Chinesischer Meteorologischer Dienst: Extremwetter in China noch immer im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite

Alles was extrem ist, ist interessant. Und in die Zeitung kommt normalerweise nur, was interessant ist. Aus diesem Grund konnte man in deutschen Zeitungen leider auch nichts über eine neue Studie des Chinesischen Meteorologischen Dienstes lesen, die von Guoyu Ren geleitet wurde und im September 2012 in der Fachzeitschrift Advances in Atmospheric Sciences erschienen ist. Tenor der Arbeit ist: Ja, das Klima in China hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt, aber alle Parameter befinden sich noch voll und ganz im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite, wie historische Klimadatenreihen eindrucksvoll belegen.

So wie in fast allen Teilen der Erde ist es auch in China in den letzten 150 Jahren um knapp ein Grad wärmer geworden. Allerdings geht nach Ansicht der chinesischen Autoren mehr als ein Viertel der Erwärmung im Lande auf den Städtischen Wärmeinseleffekt zurück. Und ja, die Temperaturen der letzten paar Jahrzehnte waren höher als irgendwann zuvor während der letzten 500 Jahren. Aber: Damals herrschte die Kleine Eiszeit, also hätte alles andere auch arg überrascht (siehe unseren kürzlichen Blogbeitrag “Neue chinesische Temperaturkurve der letzten zwei Jahrtausende überrascht: Es war bereits mehrfach wärmer als heute“). Guoyu Ren und Kollegen wissen natürlich, dass ein Temperaturvergleich nur Sinn macht, wenn man hierzu die Werte der vorangegangenen Mittelalterlichen Wärmeperiode heranzieht. Und genau dies tun die nüchternen Chinesen auch. Sie scheuen sich nicht, in der Arbeit herauszustellen, dass eben dieses Wärmeniveau aus der Zeit von 1000-1300 n. Chr. heute noch immer nicht übertroffen geschweige denn erreicht worden ist.

Signifikante Trends in den Niederschlägen Chinas konnten die Wissenschaftler für die letzten 100 Jahre nicht feststellen. Die Häufigkeit von Dürren und Überflutungen im 20. Jahrhundert entspricht etwa dem Durchschnitt der letzten 2000 Jahre. Anlandende tropische Wirbelstürme sind etwas seltener geworden, während die Anzahl von Sand- und Staubstürmen in den letzten Jahrzehnten sogar signifikant abgenommen hat.

Schade. In China entwickelt sich also alles im Normalbereich. Sehr langweilig. Klar, dass da niemand drüber berichten will, außer dem Kalte-Sonne-Blog vielleicht. Die deutsche Medienwelt kann von Glück sagen, dass es das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) gibt, das in zuverlässiger Weise Weltuntergangsszenarien produziert. Das wollen die Leute lesen, nicht dieses “alles schonmal dagewesen”-Gedönse. Liebe Chinesen, machte es doch einfach wie Eure Kollegen in Potsdam, dann seit Ihr auch öfter in der Zeitung!