The Economist: CO2-Einfluss auf das Klima wohl geringer als bislang angenommen

Der Economist, bislang in seiner Berichterstattung eher die IPCC-Thesen unterstützend, kommt in seiner neuesten Ausgabe  zum Ergebnis, dass dem CO2 wohl ein geringerer Einfluss auf das Klimageschehen zuzumessen ist, als bislang angenommen. Der Economist schreibt:

In den letzten 15 Jahren stagnierten die Lufttemperaturen auf der Erdoberfläche, während die Treibhausgasemissionen weiter in die Höhe schnellten. Zwischen 2000 und 2010 fügte die Welt ungefähr 100 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre hinzu. Das ist rund ein Viertel des gesamten CO2, das die Menschheit seit 1750 ausgestoßen hat. Und trotzdem  ‘bewegte sich der fünf-Jahresmittelwert der globalen Temperatur der letzten Dekade auf einem Plateau’ wie James Hansen, Leiter des  NASA’s Goddard Institute for Space Studies, feststellte. [...] Die Diskrepanz zwischen steigenden Treibhausgasemissionen und nicht-steigenden Temperaturen ist zur Zeit eines der größten Rätsel der Klimawissenschaft.“

Der Schlüsselbegriff der Klimawissenschaft ist die Klimasensitivität des CO2. Sie ist definiert als der Temperaturanstieg bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration. Der Economist weist richtigerweise daraufhin, dass

“für eine Verdoppelung des CO2-Gehalts  mit einer Erwärmung von 1°C zu rechnen ist. Ein Anstieg der Konzentrationen von einem vorindustriellen Niveau von 280 parts per million (ppm) auf 560 ppm würde daher die Erde um 1°C erwärmen. Falls das alles wäre, gäbe es keinen Anlaß zur Besorgnis. Ein Anstieg um 1°C könnten wir gelassen hinnehmen.“

Auf diesen Sachverhalt haben wir in unserem Buch „Die kalte Sonne“ (S. 168 ff.) hingewiesen. Allein durch vermutete Verstärkungseffekte, insbesondere durch eine gekoppelte steigende Wasserdampfkonzentration, wird der Wert von 1 °C jedoch in den Computermodellen des IPCC auf 2,0 bis 4,5 °C hochgehebelt, ein sensibles Thema, das in den Medien bislang kaum thematisiert worden ist. Der Economist tut nun genau dies, offensichtlich ausgelöst durch die unerwartete Temperaturentwicklung der letzten 15 Jahre, deren Verlauf signifikant von den Prognosen sämtlicher Modelle abweicht. Der Economist beruft sich dabei unter anderem auf “einen bisher unveröffentlichten Bericht des staatlich finanzierten Research Council of Norway (siehe unseren Blogbeitrag “Die Lawine rollt weiter: Norwegische Forschungsbehörde geht von einer stark reduzierten Klimawirkung des CO2 aus“). Der Bericht wurde durch ein Team unter Leitung von Terje Berntsen von der Universität Oslo erstellt, wobei die Gruppe eine andere Methode als der IPCC angewandt hatte. Die Untersuchung kommt zum Ergebnis, dass „mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% die Verdoppelung der CO2-Emissionen die Temperaturen nur um 1,2-2,9°C ansteigen lässt, mit dem wahrscheinlichsten Ergebnis  von 1,9°C.“

Der Economist zitiert weitere Studien, die in die gleiche Richtung zielen. Etwa die von Julia Hargreaves vom Research Institute for Global Change in Yokohama, die einen mittleren Wert von  2,3°C ermittelt. Oder aber  Nic Lewis, ein unabhängiger Klimawissenschaftler mit einem mittleren Wert von 1,6° C. Er führte Berechnungen durch, auf die sich der IPCC stützte, und berücksichtigte die neueren Temperaturdaten (zum Vergleich die Sensitivität in „Die kalte Sonne“: 1,0 bis 1,5 °C). Falls diese Ergebnisse zutreffen, so der Economist, wäre die Anpassung an die Temperaturänderung die richtigere  Politik als die kompromisslose Bekämpfung des CO2 (“Es gibt keinen Grund für eine Erdbebenversicherung, falls man nicht in einer Erdbebenzone lebt“).

Der Economist weist weiter daraufhin, dass der kühlende Effekt der Aerosole in den IPCC-Berichten zu hoch angesetzt worden ist, denn neuere Daten zeigen, dass der kühlende Effekt der Aerosole um 40% geringer ausfällt als bisher vermutet („Die kalte Sonne“ S. 175). Zudem ist der erwärmende Effekt von Ruß nach neueren Forschungsergebnissen um 50% höher. All dies geht zu Lasten der Klimasensitivität des CO2 („Die kalte Sonne“ S. 179ff.).

Auch der Economist kommt zum Ergebnis, dass natürliche Zyklen bislang viel zu sehr unterschätzt worden sind. Er bezieht sich auf eine Veröffentlichung von Ka-Kit Tung and Jiansong Zhou in den Proceedings of the National Academy of Sciences, in der die Temperaturveränderung seit 1750 mit natürlichen Zyklen in Verbindung gebracht werden, z.B. mit ozeanischen Zyklen wie der Atlantisch Multidekadischen Oszillation, AMO). Die Forscher geben zu Protokoll, dass “der anthropogene globale Erwärmumgstrend um einen Faktor 2 in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überschätzt sein mag” (siehe unseren Blogbeitrag “Neues Paper halbiert die anthropogene Erwärmungsrate der letzten 50 Jahre“).

Der Economist schlußfolgert, dass es daher möglich ist, dass sowohl der Anstieg der Temperaturen in den 90er Jahren und die Abflachung in den letzten 15 Jahren teilweise durch diese natürliche Variabilität erzeugt worden ist. Natürliche Variabilität, das sind ozeanische dekadische Oszillationen und der in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts ansteigende und seit 2000 wieder zurückgehende Einfluß der Sonne. Genauso lautete der Klappentext unseres Buches „Die kalte Sonne“. Eine Aussage, die von den mainstream-Wissenschaftlern und dem überwiegenden Teil der Medien bei Veröffentlichung des Buches im Februar 2012 noch aufs Schärfste zurückgewiesen worden ist. Wann lesen wir in der Süddeutschen Zeitung oder etwa in der Zeit eine Analyse wie jene im Economist, die den neueren Erkenntnissen der Klimaforschung Rechnung trägt?