Um Antwort wird gebeten: Weshalb schneidet AWI-Pressemitteilung das Mittelalter weg?

Von: Sebastian Lüning
An: Antje Boetius, Direktorin AWI

Datum: 17.6.2018

Liebe Frau Boetius,

Am 21. Mai 2018 brachte das AWI die Pressemitteilung “Die Donau friert seit rund 70 Jahren kaum noch zu”.
https://www.awi.de/nc/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/die-donau-friert-seit-rund-70-jahren-kaum-noch-zu.html

Darin wird über interessante Trends zum Donau-Eis der letzten 150 Jahre berichtet. Insgesamt wird dies als Beleg der aktuellen globalen Erwärmung dargestellt, was sicher richtig ist. Allerdings fällt mit keiner Silbe der Begriff “Kleine Eiszeit”, in die das Startjahr 1837 der historisch durchgängigen Beobachtungsreihe fällt. Der Rückgang des Eises kommt daher nicht ganz unerwartet. Wie Sie wissen, stellt die Kleine Eiszeit die kälteste Phase der letzten 10.000 Jahre dar, ist also eine kalte Sonderphase. Insofern werden den Redakteuren und Medienkonsumenten durch diese Auslassung in der AWI-PM wichtige Kontextinformation vorenthalten.

Weiterhin ist es mir unerklärlich, weshalb der zweite Teil der ausgezeichneten Arbeit von Ionita et al 2018 in Scientific Reports ebenfalls verschwiegen wird:
https://www.nature.com/articles/s41598-018-26357-w

In der Studie werden die letzten 150 Jahre explizit in einen Millenniumskontext gestellt. Das Donau-Eis war während der Mittelalterlichen Wärmeperiode (MWP) offenbar ähnlich selten wie heute. Im Supplement des Papers gibt es in Abbildung S2 sogar eine sehr schöne Abbildung dazu. Die Autoren des Papers schreiben weiterhin, dass das Eis während der solaren Schwächephasen Maunder und Dalton in der Kleinen Eiszeit besonders stark zunahm. In der Pressemitteilung gibt es kein Wort dazu.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier unbequeme Fakten einfach weggeschnitten werden, also Rosinenpickerei betrieben wird. Letztendlich führt dies zu einer Dramatisierung, die sich den Vorwurf des Klimaalarmismus gefallen lassen muss. Ich würde mich freuen, wenn Sie einmal mit dem zuständigen Pressereferenten sprechen könnten. Auf der Seite der Pressemitteilung ist Sebastian Grote angegeben; ich weiß nicht, ob er für die PM verantwortlich zeichnet. Angesichts der starken Politisierung der Klimawissenschaften wäre es umso wichtiger, dass eine saubere und unverfälschte Weitergabe der Ergebnisse an die Presse erfolgt. Ich selber setze mich sehr dafür ein und hoffe, dass auch das AWI hieran ein großes Interesse hat.

Mit kollegialen Grüßen,

Sebastian Lüning

 

Ausstellungs-Begleitbuch ‘Klimagewalten’ beschäftigt sich auch mit natürlichen Klimafaktoren

Die meisten von uns haben eine offenbar ausgezeichnete Ausstellung verpasst, die im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) am 21. Mai 2018 nach einem halben Jahr die Tore schloss. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
Sachsen-Anhalt gab dazu die folgende Pressemitteilung heraus:

»Klimagewalten – Treibende Kraft der Evolution«. Spektakuläre Sonderausstellung geht erfolgreich zu Ende

Am Pfingstmontag, den 21. Mai 2018, wird die Sonderausstellung »Klimagewalten – Treibende Kraft der Evolution« beendet. Insgesamt werden dann rund 55.000 Besucher die Ausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), die am 29. November 2017 feierlich durch den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff eröffnet worden war, gesehen haben.

»Die Ausstellung zeigte, dass auch ein intellektuelles und auf den ersten Blick schwer verständliches Thema, wie die Betrachtung des Klimas, dessen Schwankungen und Auswirkungen auf die Fauna und Flora beim Publikum auf reges Interesse stößt. Es zeigte sich, dass insbesondere Klassen 14–16-jähriger Schülerinnen und Schüler durch die Schau gesteigertes Interesse an einem Besuch im Landesmuseum zeigten«, so der Museumsdirektor Prof. Dr. Harald Meller. Dies spiegelt sich auch in den zahlreichen Schulklassen-Buchungen wider. Insgesamt wurden ca. 400 Schulklassen und Kita-Gruppen betreut. »Das Begleitprogramm war ebenfalls sehr gut besucht – der Hörsaal war bei unseren Vorträgen immer voll, die Abendveranstaltungen der Besucherbetreuung waren regelmäßig ausgebucht. Wir sind mit den Besucherzahlen sehr zufrieden.«

Die Schau fokussierte auf die Entwicklung der Säugetiere in den letzten 66 Millionen Jahren bis hin zum Auftreten des Menschen in Mitteleuropa. Die Ausstellung befasste sich mit den Ursachen der Schwankungen, denen das Klima unserer Region in der Vorgeschichte unterworfen war, und wie sich Flora und Fauna den extremen Situationen anpassten. Der Entwicklung des Menschen vom Gejagten zum Jäger und der damit einhergehenden Loslösung vom Pfad der rein biologischen Evolution wurde ebenso Raum gegeben, wie der Abbildung zweier hypothetischer Szenarien für die Zukunft: Die Auswirkungen einer möglichen Wärme- oder Kaltphase auf das Leben der Menschen wurden am Ende der Ausstellung beleuchtet.

Insgesamt waren etwa 800 Exponate und Exponatgruppen aus den eigenen Beständen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und von 35 in- und ausländischen Leihgebern auf 1.000 m2 Ausstellungsfläche zu sehen. Insbesondere die weltberühmten Funde aus dem Geiseltal aus dem Besitz des Zentralmagazins Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sind hervorzuheben. Eines der Highlights und ein beliebtes Fotomotiv war die zentrale Installation im Museumsfoyer mit der Darstellung einer kämpferischen Auseinandersetzung zwischen Mammuts und Höhlenlöwen, die so vor 220.000 Jahren stattgefunden haben könnte.

Zur Ausstellung wurde ein Begleitbuch herausgegeben, das man bei Amazon als Hardcover und Taschenbuch bestellen kann:

Das Inhaltsverzeichnis können Sie hier anschauen (pdf). Reinschauen lohnt sich. Ausführlich werden im Buch die schwankende Sonnenaktivität besprochen. Auf Seite 45 lautet zudem das Resümee des Autors  zur CO2 – Vermeidung:  “Insofern verschwendet die CO2-Vermeidung  Ressourcen, die in anderen Bereichen für die Zukunftssicherung  viel nützlicher verwendet werden könnten“.

 

Die gefährlichste aller Weltanschauungen

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute,
welche die Welt nie angeschaut haben.

Alexander Freiherr von Humboldt (1769 – 1859), deutscher Naturforscher

Die KS-Hobbyecke: Wir basteln uns einen Indoktrinationsfilter

Von Uli Weber

Nehmen wir einmal an, Sie glauben an die universelle Formel für eine bessere Welt und kennen auch den richtigen Weg dorthin. Nehmen wir weiter an, 97 Prozent aller Meinungsmultiplikatoren würden Ihren festen Glauben an diese bessere Welt teilen, könnten dafür aber nur eingängige Glaubensformeln und keine schlüssigen Beweise vorlegen.

Und auf dieser Basis müssten Sie sich nun mit den verbliebenen konterrevolutionären Kräften herumärgern, die ständig irgendwelche Argumente gegen diese politisch und gesellschaftlich voll akzeptierten Glaubenssätze vorbringen. Dabei kommt Ihnen zunächst einmal sehr entgegen, dass die Erkenntnis eine widerborstige Frucht ist, die sich für einen Fachfremden nur sehr mühsam pflücken lässt. Jede Glaubensformel ist dagegen per se ein allgemeinverständliches Konstrukt in der Form „A+B=C“, die für jedermann ganz einfach und schlüssig nachzuvollziehen ist. Die Widerlegung einer Glaubensformel hat dagegen eine geistige „Zahlschranke“. Diese besteht für einen interessierten Betrachter aus der Zumutung, eine längere Abfolge von komplexen Schlüssen und Beweisen eigenständig nachvollziehen zu müssen; beispielsweise sagt „A>B und B<D“ allein ja noch gar nichts über das Verhältnis zwischen „A“ und „D“ aus, obwohl beide in einem direkten Verhältnis zu „B“ stehen,  sondern lediglich, dass „B“ die kleinste dieser drei Zahlen ist.

Bei der Abwägung, wie gefährlich eine konterrevolutionäre Infiltration für Ihre Glaubenssätze ist, könnten Sie also eigentlich entspannt darauf vertrauen, dass Ihre Zielgruppe mit ziemlicher Sicherheit das ökonomische Sparsamkeitsprinzip anwenden wird. Denn Sie wissen ja, dass eine Glaubensformel die einfachste und verständlichste Erklärung für hoch komplexe Zusammenhänge liefert. Aber natürlich haben Sie auch Angst vor einer zufälligen Keimübertragung, denn wie leicht könnte ein häretischer Gedanke einen gut Gläubigen mit dem Virus des Zweifels infizieren, der dann wiederum andere ansteckt und die wieder andere – und schon haben Sie eine veritable Glaubensepidemie…

Also schauen Sie in Ihr antiquarisches Handbuch für Desinformation und Zersetzung, denn Sie wissen ja, wer selbst nichts weiß, muss alles glauben. In diesem Handbuch finden Sie das folgende Kochrezept:

(1)    Werfe dem Autor grobe fachliche Fehler, mangelnde Qualifikation und/oder eine falsche Gesinnung vor

(2)    Ziehe die Kernaussage der konterrevolutionären Argumentation grundsätzlich in Zweifel, gehe dabei aber ja nicht auf irgendwelche fachlichen Details ein, sondern zitiere lieber gegenteilige Meinungen und/oder Gerüchte

(3)    Behaupte, es gäbe bereits seit langem eine einzige glaubenskonforme Lösung für die von Dir vertretene/angezweifelte Argumentation, beispielsweise auf der Grundlage einer höheren Moral oder einer wissenschaftlich begutachteten Studie

(4)    Verweise den interessierten Leser zum Beweis für Deine glaubensgerechte Lösung auf irgendeinen glaubensstarken Meinungsmultiplikator, die Glaubenskongregation oder Wikipedia

(5)    Wiederhole am Ende nochmals die Glaubensformel Deiner reinen Lehre und nenne sie „alternativlos“, weil 97 Prozent aller Meinungsmultiplikatoren ihr bedingungslos folgen

Wenn Sie also ein begeisterter Anhänger dieser einen reinen Lehre sind, dann wären Sie mit diesem Kochrezept jetzt gegen alle Anfechtungen des Bösen gewappnet und können sich beruhigt zurücklehnen. Wenn das aber nicht der Fall sein sollte, dann probieren Sie den hier nachfolgend beschriebenen Indoktrinationsfilter aus. Machen Sie sich also den Spaß und wenden diesen Desinformationskatalog (1)-(5) einmal umgekehrt als Filter (1*)-(5*) auf die real existierende Medienwelt an.

Wir drehen das beschriebene Kochrezept also einfach einmal um: Suchen Sie sich dazu einen beliebigen Fernsehbeitrag oder Online-/Printartikel heraus, der entweder einen modernen Aberglauben hofiert oder dessen Gegner diskreditiert.
Im ersten Fall suchen Sie im betreffenden Text den Bezug auf eine höhere gesellschaftliche Moral oder eine wissenschaftliche Studie, die diesen Aberglauben angeblich voll bestätigt und beginnen Sie nachstehend mit Punkt (3*). Im zweiten Fall suchen Sie eine abwertende ad-hominem-Formulierung zwischen „inkompetent“ und „gekauft“, natürlich ohne dass ein solches Urteil dort überhaupt bewiesen worden wäre, und beginnen Sie nachfolgend bei Punkt (2*).

Sie finden dann:

(1*) Eine abwertende ad-hominem-Aussage nach Punkt (1),

(2*) eine fehlende inhaltliche Auseinandersetzung mit der kritisierten Argumentation und abwertende Aussagen nach Punkt (2),

(3*) emotionale Zustimmung nach Punkt (3) und eine fehlende dialektische Auseinandersetzung mit dem dort ausführlich behandelten alternativlosen Glaubenssatz,

(4*) eine Beweisführung durch Anrufung der reinen Lehre, das persönliche Bekenntnis eines Glaubensgurus oder den Hinweis auf ein aktuelles Glaubensprojekt nach Punkt (4)

(5*) und schließlich das nochmalige herunterbeten des betreffenden Glaubensbekenntnisses und/oder seiner schrecklichen Zukunftsvisionen nach Punkt (5).

Anmerkung: Achten Sie nebenbei auch einmal darauf, welcher Sprachmittel sich diese glaubensbedingte Argumentation bedient. Üblicherweise werden dort Pro- und Contra-Positionen/Argumente aus völlig unterschiedlichen Perspektiven beschrieben, nämlich die Pro-Position als Innen- und die Contra-Position als Außenansicht. Die in solchen Fällen benutzten emotionalen Sprachmittel weisen daher meist auch keine gemeinsame Schnittmenge auf. In einem unabhängigen und seriösen Journalismus war es dagegen einstmals üblich gewesen, konträre Positionen gleichberechtigt aus einer sachlichen und übergeordneten Perspektive zu beschreiben.

Mit dieser Analyse müsste jetzt die inhaltliche Substanz des betreffenden Beitrags/Artikels bereits aufgebraucht sein, auch wenn es zwischen beiden geschilderten Ansätzen natürlich zu den unterschiedlichsten Mischformen kommen wird. Am Ende sind Sie durch die Beschäftigung mit diesem Beitrag/Artikel jedenfalls nicht schlauer geworden, als Sie es vorher schon waren. Ihnen sind dort also gar keine neuen Erkenntnisse vermittelt worden, sondern Sie sind lediglich zum wiederholten Male mit den alternativlosen Glaubensinhalten der betreffenden Heilslehre und/oder deren schrecklichen/überhöhten Zukunftsvisionen konfrontiert worden. Und eine solche, mit missionarischem Eifer vorgetragene, permanente Indoktrination durch eine beliebige Heilslehre führt am Ende für sich allein bereits zu einer dauerhaften Verzerrung der Realität.

Wir sollten die Verantwortung für den Erhalt unserer Kohlenstoff-basierten technischen Zivilisation also niemals in die Hände von irgendwelchen MINT-fernen und glaubensstarken EEG-Befürwortern legen, denn umgekehrt heuert man ja schließlich auch keine Frösche an, um einen Sumpf trocken zu legen…

 

Foto: Uli Weber

 

Grünen-Nachwuchs fordert EU-Staatsbürgerschaft für Klimaflüchtlinge

Von Sebastian Lüning

Es ist generell immer gut zu teilen. Deutschland geht es gut, da können wir sicher etwas von unserem Reichtum abgeben. Aber wenn man grenzenlos verschenkt, wird am Ende nur noch wenig zum Verschenken übrig sein. Die Norweger wissen dies nur allzu zu gut. Sie sind eines der bevölkerungsmäßig kleinsten aber auch reichsten Länder Europas. Öl und Gas sei Dank. Sie stecken ihr Geld überwiegend in einen Zukunftssicherungsfonds und passen dabei auf, dass sie das Geld nicht mit zu vielen Menschen teilen müssen. Deshalb lehnte Norwegen auch eine EU-Mitgliedschaft ab und schottet sein Land vehement gegen Neuankömmlinge ab.

In Deutschland denkt man anders. Am liebsten würde man der ganzen Welt helfen, was zutiefst menschlich und nachvollziehbar ist. Wer es physikalisch nach Deutschland schafft, hat gute Chancen, für immer hier zu bleiben und von den großzügigen Sozialsystemen zu profitieren. So erhält ein Sozialhilfeempfänger mit Familie in Deutschland ein Vielfaches von dem, was ein hart arbeitender Landwirt in Zentralafrika verdient. Die finanzielle Sogwirkung Europas auf die Bevölkerung ärmerer Länder Afrikas und Asiens ist plausibel.

Aber weshalb sollte man nur denjenigen helfen, die den lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer und andere gefährliche Pisten – oft mithife von teuren Schlepperbanden – erfolgreich hinter sich bringen konnten? Angesichts der Vielzahl von Diktaturen und anderen Ungerechtigkeiten in der Welt, würde vermutlich ein Viertel der gesamten Weltbevölkerung die Asylvoraussetzungen erfüllen. Weshalb können Asylanträge nicht bequem über die europäischen Botschaften in Afrika und Asien gestellt werden? Wer seinen Antrag von der Botschaft bewilligt bekommt, fliegt dann schnell und sicher per Flugzeug nach Deutschland oder das Gastland seiner Wahl. Das wäre effektiv und fair. Momentan kommen vor allem die Betuchteren, Jüngeren und Härteren durch, während die finanziell und körperlich Schwächeren die mühselige Reise nach Europa gar nicht stemmen können.

Man kann sich leicht ausrechnen, dass bei einem solchen Botschafts-Verfahren schnell einige hundert Millionen Anträge pro Jahr zusammenkämen. Und ein großer Teil der Antragsteller würde sogar problemlos die geltenden Asylvoraussetzungen erfüllen. Die jetzt noch üppig ausgestatteten Sozialkassen Europas wären schnell entleert. Verlierer wären vor allem die jetzigen Bezieher von Sozialleistungen, die Schwächeren unserer Gesellschaft. Ihre Leistungen müssten entsprechend gekürzt werden. Normal- und Gutverdiener – und dazu gehören übrigens auch unsere Politiker – würden davon kaum etwas spüren. Sie leben zudem in den teureren Vierteln, haben kaum Kontakt zur Sozialklientel, sind räumlich getrennt. Sie würden nur etwas davon mitbekommen, wenn die explodierenden Sozialbudgets eine kräftige Steuererhöhung zur Folge hätten. Ein schwieriges Thema im komplexen Spannungsfeld von Mitmenschlichkeit, Gerichtigkeit und Machbarkeit. Hier ist Augenmaß gefragt.

Den Grünen fehlt bekanntermaßen genau dies. Die Vorsitzende der Grünen Jugend, Ricarda Lang, fordert nun, dass man die Asylgründe sogar noch weiter ausdehnen sollte. Sie möchte all jenen die deutsche Staatsbürgerschaft anbieten, deren Heimat durch den Klimawandel bedroht ist. Die Welt berichtete am 3. August 2018:

Grünen-Nachwuchs fordert EU-Staatsbürgerschaft für Klimaflüchtlinge
Die Jugendorganisation der Grünen fordert das Angebot einer EU-Staatsbürgerschaft für Menschen, deren Heimat durch den Klimawandel unbewohnbar wird. „Die EU sollte den Bewohnern von Inselstaaten, die durch den Klimawandel bedroht sind, die europäische Staatsbürgerschaft anbieten und ihnen eine würdevolle Migration ermöglichen“, sagte die Vorsitzende der Grünen Jugend, Ricarda Lang, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Weiterlesen auf welt.de.

Ein interessanter Gedanke. Kann man sich demnächst über die deutschen Botschaften in Kiribati oder Dakar bewerben? Wie belegt man eine Klimawandelgefahr in der Heimat? Reichen ein paar kürzliche Taifune oder muss man per wissenschaftlichem Gutachten belegen, dass die Taifunhäufigkeit heute deutlich höher ist als während der vergangenen 3000 Jahre? Reicht ein abbröckelndes Kliff, eine sich verlagernde Sandinsel? Bekommt ein von Dürre geplagter Landwirt Ostafrikas umgehend die deutschen Einbürgerungspapiere zugeschickt, oder muss er zunächst darlegen, dass seine Vorfahren der letzten 20 Generationen stets Regen in ausreichender Menge zum Feldanbau zur Verfügung hatten? Hier öffnet sich ein weites Betätigungsfeld für Klimaeinbürgerungsklagen, wovon sowohl Juristen wie auch zukünftige Gerichtsklimatologen profitieren würden. Generell würde sich sogleich ganz Nordafrika zur Einbürgerung qualifizieren, denn Temperaturen von über 40°C im Sommer sind kaum auszuhalten, so dass einer pauschalen Einbürgerung im kühlen Norden nichts mehr im Wege stehen sollte.

 

Deutschland hat kein Hitzeproblem – sondern ein Hysterieproblem

Die Hitzewelle ist in den meisten Teilen Deutschlands jetzt erstmal abgehakt. Es war ein wahres Fest für alle Aktivisten. Bei allem Warnen, Drohen und Qungeln vergaßen sie doch glatt, dass Klima das durchschnittliche Wetter von 30 Jahren ist. Das war nun plötzlich ganz egal. Es war heiß, da wollte man sich mit diesem dummen Ballast nicht mehr abgeben: Die Hitze sei ein Vorbote der Hölle, in die alle Klimaalarm-Ungläubigen schnellstmöglich gelangen, wenn sie nicht die Forderungen der Klima-Gottheiten umgehend erfüllen. Sonst drohe der Weltuntergang. Zum Glück gab es in der Berichterstattung auch wenige Ausnahmen.

Zum eine wäre da Jörg Kachelmann am 3. August 2018 bei den t-online-Nachrichten:

Kachelmanns Donnerwetter: Kein Sommermärchen

Deutschland hat Angst vorm Klimawandel – und vor Ventilatoren. Während im Winter die nächste Klimakatastrophe droht, tut die Regierung nichts. Weil sie die vielen “Dummen” nicht verprellen will.    

Manchmal bestimmt Mesut Özil nicht nur die Medienagenda für ein paar Tage, sondern für einen Sommer. Natürlich nicht er alleine, sondern “Die Mannschaft”. Man kann das wunderbar vergleichen mit 2006. Damals war der Juli noch mal zwei Grad wärmer als der Juli 2018, also noch mal 50 Prozent weiter über dem Durchschnitt, aber das, was de facto viel schlimmer war als heute, war damals keine böse Hitzewelle, die alles kaputtmachte, sondern ein WM-Sommertraum oder meist das legendäre “Sommermärchen”.

Weiterlesen bei den t-online-Nachrichten:

Der zweite Lichtblick zum Thema stammt von Torsten Krauel, der am 8. August 2018 in der Welt schrieb:

Deutschland hat kein Hitzeproblem – sondern ein Hysterieproblem

Sahara-Sommer? Esst vegan, oder es kommt der Weltuntergang? Von wegen. Heiße Sommer hat es viele gegeben, regnerisch-kühle genauso. Deutschland hat kein Hitzeproblem, das zeigt ein Blick in die Vergangenheit.

Deutscher Saharasommer 2018! Glühende Landschaften! Wer so etwa schreibt, war nie in der Sahara. 36 Grad bei nur 55 oder 60 Prozent Luftfeuchtigkeit? Das wäre in etlichen Weltregionen ein angenehm trockener Erholungstag. Um die 40 Grad bei 95 Prozent Luftfeuchte sind in weiten Teilen Chinas die Regel.

Weiterlesen in der Welt

Danke Herr Kachelmann, Danke Herr Krauel. Sie sprechen das aus, was viele nur insgeheim denken. Es ist wichtig, dass man in dieser politisierten Materie mitdenkt und sein Meinung kundtut, ansonsten glaubt die Alarmfraktion, die Nation prächtig geleimt zu haben.

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Nachtrag 13. August 2018:

Zwischenzeitlich ist eine weitere realistische Stimme zur Hitzewelle dazugekommen. Axel Bojanowski schrieb auf Spiegel Online am 11. August 2018:

Klimastreit im Dürresommer: Überhitzt

Waldbrände, Dürre, Hitze – ist die Klimakatastrophe bereits angekommen? Zeit für eine kühle Inspektion.

Forscher sehen es als Ehre, von der Akademie der Wissenschaften der USA eingeladen zu werden, einen Aufsatz im hauseigenen Magazin “PNAS” zu verfassen. In einer sogenannten Perspective dürfen sie den Forschungsstand ihres Gebietes darstellen, ganz aus ihrer eigenen Perspektive. Diese Woche sorgte solch ein Aufsatz für Schlagzeilen. Der Beitrag war von “PNAS” ungewöhnlich schnell publiziert worden, schon 17 Tage nach Eingang in der Redaktion, normalerweise vergehen Monate bis zur Veröffentlichung. Eine Heißzeit stehe womöglich bevor, aus der es kein Zurück mehr gebe, zitierten Medien weltweit aus dem Essay, auch SPIEGEL ONLINE. Neue Erkenntnisse brachten die Autoren zwar nicht, es handelte sich um bekannte Spekulationen über sogenannte Kipppunkte des Klimas. Das heiße Zeitalter drohe zwar erst in Jahrtausenden. Gleichwohl könnte bereits eine Erwärmung in den kommenden Jahrzehnten den Weg in die Heißzeit unwiderruflich bahnen, argumentieren die Autoren.

Weiterlesen auf Spiegel Online

 

 

Gutachtersystem unterhöhlt: Hans-Joachim Schellnhuber wählt die Prüfer einfach selber aus

Man muss schon fast Mitleid mit den Klimalarm-Multiplikatoren haben. Da schickt Ihnen der Himmel diese schöne Hitzewelle und sofort bauen sie darauf die abenteuerlichsten Dinge. Mit hochverzweifelten Phasen beklagt man sich “Es passiert nichts, nichts, nichts“. Es wird geheult und gedroht, die Hitzewelle würde ab nun zum Normalzustand, wenn man nicht ganz schnell alle Forderungen erfüllt. Ist verbale Hitzefolter eigentlich erlaubt? Das PIK fährt Überstunden und kramt aus der Klamottenkiste die verstaubten Kipppunkte heraus, die aber auch beim gefühlt 18. Versuch niemanden so richtig überzeugen. Wieder droht man, der Planet hätte möglicherweise bereits eine kritische Grenze überschritten.

Vieles deutet daraufhin, dass die PIK-Kommunikationsabteilung hier sauber vorgeplant hat. Die sechzehnköpfige Autorenschar wird vom neuen (Rockström, fast vorne) und alten PIK-Chef (Schellnhuber, ganz hinten) eingerahmt. So macht es auch Donald Trump, der bei Fernsehansprachen für die TV-Kameras das Volk um sich herum aufbaut. Sieht einfach besser aus. Erschienen ist das Paper in Schellhubers Lieblingszeitschrift, PNAS.

Genau, da war doch mal was: Mysteriöse Häufung von Schellnhubers Veröffentlichungen in Zeitschrift der National Academy of Science: Wussten Sie, dass Mitglieder ihre PNAS-Gutachter selber auswählen dürfen?. Unser Blogartikel zu diesem schier unglaublichen PNAS-Begutachtungsverfahren ist nun 4 Jahre alt (von 2014). Da wird sich doch sicherlich mittlerweile etwas getan haben, denn eine Auswahl der Gutachter durch die Autoren öffnet fragwürdigen Gutachterseilschaften Tür und Tor. Schauen wir also auf die aktuelle (August 2018) PNAS-Webseite und prüfen, ob das “Contributed Papers”-Verfahren immer noch zur Verfügung steht. Zur Erinnerung: Hans-Joachim Schellnhuber ist laut Onlinedatenbank immer noch PNAS-Mitglied und könnte daher ohne Probleme seine Lieblingsgutachter aus der befreundeten Alarmecke benennen.

Und in der Tat scheint es die Seilschaften-Option noch zu geben, wie das PNAS-Author-Center auch heute noch (Zugriff 9.8.2018) erklärt (Abb. 1):

Abb. 1: Erläuterungen der PNAS-Einreichungsoptionen. Quelle: PNAS-Webseite, Zugriff 9.8.2018.

 

Der Sprengstoff liegt genau hier:

Members select their own reviewers.

Kann man nun herausfinden, welchen Einreichungsweg das aktuelle PIK-Paper (Steffen et al. 2018) bei PNAS genommen hat? Ja kann man, denn auf dem pdf des Papers steht es am unteren Ende der Seite: In diesem Fall war es zum Glück eine ‘Direct Submission’. Das Journal hat die Reviewer für dieses Paper wohl selber ausgesucht. Trotzdem wollen wir es genau wissen. In wievielen Fällen hat Schellnhuber nun wirklich den PNAS-Joker ausgespielt und seine wissenschaftlichen Schiedsrichter selber benannt? Die Wahrheit ist erschreckend. Seit 2009 zählen wir gleich 16 Papers, die als Rechtsüberholer an den Konkurrenten vorbeigezogen sind. Eigentlich ein wissenschaftlicher Supergau. In manchen Jahren hat Schellnhuber das Kontingent von 4 “Contributed Papers” voll ausgeschöpft. Mehr geht nicht. Hier eine Übersicht der “Contributed Papers” von Schellnhuber seit 2009:

Fan et al. 2017: Network analysis reveals strongly localized impacts of El Niño
Autoren: Jingfang Fan, Jun Meng, Yosef Ashkenazy, Shlomo Havlin, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Dirk Helbing und Yochanan Kushnir
Kushnir ist beim PIK kein Unbekannter. Er trug zum IPCC AR5-Bericht zu Kapitel 12 bei. Seine ebenfalls zutragenden Kollegen: Die PIKler und ehemaligen PIKler Stefan Rahmstorf, Kirsten Zickfeld und Malte Meinshausen. pdf hier.

Ludescher et al. 2017: Statistical significance of seasonal warming/cooling trends
Autoren: Josef Ludescher, Armin Bunde, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Valerie Livina und Igor M. Sokolov
Sokolov arbeitet an der Berliner Humboldt Uni, einen Steinwurf von Potsdam entfernt. Ob man sich wohl kennt?

Schleussner et al. 2016: Armed-conflict risks enhanced by climate-related disasters in ethnically fractionalized countries
Autoren: Carl-Friedrich Schleussner, Jonathan F. Donges, Reik V. Donner, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Yoshito Hirata und Jürgen Scheffran
Jürgen Scheffran ist laut Wikipedia ein alter PIKler: “Von 2001 bis 2004 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), tätig in den Arbeitsbereichen Global Change and Social Systems sowie Integrated Systems Analysis.” Schellnhuber war Mitgründer des PIK 1992, muss also zwischendurch auch Scheffrans Chef gewesen sein.

Levermann et al. 2016: Abrupt monsoon transitions as seen in paleorecords can be explained by moisture-advection feedback
Autoren: Anders Levermann, Vladimir Petoukhov, Jacob Schewe, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt
Hier gibt es keinen Hinweis darauf, dass es sich um eine “Direct Submission” handelt. Vermutlich ist es daher ein “Contributed Paper”.

Petoukhov et al. 2016: Role of quasiresonant planetary wave dynamics in recent boreal spring-to-autumn extreme events
Autoren: Vladimir Petoukhov, Stefan Petri, Stefan Rahmstorf, Dim Coumou, Kai Kornhuber, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Rasmus E. Benestad and David Karoly
Benestadt ist Hardcore-Aktivist und Mitautor des Aktivisten-Blogs Real Climate. Karoly ist IPCC-Autor und entschiedener Gegner des Hockeystick-Jägers und Aufklärers Steve McIntyre.

Yu et al. 2016: System crash as dynamics of complex networks
Autoren: Yi Yu, Gaoxi Xiao, Jie Zhou, Yubo Wang, Zhen Wang, Jürgen Kurths, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Ying-Cheng Lai and Matjaz Perc
Perc hat eine ganze Reihe von gemeinsamen Papers mit Zhen Wang, einem Co-Autor des von ihm begutachteten Schellnhuber-Papers. Es drängt sich der Verdacht auf, dass sich hier gut miteinander bekannte Kollegen mit einem Freundschaftsgutachten ausgeholfen haben.

Li et al. 2014: Chaos–order transition in foraging behavior of ants
Autoren: Lixiang Li, Haipeng Peng, Jürgen Kurths, Yixian Yang, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Rogelj et al. 2014: Disentangling the effects of CO2 and short-lived climate forcer mitigation
Autoren: Joeri Rogelj, Michiel Schaeffer, Malte Meinshausen, Drew T. Shindell, William Hare, Zbigniew Klimont, Guus J. M. Velders, Markus Amann, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt.
Etliche der Co-Autoren stammen aus dem Greenpeace-Umfeld. Trotzdem heißt es im Paper offiziell: “The authors declare no conflict of interest.” Wie geht das?

Coumou et al. 2014: Quasi-resonant circulation regimes and hemispheric synchronization of extreme weather in boreal summer
Autoren: Dim Coumou, Vladimir Petoukhov, Stefan Rahmstorf, Stefan Petri, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Dangerman & Schellnhuber 2013Energy systems transformation
Autoren: A. T. C. Jérôme Dangerman und Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Ludescher et al. 2013: Improved El Niño forecasting by cooperativity detection
Autoren: Josef Ludescher, Avi Gozolchiani, Mikhail I. Bogachev, Armin Bunde, Shlomo Havlin, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Petoukhov et al. 2013: Quasiresonant amplification of planetary waves and recent Northern Hemisphere weather extremes
Autoren: Vladimir Petoukhov, Stefan Rahmstorf, Stefan Petri, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Donges et al. 2011: Nonlinear detection of paleoclimate-variability transitions possibly related to human evolution
Autoren: Jonathan F. Donges, Reik V. Donner, Martin H. Trauth, Norbert Marwan, Hans-Joachim Schellnhuber, and Jürgen Kurths
Gutachter: Unbekannt

Schellnhuber 2011: Geoengineering: The good, the MAD, and the sensible
Autor: Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Wu et al. 2010: Evidence for a bimodal distribution in human communication
Autoren: Ye Wu, Changsong Zhou, Jinghua Xiao, Jürgen Kurths, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Hofmann & Schellnhuber 2009: Oceanic acidification affects marine carbon pump and triggers extended marine oxygen holes
Autoren: Matthias Hofmann and Hans-Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

 

Wer wohl die unbekannten Gutachter waren? Selbst nach unserem Blogbericht über das Problem 2014 sah Schellnhuber offenbar keine Veranlassung dazu, seine fragwürdige PNAS-Einreichungsserie zu beenden. Vor kurzem gab es einen Aufschrei in der deutschen Presse über das Unwesen von ‘Predatory Journals’. Drängen sich die auffälligen PNAS-Serienveröffentlichungen eines des bekanntesten deutschen Klimawissenschaftlers nicht ebenfalls als Thema geradezu auf?

 

Gletscher-JoJo in Nord- und Südamerika

Die Gletscher des Mt. Baker im US-Bundesstaat Washington schrumpfen derzeit. Das haben sie aber auch schon 1915-1950 getan. Davor und danach sind die Gletscher gewachsen. Die aktuelle Schmelzphase begann dann um 1980 und dauert noch an. Das lustige Gletscher-Jojo hat der US-Gletscherforscher Don Easterbrook eindrucksvoll auf WUWT beschrieben. Besonders interesant: Um 1950 waren die Gletscher sogar noch kürzer als heute:

Abb. 1: Positionen der Coleman and Roosevelt Gletscherfronten in 2014 (blau) und 1952 (grün). Quelle: Easterbrook 2015, WUWT.

 

Die University of Fairbanks fand heraus, dass auch ganz andere Faktoren als die Temperatur eine Rolle spielen, speziell bei im Meer mündenden Gletschern. Dort können Gletscherrückzüge auch durch sich verschiebende Sedimente verursacht werden. Andere Forscher der Alaska-Gletscher zeigen sich klimahistorisch eher kurzsichtig, da sie ihre Vergleiche in der Kleinen Eiszeit beginnen, anstatt bis zur letzten natürlichen Warmphase vor 1000 Jahren zurückzugehen. Interessant ist zudem dass die Gletscher Alaskas offenbar mehr als die Hälfte ihrer Masse bereits vor 1950 verloren hatten, als der menschliche Einfluss auf das Klima noch sehr gering war. Ähnlich sieht es wohl im Yosemite-Park aus, wie Thomas Richard beschrieb.

Stansell et al. 2015 beschrieben oszillierende Gletscher in den peruanischen Anden:

Late Glacial and Holocene glacier fluctuations at Nevado Huaguruncho in the Eastern Cordillera of the Peruvian Andes
Discerning the timing and pattern of late Quaternary glacier variability in the tropical Andes is important for our understanding of global climate change. Terrestrial cosmogenic nuclide (TCN) ages (48) on moraines and radiocarbon-dated clastic sediment records from a moraine-dammed lake at Nevado Huaguruncho, Peru, document the waxing and waning of alpine glaciers in the Eastern Cordillera during the past ∼15 k.y. The integrated moraine and lake records indicate that ice advanced at 14.1 ± 0.4 ka, during the first half of the Antarctic Cold Reversal, and began retreating by 13.7 ± 0.4 ka. Ice retreated and paraglacial sedimentation declined until ca. 12 ka, when proxy indicators of glacigenic sediment increased sharply, heralding an ice advance that culminated in multiple moraine positions from 11.6 ± 0.2 ka to 10.3 ± 0.2 ka. Proxy indicators of glacigenic sediment input suggest oscillating ice extents from ca. 10 to 4 ka, and somewhat more extensive ice cover from 4 to 2 ka, followed by ice retreat. The lack of TCN ages from these intervals suggests that glaciers were less extensive than during the late Holocene. A final Holocene advance occurred during the Little Ice Age (LIA, ca. 0.4 to 0.2 ka) under colder and wetter conditions as documented in regional proxy archives. The pattern of glacier variability at Huaguruncho during the Late Glacial and Holocene is similar to the pattern of tropical Atlantic sea-surface temperatures, and provides evidence that prior to the LIA, ice extent in the eastern tropical Andes was decoupled from temperatures in the high-latitude North Atlantic.

 

Georg Forster über Winterschnee und Sommerhitze: Natur im ständigen Wechsel

“Wer über diesen Kreislauf der Begebenheiten unmuthig werden kann, der klage über Winterschnee und Sommerhitze, oder über den Wechsel der Nacht mit dem Tage; er klage über alles in der ganzen Natur, was dem Wechsel unterworfen ist, und – vergesse, daß nur durch diesen unaufhörlichen Wechsel alles besteht. Die relative Moralität gewinnt freylich nicht immer durch die Entwicklung der Fähigkeiten; dieselbe Sonne, die das Wachs erweicht und schmelzt, härtet hingegen den Thon. Wenn aber jemand darum lieber die Sonne ganz entbehren möchte, so dürften wir aus mehr als einem Grunde vermuthen, daß er vielleicht für jede andre Welt, nur nicht für diese wirkliche, geschaffen sey. Daher eilt das Zeitalter auf seiner Bahn weiter, ohne auf die Wehklage eines Hypochondristen zu hören, der von solchen Hirngespinsten ausgeht, und das Menschengeschlecht nach Idealen mißt.”

Georg Forster (1754-1794)
Aus: Über James Cook und andere Essays – Kapitel 1

 

Westkanadische Gletscher waren vor wenigen Jahrtausenden kürzer als heute

Im westlichen Kanada gaben die schmelzenden Gletscher jetzt Baumstümpfe, Humusboden, Pflanzenreste, Karibu-Exkremente und menschliche Artefakte frei, die ein Alter von einigen tausend Jahren haben. Dies zeigt, dass die Gletscher während des Mittelholozäns zur Zeit des holozänen Klimaoptimums dort bereits einmal kürzer waren als heute. Abstract von Koch et al. 2014:

Alpine glaciers and permanent ice and snow patches in western Canada approach their smallest sizes since the mid-Holocene, consistent with global trends
Most alpine glaciers in the Northern Hemisphere reached their maximum extents of the Holocene between ad 1600 and 1850. Since the late 1800s, however, glaciers have thinned and retreated, mainly because of atmospheric warming. Glacier retreat in western Canada and other regions is exposing subfossil tree stumps, soils and plant detritus that, until recently, were beneath tens to hundreds of metres of ice. In addition, human artefacts and caribou dung are emerging from permanent snow patches many thousands of years after they were entombed. Dating of these materials indicates that many of these glaciers and snow patches are smaller today than at any time in the past several thousand years. This evidence, in turn, suggests that glacier recession in the 20th century is unprecedented during the past several millennia and that glaciers in western Canada have reached minimum extents only 150–300 years after they achieved their maximum Holocene extents.

Wie ein Jojo expandierten und schrumpften die Gletscher während der letzten 10.000 Jahre, wie eine Studie aus Britsh Columbia von Mood & Smith 2015a zeigt:

Latest Pleistocene and Holocene behaviour of Franklin Glacier, Mt. Waddington area, British Columbia Coast Mountains, Canada
Franklin Glacier is an 18-km-long valley glacier that originates in a broad icefield below the west face of Mt. Waddington in the central British Columbia Coast Mountains, Canada. Radiocarbon-dated wood samples from the proximal faces of lateral moraines flanking Franklin Glacier show that the glacier expanded at least nine times since 13,000 cal. yr BP. A probable Younger Dryas advance of Franklin Glacier at 12,910–12,690 cal. yr BP followed the late glacial retreat and down wasting of the Cordilleran Ice Sheet from ca. 16,000 to 12,900 cal. yr BP. During the succeeding early Holocene warm period, Franklin Glacier appears to have retreated significantly, leaving no record of glacial expansion until the mid-Holocene when it repeatedly advanced at 6360–6280, 5470–5280 and 4770–4580 cal. yr BP. Down wasting of the glacier surface after ca. 4770–4580 cal. yr BP was followed by intervals of expansion at 4260–4080, 3210–3020 and 2620–2380 cal. yr BP. Following ice expansion at ca. 2620–2380 cal. yr BP into trees over 224 years in age, there is no record of the glacier activity until 1570–1480 cal. yr BP when Franklin Glacier thickened and advanced into young subalpine fir trees. During the ‘Little Ice Age’, advances at 800–680, 610–560 and 570–510 cal. yr BP preceded a mid-19th to early 20th century advance that saw Franklin Glacier attain its maximum Holocene extent. The dendroglaciological record at Franklin Glacier is among the most comprehensive recovered from the British Columbia Coast Mountains and showcases the complexity of mid- to late Holocene glacier expansion in the region.

Passend dazu ein weiterer Artikel von Mood & Smith 2015b:

Holocene glacier activity in the British Columbia Coast Mountains, Canada
The Coast Mountains flank the Pacific Ocean in western British Columbia, Canada. Subdivided into the southern Pacific Ranges, central Kitimat Ranges and northern Boundary Ranges, the majority of large glaciers and icefields are located in the Boundary and Pacific ranges. Prior descriptions of the Holocene glacial history of this region indicate the Holocene was characterized by repeated episodes of ice expansion and retreat. Recent site-specific investigations augment our understanding of the regional character and duration of these events. In this paper, previously reported and new radiocarbon evidence is integrated to provide an updated regional assessment. The earliest evidence of glacier expansion in the Coast Mountains comes from the Boundary Ranges at 8.9 and 7.8 ka and in the Pacific Ranges at 8.5–8.2 ka, with the latter advance corresponding to an interval of rapid, global climate deterioration. Although generally warm and dry climates from 7.3 to 5.3 ka likely limited the size of glaciers in the region, there is radiocarbon evidence for advances over the interval from 7.3 to 6.0 and at 5.4–5.3 ka in the Pacific Ranges. Following these advances, glaciers in the Pacific Ranges expanded down valley at 4.8–4.6, 4.4–4.0, 3.5–2.6, 1.4–1.2, and 0.8–0.4 ka, while glaciers in Boundary Ranges were advancing at 4.1–4.0, 3.7–3.4, 3.1–2.8, 2.3, 1.7–1.1, and 0.8–0.4 ka. After 0.4 ka, it appears that most glaciers in the Coast Mountains continued to expand to attain their maximum Holocene extents by the early 18th to late 19th centuries. This enhanced record of Holocene glacier activity highlights the temporal synchrony in the Coast Mountains. Individual expansion events in the mid-to late Holocene broadly correspond to intervals of regional glacier activity reported in the Canadian Rocky Mountains, in Alaska, and on high-elevation volcanic peaks in Washington State.

Auch Kanada hat Probleme mit Klimaleugnern. Ein ganz besonders großer Leugner ist der Hubbard Glacier im Yukon, der sich trotz Klimawandels weiter ausdehnt. Hat er das Memo vielleicht nicht erhalten? CBC News von 2015:

Hubbard Glacier defies climate change, continues advancing
A Yukon glacier is slowly advancing towards an Alaskan river, setting the stage for an awesome collision of natural forces. If the glacier that originates near Mount Logan in the Yukon continues advancing at its current rate, it could block access to a fiord in Alaska and “strongly impact” the nearby ecosystem. New research from the University of Kansas suggests the Hubbard Glacier could permanently dam the entrance to Russell Fiord, on the Gulf of Alaska, within 25 years.

Weiterlesen in den CBC News. Siehe auch Beitrag auf WUWT.