce a new solar activity proxy, based on nitrate (NO3) concentration from the Talos Dome ice core, East Antarctica. We also use a new algorithm for computing multiple-cross wavelet spectra in time–frequency space that is generalized for multiple time series (beyond two). Our results provide a new interpretive framework for relating Holocene solar activity variations on centennial to millennial timescales to co-varying climate proxies drawn from a widespread area around the globe. Climatic proxies used represent variation in the North Atlantic Ocean, Western Pacific Warm Pool, Southern Ocean and the East Asian monsoon regions. Our wavelet analysis identifies fundamental solar modes at 2300-yr (Hallstattzeit), 1000-yr (Eddy), and 500-yr (unnamed) periodicities, leaves open the possibility that the 1500–1800-yr cycle may either be fundamental or derived, and identifies intermediary derived cycles at 700-yr and 300-yr that may mark rectified responses of the Atlantic thermohaline circulation to external solar modulation and pacing. Dating uncertainties suggest that the 1500-yr and 1800-yr cycles described in the literature may represent either the same or two separate cycles, but in either case, and irrespective too of whether it is a fundamental or derived mode in the sense of Dima and Lohmann (2009), the 1500–1800-yr periodicity is widely represented in a large number of paleoclimate proxy records. It is obviously premature to reject possible links between changing solar activity at these multiple scales and the variations that are commonly observed in paleoclimatic records.