Irlands heißester Tag ereignete sich vor 131 Jahren

Im Pariser Klimavertrag haben viele Nationen versprochen, ihre CO2-Emissionen in Zukunft drastisch zu senken. Aber wie verlässlich sind diese Versprechungen? Roger Andrews hat auf Energy Matters die Situation der einzelnen Länder und Ländergruppen detailliert unter die Lupe genommen:

The Paris Climate Agreement – promises, promises
We’ ve discussed the difficulties of lowering global emissions quickly enough to meet the Paris Agreement’s not-to-exceed-2°C target in a number of previous posts but have never presented any details on what individual countries propose to do. Here I provide brief synopses of the “Intended Nationally Developed Contributions” (INDCs) submitted to the Paris Conference by the world’s eleven top CO2 emitters. Hopefully readers will find them instructive. (Why eleven and not ten? Partly because Australia comes eleventh, and our Oz correspondents will be encouraged to learn that Australia’s emissions are lower than those of the Democratic Republic of the Congo, and partly because Australia comes tenth when we exclude the USA, which hasn’t ratified the Paris Agreement.). The data presented here are from the individual country INDC submissions supplemented by summaries provided by Carbon Brief and other sources listed in the text.

Weiterlesen auf Energy Matters

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Im Blog von Wiser gibt es eine interessante interaktive Infografik zum Thema „Klimawandel in Europa“. Sie zeigt, in welchem Jahr die höchste Temperatur in den einzelnen europäischen Ländern gemessen wurde. Die Infografik visualisiert:

  • 55,8 % der Länder hatten ihren heißesten Tag in den Jahren zwischen 2000 und 2017
  • Nur bei 23,2 % der Nationen Europas kam der heißeste Tag zwischen 1970 und 1999 vor
  • Lediglich 21 % erlebten den größten Hitzetag vor 1970

Wussten Sie, dass Schweden seinen heißesten Tag am 9. Juli 1933 hatte? Und die Niederlande am 23. August 1944? Hier können Sie die ganze Statistik anschauen. Allerdings wurden nur die letzten 140 Jahre erfasst. Noch interessanter wäre es gewesen, auch mit der letzten natürlichen Wärmephase zu vergleichen, der Mittelalterlichen Wärmeperiode. Es gilt anzunehmen, dass etliche Rekorde dann wohl ins Mittelalter wandern würden…

 

Kohle weltweit auf dem Rückzug? International Energy Agency sagt bis 2022 jährliche Steigerung der Kohleproduktion um 1% voraus

Florian Freistetter betreibt das Blog „Astrodicticum Simplex“, wo er seit 2007 mehr als 6000 Beiträge über Klimawandel, Astronomie und viele andere Themen geschrieben hat. Dabei ist er fest auf der IPCC-Seite verankert. Die Klimaaktivistenplattform “Klimafakten” hat ihn nun interviewt:

KLIMAFAKTEN: Auf Ihrem Blog haben Sie im vergangenen Jahr eine Serie zu Klimawandel-Mythen veröffentlicht – in zehn Teilen nehmen Sie dort gängige Thesen aus der Szene der Klimawandelleugner auseinander. Anders als wir bei klimafakten.de tun Sie dies allerdings auf saloppe Art und Weise – und mit einem Schuss Humor. Wie kam es dazu?

FREISTETTER: Ich gehöre seit bald drei Jahren zum Ensemble der “Science-Busters”, die 2007 vom Physik-Professor Heinz Oberhummer und dem Kabarettisten Martin Puntigam gegründet wurden, um sich an einem neuen Ansatz der Wissensvermittlung zu versuchen. Viele Menschen gehen ja nur ungern in theorie-lastige Vorträge. Deshalb präsentieren wir Wissenschaft im Rahmen eines Kabarett-Programms: Da geht man gern hin und nimmt trotzdem etwas mit.

Wir hatten uns damals eine seiner Folgen angeschaut, was ziemlich peinlich endete. Es ist nichts dagegen einzuwenden, etwas spaßig über wissenschaftliche Themen zu berichten. Aber die Inhalte müssen halt stimmen. Und das war beim Thema Klimawandel einfach oft nicht gegeben. Insofern lieber weniger Klamauk und dafür mehr Fakten.

KLIMAFAKTEN: Wissen Sie denn, wer Ihre Texte liest?

FREISTETTER: Ich habe ein paar Hunderttausend Seitenaufrufe pro Monat. Ich kann natürlich nur von jenen sprechen, von denen ich direktes Feedback bekomme: Das sind viele Leute, die sich allgemein für Wissenschaft interessieren, aber keine Wissenschaftler sind. Manchmal sind es auch fachfremde Wissenschaftler. Viele meiner Leser sind auch junge Leute, die in einige Themen reinschnuppern wollen oder ältere Leute, die nach ihrem Berufsleben anfangen, sich für neue Themen zu interessieren. Deshalb versuche ich die Texte auch so zu schreiben, dass man keine Vorbildung mitbringen muss. Das heißt aber nicht, dass man keine komplizierten Dinge erklären kann – ganz im Gegenteil. Das ist gerade die Herausforderung.

KLIMAFAKTEN: Wie haben die Leser auf die Klimamythen-Serie reagiert?

FREISTETTER: Der Klimawandel ist kontroverser als andere Themen – auch weil er politische und gesellschaftliche Folgen nach sich zieht und fast jeder eine Meinung dazu hat. Es war deshalb nicht überraschend, dass im Kommentarbereich unter den Beiträgen viel mehr Leute als üblich mitdiskutierten. Das geht mir auch bei anderen umstrittenen Themen so, beispielsweise bei Gentechnik oder der Auseinandersetzung mit astrologischen Thesen. Zum Klimawandel habe ich aber auch viele positive Reaktionen bekommen. 

Freistetter hält sich überraschend bedeckt, lässt sich von den aggressiven Formulierungen von Klimafakten-Redakteurin Susanne Götze nicht aus der Reserve locken. Das ist erfreulich. Vielleicht hat er bei seinen Recherchen zum Klimawandel dann doch das eine oder andere gelernt, was sich nicht unter den IPCC-Hut bringen lässt. Ganzes Interview hier lesen.

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News4Teachers.de berichtete am 27. März 2018:

In der Arktis gab’s im Winter noch nie so wenig Eis wie in diesem Jahr: Polarforscher diskutieren Klimawandel in Rostock
[...] Der kalte Süden, der antarktischen Kontinent, sei bisher stabil, erklärte der Professor [Ulf Karsten, Biologie-Professor am Rostocker Institut für Biowissenschaften]. Anders als um den Nordpol, wo in einem Winter noch nie so wenig Eis gemessen wurde wie in diesem Jahr, gebe es am Südpol keinen Gletscherverlust. Die antarktische Halbinsel allerdings, die der Südspitze Südamerikas gegenüberliegt, zeige ähnliche Anzeichen wie die Nordpolarregion. Ob es sich dabei aber um Auswirkungen der Erderwärmung handele, werde wissenschaftlich noch kontrovers diskutiert. [...]

Was sagt das Dänische Meteorologische Institut dazu?

Abbildung 1: Arktische Meereisausdehnung laut Dänischem Meteorologischem Institut.

 

Der Anfang des Winters (2017) ist in der Abbildung hellblau, das Ende (2018) schwarz. Keine der beiden Kurven stellt einen Negativrekord dar. Falschmeldung! Vielleicht bezieht sich der Herr Professor auf die NSIDC-Daten? Die scheinen jedoch nicht sehr belastbar zu sein, da sich die Methodik der Erhebung offenbar gerade verändert hat. Den Dänen kann man hier auf jeden Fall mehr Vertrauen schenken. Die armen Lehrer, die hier in die Irre geführt werden.

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Friederike Meier am 22. März 2018 auf Klimaretter:

Kohle weltweit auf dem Rückzug
Schon in wenigen Jahren könnte die Zahl der Kohlekraftwerke weltweit abnehmen. Doch selbst um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, kommt diese Wende zu spät, ergibt eine Analyse von US-Umweltorganisationen.

Der Rückgang der Kohle scheint sich fortzusetzen. Wie die US-Umweltorganisationen Coalswarm, Sierra Club und Greenpeace USA in einer Untersuchung schreiben, wurden im vergangenen Jahr Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 25 Gigawatt vom Netz genommen. Die Organisationen haben einen solchen Report mit dem Titel “Boom and Bust” (Aufschwung und Krise) schon in den vergangenen Jahren herausgegeben und berichten zum wiederholten Mal vom Beginn der Kohlewende.

Weiterlesen beim Klimaretter.

Stimmt das wirklich, dass die Menschheit immer weniger Kohle benutzt? Das ist nicht schwer zu überprüfen. Wir schauen in die BP Statistical Review of World Energy:

Abbildung 2: Globale Kohleproduktion seit 1991. Quelle: BP.

 

In der Tat hat die Kohleproduktion in den letzten Jahren leicht abgenommen (Abbildung 2). Aber ist das schon eine Trendwende oder nur Ausdruck einer kurzen wirtschaftlichen Wachstumspause in China und anderswo? Die International Energy Agency IEA hat auf ihrer Webseite eine detaillierte Analyse der Entwicklung. Auszug:

Coal’s share in the global energy mix is forecast to decline from 27% in 2016 to 26% in 2022 on sluggish demand growth relative to other fuels. Growth through 2022 is concentrated in India, Southeast Asia and a few other countries in Asia. Coal demand declines in Europe, Canada, the United States and China, the largest coal consumer by far, and where we forecast a structural but slow decline with some fluctuations linked to short-term market requirements. As a result of these contrasting trends, global coal demand reaches 5 530 Mtce in 2022, which is only marginally higher than current levels, meaning that coal use all but stagnates for around a decade. Although coal-fired power generation increases by 1.2% per year in the period 2016-22, its share of the power mix falls to just below 36% by 2022, the lowest level since IEA statistics began.

Das klingt doch schon ganz anders als beim Klimaretter…

 

Die Autoren des 6. IPCC-Berichts im Schnell-Check

Daniel Wetzel am 18. Januar 2018 in der Welt:

Klimaschutz kostet uns 2.300.000.000.000 Euro
Schon das Minimalziel des Pariser Klima-Abkommens erfordert von Deutschland Zusatzausgaben in Billionen-Höhe. Das belegt eine Studie des BDI. Die CO2-Einsparung produziert in vier von fünf Fällen wirtschaftliche Verlierer.

Weiterlesen in der Welt.

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Vor 5 Jahren erschien eine globale und kontinentweise Temperaturrekonstruktion der PAGES2k-Gruppe. Kenneth Richards hat die Arbeit auf notrickszone analysiert und weist auf eine interessante Korrektur hin, die zwei Jahre später erschien. Weder Orignalversion, noch Korrektur sind übrigens im IPCC AR5-Bericht enhalten – weil sie nach Redaktionsschluss bzw. nach Veröffentlichung erschienen.

Image adapted from PAGES 2k, 2015

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Des öfteren möchte man wissen, ob ein bestimmter Forscher mit dem IPCC verbandelt ist oder nicht. Man kann dann Google fragen und den Namen sowie “IPCC” eingeben. Aber es geht auch besser. Der IPCC selber bietet nun eine Suchfunktion an. Dort kann man den jeweiligen Bericht auswählen und dann die Namen der Autoren samt Foto auflisten lassen. Das probieren wir gleich mal aus, zum Beispiel für den geplanten 6. Klimazustandsbericht (AR6) des IPCC, dessen Autoren gerade ausgewählt wurden. Einleitungs-Kapitel 1, Arbeitsgruppe 1 hier. Dort treffen wir z.B. auf Edward Hawkins, der die Basiperiode des 2-Gradziels gerne noch weiter in die Kleine Eiszeit verlegen würden, nämlich 1720-1800. Das ist natürlich quatsch, denn die Basislinie muss einem Mittelwert der vorindustriellen Zeit entsprechen, nicht einem Kaltextrem. Siehe Lüning & Vahrenholt 2017.

Mit dabei ist auch Malte Meinshausen, Greenpeace-nah und wohl nicht besonders ausgewogen in seinen Klimaansichten. Co-Autorin ist zum Glück aber auch Kim Cobb. Sie räumte im April 2014 im IPCC-nahen Fachblatt Nature Climate Change ein, dass die Klimasensitivität wohl doch insgesamt niedriger ist als gedacht. Man habe die natürliche Klimavariabilität auf der Südhalbkugel wohl unterschätzt.

In Kapitel 4 treffen wir auf einen alten Bekannten: Jochem Marotzke. Er darf am AR6 mitschreiben und wird sich als Klimaschiedsrichter vermutlich sehr positiv zur Leistungsfähigkeit seiner eigenen Klimamodelle äußern. In Kapitel 5 sehen wir Kirsten Zickfeld aus Kanada, eine ehemalige PIK-Mitarbeiterin. Sie durfte schon beim 1,5-Gradspezialbericht des IPCC mitschreiben, hat sich offenbar als politisch zuverlässig erwiesen. Überhaupt ergibt die Suche nach dem Begriff “Potsdam” bei den IPCC-Berichten gleich zwei Ergebnisseiten mit Autoren. Anders Levermann durfte beim AR4, AR5 und AR6 mitschreiben. Eine tolle Serie. Sein Kollege Stefan Rahmstorf war zuletzt beim AR4 mit dabei.

 

Der Klimawandel führt zu Konflikten: eine steile These

Lesenswerter Beitrag des SRF am 20. März 2018:

Der Klimawandel führt zu Konflikten: eine steile These
Zahlreiche Studien kochen das Konfliktpotential der Erderwärmung hoch. Sie prophezeien gewaltsame Konflikte und grosse Völkerwanderungen. Doch wissenschaftlich sind die meisten dieser Studien nicht haltbar.

Klimawandel führt zu Konflikten. Diese Schlussfolgerung ist einprägsam, aber falsch. Die Skepsis gegenüber der Klima-Konflikt-Hypothese wächst schon eine Weile. Trotzdem stricken viele Forscher noch immer fleissig weiter an dieser These – selbst in angesehenen Fachmagazinen.

In der Zeitschrift Science wagten kürzlich zwei Autoren aufgrund eines simplen Vergleichs zwischen Durchschnitts-Temperaturen in Afrika und Asylanträgen in der EU die kühne Prognose, Link öffnet in einem neuen Fenster: Die Zahl der Asylsuchenden werde sich in den kommenden Jahrzehnten vervielfachen.

Weiterlesen beim SRF.

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Ein Geographie-Professor der University of Cincinnati hat eine interaktive Klimakarte gebastelt, die er ClimateEx nennt. In einer Pressemitteilung wird ClimateEx detailliert beschrieben. Zur Karte selber geht es hier. So richtig intuitiv ist das Ganze nicht. Gibt es schlaue Leser, die hier den Durchblick haben? Bitte melden!

Um einiges benutzerfreundlicher ist diese Online-Karte des New Scientist, die für Orte der ganzen Welt die Temperaturentwicklung der letzten 150 Jahre zeigt. Irgendwann war es dem New Scientist aber zu ungeheuer, denn so konnte Jedermann ganz schnell Behauptungen aus der Presse selber überprüfen. Soviel Transparenz war dann wohl schon zu viel. Also verschwand die Karte wieder und kann heute nur noch auf der privaten Webseite des Erstellers aufgerufen werden.

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Die Potsdamer Clique hat wieder zugeschlagen. RBB am 29. März 2018:

Für das Engagement gegen den Klimawandel – Klaus Töpfer wird Ehrendoktor der Uni Potsdam
Der frühere Bundesumweltminister und ehemalige Leiter des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer (CDU), erhält die Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam.

Der Wissenschaftler und Politiker werde dafür geehrt, mit seinem “unermüdlichen Engagement und Wirken” globale Gefahren wie den Klimawandel in den Fokus der Politik gerückt zu haben, teilte die Universität am Donnerstag mit. Die heute verbreitete Einsicht, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema internationaler Kooperationen bedürfe, sei dem 79-Jährigen zu verdanken, so die Universität.

Weiterlesen beim RBB. Siehe auch Artikel in den PNN.

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Michael Krüger schrieb am 29. März 2018 im ScienceSkepticalBlog über Stefan Rahmstorf und den Jetstream.

 

Klimawandel in Nordrhein-Westfalen

Von Sebastian Lüning

Im Zuge der globalen Industrialisierung und Nutzung fossiler Brennstoffe ist die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre mittlerweile auf den höchsten Stand seit 800.000 Jahren gestiegen. Gleichzeitig hat sich die Temperatur der Erde in den letzten 150 Jahren um knapp ein Grad erhöht. Der genaue quantitative Anteil menschengemachter und natürlicher Klimafaktoren an dieser Erwärmung ist jedoch noch immer unklar und ist an die nur ungenau bekannte Klimawirkung des CO2, die sogenannte CO2-Klimasensitivität gekoppelt. Um den natürlichen Anteil am aktuellen Klimawandel besser verstehen zu können, ist eine Beschäftigung mit der vorindustriellen Klimageschichte notwendig. Erst wenn die natürliche Klimadynamik der letzten Jahrtausende korrekt aufgezeichnet und die entsprechenden Antriebe verstanden sind, kann das heutige Gesamtklimasystem bestehend aus natürlichen und anthropogenen Antrieben vollständig begreifbar und quantitativ abschätzbar werden.

Große Bedeutung kommt vor allem früheren natürlichen Wärmeepisoden zu, die sich etwa alle 1000-2000 Jahre lokal bis global ereignet haben und deren genaue Ursachen sich noch in der Erforschung befinden. In vielen Darstellungen zum Klimawandel mangelt es leider an einer solchen klimahistorischen Weitsicht. So beginnt die Betrachtung in den Klimazustandsberichten zu Nordrhein-Westfalen (NRW) erst im Jahr 1880 (LANUV, 2010, 2016). Der Herausgeber der Berichte, das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV), versäumt es in eklatanter Weise, die aktuellen klimatischen Veränderungen in einen längerfristigen Kontext einzuordnen. Dabei entspricht das Jahr 1880 dem Ende der sogenannten Kleinen Eiszeit (15.-19. Jahrhundert), einer der kältesten Episoden in der Klimageschichte der vergangenen 10.000 Jahre.

Somit bezieht das LANUV sämtliche Betrachtungen auf eine klimatische Sonderphase. Das ist ungewöhnlich, weicht es doch von der sonst üblichen wissenschaftlichen Praxis ab, die Geschehnisse mit langjährigen Durchschnittswerten, der sogenannten Basislinie (‚baseline‘) zu vergleichen (Lüning and Vahrenholt, 2017). Geeigneter wäre beispielsweise die Durchschnittstemperatur der letzten 2000 oder 10.000 Jahre gewesen, wobei mehrere natürliche Kalt-/Warmphasen einbezogen worden wären. Erst die Einordnung in den längerfristigen klimatischen Kontext ermöglicht es zu entscheiden, inwieweit die aktuellen klimatischen Änderungen den Bereich der natürlichen Schwankungsbreite bereits verlassen haben.

Im Folgenden soll daher beispielhaft die Temperaturentwicklung von Nordrhein-Westfalen (NRW) und Nachbarregionen dargelegt werden. Zudem wird der aktuelle Diskussionsstand zur Validierung von Klimamodellen und der CO2-Klimasensitivität zusammengefasst.

 

Klimaentwicklung in NRW während der letzten 100, 1000 und 10.000 Jahre

Letzte 100 Jahre

Die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur in NRW hat sich auf Basis von Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in den letzten 135 Jahren um etwa anderthalb Grad erhöht (Abb. 1).

Abb. 1: Entwicklung der Jahresdurchschnittstemperatur in Nordrhein-Westfalen während der vergangenen 135 Jahre. Quelle: DWD.

 

Letzte 1000 Jahre

Die Moderne Wärmephase ist nicht die einzige Erwärmungsperiode in der nacheiszeitlichen Klimageschichte. Bereits im Mittelalter vor 1000 Jahren ereignete sich eine Warmphase, die besonders gut aus dem nordatlantischen Raum bekannt ist, aber auch in vielen Regionen der restlichen Welt ausgeprägt war, z.B. in Afrika (Lüning et al., 2017). So wurde die Mittelalterliche Wärmeperiode (MWP) bzw. Mittelalterliche Klimaanomalie (MCA) auch aus dem NRW-Nachbarland Rheinland-Pfalz (RP) beschrieben. Moschen et al. (2011) rekonstruierten die Temperaturgeschichte anhand von Kohlenstoffisotopen in einem Torfkern aus dem Dürren Maar. Dabei fanden sie eine Erwärmung von mehr als 5°C im Übergang der Kälteperiode der Völkerwanderungszeit (500-700 n. Chr.) zur MWP (Abbildung 2). In diesem Zusammenhang traten offenbar starke Erwärmungsschübe auf, bei denen die Temperaturen auf natürliche Weise innerhalb weniger Jahrzehnte um mehrere Grad nach oben schnellten. Insofern scheint weder das heutige Temperaturniveau, noch die heutige Erwärmungsrate im Raum NRW-RP im historischen Kontext beispiellos zu sein.

 

Abb. 2: Temperaturentwicklung des Dürren Maar (Eifel) während der letzten 2000 Jahre basierend auf einer Temperaturrekonstruktion anhand von Zellulose-Kohlenstoffisotopen eines Torfkerns. Nullpunkt der Temperatur-Anomalieskala liegt etwas über dem Temperaturdurschnitt der letzten 2000 Jahre (Kleine Eiszeit fehlt). Linke Kurve: Ungeglättete Daten. Rechte Kurve: Gleitender Mittelwert über 60 Jahre. Daten digitalisiert von Moschen et al. (2011).

 

Letzte 10.000 Jahre

Erweitert man den Referenzzeitraum auf die letzten 10.000 Jahre, so wird klar, dass es eine ganze Reihe von Warm- und Kältephasen in vorindustrieller Zeit gegeben hat. In der Wissenschaft wird hier von klimatischen Millenniumszyklen gesprochen, da sich die Änderungen im Takt von 1000-2000 Jahren ereigneten. Die Zyklen sind aus allen Erdteilen beschrieben worden (Lüning and Vahrenholt, 2016) und könnten zumindest einen Teil ihres Antrieb aus der schwankenden Sonnenaktivität beziehen (Bond et al., 2001). Andere Forscher nehmen einen klimasysteminternen Puls an.

Eine derartige Millenniumszyklik wurde auch in der sauerländischen Bunkerhöhle von Fohlmeister et al. (2012) nachgewiesen. Rhythmische Änderungen in den Sauerstoffisotopen- in Tropfsteinen zeigen über die vergangenen 11.000 Jahre einen fortlaufenden natürlichen Klimawandel, bei dem das System zwischen warm/feucht und kalt/trocken schwankte (Abb. 3). Der Wechsel zwischen der Kältephase der Völkerwanderungszeit, MWP und Moderner Wärmeperiode ist in der Höhlenrekonstruktion gut erkennbar.

Abb. 3: Natürliche Klimaschwankungen im Sauerland während der vergangenen 11.000 Jahre, rekonstruiert auf Basis von Sauerstoffisotopenschwankungen (δ18O) von Tropfsteinen der Bunkerhöhle. Einheit in Promille der Sauerstoffisotope. CWP=Moderne Wärmeperiode (Current Warm Period), MWP=Mittelalterliche Wärmeperiode, DACP=Kälteperiode der Völkerwanderungszeit (Dark Ages Cold Period), RWP=Römische Wärmeperiode. Alterskala zeigt Jahre vor 1950 (Years BP, before ‚present‘=1950). Daten von Fohlmeister et al. (2012), heruntergeladen von https://www.ncdc.noaa.gov/paleo/study/20589

 

Eine besonders warme Phase stellte das sogenannte Holozäne Thermische Maximum (HTM) dar, das sich in der Zeit 8000-5500 Jahre vor heute ereignete. Kühl and Moschen (2012) rekonstruierten die Temperaturen dieser Klimaepisode für das Dürre Maar anhand von Pollen. Es zeigte sich, dass die Temperaturen in der Eifel damals um mehr als ein Grad über dem heutigen Wärmeniveau lagen (1990-2017, Abb. 1), bzw. fast zwei Grad, wenn man das kühlere Referenzintervall 1961-1990 zum Maßstab nimmt. Die Juli-Temperaturen der Eifel lagen während des HTM bei 18,0-18,5°C, wohingegen an der nächstgelegenen Wetterstation Manderscheid im DWD-Referenzintervall 1961-1990 ein Juli-Durchschnittswert von 16,3°C gemessen wurde (Kühl and Moschen, 2012).

Das Fachgebiet der Paläoklimatologie hat in den letzten 15 Jahren große Fortschritte gemacht, und es wurde in der ganzen Welt eine Vielzahl von neuen lokalen Temperaturrekonstruktionen erstellt. Die regionale und überregionale Synthese dieser Daten hinkt dabei allerdings noch etwas hinterher. So gibt es bis heute noch immer keine robuste globale Temperaturrekonstruktion für die vergangenen 10.000 Jahre, bei der sowohl Land- als auch Meerstemperasturen integriert sind. Die vielzitierte Kurve von Marcott et al. (2013) stützt sich fast ausschließlich auf Meerestemperaturen, deren Temperaturänderung jedoch aufgrund der thermischen Trägheit der Ozeane sehr viel weniger stark ausfällt als an Land. Eine globale Temperaturrekonstruktion für die letzten 2000 Jahre durch das PAGES 2k Consortium (2013) fand, dass es in der Zeit 1-600 n. Chr. offenbar bereits mehrfach mindestens genauso warm gewesen ist wie heute. Allerdings ist auch hier noch mit Änderungen zu rechnen, da die Rekonstruktion stark auf Baumringdaten setzt, die in vielen Fällen aus unveröffentlichten und nichtbegutachteten Quellen stammen. Zudem scheinen in die Mittelwerte auch andere ungeeignete Daten eingearbeitet worden zu sein (Beispiel Afrika: Lüning et al., 2017). Insofern sollte hier zunächst verstärkt auf verlässlichere lokale Temperaturserien wie die Bunkerhöhle und das Dürre Maar gesetzt werden, bis in Zukunft hoffentlich bald verbesserte globale Temperaturkurven verfügbar werden.

 

Unvollständige Validierung der Klimamodelle

Die Klimaprognosen bis zum Jahr 2100 basieren auf theoretischen Klimasimulationen. Um die Verlässlichkeit der Simulationen zu gewährleisten, müssen die entsprechenden Klimamodelle zunächst an der bekannten Klimaentwicklung geeicht werden. Die Modelle müssen in einer sogenannten Rückwärtsmodellierung (englisch: Hindcast, History Match) zeigen, dass sie die gemessene bzw. paläoklimatologisch rekonstruierte Temperaturgeschichte reproduzieren können. Während die Erwärmung der letzten 150 Jahre von den Modellen in der Regel ohne größere Probleme dargestellt werden kann, konnten die vorindustriellen Wärmephasen bisher nicht zufriedenstellend reproduziert werden. Dies räumt auch der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) unumwunden in seinem letzten Klimabericht in Bezug auf die Mittelalterliche Klimaanomalie (MCA) ein (Kapitel 5.3.5 in IPCC, 2013). Die schlechte Reproduktionsleistung der Klimamodelle für die Zeit vor der Kleinen Eiszeit wurde in zahlreichen Fachpublikationen festgestellt und bemängelt (z.B. Büntgen et al., 2017; Marcott et al., 2013; Zhang et al., 2017).

Bei näherer Betrachtung verwundert es jedoch kaum, dass die Modelle die vorindustriellen natürlichen Klimaschwankungen nicht reproduzieren können. In den Simulationen geht der Einfluss natürlicher Klimafaktoren bereits vom Ansatz her gegen Null (Abb. 4). Allenfalls wird den vorindustriellen Simulationen ein gewisses Maß an unsystematischem Rauschen zugebilligt. Angesichts der bedeutenden systematischen Temperaturschwankungen in vorindustrieller Zeit deutet vieles auf einen klassischen Ansatzfehler in den Modellierungen hin. Angesichts der mangelhaften Kalibrierung der Klimamodelle an den vorindustriellen Wärmephasen sollten Ergebnisse aus den Klimasimulationen bis zur endgültigen Klärung der enormen Diskrepanzen mit äußerster Vorsicht behandelt werden.

 

Abb. 4: Vom IPCC angenommene Bedeutung anthropogener und natürlicher Klimafaktoren, ausgedrückt als Strahlungsantrieb während der industriellen Ära (1750–2011). WMGHG=gut durchmischte Treibhausgase (well mixed greenhouse gases). Abbildung aus IPCC (2014).

 

Klimawirkung des CO2

Das Treibhausgas CO2 wirkt erwärmend. Der genaue Erwärmungsbetrag ist jedoch noch immer schlecht bekannt und wird vom IPCC seit seinem ersten Klimabericht 1990 im Bereich von 1,5-4,5°C pro CO2-Verdopplung vermutet. Dieser große mit Faktor 3 behaftetet Unsicherheitsbereich hat sich trotz großer Forschungsanstrengungen bis heute nicht verringert. Während in früheren IPCC-Berichten noch ein bester Schätzwert von 3,0°C angegeben wurde, verzichtete der IPCC in seinem letzten Bericht auf diese Angabe, da unter den beteiligten Forschern kein Konsens erzielt werden konnte. Vieles deutet mittlerweile auf einen Wert in der unteren Hälfte des Spektrums hin. Insbesondere der Bereich von 1,6-2,2°C findet viele Unterstützer in der Fachwelt (Lewis and Curry, 2015; Mauritsen and Pincus, 2017; Mauritsen and Stevens, 2015; Otto et al., 2013).

In den letzten Jahren wurde immer klarer, dass der Einfluss natürlicher Ozeanzyklen offenbar unterschätzt und die Kühlwirkung durch Aerosole überschätzt wurde (z.B. Malavelle et al., 2017; Santer et al., 2017). Angesehene Klimawissenschaftler wie Reto Knutti und Gabriele Hegerl scheinen die Öffentlichkeit bereits auf die bevorstehende Abwärts-Revision des Wertes der CO2-Klimasensitivität vorzubereiten und erklären, dass die Klimaschutzbemühungen auch bei niedrigeren Werten auf jeden Fall fortzusetzen seien (Knutti et al., 2017). Auch wenn dies prinzipiell richtig ist, sollte dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass niedrigere Werte den Bedrohungsgrad stark herabsetzen und mehr Zeit für eine nachhaltigere Planung der vorzunehmenden Maßnahmen gibt.

 

Schlussfolgerungen

–In vorindustrieller Zeit traten in NRW und anderswo bedeutende klimatische Schwankungen auf, die das moderne Temperaturniveau zum Teil sogar überschritten haben

–Dabei wurden klimatische Änderungsraten verzeichnet, die mit den heutigen Raten vergleichbar sind.

–Offizielle NRW-Berichte sparen die vorindustrielle Klimaentwicklung aus unerfindlichen Gründen aus.

–Gängige Klimamodelle können die vorindustrielle Klimageschichte nicht reproduzieren, was auf grundlegende Probleme bei der Zuordnung (Attribution) von anthropogenen und natürlichen Klimaantrieben hindeutet.

–Die Erwärmungswirkung von CO2 ist auch nach mehreren Jahrzehnten Forschung nur äußerst ungenau bekannt. Die möglichen klimatischen Folgen dieser Bandbreite reichen von „katastrophal“ bis „beherrschbar“. Vieles deutet mittlerweile auf eine schwächere Wirkung hin.

 

Empfehlungen

–Das Thema der vorindustriellen natürlichen Klimavariabilität darf kein Tabu-Thema bleiben. Auch die Klimadiskussion kann aus der Geschichte lernen, muß klimahistorische Fakten anerkennen und einbeziehen.

–Behörden, Politiker und Forscher müssen die enorme natürliche Klimavariabilität der vorindustriellen Zeit aktiv kommunizieren. Ein fortgesetztes Verschweigen setzt sie dem Vorwurf mangelnder Transparenz aus. Die Klimageschichte beginnt nicht erst am Ende der Kleinen Eiszeit um 1880.

–Geeignete Maßnahmen sollten ergriffen werden, um die CO2-Klimasensitivität und die damit verbundenen natürlichen und anthropogenen Anteile der Erwärmung der letzten 150 Jahre endlich enger einzugrenzen. Die aktuelle große Spannbreite stellt keine robuste Planungsgrundlage für weitreichende Änderungen der Industriestruktur dar.

–Es wird empfohlen, ein gezieltes paläoklimatologisches Forschungsprogramm für nur lückenhaft verstandene Regionen der Erde ins Leben zu rufen, um dringend benötigte, robuste Kalibrierungsdaten für die Klimasimulationen zu erhalten. Die entsprechenden Methoden hierzu sind bereits entwickelt, so dass das Programm zügig starten und schnell Ergebnisse liefern könnte.

–Klimaprognosen sollten nur von Klimamodellen akzeptiert werden, die sich in der Rückwärtsmodellierung mindestens der letzten 2000 Jahre bewährt haben. Zunächst muss die bekannte Temperaturentwicklung der letzten 2000 Jahre erfolgreich von den Modellen reproduziert werden, bevor sie sich an Zukunftssimuationen versuchen. Dies ist eine unverzichtbare Maßnahme zur Qualitätssicherung, die in allen anderen Bereichen der Modellierung fest etabliert ist (Hindcast, History Match). Die Klimawissenschaften dürfen hier keinen Sonderstatus für sich beanspruchen. Eine Rückwärtsmodellierung beginnend am Ende der Kleinen Eiszeit greift zu kurz, da das Intervall keine natürlichen Wärmephasen enthält.

–Politische Maßnahmen sollten angesichts der großen Unsicherheiten im Bereich der Klimasimulationen dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit folgen. Alarmismus ist hier fehl am Platz, stattdessen sollten alle gesellschaftlichen Herausforderungen gleichberechtigt behandelt werden und einer nüchternen Betrachtung von Aufwand und Nutzen genügen.

 

Literatur

Bond, G., Kromer, B., Beer, J., Muscheler, R., Evans, M. N., Showers, W., Hoffmann, S., Lotti-Bond, R., Hajdas, I., and Bonani, G., 2001, Persistent Solar Influence on North Atlantic Climate During the Holocene: Science, v. 294, p. 2130-2136.

Büntgen, U., Krusic, P. J., Verstege, A., Sangüesa-Barreda, G., Wagner, S., Camarero, J. J., Ljungqvist, F. C., Zorita, E., Oppenheimer, C., Konter, O., Tegel, W., Gärtner, H., Cherubini, P., Reinig, F., and Esper, J., 2017, New Tree-Ring Evidence from the Pyrenees Reveals Western Mediterranean Climate Variability since Medieval Times: Journal of Climate, v. 30, no. 14, p. 5295-5318.

Fohlmeister, J., Schröder-Ritzrau, A., Scholz, D., Spötl, C., Riechelmann, D. F. C., Mudelsee, M., Wackerbarth, A., Gerdes, A., Riechelmann, S., Immenhauser, A., Richter, D. K., and Mangini, A., 2012, Bunker Cave stalagmites: an archive for central European Holocene climate variability: Climate of the Past, v. 8, p. 1751-1764.

IPCC, 2013, Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, Cambridge University Press, 1535 p.:

-, 2014, Klimaänderung 2014: Synthesebericht. Beitrag der Arbeitsgruppen I, II und III zum Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC): https://www.ipcc.ch/pdf/reports-nonUN-translations/deutch/IPCC-AR5_SYR_barrierefrei.pdf, p. 1-145.

Knutti, R., Rugenstein, M. A. A., and Hegerl, G. C., 2017, Beyond equilibrium climate sensitivity: Nature Geoscience, v. 10, p. 727.

Kühl, N., and Moschen, R., 2012, A combined pollen and δ18OSphagnum record of mid-Holocene climate variability from Dürres Maar (Eifel, Germany): The Holocene, v. 22, no. 10, p. 1075-1085.

LANUV, 2010, Klima und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Daten und Hintergründe: LANUV-Fachbericht, v. 27, p. 1-58.

-, 2016, Klimawandel und Klimafolgen in Nordrhein-Westfalen Ergebnisse aus den Monitoringprogrammen 2016: LANUV-Fachbericht, v. 74, p. 1-106.

Lewis, N., and Curry, J. A., 2015, The implications for climate sensitivity of AR5 forcing and heat uptake estimates: Climate Dynamics, v. 45, no. 3-4, p. 1009-1023.

Lüning, S., Gałka, M., and Vahrenholt, F., 2017, Warming and Cooling: The Medieval Climate Anomaly in Africa and Arabia: Paleoceanography, v. 32, no. 11, p. 1219-1235.

Lüning, S., and Vahrenholt, F., 2016, Chapter 16 – The Sun’s Role in Climate A2 – Easterbrook, Don J, Evidence-Based Climate Science (Second Edition), Elsevier, p. 283-305.

Lüning, S., and Vahrenholt, F., 2017, Paleoclimatological Context and Reference Level of the 2°C and 1.5°C Paris Agreement Long-Term Temperature Limits: Frontiers in Earth Science, v. 5, no. 104.

Malavelle, F. F., Haywood, J. M., Jones, A., Gettelman, A., Clarisse, L., Bauduin, S., Allan, R. P., Karset, I. H. H., Kristjánsson, J. E., Oreopoulos, L., Cho, N., Lee, D., Bellouin, N., Boucher, O., Grosvenor, D. P., Carslaw, K. S., Dhomse, S., Mann, G. W., Schmidt, A., Coe, H., Hartley, M. E., Dalvi, M., Hill, A. A., Johnson, B. T., Johnson, C. E., Knight, J. R., O’Connor, F. M., Partridge, D. G., Stier, P., Myhre, G., Platnick, S., Stephens, G. L., Takahashi, H., and Thordarson, T., 2017, Strong constraints on aerosol–cloud interactions from volcanic eruptions: Nature, v. 546, p. 485.

Marcott, S. A., Shakun, J. D., Clark, P. U., and Mix, A. C., 2013, A Reconstruction of Regional and Global Temperature for the Past 11,300 Years: Science, v. 339, no. 6124, p. 1198-1201.

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Otto, A., Otto, F. E. L., Boucher, O., Church, J., Hegerl, G., Forster, P. M., Gillett, N. P., Gregory, J., Johnson, G. C., Knutti, R., Lewis, N., Lohmann, U., Marotzke, J., Myhre, G., Shindell, D., Stevens, B., and Allen, M. R., 2013, Energy budget constraints on climate response: Nature Geosci, v. 6, no. 6, p. 415-416.

PAGES 2k Consortium, 2013, Continental-scale temperature variability during the past two millennia: Nature Geosci, v. 6, no. 5, p. 339-346.

Santer, B. D., Fyfe, J. C., Pallotta, G., Flato, G. M., Meehl, G. A., England, M. H., Hawkins, E., Mann, M. E., Painter, J. F., Bonfils, C., Cvijanovic, I., Mears, C., Wentz, F. J., Po-Chedley, S., Fu, Q., and Zou, C.-Z., 2017, Causes of differences in model and satellite tropospheric warming rates: Nature Geoscience, v. 10, p. 478.

Zhang, Y., Renssen, H., Seppä, H., and Valdes, P. J., 2017, Holocene temperature evolution in the Northern Hemisphere high latitudes – Model-data comparisons: Quaternary Science Reviews, v. 173, p. 101-113.

 

Forscher mit politischer Agenda?

Marc Morano hat ein interessantes neues Buch geschrieben, das den einen oder anderen Leser interessieren könnte: The Politically Incorrect Guide to Climate Change

WUWT berichtete über das Buch hier.

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Die globalen Temperaturen sind in den letzten anderthalb Jahrzehnten viel weniger stark angestiegen, als von den Klimamodellen einstmals prognostiziert. Alfred Brandenberger hat die Diskussion auf seiner Webseite dokumentiert.

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Interview der Basler Zeitung am 1. Februar 2018 mit dem Klimaforscher Nils-Axel Mörner:

«Diese Forscher haben eine politische Agenda»

Der Ozeanograph Nils-Axel Mörner stellt sich gegen den Weltklimarat und die Warnungen vor versinkenden Inseln.

Herr Mörner, Sie waren in letzter Zeit mehrmals auf der Inselgruppe ­Fidschi im Südpazifik, um dort Veränderungen der Küsten und des Meeresspiegels zu erforschen. Warum Fidschi?

Nils-Axel Mörner:Ich wusste, dass es im Juni 2017 in New York eine Wissenschaftskon­fe­­renz gibt, die sich mit Meeresspiegel-Veränderungen auf Fidschi befasst. Und es war bekannt, dass der Inselstaat den Vorsitz der 23. Weltklimakonferenz haben wird, die im letzten November in Bonn stattfand. Fidschi rückte also in den Fokus des Interesses. Man hörte, dass der steigende Meeresspiegel dort schon viel Schaden angerichtet habe. Ich wollte mit ­eigenen Augen überprüfen, ob das stimmt.

Was machte Sie skeptisch?
Ich habe mein ganzes Leben lang zu Veränderungen des Meeresspiegels geforscht und dazu 59 Länder bereist. Kaum ein anderer Forscher hat so viel Erfahrung auf diesem Gebiet. Der Weltklimarat (IPCC) aber hat die Fakten zu diesem Thema immer schon falsch dargestellt. Er übertreibt die Risiken eines Pegelanstiegs gewaltig. Das IPCC stützt sich insbesondere auf fragwürdige Computermodelle statt auf Feldforschung ab. Ich aber will immer wissen, was Sache ist. Darum ging ich nach Fidschi.

Weiterlesen in der Basler Zeitung

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Jan Fleischhauer am 15. März 2018 auf Spiegel Online:

Kampf gegen den Diesel: Die erfundenen Toten

[...] Ich bin ein neugieriger Mensch. Wie stellt man fest, dass 6000 Menschen in Deutschland noch leben könnten, wenn es den Dieselmotor nicht gäbe, habe ich mich gefragt. Anders als bei einer Vergiftung mit Zyankali tritt der Tod bei Stickoxiden nicht sofort ein. Wenn überhaupt, kommt er schleichend. In der Liste des statistischen Bundesamtes zu Todesursachen fehlen Stickoxid-Tote. Man findet dort nahezu jede Todesart. Es gibt “Hitzeerschöpfung durch Wasserverlust” oder umgekehrt “Ertrinken und Untergehen in der Badewanne: Zu Hause”. Aber Tod durch Dieselbegasung? Nichts. Nicht mal eine klitzekleine Fußnote.

Wie will man also erkennen, dass Menschen an den Folgen von Stickoxid verendet sind, und nicht, weil sie an einer Erbkrankheit oder Übergewicht litten? Das können selbst die Experten beim Umweltbundesamt beim besten Willen nicht sagen. Deshalb rechnen sie einfach die vermuteten Folgen auf die Bevölkerung hoch und sprechen von “vorzeitigen Todesfällen”, womit gemeint ist, dass eine bestimmte Anzahl von Menschen nicht so lange gelebt hat, wie sie theoretisch hätten leben können. Genauso gut könnte man den lebensverkürzenden Effekt beim übermäßigen Genuss von Eiern aus Legebatterien zu beziffern versuchen. Aber 6000 vorzeitige Tote klingen schön schaurig, deshalb werden sie überall zitiert.

Jedes Jahr 6000 vorzeitige Tote durch Stickoxid – damit erschreckte das Umweltbundesamt die Deutschen. Was nach Wissenschaft klingt, ist in Wahrheit eine politische Zahl einer durch und durch politisierten Behörde. [...]

Ganzen Artikel auf Spiegel Online lesen.

Siehe auch:

 

North Carolina State University: Stadtbäume können höhere Temperaturen gut verkraften – wenn sie genug Wasser haben

Am 11. März 2018 erschien in der Welt ein Interview mit Gerhard Reese, 36, Umweltpsychologe an der Universität Koblenz-Landau, in dem er das Konzept des moralischen Kontos erläutert:

Klimapsychologie: Sind wir zu dumm für den Klimawandel?

[...]

WELT: Da haben Sie aber auch Klima vernichtet, weil Sie hingeflogen sind.

Reese: Natürlich. Das ist auch Mist. Ich muss zu wissenschaftlichen Konferenzen fliegen und propagiere den Umweltschutz. Das ist tatsächlich problematisch. Wir Psychologen sprechen in dem Zusammenhang vom moralischen Konto: Wenn es gut gefüllt ist, können wir öfter mal über die Stränge schlagen.

[...]

Ein spannendes Konzept: Die “Guten” dürfen die Umwelt stärker verpesten als die vermeintlich “Bösen”, denn sie haben ein gut gefülltes ethisches Umweltkonto. Da haben sich die Aktivisten eine tolle Lösung für ihr Reiseproblem ausgedacht.

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Gefährden steigende Temperaturen unsere Stadtbäume? Diese Frage beantwortete jetzt die North Carolina State University. In einer Pressemitteilung vom 13. März 2018 (via Science Daily) erläuterten die Forscher, dass steigende Temperaturen kein Problem für die Bäume darstellen, solange sie genug Wasser bekommen:

Lack of water is key stressor for urban trees

A study out March 13 [2018] finds that urban trees can survive increased heat and insect pests fairly well — unless they are thirsty. Insufficient water not only harms trees, but allows other problems to have an outsized effect on trees in urban environments.

“We would see some vibrant urban trees covered in scale insects, but we’d also see other clearly stressed and struggling urban trees covered in scale insects,” says Emily Meineke, a postdoctoral researcher at Harvard and first author of a paper on the study. “We wanted to know what allowed some trees to deal with these pests so much more successfully.” “This is important because trees need to grow in order to perform valuable ecosystem services, such as removing pollutants from the air and storing carbon,” says Steve Frank, an associate professor of entomology at North Carolina State University and co-author of the paper.

It’s extremely difficult to design a field study that addresses these questions about the role of various environmental variables, given all of the uncontrolled factors in an urban environment. So the researchers used both field data and controlled laboratory experiments. The researchers collected detailed data on 40 urban willow oaks (Quercus phellos) over the course of two years. The data included temperature, how water-stressed the trees were, and the density of scale insects. Scale insects (Parthenolecanium species) are well-known tree pests. But the researchers also conducted laboratory experiments using willow oak saplings. In these experiments, the researchers manipulated three variables while growing the willow oaks: temperature, water and the presence of scale insects.

The researchers found that higher temperatures could actually have a positive effect on tree growth, as long as the trees had adequate water. And scale insects had little or no adverse effect on the trees if the trees were not water stressed. The researchers also found that water stress limited tree growth all by itself. But the presence of increased heat and/or scale insects, when combined with water stress, had a multiplier effect — curtailing growth far more than water stress or scale insects alone.

“This tells us that management strategies aimed at increasing tree hydration in cities may reduce the adverse effects of all three of these key stressors,” says Meineke, a former Ph.D. student in Frank’s lab. “And that is likely to become increasingly important as water availability, temperature and pest abundance are affected by further urbanization and climate change.” “For example, urban planners could design urban landscapes that retain stormwater in vegetation; invest in hydration strategies, such as appropriate soil quality and soil volume; and plant drought-tolerant tree species and genotypes in the hottest parts of their cities,” Frank says. “Moving forward, we’re very curious about the prevalence of water stress in urban trees globally — and whether this leads to similar problems regarding the impact of tree pests,” Meineke says. “If so, improved tree hydration could become a higher priority for urban forestry management.”

Paper: Emily K. Meineke, Steven D. Frank. Water availability drives urban tree growth responses to herbivory and warming. Journal of Applied Ecology, 2018 DOI: 10.1111/1365-2664.13130

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Wer hätte das gedacht: Auch Fahrradfahren hinterlässt einen CO2-Fußabdruck. Und der kann unter Umständen sogar höher sein, als wenn man dieselbe Strecke mit dem PKW fahren würde. Stimmts? Interessante Thesen auf heritage.org:

Go Green With Gasoline If You’re Going to Consume That Sandwich

Key takeaways:

Researchers at the University of Manchester offer helpful tips on Earth-friendly sandwich making. Among them: Avoid using lettuce, tomatoes, cheese, and meat.

We are told CO2 emissions from the life-cycle process of producing a sandwich is equal to that of driving a car 12 miles.

A bicyclist would need to eat 1.3 sandwiches to go 12 miles. The CO2 footprint of riding a sandwich-fueled bike would be 30 percent higher than driving a car.

Ganzen Artikel hier lesen.

 

Ein neues Forschungsinstitut am Ägerisee

Der moderne Klimawandel besteht aus zwei Komponenten: Einem natürliche Anteil und einem anthropogenen. Die Anteile der beiden Antriebsarten ist nur schlecht bekannt. Hälfte, Hälfte? Oder alles menschengemacht, kein natürlicher Anteil? Aber weshalb hat sich dann das Klima in vorindustrieller Zeit in ähnlicher Art und Weise so heftig geändert? Die vom IPCC vorgeschlagene extreme Variante, dass natürliche Faktoren in den letzten 150 Jahren kaum eine Rolle gespielt hätten, ist kaum haltbar. Dazu hätten die vormals aktiven natürlichen Klimaantriebe quasi über Nacht am 1. Januar 1850 aufhören müssen zu wirken. Es leuchtet ein, dass dies kaum Sinn macht.

Für ein schweizerisches Forschungsinstitut bilden die natürlichen Klimaaktoren das Schwerpunktthema. Nur wenn wir die vorindustriellen klimatischen Veränderungen verstehen, vermögen wir auch den natürlichen Anteil am Klimawandel der industriellen Phase ab 1850 abschätzen zu können. Die Basler Zeitung berichtete am 13. April 2018 über das Institut für Hydrographie, Geoökologie und Klimawissenschaften (IFHGK):

Klimaskepsis am Ägerisee
Ein neues Forschungsinstitut tritt der These der vom Menschen verursachten Erderwärmung entgegen.

Der Ägerisee im Kanton Zug ist eingebettet in eine liebliche Landschaft. Hier liegt der Morgarten, wo die Eidgenossen vor vielen Jahrhunderten er­folgreich Widerstand gegen die Habsburger leisteten. Um eine andere Art von Widerstand geht es bei einer For­schungseinrichtung, die seit kurzer Zeit ihren Sitz am Ägerisee hat: Das Institut für Hydrographie, Geoökologie und Klimawissenschaften will zeigen, dass CO2nicht zwingend der Haupttreiber hinter der Erderwärmung ist, und wi­dersetzt sich damit einem angeblich weiten Konsens unter Forschern.

Hans-Joachim Dammschneider em­pfängt die Basler Zeitung in seinem Büro in Oberägeri, wo das Institut seine Adresse hat. Der Naturwissenschaftler und gebürtige Deutsche leitet die Institution, die Anfang 2017 gegründet wur­de. «Im Gegensatz zu vielen anderen, die sich zum Thema Erderwärmung zu Wort melden, bin ich tatsächlich Klima­tologe», sagt Dammschneider.

Wer beim Institut mitmacht, tut das – zumindest bisher – ehrenamtlich. Denn über wesentliche finanzielle Mittel verfügt dieses noch nicht. Dank mo­derner Kommunikation ist es für die Beteiligten auch nicht nötig, sich physisch am Ägerisee aufzuhalten. Das Institut ist eine Art Netzwerk gleichge­sinnter Forscher.

Weiterlesen in der Basler Zeitung

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Falls Sie in den kommenden Tagen in London sein sollten, legen wir Ihnen einen Vortrag von Dr Philipp Lengsfeld im House of Lords am 18. April 2018 nahe. Hier die GWPF-Ankündigung:

When: Wednesday, April 18, 2018 from 6:00 PM8:00 PM
Where: Committee Room 4, House of Lords

Dr. Philipp Lengsfeld is a member of the Christian Democratic Party (CDU), and a former member of the German Bundestag. As a member of the committee for research and education he was the CDU/CSU MP responsible for the Office of Technology Assessment at the German Bundestag. As a member of the conservative Berliner Kreis he was the main author of their positioning paper on climate and energy policy. Published in May 2017, the document generated considerable media attention in Germany for its critique of Germany’s unilateral climate policies.

Dr Lengsfeld is a trained physicist who studied in Berlin and Manchester (UK). For his PhD dissertation he researched in the field of thin-film silicon for solar cell applications. Since 2002, he has worked in the area of international scientific cooperation in medical affairs, for a global, research-based pharmaceutical company in Berlin.

To register, please click the ‘Attend Event’ button below, and follow the instructions on the EventBrite Page.

Zur Anmeldung geht es hier.

 

Hamburger Forsythie muss wohl auf die schwarze Klimaleugnerliste

 Von Sebastian Lüning und Josef Kowatsch

Am 4. April 2018 war es wieder soweit. Auf der Hamburger Lombardsbrücke hat die Forsythie geblüht. Und in China ist ein Sack Reis umgefallen? Nein, die Forsythie hat eine wichtige Aufgabe inne, ihr Blühbeginn informiert nämlich über den Klimawandel. Vereinfacht ausgedrückt: Je früher sie blüht, desto wärmer das Klima. Das leuchtet ein. Die Jahreszeiten verschieben sich, lesen wir allerorten in der Zeitung. Ob der Frühling wohl bald schon im Februar beginnt?

Wie viele unserer Leser wissen, zeigt sich die Hamburger Forsythie gänzlich unkooperativ. In den letzten 30 Jahren verspätet sich nämlich ihr Blühbeginn immer weiter. Als hätte sie das Memo zur Klimakatastrophe nicht erhalten. Sie macht das glatte Gegenteil von dem, was man erwartet hätte. Auf Wikipedia zeigte man sich verwirrt und schrieb einfach, was man erwartet hatte, nicht was wirklich auftrat. Wir ertappten die Aktivisten dabei, was schön peinlich war. Mit dem 4. April blühte die Promi-Forsythie dieses Jahr besonders spät. Nur dreimal in den letzten 30 Jahren kamen die Blüten noch später (Abb. 1). Ganz offensichtlich war es ihr Anfang 2018 viel zu kalt, so dass sie ihre schmucken Blüten möglichst lange im warmen Inneren hielt.

 

Abbildung 1: Entwicklung des Blühtermins der Hamburger Forsythie seit 1988. Die y-Achse zeigt die Kalendertage seit Jahresbeginn.  Graphik: Josef Kowatsch. Foto des Strauchs oben rechts: NordNordWest, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de

 

Wieso macht die Forsythie das? Dazu schauen wir uns am besten die Temperaturentwicklung in Hamburg an. Zuerst den späten Wintermonat Februar (Abb. 2):

Abbildung 2: Entwicklung der Februartemperaturen in Hamburg. Graphik: Josef Kowatsch. Daten: DWD.

 

Gut zu erkennen: In den letzten 30 Jahren ist der Februar immer kälter geworden. Kein Februar der letzten 20 Jahre war kälter als 2018. Noch mehr als der kalte Februar beieinflussen die Märztemperaturen den Blühtermin der Forsythie an der Hamburger Lombardsbrücke. Und auch der März war in Hamburg noch kein Frühlingsmonat, an vielen Tagen zeigte er sich vor allem 1988 sehr winterlich. Mit 2,0 C im Schnitt war es der viertkälteste März in den letzten 30 Jahren. Und die letzten Märztage waren in Hamburg besonders kalt (Abb. 3).

 

Abbildung 3: Entwicklung der Märztemperaturen in Hamburg. Graphik: Josef Kowatsch. Daten: DWD.

 

Fassen wir zusammen: Die Forsythie blühte in den letzten 30 Jahren immer später. Und das tat sie nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil es im Februar und März immer kälter wurde. Das Klima wandelt sich. Aber nicht immer so, wie man es in der Zeitung liest. Wenn man nun über die letzten 30 Jahre (“Klima”) hinausgeht, so trifft man in den 1980er Jahren auf eine Phase, in der der Hamburger Forsythienstrauchschon einmal sehr spät geblüht hat (Abb. 4). Das Klima führt ganz offensichtlich eine natürliche Eigendynamik. Die Auswertung längerer Zeitreihen ist erforderlich, um die natürlichen Muster zu erkennen. Erst dann kann man sich überlegen, ob vielleicht auch der Mensch ein bisschen zur Entwicklung beigesteuert hat.

 

Abbildung 4: Seit 1971 ist der Blühtermin der Forsythie in Hamburg ausgeglichen. Er liegt etwa bei 80 Tagen nach Neujahr. Foto des Strauchs oben rechts: NordNordWest, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de

 

Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst stellte am 28. März 2018 eine weitere interessante Methodik zur klimatischen Blühkunde vor:

Wie weit fortgeschritten ist die Vegetation?

Der Februar und der März waren deutlich zu kalt. Die unterkühlten Temperaturen hatten nachhaltigen Einfluss auf die Vegetationsentwicklung. Doch wie weit ist die Natur in diesem Jahr zurück?

Um die Frage zu klären, inwieweit die Kältephasen im Februar und Mitte März die Vegetation zurück gehalten haben widmen wir uns zunächst einmal einem Teilbereich der Meteorologie: der Phänologie. Die Phänologie beschäftigt sich mit den jedes Jahr vom Wetter abhängigen wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungszuständen von Pflanzen. Diese Entwicklungsphasen werden von zahlreichen ehrenamtlichen Beobachtern erfasst und in einem phänologischen Kalender notiert. Dafür werden bestimmte Zeigerpflanzen herangezogen. Zum Beispiel ist die Forsythienblüte charakteristisch für den Beginn des Erstfrühlings. Weil in diesem Jahr bisher nur an 10 % der phänologischen Messstationen eine Forsythienblüte beobachtet wurde, lässt sich dadurch zurzeit nur schwer eine Aussage treffen.

Da der Vegetationszustand allerdings maßgeblich von der Temperatur abhängt, soll hier ein anderer Ansatz gewählt werden: Die sogenannte “Grünlandtemperatursumme” ist eine spezielle Wärmesumme, die zu Hilfe genommen wird, um den nachhaltigen Vegetationsbeginn zu bestimmen. Zur Berechnung der Grünlandtemperatursumme werden alle positiven Tagesmitteltemperaturen seit Jahresbeginn aufsummiert. Diese werden allerdings nach Monaten gewichtet. Das heißt, im Januar wird das Tagesmittel mit dem Faktor 0,5 multipliziert, im Februar mit 0,75. Ab März geht dann der volle Wert ein. Erreicht die Grünlandtemperatursumme die magische Grenze von über 200 Grad, ist der nachhaltige Vegetationsbeginn erreicht.

Weiterlesen beim DWD.

Passend zum Thema auch ein Paper einer Forschergruppe um Eli Melaas in den Geophysical Research Letters am 23. März 2018. Anhand von Satellitenbilder-Serien bestimmten die Wissenschaftler das Erstauftreten von Blättern als Frühlingsanzeichen. An der US-Ostküste kamen die Blätter immer früher, in den nördlichen Kaltgebieten waren die Trends gemischt, je nach Region.

Multidecadal Changes and Interannual Variation in Springtime Phenology of North American Temperate and Boreal Deciduous Forests
The timing of leaf emergence is an important diagnostic of climate change impacts on ecosystems. Here we present the first continental‐scale analysis of multidecadal changes in the timing of spring onset across North American temperate and boreal forests based on Landsat imagery. Our results show that leaf emergence in Eastern Temperate Forests has consistently trended earlier, with a median change of about 1 week over the 30 year study period. Changes in leaf emergence dates in boreal forests were more heterogeneous, with some sites showing trends toward later dates. Interannual variability in leaf emergence dates was strongly sensitive to springtime accumulated growing degree days across all sites, and geographic patterns of changes in onset dates were highly correlated with changes in regional springtime temperatures. These results provide a refined characterization of recent changes in springtime forest phenology and improve understanding regarding the sensitivity of North American forests to climate change.

 

Feldzug des Rockefeller Family Fund gegen ExxonMobil: Ganz sicher kein Interessenskonflikt?

Eine Klimaklagewelle schwappt über den Globus. Unter anderem werfen Aktivisten der Firma ExxonMobil vor, über die Gefahren des Klimawandels getäuscht zu haben. Wenn es um Klimaaktivismus geht, ist Naomi Oreskes stets ganz vorne mit dabei. Mit religiösem Eifer versucht sie für die Alarmseite zu punkten. So publizierte sie im August 2017 zusammen mit Geoffrey Supran eine Attacke gegen ExxonMobil, und zwar nicht einfach in irgendeinem Blog, sondern getarnt als akademischer Artikel im Fachblatt Environmental Research Letters:

Assessing ExxonMobil’s climate change communications (1977–2014)
This paper assesses whether ExxonMobil Corporation has in the past misled the general public about climate change. We present an empirical document-by-document textual content analysis and comparison of 187 climate change communications from ExxonMobil, including peer-reviewed and non-peer-reviewed publications, internal company documents, and paid, editorial-style advertisements (‘advertorials’) in The New York Times. We examine whether these communications sent consistent messages about the state of climate science and its implications—specifically, we compare their positions on climate change as real, human-caused, serious, and solvable. In all four cases, we find that as documents become more publicly accessible, they increasingly communicate doubt. This discrepancy is most pronounced between advertorials and all other documents. For example, accounting for expressions of reasonable doubt, 83% of peer-reviewed papers and 80% of internal documents acknowledge that climate change is real and human-caused, yet only 12% of advertorials do so, with 81% instead expressing doubt. We conclude that ExxonMobil contributed to advancing climate science—by way of its scientists’ academic publications—but promoted doubt about it in advertorials. Given this discrepancy, we conclude that ExxonMobil misled the public. Our content analysis also examines ExxonMobil’s discussion of the risks of stranded fossil fuel assets. We find the topic discussed and sometimes quantified in 24 documents of various types, but absent from advertorials. Finally, based on the available documents, we outline ExxonMobil’s strategic approach to climate change research and communication, which helps to contextualize our findings.

Der Artikel erschien im Open Access-Format, kann also kostenfrei als pdf heruntergeladen werden. Die Publikationsgebühr muss also irgendjemand bezahlt haben. Wir schauen dazu in die Acknowledgements:

This research was supported by Harvard University Faculty Development Funds and by the Rockefeller Family Fund. The authors have no other relevant financial ties and declare no conflicts of interest.

Ein Teil des Geldes für Studie und/oder Publikationsgebühr stammt vom Rockefeller Family Fund. Die Rockefellers sind ursprünglich durch Öl zu Milliardären geworden. Die Nachkommen haben eine 180-Gradwende hingelegt und kämpfen nun als Aktivisten gegen die fossilen Energieträger. Psychologisch ein interessanter Fall. Die Autoren erklären zudem, sie hätten keine Interessenskonflikte. Nun ja, das ist schwer zu glauben, hat sich Oreskes doch voll und ganz der grünen Aktivistenlinie verschrieben.

Wäre das Paper in einem Journal der Nature-Gruppe erschienen, wäre diese Erklärung sicher angefochten worden. Die Nature Fachpublikationsgruppe hat nämlich die ethischen Daumenschrauben etwas fester angezogen. Autoren von Fachartikeln müssen nun noch genauer ihre persönlichen Verflechungen angeben:

Nature journals tighten rules on non-financial conflicts

Authors will be asked to declare any interests that might cloud objectivity.

What makes a conflict of interest in science? Definitions differ, but broadly agree on one thing: an influence that can cloud a researcher’s objectivity. For some people, that influence can be money. But there are other influences that can interfere, such as institutional loyalty, personal beliefs and ambition.

Nature and the other Nature Research journals (including the Nature research and reviews journals, Nature Communications, Scientific Reports, Scientific Data, the Nature Partner Journals and the Communications journals) are taking into account some of these non-financial sources of possible tension and conflict. From February, authors of research articles, reviews, commentaries and research analyses will be asked (and expected) to disclose them (see go.nature.com/2ddg12z).

Weiterlesen auf nature.com.

Was gehört alles dazu? Nature erläutert dies auf einer gesonderten Webseite explizit:

For the purposes of this policy, competing interests are defined as financial and non-financial interests that could directly undermine, or be perceived to undermine the objectivity, integrity and value of a publication, through a potential influence on the judgements and actions of authors with regard to objective data presentation, analysis and interpretation.

[...] Non-financial competing interests:

Non-financial competing interests can take different forms, including personal or professional relations with organizations and individuals. We would encourage authors and referees to declare any unpaid roles or relationships that might have a bearing on the publication process. Examples of non-financial competing interests include (but are not limited to):

  • Unpaid membership in a government or non-governmental organization
  • Unpaid membership in an advocacy or lobbying organization
  • Unpaid advisory position in a commercial organization
  • Writing or consulting for an educational company
  • Acting as an expert witness

Unter dem Hintergrund von Oreskes langjähriger Aktivistenrolle muss man schon etwas schmunzeln, dass sie eigene Interessenskonflikte ausschließt. Natürlich ist auch ExxonMobil diese Diskrepanz nicht verborgen geblieben. Im Jahr 2017 schrieb die Firma an die New York Times, nachdem dort ein Beitrag von Supran und Oreskes erschienen war:

To the editor:

In an opinion piece describing a biased and inaccurate study on ExxonMobil’s history of climate research (“What ExxonMobil Didn’t Say About Climate Change,” August 23, 2017), Naomi Oreskes and Geoffrey Supran allege that ExxonMobil executives conspired to mislead the public. The authors know a thing or two about misleading readers – both about the nature of our communications and by failing to disclose their own conflicts of interest. Ms. Oreskes has helped orchestrate a concerted, five-year effort by a group of activists to attack the company’s reputation, and Mr. Supran has a long involvement in the anti-fossil fuel movement. Don’t take our word for it. The New York Times exposed the anti-Exxon effort in several articles last year that outlined agenda items for this group’s meetings, including “establish[ing] in public’s mind that Exxon is a corrupt institution that has pushed humanity (and all creation) toward climate chaos and grave harm,” and discussing ways “to delegitimize [ExxonMobil] as a political actor.”

The study – and the campaign against our company – has been paid for by the Rockefeller Family Fund, whose president, David Kaiser, acknowledged in an NPR interview that he wants the company to pay billions in reparations. Let me be clear. Our statements about the risk of climate change have always been consistent with our understanding of climate science. Period. In their study, Ms. Oreskes and Mr. Supran actually acknowledge that earlier allegations that ExxonMobil hid its climate science research were wrong. So they’ve now shifted to a new thesis by admitting that our research was accurate and even contributed to climate science, but erroneously alleging other statements were misleading.

I’ll leave it to your readers to figure out the twisted logic of an allegation that we misled on climate change while advancing climate science at the same time. Perhaps Ms. Oreskes and Mr. Supran don’t believe your readers are sophisticated enough to pick up on that contradiction. After all, their own study argued our scientific data are “highly technical, intellectually inaccessible for laypersons, and of little interest to the general public or policymakers.” Meanwhile, ExxonMobil will continue to focus our efforts on providing the energy the world needs, while simultaneously addressing the risk of climate change by reducing our emissions, helping consumers reduce theirs, and advancing research to find new low-emissions technologies for the future.

Sincerely,
Suzanne M. McCarron
Exxon Mobil Corporation

Im März 2018 veröffentlichte ExxonMobil zudem eine detaillierte Analyse des Aktivistenpapers. Kimberly Neuendorf schlussfolgert darin (pdf hier):

Conclusions
The above analysis documents the numerous fundamental and fatal flaws in the study’s content analysis. In short, the content analysis is unreliable, invalid, biased, not generalizable, and not replicable. Accordingly, S&O provide no scientific support for either a discrepancy among ExxonMobil’s climate change communications, or a claim that ExxonMobil misled the public.